Kinder buhlen scheinbar pausenlos um die Aufmerksamkeit ihrer Eltern. Da kommt es nicht selten vor, dass man in einer Stunde mindestens 20 Mal «MAMAAAAAAA» hört. Was Eltern manchmal zur Weißglut bringt, ist für Kinder ein angeborenes Verhalten, dass ihnen die Evolution als Überlebensinstinkt, als sogenannten Liebesspeicher mit in die Wiege gelegt hat.

Der Liebesspeicher – ein Bedürfnis für jedes Kind

Kinder haben ein großes Bedürfnis nach der Aufmerksamkeit ihrer Eltern. Die Liebe, Geborgenheit und die völlige Zuwendung ihrer Eltern, ist ihnen besonders wichtig. Und um diese zu erhalten, kennen sie kaum Grenzen. Ständig wird dafür gesorgt, dass die völlige Aufmerksamkeit nur auf sie gerichtet ist. Mama hier, Papa da. Kinder brauchen die Bestätigung, dass ihre Eltern immer für sie da sind.

Schon als Neugeborenes versuchen Kinder soviel Aufmerksamkeit, wie nur möglich, zu erhalten, und werden mit wachsendem Alter immer raffinierter, um sich das größtmögliche Maß an Aufmerksamkeit, von ihren Eltern zu sichern.

Aufmerksamkeit schenken – jedes Kind ist anders

Es gibt die verschiedensten Arten, um einem Kind Aufmerksamkeit zu schenken. Jeder hat jedoch eine bevorzugte Form des Aufnehmens und Schenkens von Aufmerksamkeit. Das betrifft sowohl die Erwachsenen, als auch die Kinder. In der Regel findet dort jedes Kesselchen seinen Deckel. Soll heißen, wenn die Mama gerne kuschelt, kuschelt sie das Kind, dass ebenso gerne Aufmerksamkeit durch Nähe erhält. Wiederrum der Vater, der am liebsten stundenlang Dinge erklärt, schenkt seine Aufmerksamkeit dem neugierigen (und 1000 Fragen-habenden) Kind. So erhält jedes Kind, die an seine Bedürfnisse angepasste, Aufmerksamkeit.

Der Drang nach mehr Aufmerksamkeit

An manchen Tagen zeigt sich in Familien folgendes Bild: Paul und Merle sind gerade ins Bett gebracht worden, Mama und Papa fallen aufs Sofa und stöhnen, „Mensch, brauchte Paul heute viel Aufmerksamkeit!“

Solche Tage kennen tatsächlich alle Eltern. Tage an denen die Kinder unersättlich nach Aufmerksamkeit suchen. Der Grund dafür kann in der „falschen“ Art der Aufmerksamkeit liegen, die das Kind am jeweiligen Tag erhalten hat. Oft liegt das an einer missverstandenen Kommunikation zwischen Eltern und Kind. Gerade wenn der Alltag vielleicht besonders stressig oder chaotisch war, schenkt man den Kindern nur kurze Momente seiner Aufmerksamkeit. Wenn dann statt einer dicken Umarmung, welche sich das Kind für sein gerade geschaffenes Kunstwerk erhofft, „nur“ ein «Hast du gut gemacht!» kommt, füllt sich der Aufmerksamkeits-Speicher nur minimal. Die Konsequenz daraus: Das Kind sucht unaufhaltsam weiter nach der richten Art von Aufmerksamkeit, um seinen Liebesspeicher zu füllen.

Aufmerksamkeit schenken – wie Eltern den Liebesakku ihrer Kinder aufladen können

Der einfachste Weg, um seinen Kindern die Aufmerksamkeit zu schenken, nach der sie sich sehnen, ist die aktive Kommunikation. Klingt so leicht, doch im turbulenten Familienalltag nicht immer (mal eben so) umzusetzen. Wie also gelingt es trotzdem, den Kindern genügend Liebe und Aufmerksamkeit zu schenken?

  • Feste Rituale mit der Aufmerksamkeit, die das Kind sich wünscht
  • Mama-Kind / Papa-Kind Exklusiv-Zeit
  • Gemeinsames Erleben von Hobbys
  • Alltagsroutinen, die den Liebesakku füllen. Z.B. die Umarmung zum Abschied, oder der Spaziergang vor dem Abendessen.

Glückliche Kinder: Ein gefüllter Speicher voller Liebe

Wie ihr seht, gibt es viele Arten, einem Kind Aufmerksamkeit zu schenken. Jede ist auf ihre Weise effektiv. Aber für jedes einzelne Kind ist eben die EINE am effektivsten, um ihren Liebesspeicher zu füllen. Wenn ihr bei eurem Kind die eine oder andere Art entdecken könnt, womit sich der Liebesspeicher am schnellsten füllen lässt, dann wendet diese doch beim nächsten Mal an, um es effektiv glücklich zu machen. Meist reichen bereits ein paar Minuten ungeteilter Aufmerksamkeit, um den Speicher ein gutes Stück zu füllen.


Im Video: Mutter füllt Liebesspeicher mit Gesang!


Damit Kinder sich vollkommen geliebt fühlen und glücklich sind, sollte ihr Liebesspeicher bestmöglich gefüllt sein. Ein gut gefüllter Liebesspeicher erleichtert euch und euren Kindern den Alltag. Wird jedoch die „falsche“ Art der Aufmerksamkeit geschenkt, füllt sich zwar der Speicher ein kleines Stück, erreicht aber schnell wieder ein kritisches Level. Kinder wirken dann unzufrieden, fordern erneut Aufmerksamkeit ein, und es entsteht ein Teufelskreis für alle Beteiligten. Ist der Arbeitsspeicher für die Liebe jedoch gut gefüllt, kann er auch eine längere Durststrecke überstehen.


Wer hat's geschrieben?

Jacqueline Esser

Erzieherin, Mutter, Autorin

Jacqueline ist staatlich anerkannte Erzieherin, mit der Qualifikation zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren. Diese Qualifikation hat sie bereits lange, bevor es als Pflichtteil zur Ausbildung aufgenommen wurde, freiwillig absolviert. Neben ihrer beruflichen Laufbahn, ist sie Mutter von zwei Kindern. Einem Mädchen und einem Jungen. Ihre Erfahrungen schöpft sie also aus beruflichen sowie privaten Herausforderungen. Dies macht sie zu einer perfekten Autorin für unser Magazin.

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