Die Krätze (in der Fachwelt Skabies genannt) ist eine Infektion der Haut, die durch Parasiten hervorgerufen wird. Eine wirklich unangenehme Vorstellung, welche nur noch durch die Realität getoppt wird. Die auslösenden Krätz-Milben bohren nämlich Tunnel in die oberste Hautschicht und legen dort ihre Eier ab. Sie sind von uns Menschen als Wirt abhängig und können auch nur auf uns überleben. Krätze ist hochansteckend und bringt eine Menge unangenehme Symptome mit sich.

Die Krätze gibt es bereits seit Urzeiten. Ihren Namen verdankt sie dem anhaltenden und starken Juckreiz und dem damit verbundenen Kratzen. Die Symptome der Krätze reichen von leichten Hautirritationen bis hin zu ekzem-ähnlichen Entzündungen der Haut. Die Ansteckung erfolgt über direkten Hautkontakt. Dabei ist die Ansteckungsrate sehr hoch und kann zu Endemien, also örtlich begrenzten aber vermehrt auftretenden Infektionen, führen. Heute ist die Krätze leicht und schnell behandelbar und stellt nur in Ausnahmefällen eine Gefahr echte dar.

Die Krätze: Milbengänge unter der Haut

Die Krätze wird durch Krätz-Milben (Grabmilben) verursacht. Der typische Ausschlag ist jedoch kein direktes Produkt der Milben, sondern die Immunreaktion des menschlichen Körpers auf deren Ausscheidungen. Die weiblichen Milben bohren Tunnel, die sogenannten Milbengänge, unter die oberste Hautschicht. Während die Männchen nach der Paarung sterben, kriechen die Weibchen in die Tunnel und legen dort ihre Eier ab. Die Milben sind ca. 0,3-0,5mm groß und leben im Schnitt 4-6 Wochen. In dieser Zeit legen sie ca. alle 4 Tage neue Eier. In den Eiern wachsen Larven heran, die bereits wenige Tage nach dem Ablegen schlüpfen. Weitere 14 Tage später sind auch diese zu Milben herangewachsen und geschlechtsreif. Der Kreislauf beginnt von vorne.

Dieses Bild zeigt in 100-facher Vergrößerung Milben unter der Haut. (Bild: © Dr. N. Lange / Adobe Stock)

Die Ansteckung mit der Krätze

Enger Hautkontakt begünstigt die Ansteckung

Die Infektion mit den Parasiten wird via Hautkontakt übertragen. Je enger der Kontakt zu einem Infizierten war, desto wahrscheinlicher ist eine Ansteckung mit Krätze. Der einzige Wirt ist dabei der Mensch. Auf Tieren können die Milben nicht überleben. Bei engem Hautkontakt, wie dem Kuscheln mit den Kindern, oder Geschlechtsverkehr mit dem Partner, wandern die Milben von der einen zu der anderen Person. Beim neuen Wirt angekommen, beginnt sofort die Bildung der Milbengänge.

Hinweis: kurze Hautkontakte, wie das Händeschütteln führen so gut wie nie zu einer Übertragung.

Bei Raumtemperatur sind Milben nicht mehr infektiös.

Die Ansteckung über gemeinsam genutzte Textilien ist gering, jedoch durchaus möglich. Daher wird empfohlen Bettdecken, Handtücher und Kleidung heiß zu waschen. Bei einer Raumtemperatur ab 20° sind Milben nach wenigen Stunden nicht mehr „infektiös“. Dennoch kann es durchaus Sinn machen, auch das Sofa und andere gepolsterte Möbel, mittels Dampfreiniger zu säubern. Das reine Absaugen von Möbeln reicht in diesem Fall leider nicht aus.

Sauberkeit hat keine Auswirkung auf die Ansteckung

Das Infektionsrisiko kann durch erhöhte Körper- und Umgebungshygiene, weder positiv noch negativ beeinflusst werden. Die Krätze bleibt höchst infektiös und ansteckend. Anders ist dies jedoch in der Ausprägung der Krätze, bzw. dem daraus folgenden Ausschlag. Ist man an Krätze erkrankt, spielt die Hygiene, besonders die Körperhygiene, eine große Rolle. Die Stärke der Krätze und somit die Anzahl, der auf der Haut befindlichen Milben, kann mit gründlicher Hygiene minimiert werden. Je schlechter die hygienischen Zustände – sei es in Bezug auf die Körperhygiene oder der Umgebung – desto mehr Milben finden sich auf dem Körper.

Eine lange Inkubationszeit begünstigt eine Endemie

Die Inkubationszeit der Krätze beträgt 2-5 Wochen. Das bedeutet, von der Ansteckung bis zum erstmaligen Auftreten der Symptome, vergeht eine lange Zeit. Ansteckend sind die infizierten Personen aber bereits in dieser Zeit. So kommt es immer wieder zu Endemien, also unbegrenzter aber örtlich gebundener Infektionen, in Gemeinschaftseinrichtungen, wie Kindergärten, Schulen und Obdachlosenunterkünften.

Um solche vermehrten Infektionsaufkommen schnell und sicher lokalisieren zu können, sind die Ärzte verpflichtet, eine Krätzeinfektion sofort dem Gesundheitsamt zu melden. Diese Meldepflicht besteht bereits beim Verdacht einer möglichen Infektion. Gemeldet wird dabei der Name der Person und mögliche Orte, in denen eine Endemie auftreten könnte. Dazu zählen, neben den oben genannten, Alten- und Senioreneinrichtungen, Flüchtlingsunterkünfte und Wohnheime/Wohngruppen.

Symptome der Krätze

Die Symptome der Krätze werden oft falsch gedeutet

Die charakteristischen Symptome der Krätze sind entzündliche, trockene und schuppige Hautausschläge. Verbunden sind diese Ausschläge mit starkem Juckreiz. Da die Krätze in den letzten Jahrzehnten in Deutschland kaum vorkam, werden die Symptome häufig anderen Krankheiten zugeordnet. Daraus resultiert eine große Anzahl an Falschdiagnosen. Oft werden zunächst fälschlicherweise Allergien oder Hautkrankheiten, wie Neurodermitis, diagnostiziert.

Bei der Krätze unterscheiden die Mediziner heute zwei verschiedene Symptom-Kategorien. Sie nennen das direkte und indirekte Symptome. Von direkten Symptomen spricht man, wenn diese durch die Milben selber verursacht werden. Dabei geht es vor allem um die Milbengänge, welche die Weibchen unter die oberste Hautschicht graben. Die Milbengänge sind ca. 2-3 cm lang und mit dem bloßen Auge nur schwer erkennbar. Die Zahl der Milbengänge steigert sich, je nach Krankheitsstadium. Je länger die Krätze unbemerkt oder unbehandelt bleibt, umso mehr Milbengänge finden sich. In der Regel finden sich mindestens 11-12 solcher Gänge unter der Haut. Bei immunschwachen Patienten vervielfacht sich dies im schlimmsten Fall auf bis zu mehrere tausend Milbengänge.

Die indirekten Krätze-Symptome

Als indirekte Symptome bezeichnen Mediziner all jene, die wir als typische Krätze-Symptome betiteln würden. Sie entstehen nicht direkt durch die Milben, sondern sind eine Immunabwehr unseres Körpers. Das Immunsystem reagiert auf die Parasiten und deren Ausscheidungen mit unendlichem Juckreiz, gepaart mit Hautirritationen und Ausschlägen. Der Ausschlag kann sich in Form von Blasen, Pusteln oder Knoten zeigen, die gerötet und/oder mit Eiter gefüllt sein können. Die Haut brennt und schmerzt. Auch Exantheme, roter und eher schuppiger Hautausschlag, kann die Folge der parasitären Infektion sein. Durch Milbengänge, sind meist Körperstellen betroffen, welche warm sind, und wo die Haut recht dünn ist. Dazu zählen die Handgelenke, Ellenbeuge, Achselregion, die einzelnen Finger, Brustwarzenvorhöfe, sowie der Intimbereich.

Kleinkinder und Babys sind auch am Kopf betroffen

Da die Haut bei Babys und Kleinkindern allgemein noch recht dünn ist, können sich die Milben bei ihnen weiter und großflächiger verteilen. So findet man auch am Kopf, im Nacken und an den Füßen, häufig Milbengänge. Auch im Gesicht, an den Handinnenflächen und an den Innenseiten der Oberschenkel, breiten sich die Milben mitunter bei Kindern aus. Die Symptome finden sich immer dort, wo auch die Milben vorzufinden sind.

Sonderformen der Krätze

  • Die gepflegte Krätze
    Dabei handelt es sich um eine Krätze-Infektion, die nur mit wenigen bis keinen Symptomen daherkommt. Durch die intensive Nutzung von Kosmetika, Cremes und Lotionen, reagiert die Haut seltener mit Ausschlägen. Die Haut ist es sprichwörtlich gewohnt, fremde Stoffe auf der Haut wahrzunehmen und reagiert daher nicht (oder kaum) auf die Parasiten.
  • Die nodöse und bullöse Krätze
    Zeigen sich stark juckende Knötchen auf der Haut, deren Farbe rot-bräunlich ist, ist dies die Nodöse Krätze. In den Knötchen befinden sich keinerlei Milben, jedoch bleiben die Knoten oft monatelang nach der erfolgreichen Behandlung bestehen. Die Bullöse Krätze zeigt sich wiederum oftmals im Kindesalter und ist durch verschieden große Blasen auf der Haut erkennbar.

Diagnose der Krätze

Die Diagnosemöglichkeiten sind vielfältig

Um die Krätze zweifelsfrei Diagnostizieren zu können, gibt es verschiedene Möglichkeiten und Tests. Durch bloßes Begutachten der Haut, können nur selten direkt Milben erkannt werden. Erschwert wird dies oft auch durch viele offene Stellen und Kratzmale. Da die Milben nur wenige Millimeter klein sind, bedarf es viel Glück und Erfahrung, sie mit dem bloßen Auge zu entdecken. Jedoch wird kein Arzt nur durch eine reine Begutachtung der Haut, eine Krätze-Diagnose stellen.

Diagnostikverfahren – Die Kürettage

Bei diesem Verfahren nimmt der Arzt eine Hautprobe, um diese mikroskopisch untersuchen zu können. Mit einem „scharfen Löffel“ wird dazu eine Probe von der obersten Hautschicht abgekratzt. Im Idealfall versuchen Ärzte einen Milbengang zu erkennen und mit dem Löffel zu öffnen. Eine Probe der direkt betroffenen Stelle, erhöht natürlich die Chance, Milben zu erkennen.

Diagostikverfahren – Die Aufsiehtmikroskopie

Sind die Milbengänge unter der Haut gut erkennbar, kann ein erfahrener Arzt eine stark vergrößernde Lupe nutzen. Damit versucht er aktive und lebende Milben bzw. deren Bewegungen zu erkennen.

Diagnostikverfahren – Der Klebebandtest

Mit dem Klebebandtest wird ebenfalls aktiv nach Milben gesucht. Der Arzt sucht eine stark betroffene Stelle aus und klebt dort ein durchsichtiges Klebeband auf die Haut. Dieses wird ruckartig abgezogen und danach unter dem Mikroskop untersucht. Dort können dann bereits die kleinsten Milben, und auch die Eier und Larven, entdeckt werden.

Diagnostikverfahren – Der Tintentest

Ein Test, der bereits vor vielen Jahrhunderten zur Diagnostik eingesetzt wurde, ist der Tintentest. Dabei wird dort, wo Milbentunnel vermutet werden, Tinte auf die Haut geträufelt. Wie Wasser sucht auch Tinte sich ihren Weg und läuft dabei in die winzigen Tunnel hinein. Die Tinte rinnt in die Gänge und verteilt sich. Auf diese Weise können die Milben-Tunnel unter der Haut sichtbar gemacht werden.

Behandlung der Krätze

Eine konsequente Behandlung erzielt rasche Erfolge

Die Krätze ist wirklich enorm unangenehm, jedoch bei einer konsequent durchgeführten Behandlung, schnell in den Griff zu bekommen. Anders verhält es sich bei einem größeren Ausbruch in einer Gemeinschaftseinrichtung, wie einer Kindertagesstätte oder in Obdachlosenunterkünften. Dort dauert es häufig lange, bis die letzte Krätzeinfektion ausgemerzt ist. Das Ziel der Behandlung ist stets das Abtöten aller Milben, Eier und Larven.

Medikamente und eine unterstützende gute Körperhygiene sind wichtig

Für parasitäre Infektionen, wie der Krätze, stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Die meisten sind in Form von Cremes und Salben auf die Haut aufzutragen. Wichtig ist, dass nicht nur die betroffenen Stellen, sondern die gesamte Haut am Körper behandelt wird. Je nach Medikament findet die Anwendung einmalig oder mehrmals statt. Ivermectin ist ebenfalls ein Medikament zur Bekämpfung der Infektion. Dieses wird in Tablettenform eingenommen, und wirkt von innen heraus. Sämtliche Medikamente sollten immer nur in Absprache mit einem Arzt und auf dessen Empfehlung genutzt werden. Zusätzlich zur medikamentösen Behandlung ist eine gute Körperhygiene unabdingbar.

Weiterführende Maßnahmen zur Bekämpfung der Krätzmilben

Empfohlen wird, die Fingernägel während der Behandlung so kurz wie möglich zu schneiden und die Nägel stets sauber zu halten. So können weder andere Bakterien in die aufgekratzten Wunden gelangen, noch können die Milben sich darunter festsetzen. Kleidung und andere Textilien, wie Handtücher und Bettwäsche, müssen nach der Behandlung komplett gewechselt werden.

Sinnvoll ist es, alles bei mindestens 60° zu waschen. Textilien die nicht gewaschen werden können, müssen 4 Tage trocken und bei einer Raumtemperatur von mindestens 20°, separiert werden. So ist sichergestellt, dass die Milben, die sich dort befanden, abgestorben sind.

Der Verlauf der Krätze ist in der Regel harm- und komplikationslos

Die Krätze zeigt in der Regel keine schweren Komplikationen über die bekannten Symptome hinaus. Ein ansonsten gesunder Patient ist nach der erfolgreichen Behandlung geheilt und benötigt keinerlei medizinischer Hilfe mehr. Bei immunschwachen Patienten können sich die aufgekratzten Wunden jedoch so stark entzünden, dass in seltenen Fällen ein Krankenhausaufenthalt nötig wird. In diesen Fällen dauert der Heilungsprozess dann lange an und benötigt strikte Beobachtung der Entzündungen und Wunden.




Über den Autor

Jacqueline Esser

Jacqueline ist staatlich anerkannte Erzieherin, mit der Qualifikation zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren. Diese Qualifikation hat sie bereits lange, bevor es als Pflichtteil zur Ausbildung aufgenommen wurde, freiwillig absolviert. Neben ihrer beruflichen Laufbahn, ist sie Mutter von zwei Kindern. Einem Mädchen und einem Jungen. Ihre Erfahrungen schöpft sie also aus beruflichen sowie privaten Herausforderungen. Dies macht sie zu einer perfekten Autorin für unser Magazin.

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