Eltern mit guter Kinderstube, beschwören gerne die „alten Zeiten“, in denen ein Bitte und ein Danke, zum guten Ton gehörten. Wenn man etwas haben wollte, dann musste man vorher fragen! Das ist höflich, gehört sich einfach so, und kennt keine Alternativen.

Bis hierhin würden das wahrscheinlich die meisten Erwachsenen als gegeben unterschreiben. Heute ist man jedoch selber Mutter oder Vater, und spürt mitunter, dass der Teufel im Detail steckt. Denn wenn es um die Erziehung von Kindern geht, steckt man plötzlich in einer ganz neuen Rolle, in der man zwar ebenfalls einen liebevollen und höflichen Umgang pflegen sollte, und dennoch eine Anweisung als Aufforderung klar werden muss. Wie können Eltern hier den richtigen Ton finden? Wie vermeidet man Konflikte? Mehr dazu in diesem Beitrag:

«Jonas? Kannst Du bitte schon mal das Spielzeug aufräumen? Wir fahren gleich los!»  «Schatzi, gehst du bitte noch schnell die Zähne putzen?»

Ein häufiger Erziehungsfehler: Die Frageform als Anweisung

Na? Wer fühlt sich „erwischt“? Von einhundert Mamas und Papas werden jetzt mindestens 92 die Hand heben! Und irgendwie kann man es ja auch sehr gut verstehen. Denn die anerzogene Höflichkeit steckt tief in uns drin. Und in vielen Situationen macht sie natürlich absolut Sinn, und ist sogar unersetzlich. Aber dazu später mehr. Denn hier geht es uns in erster Linie um Situationen, die rein die Erziehung im täglichen Ablauf betreffen.

Wenn man sein Kind höflich fragt, ob es denn sein Zimmer aufräumen möchte, muss man mit drei möglichen Antworten rechnen. Mit einem JA, mit einem NEIN, oder im Falle eines cleveren 8-Jährigen, mit einem «Was bekomme ich denn dafür?». Und seien wir ehrlich, selbst diese vermeintlich „freche“ und leicht kapitalistische Antwort, ist völlig legitim. Nicht die feine Art, aber legitim.

Wenn wir also quälend auf der Suche nach Antworten sind, stellen wir eine Frage. Wenn wir aber unsere Kinder zu einer Handlung bewegen möchten, vermeiden wir tunlichst alles, was Optionen beinhaltet. Und es ist, wie es ist – es ist schwierig! Aber nicht unmöglich. Man muss sich eine Weile lang selber sehr genau kontrollieren. Denn es gibt ganz viele Situationen, in denen einem auffallen wird, dass man genau diesen einen Fehler immer wieder macht. Es ist geradezu verhext, aber die Frageform als Anweisung, führt meist nicht zum erhofften Ergebnis.

Gesellschaftsbild als Missverständnis in der Erziehung

Unter Erwachsenen ist es mehr als üblich, dass man diese Form von Höflichkeit wählt. Man stellt eine Bitte als Frage, von der man ausgehen kann, dass sie nicht abgelehnt wird. Aber von Kindern kann man diese Form der Einsicht noch nicht erwarten. Sie sind einfach aufgrund ihrer Entwicklung noch nicht in der Lage, ihre eigenen Bedürfnisse der Vernunft halber, hinten anzustellen.

Also prallen Höflichkeit und Vernunft hier aufeinander, wo sie nicht aufeinander treffen können. Denn man kann tatsächlich von keinem Kind erwarten, dass es aus Höflichkeit vernünftig ist. Schon gar nicht, wenn es darum geht, eine Lieblingsbeschäftigung zu unterbrechen, um die Zeit mit etwas verhasstem, wie dem Zähneputzen, zu vertrödeln.

An diesem Punkt entstehen täglich viele Diskussionen zwischen Eltern und ihren Kindern. Und das in den meisten Fällen vollkommen unnötig. Denn das Kind gibt auf die Fragestellung der Eltern eine ehrliche Antwort: «Zahnpasta ist eklig!». Und daran gibt es auch für Mama nichts zu rütteln.

Natürlich ist es so, dass Kinder oft klare Ansagen nicht gerne befolgen, weil es um Dinge geht, die sie schlichtweg nicht gerne tun. Es bleibt also nur der kreative Weg, um unliebsame Dinge, liebsam zu machen. Da wird der Teddybär zum Zahndoktor, oder man verkleidet sich als königliches Musketier, und holt stolz die Musketierchen in Ausbildung, zum Zahnputzappell. Humor, Albernheit und Kreativität, werden die klare „Siege“ hervorbringen. Wenn man dann noch ein Bitte und ein Danke eingeschleust hat, ist mehr gewonnen, als in der einzelnen Situation klar wird.

Ausnahmen bestätigen die Regel

In nicht ganz alltäglichen Situationen, kommt es immer mal dazu, dass man sein Kind um einen Gefallen bitten möchte. Braucht man etwas praktische Hilfe, sollte man natürlich den Weg der Frage wählen. Denn auch, wenn man sich erhofft, dass sein Kind helfen wird, kann man es nicht voraussetzen.

Wer hier mit viel Charme und Witz in die Offensive geht, wird ganz sicher ein hochmotiviertes Helferlein an seiner Seite wissen.



Wer hat's geschrieben?

Torsten Esser

Torsten hat das Vollzeit-Papa-Diplom. Er hat einen kleinen Sohn und eine Stieftochter, die er liebt, als wäre es seine eigene. Darüber hinaus hat er acht Semester lang "Soziale Arbeit" studiert. Mit einer unübertroffenen Mischung aus Wissen und Bauchgefühl, ist er der geborene Autor für dieses Magazin. Und ganz nebenbei kümmert er sich als Gründer und Inhaber von 1-2-family.de um alle Belange des Magazins.

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