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Wadenwickel bei Fieber: So wendet ihr sie richtig an

Wadenwickel bei Fieber: So wendet ihr sie richtig an

Wadenwickel gehören zu den bekanntesten Hausmitteln gegen Fieber. Richtig angewendet können sie sich angenehm anfühlen und einem fiebernden Kind etwas Erleichterung verschaffen. Sie sind allerdings kein Muss – und längst nicht in jeder Phase des Fiebers geeignet.

Entscheidend ist nicht allein die Zahl auf dem Thermometer. Wichtiger ist, wie es dem Kind insgesamt geht. Fühlt es sich sehr warm und unwohl, sind seine Hände und Füße ebenfalls warm und empfindet es die Wickel als angenehm, können körperwarme Wadenwickel ausprobiert werden. Friert oder fröstelt das Kind, sind Wadenwickel dagegen die falsche Maßnahme.

Wadenwickel auf einen Blick

  • Nur bei warmen Händen, Füßen und Beinen anwenden.
  • Das Kind darf weder frieren noch Schüttelfrost haben.
  • Das Wasser soll körperwarm beziehungsweise handwarm sein.
  • Kaltes Wasser, Eis, Alkohol und Essigzusätze sind ungeeignet.
  • Die Wickel sollen angenehm sitzen und dürfen nicht einschnüren.
  • Das Kind bleibt während der Anwendung unter Beobachtung.
  • Sobald es friert, sich unwohl fühlt oder die Füße kalt werden, werden die Wickel entfernt.
  • Wadenwickel ersetzen keine ärztliche Untersuchung.

Warum bekommen Kinder Fieber?

Fieber ist keine eigenständige Krankheit, sondern eine Reaktion des Körpers. Das Immunsystem erhöht die Körpertemperatur, um Krankheitserreger besser bekämpfen zu können. Deshalb muss Fieber nicht grundsätzlich auf eine normale Temperatur gesenkt werden.

Viel wichtiger als der Messwert ist der Allgemeinzustand: Trinkt das Kind? Ist es ansprechbar? Atmet es normal? Lässt es sich beruhigen? Hat es Schmerzen oder wirkt es ungewöhnlich teilnahmslos?

Ausführliche Informationen zu Temperaturgrenzen, Fiebermessung, Fieberkrämpfen und fiebersenkenden Medikamenten findet ihr in unserem großen Ratgeber über Fieber bei Babys und Kindern.

Wann können Wadenwickel sinnvoll sein?

Wadenwickel kommen frühestens infrage, wenn das Fieber seinen Höhepunkt erreicht hat und der Körper nicht mehr versucht, die Temperatur weiter zu erhöhen. Typische Hinweise darauf sind:

  • warme Hände und Füße
  • warme Unterschenkel
  • heiße oder gerötete Haut
  • kein Frieren und kein Schüttelfrost
  • ein deutliches Wärmegefühl
  • der Wunsch des Kindes nach etwas Kühlung

Die aktuelle S3-Leitlinie zum Fiebermanagement bei Kindern betont, dass unnötiges Ausziehen und Abkühlen vermieden werden soll. Körperwarme Wadenwickel können bei warmen Armen und Beinen sowie subjektivem Unwohlsein angeboten werden. Entscheidend ist, ob das Kind die Anwendung als angenehm empfindet. (Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin)

Wann dürfen Wadenwickel nicht angewendet werden?

Während das Fieber ansteigt, verengt der Körper die Blutgefäße in Armen und Beinen, um Wärme im Körperinneren zu halten. Hände und Füße fühlen sich dann häufig kalt an, obwohl die Körpertemperatur bereits erhöht ist. Manche Kinder frieren, zittern oder haben Schüttelfrost.

In dieser Phase würden Wadenwickel das unangenehme Kältegefühl verstärken. Das Kind sollte stattdessen warm und bequem zugedeckt werden.

Verzichtet auf Wadenwickel, wenn das Kind:

  • kalte Hände, Füße oder Unterschenkel hat
  • friert, fröstelt oder Schüttelfrost zeigt
  • sehr blass oder marmoriert wirkt
  • Kreislaufprobleme hat
  • die Wickel ablehnt oder als unangenehm empfindet
  • starke Schmerzen hat
  • ungewöhnlich schläfrig oder schwer ansprechbar ist
  • schlecht atmet
  • gerade einen Krampfanfall hat
  • auffällige Hautveränderungen zeigt
  • insgesamt schwer krank wirkt

Auch bei kalten Füßen und gleichzeitig sehr hoher Körpertemperatur dürfen Wadenwickel nicht erzwungen werden. Die kalten Extremitäten zeigen, dass sich der Körper noch in einer ungeeigneten Fieberphase befinden kann.

Was benötigt ihr für Wadenwickel?

Für die Anwendung braucht ihr:

  • zwei dünne Baumwoll- oder Leinentücher
  • zwei etwas größere trockene Handtücher
  • eine Schüssel mit körperwarmem Wasser
  • gegebenenfalls eine wasserdichte Unterlage zum Schutz des Bettes
  • ein Fieberthermometer

Die feuchten Innentücher sollten ungefähr vom Fußgelenk bis knapp unter das Knie reichen. Sie dürfen keine groben Nähte haben, die in die Haut drücken. Legt keine Plastikfolie oder andere luftundurchlässige Materialien um die Beine. Darunter kann sich die Wärme stauen.

Welche Temperatur sollte das Wasser haben?

Das Wasser sollte körperwarm beziehungsweise handwarm sein. Kaltes Leitungswasser, Eiswasser oder Kühlakkus sind nicht geeignet.

Sehr kalte Wickel können dazu führen, dass sich die Blutgefäße in der Haut zusammenziehen. Das Kind beginnt möglicherweise zu frieren, während der Körper noch mehr Wärme im Inneren hält. Das widerspricht dem eigentlichen Ziel der Anwendung.

Eine starre Gradzahl ist im Alltag weniger wichtig als das Empfinden des Kindes. Das Wasser darf sich nicht kalt anfühlen. Im Zweifel beginnt ihr lieber etwas wärmer.

Wie macht man Wadenwickel bei Kindern richtig?

So geht ihr Schritt für Schritt vor:

  1. Erklärt dem Kind, was ihr machen möchtet. Wadenwickel sollten nicht gegen seinen Willen angelegt werden.
  2. Prüft, ob Füße, Unterschenkel und Hände warm sind.
  3. Taucht die beiden Innentücher in körperwarmes Wasser.
  4. Wringt die Tücher gut aus, damit sie feucht sind, aber nicht tropfen.
  5. Legt jeweils ein Tuch faltenarm vom Fußgelenk bis knapp unter das Knie um die Wade.
  6. Wickelt ein trockenes Handtuch darüber.
  7. Achtet darauf, dass die Tücher anliegen, aber nicht einschnüren.
  8. Bleibt beim Kind und beobachtet, wie es ihm geht.
  9. Entfernt die Wickel, sobald sie körperwarm geworden sind oder sich unangenehm anfühlen.

Bei kleinen Kindern reichen häufig etwa zehn Minuten. Bei älteren Kindern können die Wickel ungefähr 20 bis 30 Minuten liegen bleiben, sofern sie weiterhin angenehm sind. Diese Zeitangaben nennt das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit als Orientierung.

Prüft während der Anwendung wiederholt die Füße. Werden sie kalt, wird das Kind blass oder beginnt es zu frieren, brecht ihr die Anwendung sofort ab.

Wie oft dürfen Wadenwickel wiederholt werden?

Nach dem Entfernen sollte zunächst eine Pause eingelegt werden. Wenn die Beine weiterhin warm sind, das Kind nicht friert und die Wickel angenehm fand, kann die Anwendung noch einmal wiederholt werden.

Es besteht jedoch kein Grund, immer neue Wickel anzulegen, bis das Thermometer einen bestimmten Wert zeigt. Die Maßnahme soll das Wohlbefinden verbessern und nicht möglichst schnell eine normale Körpertemperatur erzwingen.

Wadenwickel sollten außerdem nicht über längere Zeit unbeaufsichtigt liegen bleiben. Das gilt insbesondere nachts. Ein fieberndes Kind braucht Ruhe – und Eltern sollten nicht ständig versuchen, die Temperatur durch äußere Kühlung zu beeinflussen.

Senken Wadenwickel tatsächlich das Fieber?

Wadenwickel können dem Körper über die Haut etwas Wärme entziehen. Wie zuverlässig sie die Körpertemperatur senken, ist wissenschaftlich jedoch nicht eindeutig belegt.

Das Portal gesund.bund weist darauf hin, dass die fiebersenkende Wirkung äußerer Kühlmaßnahmen unklar ist. Sie können dennoch angewendet werden, wenn sich das Kind damit wohler fühlt. (gesund.bund.de)

Damit sind Wadenwickel vor allem eine begleitende Wohlfühlmaßnahme. Sie bekämpfen weder Viren noch Bakterien und behandeln nicht die Ursache des Fiebers.

Sind Wadenwickel mit Essig sinnvoll?

Für einen Wadenwickel genügt klares Wasser. Essig ist nicht erforderlich und verbessert die Wirkung nicht nachweislich. Er kann empfindliche oder gereizte Kinderhaut zusätzlich belasten.

Auch andere Zusätze sind unnötig. Alkohol darf keinesfalls für Wadenwickel verwendet werden. Er kann über die Haut und die Atemwege aufgenommen werden und für Kinder gefährlich sein.

Dürfen Wadenwickel bei Babys angewendet werden?

Bei jungen Säuglingen sollte Fieber nicht zunächst mit Hausmitteln behandelt werden. Hat ein Baby unter drei Monaten eine Körpertemperatur von mindestens 38 Grad Celsius, sollte unverzüglich ärztlicher Rat eingeholt werden.

Auch bei älteren Säuglingen und kleinen Kindern ist Zurückhaltung sinnvoll. Je jünger das Kind ist, desto schwieriger kann es zeigen, ob ihm ein Wickel guttut oder ob es friert. Besprecht die Anwendung deshalb im Zweifel mit der Kinderarztpraxis.

Was hilft einem fiebernden Kind außerdem?

Ein fieberndes Kind benötigt vor allem Ruhe, Zuwendung und ausreichend Flüssigkeit. Bietet regelmäßig kleine Mengen Wasser, ungesüßten Tee, Muttermilch oder die gewohnte Säuglingsnahrung an.

Wie viel ein Kind normalerweise trinken sollte und woran ihr einen Flüssigkeitsmangel erkennen könnt, erklären wir in unserem Beitrag über den Flüssigkeitsbedarf von Babys und Kleinkindern.

Außerdem hilfreich:

  • das Kind weder zu warm einpacken noch unnötig ausziehen
  • Kleidung und Bettdecke dem Wärmeempfinden anpassen
  • regelmäßig nach dem Kind sehen
  • Ruhe und Schlaf ermöglichen
  • das Zimmer angenehm temperieren
  • leichtes Essen anbieten, aber keinen Appetit erzwingen
  • den Allgemeinzustand und nicht nur das Thermometer beobachten

Schwitzt das Kind beim Abfallen des Fiebers stark, können feuchte Kleidung und Bettwäsche gewechselt werden. Achtet dabei darauf, dass es nicht auskühlt.

Verhindern Wadenwickel einen Fieberkrampf?

Nein. Wadenwickel können einen Fieberkrampf nicht zuverlässig verhindern. Auch fiebersenkende Medikamente bieten keinen sicheren Schutz vor einem erneuten Anfall.

Während eines Krampfanfalls dürfen keine Wickel angelegt werden. Schützt das Kind vor Verletzungen, entfernt gefährliche Gegenstände aus der Umgebung und legt nichts in seinen Mund. Beim ersten Fieberkrampf, einem länger anhaltenden Anfall oder Unsicherheit benötigt das Kind umgehend medizinische Hilfe.

Wann sind Wadenwickel nicht ausreichend?

Fieber kann bei vielen Infektionen auftreten. Entscheidend ist daher nicht nur, die Temperatur zu beobachten, sondern auch nach weiteren Krankheitszeichen zu suchen.

Tritt zusammen mit dem Fieber ein Hautausschlag auf, kommen beispielsweise Masern, Scharlach oder Windpocken als mögliche Ursachen infrage. Die Erkrankungen müssen unterschiedlich behandelt und hinsichtlich ihrer Ansteckungsgefahr unterschiedlich beurteilt werden.

Kleine rote oder violette Flecken, die sich unter Druck nicht aufhellen, können in Verbindung mit Fieber und einem schweren Krankheitsgefühl auf eine Meningokokken-Erkrankung hinweisen. Wartet in einer solchen Situation nicht ab, sondern ruft sofort die 112.

Fieber oder Überhitzung: Wo liegt der Unterschied?

Eine erhöhte Körpertemperatur entsteht nicht immer durch eine Infektion. Bei großer Hitze, intensiver Sonneneinstrahlung oder einem aufgeheizten Auto, kann ein Kind überhitzen.

Ein Hitzschlag ist kein gewöhnliches Fieber, sondern ein lebensbedrohlicher Notfall. Typische Warnzeichen sind eine sehr hohe Körpertemperatur, Bewusstseinsstörungen, starke Schwäche, Krampfanfälle oder heiße Haut. In diesem Fall reichen Wadenwickel keinesfalls aus. Ruft die 112 und beginnt mit geeigneten Erste-Hilfe-Maßnahmen. Mehr dazu findet ihr in unserem Ratgeber über Sonnenstich und Hitzschlag bei Kindern.

Wann sollte ein Kind mit Fieber ärztlich untersucht werden?

Wendet euch an die Kinderarztpraxis oder außerhalb der Sprechzeiten an die 116117, wenn:

  • ein Baby unter drei Monaten mindestens 38 Grad Celsius Fieber hat
  • ein Säugling oder Kleinkind unter zwei Jahren länger als einen Tag fiebert
  • ein älteres Kind länger als drei Tage fiebert
  • das Fieber trotz geeigneter Maßnahmen nicht zurückgeht
  • das Kind kaum trinkt
  • es deutlich weniger Urin ausscheidet
  • wiederholtes Erbrechen oder starker Durchfall hinzukommt
  • das Kind starke Schmerzen hat
  • ihr die Ursache des Fiebers nicht einschätzen könnt
  • sich der Zustand nach einer ersten Besserung wieder verschlechtert
  • ihr euch als Eltern ernsthaft Sorgen macht

Ruft sofort die 112, wenn das Kind:

  • schwer weckbar, bewusstlos oder ungewöhnlich teilnahmslos ist
  • Atemnot hat oder sich die Lippen bläulich verfärben
  • einen länger anhaltenden Krampfanfall bekommt
  • einen steifen Nacken und starke Kopfschmerzen hat
  • plötzlich verwirrt wirkt
  • rote oder violette, nicht wegdrückbare Hautflecken entwickelt
  • deutliche Kreislaufprobleme zeigt
  • innerhalb kurzer Zeit immer schwerer krank wirkt

Bei solchen Warnzeichen haben Wadenwickel keine Relevanz. Das Kind benötigt unverzüglich medizinische Hilfe.

Wann darf das Kind wieder in die Kita oder Schule?

Ein Kind sollte erst wieder eine Gemeinschaftseinrichtung besuchen, wenn es mindestens einen vollständigen Tag fieberfrei ist, sich erholt hat und wieder normal am Alltag teilnehmen kann.

Fiebersenkende Medikamente dürfen dabei nicht den Eindruck erwecken, das Kind sei bereits gesund. Je nach Ursache des Fiebers können außerdem besondere Ausschlussfristen gelten.

Fazit: Wadenwickel müssen zum Kind und zur Fieberphase passen

Körperwarme Wadenwickel können einem fiebernden Kind guttun, wenn seine Hände, Füße und Beine warm sind und es die Anwendung als angenehm empfindet. Kalte Wickel, Zwang und der Versuch, die Körpertemperatur möglichst schnell zu normalisieren, sind nicht sinnvoll.

Friert das Kind, hat es kalte Füße oder steigt das Fieber gerade an, solltet ihr auf Wadenwickel verzichten. Maßgeblich bleiben immer der Allgemeinzustand, ausreichendes Trinken und die rechtzeitige medizinische Abklärung auffälliger Beschwerden.


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