Antolin ist ein Leseförderprogramm für Kinder. Es will das Leseverständnis und zugleich die Lesebegeisterung steigern. Da es sowohl in der Schule, als auch zu Hause genutzt wird, ergeben sich für Eltern viele Fragen. Hier erfahrt ihr alles Wichtige über Antolin und die zugehörigen Antolin-Apps.

Was ist Antolin?

Das web-basierte Leseförderprogramm Antolin zählt zu den am weitesten verbreiteten digitalen Leseförderangeboten an deutschen Grundschulen.

Antolin ist dabei kein Programm, mit dem Kinder das Lesen lernen. Das Angebot will Kinder, die schon mindestens etwas lesen können, motivieren und das Leseverständnis fördern. Dadurch, dass Antolin in der Schule und zu Hause genutzt werden kann, soll der Bogen zwischen dem Lesen in der Klassengemeinschaft und dem eigenständigen Lesen in der Freizeit geschlagen werden. Anders als im Schulalltag, wo bestimmte Bücher gelesen werden müssen, beruht Antolin auf der Freiwilligkeit: Kinder können sich aussuchen, wie viele und welche Bücher sie lesen möchten.

Lehrer können sich über die Anbindung an Antolin (wenn es aktiv von Kindern genutzt wird) einen Überblick über die Freizeit-Leseaktivitäten ihrer Schülerinnen und Schüler verschaffen und ihre Fähigkeiten in Sachen Leseverständnis einschätzen.

Antolin gibt es seit 2001. Das Online-Portal ist ein Angebot der Westermann Gruppe, eines der renommiertesten deutschen Schulbuchverlage. Es richtet sich an Lehrkräfte und Schulen, die Lizenzen für einzelne Klassen, oder die gesamte Schule erwerben können. Außerdem an Büchereien. Für Privatpersonen gibt es keine Antolin-Lizenzen. Gedacht ist das Angebot für Schüler der Klassenstufen 1 bis 10 – allerdings nutzen ganz überwiegend Grundschulen die Webseite.

Neben dem Web-Portal gibt es die Antolin Apps, die sich jeder herunterladen kann. Diese kleinen Programme trainieren spielerisch die Konzentration, Leseflüssigkeit und Lesegeschwindigkeit. Sie sollen Leseanfänger und Kinder mit Leseschwierigkeiten, beim Erwerb elementarer Lesefähigkeiten unterstützen.

Wie funktioniert Antolin?

Kinder lesen in der Schule
Bild: © vectorfusionart / Adobe Stock

Kinder erhalten in der Schule Zugangsdaten für die Webseite, loggen sich ein – und können aus einer umfangreichen Bücherliste auswählen. Antolin selber stellt keine Bücher zur Verfügung. Der Lesestoff kommt entweder aus dem Bücherregal zu Hause, aus der Lesekiste in der Schule, oder aus der Bücherei.

Im Schulumfeld nutzen Lehrer/innen meist die Möglichkeiten von Antolin, um Bücher im Klassenverband durchzuarbeiten. Schüler/innen können zu Hause entspannt ein Kapitel lesen, Verständnisfragen per Webseite oder App bearbeiten, um am nächsten Schultag gemeinsam den Inhalt zu besprechen.

Die Antolin-Bücherliste umfasst aktuell über 100.000 deutschsprachige Bücher, vom Bilderbuch bis zum Jugendroman. Enthalten sind alle angesagten Dauerbrenner der letzten Jahre, von Harry Potter bis Gregs Tagebuch, jede Menge ganz normaler Kinderbücher und alle bekannten Kinderbuchklassiker. Darüber hinaus finden sich auch Pixi-Heftchen und Lustige Taschenbücher. Auch zahlreiche Sachbücher sind in der Liste. Kurz: Ein Kinderbuch zu finden, das Antolin nicht kennt, ist schon fast eine Herausforderung.

Während Kinder nun in einem gewählten Buch lesen, gibt es per Antolin begleitende Fragerunden. Solch ein Quiz fragt das Leseverständnis ab. Für richtige Antworten werden Punkte verdient, für falsche Punkte abgezogen (das soll die Möglichkeit unterbinden, mit willkürlich geratenen Antworten Zufallstreffer zu sammeln). Eine Übersicht zeigt, wie viele Bücher schon gelesen und wie viele Punkte gesammelt wurden.

Wie viel Punkte können Kinder sammeln?

Buch der KlassePunkte pro FrageFragen pro QuizPunkte pro Quiz
1. Klasse1 Punkt10 Fragen10 Punkte
2. Klasse2 Punkte15 Fragen30 Punkte
3. Klasse3 Punkte15 Fragen45 Punkte
4. Klasse4 Punkte15 Fragen60 Punkte
5. Klasse5 Punkte15 Fragen75 Punkte
6. Klasse6 Punkte15 Fragen90 Punkte
Jugendbuch7 Punkte15 Fragen105 Punkte
Jugendbuch ab Kl. 99 Punkte15 Fragen135 Punkte
Punktevergabe unterteilt in Jahrgangsstufen (Stand: 27.10.2021)

Was soll damit erreicht werden?

Antolin nutzt den Spaß, den Kinder a) an neuen Medien – sprich, am spielerischen Surfen und Klicken im Web und b) am Punktesammeln und an Wettbewerbssituationen haben, im Dienste der Lesemotivation. Die Quizfragen sollen zudem die Beschäftigung mit dem Gelesenen vertiefen, also aufmerksames, verstehendes Lesen, fördern. Wer Bücherlesen erstmal nicht so spannend findet, soll über die Antolin Punkte an das Lesen zu Hause herangeführt werden. Natürlich auch in der Hoffnung, dass mit der Zeit daraus vielleicht ein echtes Bücherinteresse und wirklicher Lesegenuss werden.

Mädchen liest Buch
Die Anfänge beim Lesen fallen Kindern nicht immer leicht. Ein wenig positive Bestätigung (ganz ohne Druck) tut da gut. (Bild: © skolovaln / Adobe Stock)

Lehrer bekommen durch Antolin mit wenig Kraftaufwand einen guten Überblick über die Leseaktivitäten und Lesekompetenzen der ganzen Klasse. Was genau Lehrer aus den Antolin-Informationen machen, ist ihnen überlassen. Viele geben am Ende des Schuljahres Urkunden über die erreichten Antolin Punkte aus, und/oder lassen die Kinder beim Punktesammeln wetteifern. Manche Lehrer beziehen die bei Antolin erreichten Ergebnisse auch in die Ermittlung der Deutsch- bzw. Lesekompetenz-Noten-Findung ein.

Gibt es Kritik an Antolin?

Es gibt Eltern, die kritisieren, dass die Nutzung von Antolin in den Klassen ihrer Kinder zu ausufernden Wettbewerben geführt hat. Für weniger geübte Leser, war es dann unmöglich, mit den Spitzenreitern mitzuhalten, so dass der erhoffte Motivationseffekt vollkommen ausblieb, bzw. ins Negative umschlug. Hier sind Lehrer in der Verantwortung: Wenn auf das Erstellen und Aushängen von „Ranglisten“ verzichtet wird, kühlt sich die Wettbewerbsatmosphäre ab. Alternativ gibt ein „Reset“ der Antolin Punkte auch ehemaligen Schlusslichtern wieder eine reelle Chance.

Manche Eltern und auch einige Pädagogen kritisieren den ganzen Ansatz von Antolin: Lesen, so meinen sie, ist seine eigene Belohnung; es künstlich mit externen Belohnungen zu verknüpfen, sei unnötig und könne sogar der Entwicklung einer eigenständigen Lesemotivation entgegenarbeiten.

Gibt es nachweisliche positive Effekte?

Der breite Einsatz von Antolin findet weitestgehend auf Basis rein theoretischer Überlegungen zum erwarteten Nutzen statt. Seit 2019 liegt mit der Promotionsarbeit der Germanistin Carolin Meier erstmals eine Studie zur Wirkung von Antolin in der Grundschule (🛒-Link zum Buch) vor. Die Untersuchung fand tatsächlich deutliche, mit der regelmäßigen Nutzung des Lese-Portals verknüpfte Unterschiede, in der Einstellung zum Lesen.

Die Antolin-Apps

Wenn auch euer Kind am Leseförderprogramm Antolin teilnimmt, und ihr die zugehörigen Apps auf eurem Android Smartphone, oder einem Apple-Gerät installieren müsst, findet ihr hier die Links zum Google-Playstore und zu Apples iTunes-Store.


About the Author

Torsten Esser

Torsten hat das Vollzeit-Papa-Diplom. Er hat einen kleinen Sohn und eine Stieftochter, die er liebt, als wäre es seine eigene. Darüber hinaus hat er acht Semester lang "Soziale Arbeit" studiert. Mit einer unübertroffenen Mischung aus Wissen und Bauchgefühl, ist er der geborene Autor für dieses Magazin. Und ganz nebenbei kümmert er sich als Gründer und Inhaber von 1-2-family.de um alle Belange des Magazins.

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