Soziale Kontakte sind wichtig für das ganze Leben. Schon im Babyalter beginnen Kinder, sich für andere Kinder zu interessieren. Sie müssen den Umgang miteinander Stück für Stück lernen. Doch der Kontakt zu gleichaltrigen Kindern ist wichtig und fördert die Entwicklung auch schon im Babyalter. 

Neugierig schauen sich die beiden Einjährigen an, als ihre Mütter sie das erste Mal gemeinsam auf die große Spielmatte setzen. Luca ist eher schüchtern und betrachtet Sophie lieber erst von weitem. Sophie hingegen krabbelt sofort Richtung Luca los, und nimmt ihm gekonnt sein Auto weg. Während Sophie nun triumphierend ihre Mutter anlächelt, schreit Luca laut los. Eine Begegnung die sich häufig so abspielt, wenn Kleinkinder aufeinander treffen.

Etwas zu teilen, kennen sie noch nicht und müssen sie erst lernen. Überhaupt müssen die Kleinen den Umgang miteinander erlernen. Soziales Miteinander ist ein Prozess, den Kinder erst mit und mit lernen können, und auch nur dann, wenn ihnen die Möglichkeit dazu geboten wird. Daher ist der Umgang mit gleichaltrigen Kindern so wichtig.

Raum schaffen zum Kennenlernen  

Spätestens wenn die Kinder in den Kindergarten kommen, erhalten sie Kontakt zu anderen Kindern. Gleichaltrige sowie ältere. Doch heute gibt es für Eltern schon viel früher die Möglichkeit, ihr Kind mit anderen in Kontakt zu bringen. Hebammenpraxen, Familienzentren und Elternvereine, bieten fast jeder Orts sogenannte Krabbelgruppen an. Dort können die Kleinen bereits mit vier bis sechs Monaten, erste Begegnungen mit gleichaltrigen Kindern machen. Wo die ganz kleinen zu Beginn nur nebeneinander liegen und sich vielleicht mal mit den Händchen berühren, entsteht mit der Zeit ein gegenseitiges Entdecken, und am Ende ein gemeinsames Spielen. Krabbelgruppen bieten eine tolle Möglichkeit des ersten Kennenlernens.

Voneinander und Miteinander lernen 

Beim Kontakt mit gleichaltrigen Kindern profitieren alle Seiten. Die Mütter finden Gleichgesinnte zum Austausch und zum Quatschen, und die Kinder finden Spielkameraden, mit denen sie gemeinsam erleben, entdecken und lernen können. Desto jünger die Kinder sind desto abstrakter findet ihr Kontakt statt. Bälle abnehmen, Händchen halten, mal „zärtlich“ mit der Rassel auf den Kopf des anderen hauen. All das sind Kontaktaufnahmen. Kinder kennen die Regeln der Gesellschaft noch nicht und lernen diese nur im Umgang mit anderen Kindern und dem Zutun der Eltern. Denn diese geben vor, was erlaubt ist und was nicht. Außerdem begreifen Kinder mit der Zeit, dass ihre Handlung eine Folge hat, zB. dass Luca weint, wenn man ihm das Auto weg nimmt. So lernen Kinder sich untereinander zu verstehen.

Ein weiterer Aspekt ist, dass Kinder im Umgang mit Gleichaltrigen voneinander lernen. Sie schauen sich Dinge ab und versuchen sie selbst. Kinder beobachten ihr Gegenüber immer sehr genau und haben Freude daran, diese nachzuahmen. Gerade im Baby- und Kleinkindalter, lernen Kinder durch Nachahmen. Sie sehen wie Jakob mit der Rassel hin und her wackelt und versuchen es ebenso. Dadurch entwickeln sich Kinder weiter und erlernen neue Fähigkeiten. So ist die Zeit in der Baby- und Kindergruppe eine Zeit des voneinander und miteinander lernen.

Lieben und Streiten gehört zusammen 

Natürlich gehört zum sozialen Miteinander nicht nur das gemeinsame Spielen. Auch das Erleben von Konflikten ist ein fester Bestandteil der kindlichen Entwicklung. So kommt es natürlich auch neben dem braven gemeinsamen Spiel, zum Streit um Spielzeug, oder einer kleinen Beiss-Attacke, vom vorher besten Freund. Diese Auseinandersetzungen spielen eine große Rolle beim Umgang miteinander. Kinder lernen so, sich durchzusetzen, zu teilen, und Konflikte miteinander zu lösen.

Eltern sehen diese Situationen natürlich nicht gerne, und greifen meist schnell ein. Doch diesen Lerneffekt sollte man Kindern nicht gänzlich vorenthalten. Sie müssen lernen, auch Konfliktsituationen mit- und untereinander zu klären. Auch schon im Kleinkindalter müssen Kinder so häufig wie möglich ihre Streitereien selbst klären. Denn auch das gehört zum sozialen Miteinander dazu. 


Über den Autor

Jacqueline Esser

Jacqueline ist staatlich anerkannte Erzieherin, mit der Qualifikation zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren. Diese Qualifikation hat sie bereits lange, bevor es als Pflichtteil zur Ausbildung aufgenommen wurde, freiwillig absolviert. Neben ihrer beruflichen Laufbahn, ist sie Mutter von zwei Kindern. Einem Mädchen und einem Jungen. Ihre Erfahrungen schöpft sie also aus beruflichen sowie privaten Herausforderungen. Dies macht sie zu einer perfekten Autorin für unser Magazin.

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