Nicht nur Globetrotter stellen sich die Frage, ab wann die Kleinen so weit sind, um das Hobby der Eltern zu teilen. Auch Familien, die „nur“ ein bis zweimal im Jahr einen Urlaub antreten, sind sich unsicher, ob Reisen gut für die Entwicklung von Kindern sind.

Ferne Ziele, bei denen mehrere Zeitzonen überschritten werden oder exotische Länder mit scharfem Essen, machen so manchem gesunden Erwachsenen zu schaffen. Wie viele Risiken birgt das erst für Kinder?

Was Jetlag auf Langstreckenflügen betrifft sind Kinder im Vorteil, denn ihre Innere Uhr ist noch nicht so ausgeprägt, wie die von Erwachsenen. Jetlag stecken Kleinkinder erstaunlich gut weg und ein bisschen nachhelfen kann man mit günstiger Flugplanung. Tagesflüge gegen Westen und Nachtflüge nach Osten. Mit dem Schlaf im Flugzeug überlistet man ein wenig die Gewohnheiten und ist am Ankunftsort zur richtigen Zeit entweder ausgeruht oder müde.

Reisen bedeutet Wertschätzung

James Oliver, britischer Anthropologe und Kinderpsychologe, vertritt die Ansicht, dass Reisen sogar die besseren Geschenke darstellen, als Spielzeug. Dabei geht es nicht so sehr um den materiellen Aspekt, sondern um die gemeinsame Familienzeit, die Kindern sehr viel bedeutet. Berücksichtigen sollte man dabei, dass Kinder nicht allzu sehr an Kultur und Sightseeing interessiert sind, dafür aber kuriose Entdeckungen lieben, wenn ihnen die Unterschiede zur Heimat auffallen.

Bildungserfahrungen

Ein noch sehr junges Forschungsgebiet, dem sich Dr. Bernadette Bernasconi, Erziehungswissenschaftlerin an der Uni Köln verschrieben hat, beschäftigt sich mit dem Thema, wie sich Reisen auf die Bildung – insbesondere von Kindern – auswirkt.

Im Alltag erleben Kinder feste Strukturen und entwickeln auf diese Weise bestimmte Denkmuster und Verhaltensweisen. In fernen Ländern entdecken sie sehr schnell, dass es Unterschiede zur Heimat gibt und vor allem, dass Zeiten und Umgangsweisen etwas lockerer sind und der Tagesablauf keinen festen Vorgaben folgt. Zudem sind Kinder sehr gut im Beobachten und Verknüpfen, weshalb sie die neuen Eindrücke sehr schnell in ihre Denkmuster integrieren und neu einordnen.

Durch die gelassenere Art der Eltern, entdecken sie spielerisch die neue Umgebung – und davon profitiert der Bildungsprozess: Kinder lernen so aus einem inneren eigenen Impuls – ihre natürliche Neugierde ist geweckt und sie speichern Dinge ganz beiläufig. Wenn Kinder auf Unterschiede treffen, diese neu bewerten und einordnen, ist das nach wissenschaftlichen Erkenntnissen als Bildungsprozess zu werten. Nicht nur, dass Kinder Wörter einer fremden Sprache schnell nachsprechen und ihre Bedeutung verstehen – sie erfassen grundsätzlich die Wahrnehmung sprachlich und das noch lange nach dem Urlaub.

Kinder kennen zudem keine Berührungsängste und sind von Natur aus neugierig. Lassen wir sie, nicht ohne eine gewisse Vorsicht, die neue Umgebung entdecken, prägt sich diese Erfahrung ein und reisende Kinder wachsen zu toleranten Erwachsenen heran.


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Torsten Esser

Torsten hat das Vollzeit-Papa-Diplom. Er hat einen kleinen Sohn und eine Stieftochter, die er liebt, als wäre es seine eigene. Darüber hinaus hat er acht Semester lang "Soziale Arbeit" studiert. Mit einer unübertroffenen Mischung aus Wissen und Bauchgefühl, ist er der geborene Autor für dieses Magazin. Und ganz nebenbei kümmert er sich als Gründer und Inhaber von 1-2-family.de um alle Belange des Magazins.

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