Plötzliches Fieber, starke Halsschmerzen und wenig später ein feiner roter Hautausschlag: So kann Scharlach bei Kindern beginnen. Besonders bekannt sind die sogenannte Himbeerzunge und eine Haut, die sich beinahe wie Sandpapier anfühlt. Allerdings zeigt nicht jedes Kind alle typischen Symptome.
Scharlach wird nicht durch Viren, sondern durch Bakterien ausgelöst. Deshalb sollte eine mögliche Erkrankung ärztlich abgeklärt werden. Die Kinderarztpraxis kann untersuchen, ob tatsächlich Scharlach oder eine andere Infektion hinter den Beschwerden steckt – und entscheiden, ob ein Antibiotikum sinnvoll ist.
Scharlach auf einen Blick
- Erreger: bestimmte Streptokokken-Bakterien der Gruppe A
- Inkubationszeit: meistens 1 bis 3 Tage
- Typische Symptome: Halsschmerzen, Fieber, feiner Ausschlag und Himbeerzunge
- Ansteckend: ohne Antibiotikum unter Umständen bis zu 3 Wochen
- Mit Antibiotikum: meist nach etwa 24 Stunden nicht mehr ansteckend
- Impfung: Eine Impfung gegen Scharlach gibt es nicht
- Mehrfache Erkrankungen sind möglich
Was ist Scharlach?
Scharlach ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die besonders häufig Kinder im Kindergarten- und Schulalter betrifft. Aber auch Jugendliche und Erwachsene können erkranken.
Ausgelöst wird die Krankheit durch bestimmte A-Streptokokken. Einige dieser Bakterien bilden Giftstoffe, sogenannte Toxine. Sie sind für den typischen roten Hautausschlag verantwortlich.
Da unterschiedliche Bakterienstämme verschiedene Giftstoffe produzieren können, schützt eine überstandene Erkrankung nicht zuverlässig vor einer erneuten Ansteckung. Ein Kind kann deshalb mehrmals im Leben an Scharlach erkranken.
Welche Symptome sind bei Scharlach typisch?
Die ersten Beschwerden treten meistens ein bis drei Tage nach der Ansteckung auf. Häufig beginnt Scharlach ziemlich plötzlich. Das Kind fühlt sich innerhalb kurzer Zeit deutlich krank. Mögliche erste Symptome sind:
- Halsschmerzen und Schluckbeschwerden
- rasch ansteigendes Fieber
- Kopfschmerzen
- Schüttelfrost
- geschwollene Lymphknoten am Hals
- stark geröteter Rachen
- entzündete oder weißlich belegte Mandeln
- Bauchschmerzen
- Übelkeit oder Erbrechen
- allgemeine Abgeschlagenheit
Gerade bei jüngeren Kindern können Bauchschmerzen und Erbrechen zunächst stärker auffallen als die Halsschmerzen. Gleichzeitig gibt es auch milde Verläufe, bei denen das Fieber weniger hoch ist und der Ausschlag nur schwach ausgeprägt bleibt.
Wie sieht der Ausschlag bei Scharlach aus?
Der typische Scharlach-Ausschlag erscheint meist am ersten oder zweiten Krankheitstag. Er besteht aus sehr vielen kleinen roten Punkten oder Knötchen. Häufig beginnt er am Oberkörper oder in Hautfalten – beispielsweise in den Achselhöhlen oder Leisten – und breitet sich anschließend weiter aus.
Die betroffene Haut kann sich rau und körnig anfühlen, ähnlich wie feines Sandpapier. Meistens juckt der Ausschlag nicht oder nur wenig. Handflächen und Fußsohlen bleiben üblicherweise zunächst frei.
Auch das Gesicht kann auffällig aussehen: Die Wangen sind häufig stark gerötet, während der Bereich direkt um den Mund vergleichsweise blass bleibt. Diese sogenannte Mundblässe gehört zu den möglichen Scharlachzeichen. Von einem schmetterlingsförmigen Ausschlag würde ich an dieser Stelle bewusst nicht sprechen.
Nach ungefähr sechs bis neun Tagen verblasst der Ausschlag normalerweise. Einige Tage später kann sich die Haut schälen. Besonders deutlich passiert das häufig an den Händen und Füßen.
Was ist die Himbeerzunge?
Die Zunge ist zu Beginn der Erkrankung häufig weißlich oder grau belegt. Die kleinen Erhebungen auf der Zunge können dabei bereits deutlich hervortreten.
Nach einigen Tagen verschwindet der Belag. Darunter kommt eine auffallend rote Zunge mit gut sichtbaren Erhebungen zum Vorschein. Aufgrund ihres Aussehens wird sie Himbeerzunge oder Erdbeerzunge genannt. Eine gerötete Zunge allein beweist allerdings noch keine Scharlacherkrankung. Entscheidend ist immer das gesamte Krankheitsbild.
Scharlach, Ringelröteln oder Windpocken?
Hautausschlag und gerötete Wangen kommen bei verschiedenen Kinderkrankheiten vor. Für Eltern ist die Unterscheidung deshalb nicht immer einfach.
Bei Ringelröteln fallen häufig zuerst die kräftig geröteten Wangen auf. Später kann sich ein fleckiger oder girlandenartiger Ausschlag an Armen, Beinen und Rumpf entwickeln.
Bei Windpocken entstehen dagegen stark juckende Flecken und flüssigkeitsgefüllte Bläschen. Typischerweise sind gleichzeitig Flecken, frische Bläschen und bereits verkrustete Stellen zu sehen.
Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit verursacht ebenfalls Flecken oder Bläschen. Diese konzentrieren sich vor allem auf Mund, Hände und Füße.
Der Scharlach-Ausschlag ist im Vergleich dazu meist sehr fein, rau und nicht von Bläschen geprägt. Hinzu kommen häufig deutliche Halsschmerzen, Fieber und Veränderungen an der Zunge. Trotzdem lässt sich eine sichere Diagnose nicht allein anhand des Ausschlags stellen.
Wie wird Scharlach übertragen?
Die Bakterien befinden sich meist im Rachenraum. Sie können beim Sprechen, Husten oder Niesen weitergegeben werden. Besonders leicht verbreiten sie sich bei engem Kontakt – etwa innerhalb der Familie, in Kindergärten oder Schulen.
Auch eine Übertragung über die Hände oder gemeinsam benutzte Gegenstände ist möglich. Trinkflaschen, Besteck, Handtücher oder Zahnbürsten sollten während der Erkrankung deshalb nicht geteilt werden.
Einige Menschen tragen A-Streptokokken im Rachen, ohne selbst krank zu sein. Für die Verbreitung sind vor allem Menschen mit einer akuten Erkrankung bedeutsam.
Wie lange ist Scharlach ansteckend?
Ohne eine Behandlung mit Antibiotika können Erkrankte bis zu drei Wochen nach Beginn der Beschwerden ansteckend bleiben.
Beginnt eine wirksame Antibiotikabehandlung, besteht nach ungefähr 24 Stunden in der Regel keine Ansteckungsgefahr mehr. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass ein Kind bereits wieder fit genug für Schule oder Kindergarten ist. Hat es weiterhin Fieber, starke Beschwerden oder fühlt sich deutlich krank, gehört es weiterhin nach Hause.
Wie stellt die Kinderarztpraxis die Diagnose?
Bei Verdacht auf Scharlach solltet ihr die Kinderarztpraxis möglichst vorher anrufen. So kann sich das Team auf eine möglicherweise ansteckende Erkrankung einstellen.
Die Ärztin oder der Arzt untersucht unter anderem Rachen, Mandeln, Zunge, Lymphknoten und Hautausschlag. Zusätzlich kann ein Abstrich aus dem Rachen genommen und mit einem Streptokokken-Schnelltest untersucht werden.
Ein Schnelltest liefert rasch ein Ergebnis, ist aber nicht hundertprozentig sicher. Bleibt der Test negativ oder unklar, obwohl die Beschwerden zu einer Streptokokken-Infektion passen, kann ein weiterer Abstrich im Labor untersucht werden.
Wird Scharlach immer mit Antibiotika behandelt?
Scharlach wird häufig mit einem Antibiotikum behandelt. Welches Medikament geeignet ist und wie lange es eingenommen werden muss, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. Oft kommt Penicillin infrage; bei einer Unverträglichkeit stehen andere Wirkstoffe zur Verfügung.
Der wichtigste unmittelbare Vorteil einer Antibiotikabehandlung ist die deutlich kürzere Ansteckungszeit. Laut dem staatlichen Gesundheitsportal gesund.bund.de ist ein Antibiotikum bei einem sehr milden Verlauf jedoch nicht in jedem Fall zwingend notwendig. Die Entscheidung hängt vom Krankheitsbild, den Untersuchungsergebnissen und möglichen persönlichen Risiken ab.
Wurde ein Antibiotikum verschrieben, muss es genau so lange eingenommen werden, wie verordnet. Das gilt auch dann, wenn das Fieber schnell sinkt und sich das Kind bereits nach wenigen Tagen wieder besser fühlt. Bei Nebenwirkungen oder Problemen solltet ihr die Behandlung nicht selbstständig abbrechen, sondern Rücksprache mit der Praxis halten.
Was hilft dem Kind zu Hause?
Neben der ärztlich festgelegten Behandlung können einige einfache Maßnahmen die Beschwerden lindern:
- viel Ruhe und Schlaf
- regelmäßig kleine Mengen trinken
- weiche oder flüssige Speisen bei Schluckbeschwerden
- angenehm kühle Getränke, falls das Kind sie lieber mag
- eine nicht zu warme Raumtemperatur
- körperliche Anstrengung vermeiden
- eigenes Handtuch, Trinkgefäß und Besteck verwenden
Schmerz- oder fiebersenkende Medikamente sollten immer zum Alter und Gewicht des Kindes passen. Lasst euch zur Auswahl und Dosierung in der Kinderarztpraxis oder Apotheke beraten.
Wann sollte ein Kind ärztlich untersucht werden?
Eine Halsentzündung mit Fieber und Hautausschlag sollte ärztlich abgeklärt werden. Das gilt auch dann, wenn in der Kita oder Schule gerade Scharlach aufgetreten ist und euer Kind plötzlich typische Beschwerden entwickelt.
Erneuter ärztlicher Rat ist wichtig, wenn:
- das Kind kaum trinken kann oder möchte
- es ungewöhnlich schlapp oder teilnahmslos wirkt
- das Fieber anhält oder erneut steigt
- die Beschwerden trotz Behandlung stärker werden
- starke Hals-, Ohr- oder Bauchschmerzen hinzukommen
- sich der Allgemeinzustand deutlich verschlechtert
Außerhalb der Praxisöffnungszeiten könnt ihr bei dringenden, aber nicht lebensbedrohlichen Beschwerden den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117 erreichen. Bei Atemnot, Bewusstlosigkeit, starker Verwirrtheit, Krampfanfällen, Nackensteife oder anderen schweren Krankheitszeichen gilt: Ruft sofort die 112.
Wann darf das Kind wieder in Kita oder Schule?
Kinder dürfen bereits bei einem begründeten Verdacht auf Scharlach vorübergehend keine Gemeinschaftseinrichtung besuchen. Die Eltern müssen die Kita oder Schule über die Erkrankung beziehungsweise den Verdacht informieren.
Nach den aktuellen Empfehlungen des Robert Koch-Instituts ist die Rückkehr normalerweise möglich, wenn:
- seit Beginn einer wirksamen Antibiotikabehandlung mindestens 24 Stunden vergangen sind,
- das Kind kein Fieber mehr hat,
- die deutlichen Krankheitszeichen abgeklungen sind und
- es sich wieder ausreichend wohlfühlt.
Ohne Antibiotikabehandlung ist die Rückkehr frühestens 24 Stunden nach dem Abklingen der spezifischen Beschwerden vorgesehen. Da Erkrankte ohne Antibiotikum deutlich länger ansteckend sein können, sollte dieser Zeitpunkt ärztlich beurteilt werden.
Eine schriftliche Bescheinigung wird durch Paragraf 34 des Infektionsschutzgesetzes nicht grundsätzlich vorgeschrieben. Fragt im Zweifelsfall trotzdem bei eurer Einrichtung nach, welche Regelung dort gilt.
Gesunde Geschwister müssen normalerweise nicht vorsorglich zu Hause bleiben. Sie sollten jedoch aufmerksam beobachtet werden. Entwickeln sie Halsschmerzen, Fieber oder einen Ausschlag, ist ebenfalls eine ärztliche Abklärung sinnvoll.
Gibt es eine Impfung gegen Scharlach?
Eine Impfung gegen Scharlach steht nicht zur Verfügung. Auch eine bereits überstandene Erkrankung bietet keinen vollständigen Schutz, weil unterschiedliche Streptokokken verschiedene Giftstoffe bilden können.
Das Ansteckungsrisiko lässt sich zumindest etwas verringern:
- Hände regelmäßig mit Wasser und Seife waschen
- beim Husten oder Niesen die Armbeuge benutzen
- engen Kontakt zu akut Erkrankten vermeiden
- Trinkflaschen, Besteck und Handtücher nicht gemeinsam verwenden
- häufig berührte Gegenstände und Spielzeug reinigen
Kontaktpersonen benötigen normalerweise keine vorsorgliche Behandlung mit Antibiotika. Bei einer schweren Grunderkrankung oder ausgeprägten Immunschwäche sollte das allerdings individuell ärztlich besprochen werden.
Welche Komplikationen sind möglich?
Die meisten Kinder erholen sich vollständig von Scharlach. Schwere Verläufe und Folgeerkrankungen sind in Deutschland heute selten.
Mögliche Komplikationen sind unter anderem Entzündungen des Mittelohres oder der Nasennebenhöhlen, sowie eine tiefer reichende Entzündung im Halsbereich. Sehr selten können die Bakterien in andere Bereiche des Körpers gelangen und eine schwere Infektion auslösen.
Zu den seltenen späteren Folgeerkrankungen gehören das akute rheumatische Fieber und eine Entzündung der Nieren. Das rheumatische Fieber kann Gelenke und Herz betreffen. Es handelt sich aber ausdrücklich nicht um eine häufige Spätfolge.
Können auch Erwachsene Scharlach bekommen?
Scharlach ist keine reine Kinderkrankheit. Auch Erwachsene können sich mit A-Streptokokken infizieren und die Erkrankung mehrmals bekommen. Die typischen Zeichen können bei Erwachsenen weniger eindeutig ausfallen oder zunächst wie eine gewöhnliche Hals- oder Mandelentzündung wirken.
Weitere Informationen findet ihr in unserem Beitrag über Scharlach bei Erwachsenen.
Quellen
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