Kaiserschnitt, Schnittentbindung, Sectio Caesarea. So viele Namen – welche Unterschiede gibt es?

Für das Baby ist ein Start nach einer vaginalen Geburt optimal, da es durch die Geburtsarbeit gut auf den Start ins Leben vorbereitet wird. Die Anpassung auf unserer Welt fällt den Kindern viel leichter und es ist gesundheitlich gesehen sehr vorteilhaft für die Frau. In Deutschland kommen allerdings pro Jahr ungefähr 30 % der Kinder per Kaiserschnitt zur Welt.

Was passiert beim Kaiserschnitt?

Der Kaiserschnitt findet natürlich unter Narkose im Krankenhaus statt. Die werdende Mama muss dafür nicht unbedingt fest schlafen. Eine periduale Anästhesie, oder die Spinalanästhesie, sind dabei die bevorzugte Wahl. Gemeint sind hier rückenmarksnahe Regionalanästhesien, die „nur“ bis zu den Rippen das Schmerzempfinden ausschalten.

Markierung für den Kaiserschnitt
Bild: © fotoatelier.hamburg / Adobe Stock

Obwohl ein Kaiserschnitt vielleicht nicht so romantisch ist, wie eine Wassergeburt (seien wir ehrlich), kann es dennoch etwas gemütlicher sein, als in manch einer amerikanischen Krankenhausserie dargestellt. Die gut sitzende Teilnarkose lässt es zu, dass der werdende Papa an Mamas Seite (oder dem Kopfende) sitzen darf und ihr gemeinsam den ersten Schrei von eurem Baby hören könnt. Ihr sitzt dabei hinter grünen blickverdeckenden Tüchern und werdet voraussichtlich nicht einen Tropfen Blut sehen müssen. Außerdem ist es mittlerweile an fast allen Kliniken Standard, dass ihr auch im Operationssaal schon kurz nach der Geburt mit dem Baby kuscheln dürft.

Die anwesende Hebamme im OP wickelt euer Baby schnell in warme Handtücher ein und gibt dann grünes Licht, wenn die Vitalzeichen in Ordnung sind. Solltet ihr euch nicht wohl fühlen mit dem Anlegen oder Kuscheln auf eurer Brust, darf meist Papa euer Baby so halten, dass Mama schon die ersten Küsschen geben kann. Das BESTE ist und bleibt der direkte mütterliche Hautkontakt.

Das erste Anlegen (das erste Stillen) im OP ist vielleicht für das ein oder andere Anästhesiepersonal nervenaufreibend, aber durchaus möglich. Fragt nach! Fordert es ein und besteht darauf, wenn Euer Baby fit ist, dann werden das erste wunderschöne Minuten, die nur euch gehören.

Unterschiede von primärem und sekundären Kaiserschnitt

Wir unterscheiden beim Kaiserschnitt in Deutschland zwischen dem primären und dem sekundären Kaiserschnitt. Primär, wenn der Kaiserschnitt ohne Wehentätigkeit oder einen vorzeitigen Blasensprung stattfindet. (Die Wehen – Kontraktionen der Gebärmutter – sind wichtig um den Muttermund der Gebärmutter zu öffnen.)

  • Ein primärer Kaiserschnitt findet häufig geplant im Krankenhaus statt. Das heißt bevor die Geburt überhaupt begonnen hat. Hier hat man eine lange Liste mit Indikationen/Empfehlungen, warum es medizinisch notwendig sein kann.
  • Von einer sekundären Sectio spricht man, wenn es unter Geburt, während der Wehentätigkeit oder nach einem Blasensprung unbedingt zu einer schnelleren Entbindung kommen sollte. Auch hier gibt es eine lange Liste mit medizinischen Indikationen.

Ein Notkaiserschnitt wird sehr zügig in der Geburtsklinik durchgeführt, wenn es unter der Geburt zu einer Komplikation kommt, die bedrohlich für Mutter oder Kind sein kann. Meistens ist dann keine Zeit mehr für eine Rückenmarksnahe Regionalanästhesie (PDA, Spinale) und es wird eine schnelle Vollnarkose eingeleitet.

Mögliche Gründe für einen Kaiserschnitt:

  • Probleme mit dem Mutterkuchen (Plazenta)
  • Nabelschnurprobleme
  • Sauerstoffmangel des Kindes
  • Geburtsstillstand
  • Blutungen
  • Fehleinstellung des Kindes oder Lageanomalien (Querlage, Schräglage)
  • ein sehr großes Kind
  • Infektionen
  • Frühgeburten
  • Fieber unter der Geburt
  • Schwangerschaftsvergiftung
  • und einige mehr…

Einige schwangere Frauen entscheiden sich zu einem so genannten geplanten Wunschkaiserschnitt. Hier liegt kein medizinischer Grund vor. Dennoch ist auch dieser Weg bitte nicht zu werten. Es gibt meist auch hier sehr private und intime Gründe, warum sich eine Frau für einen Wunschkaiserschnitt entscheidet. Solch eine Entscheidung wäre immer ein Grund, für ein langes Gespräch mit dem behandelnden Frauenarzt oder Frauenärztin, oder der Hebamme. Außenstehende sollten jedoch nicht darüber richten oder urteilen.

Also Fluch und Segen? Auf jeden Fall!

Ein Segen, wenn es zu Komplikationen unter der Geburt kommt. Die schnelle Entbindung kann hier schlimmere Folgen für Mutter oder Kind verhindern. Allerdings – ein Fluch, wenn wir allein an die Schmerzen im frühen Wochenbett denken. Oder, wenn wir uns eigentlich etwas ganz anderes gewünscht hatten, die Wassergeburt oder vielleicht die ambulante Geburt?!


About the Author

Stephanie Jäger

Hebamme, Mutter, Autorin

Stephanie ist examinierte Hebamme und unsere Expertin für die Themen: Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Baby. Sie war nach ihrem Examen 2 Jahre in Irland, in einem der größten und ältesten Maternity Hospitals in Dublin beschäftigt, und kam mit ganz viel Erfahrung auf der Wochenbettstation und im Kreißsaal wieder zurück. In ihrer Heimat machte sie sich dann als Hebamme selbständig und durfte schon viele junge Familien betreuen. Stephanie lebt im Ruhrgebiet und hat 2 Kinder und einen Ehemann. Mittlerweile studiert sie Gesundheitsmanagement und schreibt mit viel Herz und Liebe für unser Magazin.

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