Kinder buhlen scheinbar pausenlos um die Aufmerksamkeit ihrer Eltern. Da kommt es nicht selten vor, dass man in einer Stunde mindestens 20 Mal «MAMAAAAAAA» hört. Was Eltern manchmal zur Weißglut bringt, ist für Kinder ein angeborenes Verhalten, dass ihnen die Evolution als Überlebensinstinkt als sogenannten Liebesspeicher mit in die Wiege gelegt hat.

Der Liebesspeicher – ein Bedürfnis für jedes Kind

Kinder haben viele Bedürfnisse. Neben Nahrung, Pflege und Schlaf, steht die Aufmerksamkeit ihrer Eltern an oberster Stelle. Liebe, Geborgenheit und die völlige Zuwendung ihrer Eltern, ist ihnen besonders wichtig. Und um diese zu erhalten, kennen sie kaum Grenzen. Ständig wird dafür gesorgt, dass die völlige Aufmerksamkeit nur auf sie gerichtet ist. Mama hier, Papa da. Kinder brauchen die Bestätigung, dass ihre Eltern immer für sie da sind.

Der Grund dafür liegt weit in der Vergangenheit. Noch vor 500 Jahren lag die Kindersterblichkeit bei 30 – 50%. Überleben konnten nur die Kinder, die es verstanden, sich die meiste Aufmerksamkeit zu sichern. Die Kinder, die am lautesten schrien und damit die meiste Aufmerksamkeit auf sich zogen, erhielten die meiste Zuwendung. Das bedeutete, sie erhielten regelmäßig Nahrung, Liebe und Pflege. Damit sicherten sie essentiell ihr Überleben.

Und auch heute ist dieses angeborene Verhalten noch tief in unseren Kindern verankert. Daher versuchen sie schon als Neugeborenes soviel Aufmerksamkeit wie nur möglich zu erhalten und werden mit wachsendem Alter immer raffinierter, um sich das größtmögliche Maß an Aufmerksamkeit von ihren Eltern zu sichern.

Schlechtes Benehmen bei zu wenig Aufmerksamkeit

Nicht immer nutzen Kinder ein positives Verhalten, um die Aufmerksamkeit ihrer Eltern auf sich zu richten. Hat ein Kind das Gefühl, nicht genügend Aufmerksamkeit zu erhalten, wird es zuerst versuchen durch tadelloses Verhalten, Zuwendung durch seine Eltern zu bekommen. Hilft dies in ihren Augen nicht, wandelt sich ihr Verhalten. Sie versuchen ihre Eltern durch negatives Verhalten auf sich aufmerksam zu machen. Denn auch wenn Eltern schimpfen, oder sogar bestrafen, erhält das Kind die gewollte Aufmerksamkeit. Damit Kinder dieses Verhalten nicht zur Gewohnheit machen, reicht es, die Kinder bei positivem Verhalten zu loben und ihnen in diesen Momenten eine extra Portion Aufmerksamkeit zu schenken.

Aufmerksamkeit schenken – jedes Kind ist anders

Es gibt die verschiedensten Arten, um einem Kind Aufmerksamkeit zu schenken. Doch nicht jede Form macht jedes Kind gleich glücklich und zufrieden. Jedes Kind hat seine favorisierte Art der Zuwendung seiner Eltern. Und auch Eltern haben eine bevorzugte Art ihrem Kind Aufmerksamkeit zu schenken. Stimmen diese Arten überein, wird das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit in der Regel sehr gut erfüllt und es gibt keine Probleme. Stimmen die Arten jedoch nicht überein, kommt es oft dazu, dass Kinder unersättlich sind und immer das Gefühl haben, zu wenig Aufmerksamkeit zu erhalten.

Zwar füllen alle Arten der Aufmerksamkeit, den Liebestank der Kinder, doch meist füllt nur eine Art den Speicher schnell und dauerhaft. Kinder die nicht ihre bevorzugte Art der Zuwendung erhalten, brauchen häufig mehr Aufmerksamkeit und laufen schnell auf Reserve.

Die verschiedenen Arten der Aufmerksamkeit

Körperkontakt – der Dauerkuschler

Viele Kinder finden ihre bevorzugte Art der Aufmerksamkeit im Kuscheln. Der Körperkontakt zu Mama, Papa und den Geschwistern, macht sie glücklich und zufrieden. Diese Kinder sind oft sehr verkuschelt und anhänglich. Sie fordern ständig die Nähe ihrer Eltern ein. Schon als Säugling lassen sie sich nicht gerne ablegen und sind am liebsten auf dem Arm oder dem Tragetuch. Hauptsache möglichst nah an Mama und Papa! Auch mit wachsendem Alter nutzen sie jede Möglichkeit, Körperkontakt zu ihren Vertrauenspersonen aufzubauen. So wollen sie unterwegs immer an der Hand sein, zu Hause im Bett bei Mama und Papa schlafen, und ständig auf dem Schoß sitzen.

Kinder, die diese Art der Zuneigung brauchen, um ihren Liebestank zu füllen, werden leider allzu oft als „Klette“ bezeichnet. Das Bedürfnis nach Nähe wird manchmal sogar als lästig empfunden. Dabei versuchen diese Kinder tatsächlich nur ein inneres Bedürfnis zu befriedigen. Wenn Eltern sich darüber bewusst sind, dass ihre Kinder mit genügend Zuneigung und Kuscheln glücklich und zufrieden sind, wird ihr Alltag enorm einfacher, und das vielleicht schlechte Benehmen, verschwindet so schnell, wie es gekommen ist.

Positive Bestärkung – liebe Worte und Gesten 

Manche Kinder füllen ihren Liebesspeicher durch liebe Worte und Gesten ihrer Eltern. Sie wählen die Art der Aufmerksamkeit, bei der ihnen immer bewusst ist, dass sie geliebt und von ihren Eltern gesehen werden. Schon kleine Gesten im Alltag lassen diese Kinder glücklich sein. Es braucht dafür keine große Anstrengung der Eltern. Schon der Kuss am Morgen, die Umarmung zum Abschied, oder ein «Ich hab dich lieb» beim zu Bett gehen, reicht Kindern aus, um ihren Liebesspeicher zu füllen. Ein ständiges Loben ist dabei jedoch nicht nötig. Denn den Kindern ist nicht wichtig bei all ihren Aktionen gelobt zu werden. Sondern die Anerkennung, die Eltern ihren Kindern schenken, muss ehrlich sein, und dabei Liebe, Dankbarkeit und Stolz wiederspiegeln.

Mit Streit und Kritik können diese Kinder nur schwer umgehen. Denn sie zweifeln schnell an der Tatsache, dass sie geliebt werden und können so nur schwer ihren Liebesspeicher füllen. Ein Streit, bei dem von Seiten der Eltern harte Worte fallen, bleibt ihnen dabei lange im Gedächtnis und verunsichert sie sehr. Daher ist es wichtig, dass Eltern nach einem Streit die Aussprache mit ihren Kindern suchen und sich gegebenenfalls für einen unangebrachten Tonfall oder strenge Worte entschuldigen. Denn auch Eltern machen Fehler, die sie sich eingestehen sollten, um ihr Kind wieder glücklich zu machen.

Ungeteilte Aufmerksamkeit und Zuwendung 

Fast alle Eltern kennen folgende Situation: Man ist gerade schwer beschäftigt, kocht, räumt auf oder arbeitet am PC, und auf einmal kommt die Tochter, oder der Sohn, und muss unbedingt etwas zeigen, und braucht sofort die 100%ige Aufmerksamkeit von Mama oder Papa. Diese Kinder haben eben genau diese Art, um ihren Liebesspeicher zu füllen. Sie brauchen die ungeteilte Aufmerksamkeit in genau der Minute, in der sie sie einfordern!

Nicht immer ist es leicht diesem Bedürfnis direkt nachzukommen. Manchmal kann man vielleicht etwas unterbrechen, dass man gerade tut. Doch oft eben auch nicht! Doch wie kann man dem Kind in genau solch einer Situation helfen seinen Liebesspeicher trotzdem zu füllen? Statt es abzuweisen, indem man sagt «Ich koche gerade, ich kann jetzt nicht!», könnte man auf das Kind eingehen, und ihm ein Stück Aufmerksamkeit schenken. So könnte man zB. sagen: «Ich koche gerade und kann hier jetzt leider keine Pause machen. Aber setz dich doch zu mir und hilf mir.». So erhält das Kind eure Aufmerksamkeit, und ihr könnt euch weiterhin euren Aufgaben widmen.

Meist reicht dem Kind in solchen Fällen ein paar Minuten eurer Zeit. Danach sind sie wieder in der Lage, eine Zeit lang ohne eure Aufmerksamkeit zu spielen und sich zu beschäftigen. Ihr Liebesspeicher ist sanft gefüllt.

Die Hilfe: Ich kann das, aber ich brauche dich jetzt!

Kinder deren Liebesspeicher mit der „Hilfe“ gefüllt wird, erkennt man ziemlich leicht. Diese Kinder haben meist das bestreben, Dinge alleine zu können. Sie wollen schnell alleine ein Puzzle spielen, sich alleine anziehen, und vor allem alleine essen. Dieses Bestreben beginnt meist relativ früh. Schon im Kleinstkindalter spürt man Tendenzen, und es verstärkt sich, desto älter die Kinder werden. Doch Kinder, die mit „Hilfe“ sichergehen, dass sie geliebt werden, bitten ihre Eltern immer wieder um diese. So will sich die fünfjährige Lea morgens auf einmal nicht mehr alleine anziehen, sondern bittet ihre Mutter, ihr zu helfen. Und wo sie sonst alleine die Straße entlang gelaufen ist, möchte sie nun die Hand ihres Vaters haben. Ist ein Kind von diesem Aufmerksamkeits-Typus, dann vermittelt ihm jede freundliche elterliche Hilfestellung, die innere Gewissheit, geliebt zu werden.

Doch Kinder, die so ihren Liebesspeicher füllen, haben es oft sehr schwer. Denn in der heutigen Zeit wird überall Wert darauf gelegt, dass ein Kind schnellstmöglich selbständig wird. Es soll so früh wie möglich ohne die Unterstützung der Eltern zurecht kommen und wird dahingehend gefördert. Selbstständigkeit ist ein wichtiger Teil der Erziehungsarbeit. Doch wenn Eltern bemerken, dass ihr Kind mit „Hilfe“ seinen Liebesspeicher auffüllt, sollten sie diesen Wunsch hin und wieder erfüllen, um ihr Kind glücklich zu machen. Diese Kind könnten also, wenn sie wollten! Sie wollen sich aber lieber eurer Liebe versichern, und dies sollte man sich bewusst machen.


Im Video: Mutter füllt Liebesspeicher mit Gesang!


Glückliche Kinder: Füllstand des Liebesspeichers enorm wichtig!

Wie ihr seht, gibt es viele Arten, einem Kind Aufmerksamkeit zu schenken, und jede ist auf ihre Weise effektiv. Aber für jedes einzelne Kind ist eben EINE am effektivsten, um ihren Liebesspeicher zu füllen. Wenn ihr bei eurem Kind die eine oder andere Art entdecken könnt, womit sich der Liebesspeicher am schnellsten füllen lässt, dann wendet diese doch beim nächsten Mal an, um es effektiv glücklich zu machen. Meist reichen bereits ein paar Minuten ungeteilter Aufmerksamkeit, um den Speicher ein gutes Stück zu füllen.

Damit Kinder sich vollkommen geliebt fühlen und glücklich sind, sollte ihr Liebesspeicher bestmöglich gefüllt sein. Ein gut gefüllter Liebesspeicher erleichtert euch und euren Kindern den Alltag. Wird jedoch die „falsche“ Art der Aufmerksamkeit geschenkt, füllt sich zwar der Speicher ein kleines Stück, erreicht aber schnell wieder ein kritisches Level. Kinder wirken dann unzufrieden, fordern erneut Aufmerksamkeit ein, und es entsteht ein Teufelskreis für alle Beteiligten. Ist der Arbeitsspeicher für die Liebe jedoch gut gefüllt, kann er auch eine längere Durststrecke überstehen.


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