Alle Eltern kennen es – das geliebte – sonst so brave Kind, hat so richtig Mist gebaut, oder will seinen Kopf um alles in der Welt durchsetzen. Wie soll man reagieren? Wenn sich Situationen wiederholen, oder Gespräche nichts gebracht haben, müssen manchmal auch Konsequenzen folgen. Doch welche sind die Richtigen? Und wie stellt man es am besten an, ohne gleich mit der Strafkeule zu schwingen? Wir geben euch ein paar Tipps.

Mirko, vier Jahre alt, ist mit seiner Mutter auf dem Spielplatz. Mama Katja möchte nun langsam gehen, doch Mirko ist nicht zu bremsen. Sie hat ihn bereits mehrmals zu sich gerufen, doch er reagiert nicht. Nach langem hin und her, schnappt sich Katja ihren brüllenden und tretenden Sohn, und trägt ihn verzweifelt vom Spielplatz nach Hause.

Eine wirklich unangenehme Situation, die vielen Eltern genau so passieren kann. Niemand will (eigentlich) sein Kind durch die Stadt „schleppen“. Aber es kommt immer wieder mal vor, dass man kurzerhand überfordert ist. Und so werden Kinder mitunter durch Städte geschleppt.

Jedem ist klar, dass das nicht der richtige Weg sein kann. Der erste Schritt ist, sich seine Überforderung einzugestehen. Das ist keine Schande! Aber nur, wenn man sich vor Augen führt, dass es so nicht laufen sollte, geht man auf die Suche nach Alternativen. Und das machen wir hier nun gemeinsam.

Warum ist Konsequenz in der Erziehung wichtig?

Kinder brauchen in ihrem Alltag Regeln. Diese geben ihnen Sicherheit und einen klaren Weg. Doch wo Regeln sind, muss es auch Konsequenzen geben, wenn es zu bunt wird. Daher sind Konsequenzen im Familienalltag genauso wichtig, wie klare Regeln. Das Maß einer Konsequenz ist natürlich von der jeweiligen Situation abhängig. Konsequenzen schaden übrigens der Bindung zwischen Eltern und Kind nicht. Ganz im Gegenteil. Eltern, die eine konsequente Erziehung verfolgen, haben häufig eine sehr enge Bindung mit ihren Kindern – und umgekehrt.

Wichtig ist hier übrigens, den Begriff Konsequenzen nicht mit Strafen im eigentlichen Sinne zu verwechseln. Eine Konsequenz ist eher auf Aktion und Reaktion ausgerichtet. Wenn also auf dem Spielplatz der Nachhauseweg schwer fällt, sollten Absprachen getroffen werden. Die Gründe dafür sollten altersgerecht erklärt sein. Funktioniert es trotz Absprache weiterhin nicht, tritt eine ebenfalls abgesprochene Konsequenz in Kraft.

Das Maß der Dinge muss stimmen

Damit Kinder Konsequenzen verstehen und nachvollziehen können, sollten sie zeitnah ausgesprochen und ausgeführt werden. Wenn man erst Tage nach der jeweiligen Situation einhakt, zeigt sich keine Wirkung mehr. Kinder bringen es nicht mehr in Zusammenhang mit der zurück liegenden Auseinandersetzung. Außerdem sollten sich Konsequenzen immer mit dem Grund der auslösenden Situation decken. Das bedeutet zum Beispiel, dass die kleine Lisa, wenn sie heimlich Süßigkeiten genascht hat, am nächsten Tag keine Süßigkeiten bekommt. Kinder müssen den Zusammenhang zwischen der Auseinandersetzung und den Konsequenzen verstehen, damit sie eine Wirkung erzielen können.

Aber auch das Maß muss stimmen. Es reicht, wenn eine Konsequenz auf einen Auslöser folgt. Denn nicht die Härte oder das Ausmaß einer Konsequenz zählen, sondern einzig die Wirkung auf das Kind. Es macht also keinen Sinn, der kleinen Lisa eine ganze Woche die Süßigkeiten zu verwehren. Der Lerneffekt wäre nicht größer. Oftmals erreicht man mit Übermaß sogar das Gegenteil von dem, was man ursprünglich erreichen wollte. So wäre Lisa beim nächsten heimlichen Naschversuch einfach nur wesentlich vorsichtiger und aufmerksamer, damit sie nicht erwischt wird. So haben beide Seiten nichts gewonnen. Lisa hätte nichts gelernt, und ihre Eltern eine pädagogische Niederlage kassiert. Das richtige Maß ist also ungemein wichtig.

Konsequenzen dem Alter anpassen 

Die Reife eines Kindes spielt bei der Wahl der richtigen Konsequenz eine wichtige Rolle. Natürlich muss man bei einem 2-jährigen knuddeligen Trotzkopf anders reagieren, als bei einer Sechsjährigen, die partout mit dem Kopf durch die Wand will. Kinder unter Zwei, die Dinge tun, die sie nicht sollen, kann man beispielsweise einfach aus der Situation heraus holen, und deutlich Nein“ sagen. Bei einer Sechsjährigen reicht das oft nicht mehr aus.

Die Wahl einer Konsequenz kann von Kind zu Kind unterschiedlich ausfallen. Doch ist es in einer Familie ratsam, immer die gleichen und üblichen Konsequenzen folgen zu lassen, um Eifersucht und „Machtgefälle“ zwischen den Geschwistern zu vermeiden. Außerdem geben feste und klare Grenzen den Kindern einen Rahmen, in dem sie sich bewegen können.


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Ein schwieriger Weg: Konsequent sein und bleiben 

Erziehung ist für Eltern ein Stück harte Arbeit. Gerade beim Thema Konsequenzen stoßen viele Eltern an ihre Grenzen. Konsequenzen auszusprechen ist schnell passiert. Diese jedoch durchzusetzen ist weniger leicht. Dabei ist gerade das konsequente Handeln der wichtigste Aspekt in der Erziehung. Hat der kleine Mirko beispielsweise für morgen eine Spielplatz-Pause für sein Handeln erhalten – kann das Wetter noch so schön sein – man sollte möglichst nicht einknicken.

Und dabei geht es in erster Linie nicht um Strenge. Es geht dabei auch enorm um Vertrauen. Eltern, die relativ konsequent auf die Einhaltung von Regeln und Struktur achten, vielleicht ab und an (auf Ansage) liebevolle Ausnahmen machen, sind in den Augen ihrer Kinder auch Kompass und Schutzwall. Zumindest, wenn sie sich auch selber an ihre auferlegten Regeln halten. Denn es gibt kaum einen besseren und wichtigeren Rat, den man Eltern mit auf den Weg geben könnte, als genau das vorzuleben, was man seinen Kindern beibringen möchte.

Unfaire Konsequenzen stehen aus guten Gründen stark in Kritik

Aber bei der ganzen Diskussion um Konsequenzen in der Kindererziehung, sollte man am Ende nicht vergessen, dass eine Konsequenz niemals schlicht nur als „schnelle Lösung“ im Sinne des eigenen Nervenkostüms ausgepackt werden darf. Fühlen sich Kinder durch eine unfaire Konsequenz erpresst, ohne den Sinn zu verstehen, werden sie mit jedem Recht bockig reagieren. Vergesst also bitte nicht, dass eine Konsequenz immer nur das letzte Ende einer langen (erfolglosen) Kompromissfindung sein kann. Jedes Kind hat in jeder Situation Bedürfnisse, die ebenfalls erfüllt sein wollen. Sei es etwas ganz praktisches – oder das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit. Wenn man ein Bedürfnis mit einer Konsequenz einfach plump abwürgt, ohne vorher gemeinsam mit dem Kind nach Lösungen oder Alternativen gesucht zu haben, ist das ein echter Vertrauensbruch. Denn auch schon die Kleinsten sind meist in der Lage, mit einer guten Lösung oder Alternative zu leben.

All diese Dinge funktionieren natürlich (auf diese Weise) nur in akuten Situationen. Also in Momenten, in denen sich Eltern mit ihren Kindern aktiv auseinandersetzen können, um etwas zu klären. Ist jedoch die Wand im Kinderzimmer bereits zu einer wundervollen Kleinkunstgallerie umgestaltet, die 10er Packung Toilettenpapier abgewickelt, um an die Bastelpappe zu kommen, oder das Lattenrost im Elternbett in den wohlverdienten Vorruhestand gegangen, weil es einfach das coolste Trampolin im Haus ist, hat man oft das Gefühl, nichts mehr klären zu können.

Trotzdem sollte man auch in solchen Situationen (nachdem man ein paar Mal tief durchgeatmet hat) das Gespräch als erstes Mittel wählen. Übrigens auch schon eine Art von Konsequenz. Eure Kinder müssen sich mit dem was passiert ist – und mit euch – auseinandersetzen.

Ganz kleine Kinder können dabei meist noch gar nicht einschätzen, dass man „normalerweise“ keine Kunstwerke auf Wände malt. Wenn die beste Freundin doch so eine tolle Tapete mit Einhörnern und fluffigen Wolken hat, wurde das doch bestimmt auch mit Stiften aufgemalt? Das fand die kleine Lisa toll – und wollte das auch so haben. Welche Konsequenz will man da spontan als Eltern dagegen setzen? Da hilft nur das (er)klärende Gespräch. «Das ist eine Tapete. Die kann man so kaufen. Bitte male nicht mehr selber auf Wände. Wenn du sowas schön findest, können wir dein Zimmer auch so tapezieren.»

Es ist wichtig, altersgerecht zu erklären, warum man gestrichene Wände nicht einfach so bemalt. Es kann aber auch sein, dass man im Laufe des Gesprächs feststellt, dass es gar nicht um die Tapete der Freundin ging, sondern einfach um die größere Malfläche. Die Lösung könnte also auch in einer Staffelei liegen. Gespräche sind wirklich wichtig, um das zugrundeliegende Bedürfnis hinter einer „ungewollten“ Aktion herauszufinden. Nur so findet man Lösungen für seine Kinder – und vermeidet viele unnötige Konsequenzen.

Denn eine Konsequenz auszusprechen, darf und sollte niemals den Auftrag als Erklärer und als Vorbild ersetzen. Es geht nicht darum, es sich einfach zu machen. Die Bedürfniswelt unserer Kinder ist einfach zu komplex, um sie in jeder Situation im Rahmen unserer festgelegten Grenzen zu zementieren. Da braucht es immer mal wieder gute Ideen und Kompromisse, um gegenseitigen Frust zu vermeiden. Das kann anstrengend sein – und funktioniert nicht immer.

Wenn dann all diese Anstrengung nicht greift, Wände immer wieder bemalt werden, das geflickte Lattenrost erneut in Trümmer gelegt wird, und man bei Bedarf immer wieder ohne Toilettenpapier um Abhilfe ringt, darf man auch ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, eine angemessene Konsequenz aussprechen.


Wer hat's geschrieben?

Jacqueline Esser

Erzieherin, Mutter, Autorin

Jacqueline ist staatlich anerkannte Erzieherin, mit der Qualifikation zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren. Diese Qualifikation hat sie bereits lange, bevor es als Pflichtteil zur Ausbildung aufgenommen wurde, freiwillig absolviert. Neben ihrer beruflichen Laufbahn, ist sie Mutter von zwei Kindern. Einem Mädchen und einem Jungen. Ihre Erfahrungen schöpft sie also aus beruflichen sowie privaten Herausforderungen. Dies macht sie zu einer perfekten Autorin für unser Magazin.

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