Start Familienleben Erziehung Schluss mit einem alten Vorurteil: Kann man ein Baby verwöhnen?

Schluss mit einem alten Vorurteil: Kann man ein Baby verwöhnen?

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Mutter und Baby - Babys kann man nicht verwöhnen

Kein Thema spaltet die Mütterwelt so sehr, wie dieses: Kann man Babys verwöhnen? Omas, Schwiegermütter und Tanten sind sich einig. Springt man, wenn das Baby weint, wird es verwöhnt und tanzt den Eltern schon bald auf der Nase rum. Doch stimmt das? Wir räumen mit dem umstrittenen Thema „Verwöhnen“ auf.

«Nimm die Kleine doch nicht immer gleich hoch wenn sie mal schreit. Du musst sie auch mal brüllen lassen!» 

Sätze, die jede Mutter schon einmal von der Familie, Freunden oder sogar Fremden zu hören bekommen hat. Doch kann man bereits ein Baby verwöhnen, und ihm sogar schlechte Gewohnheiten antrainieren? Natürlich möchte niemand ein verwöhntes, unleidliches Kind, das seine Eltern zu Marionetten werden lässt.

Unterscheiden zwischen Babys und größeren Kindern

Verwöhnen muss man klar in zwei Bereiche unterteilen. Natürlich kann man größere Kinder verwöhnen. Sie handeln bewusst und zeigen nicht selten Verhaltensweisen, die Eltern nicht fördern möchten und sollten. Ältere Kinder merken sich das Verhalten der Eltern und können es für sich nutzen. Doch wir sprechen hier von Kindern, die jünger sind als ein Jahr – von Babys. Ihre Welt unterscheidet sich deutlich von der eines größeren Kindes. Ein Baby kommt hilflos auf die Welt. Es kann sich weder fortbewegen, selbst ernähren, geschweige denn mit seinen Eltern kommunizieren. Babys brauchen zum Überleben ihre Eltern.

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Aus diesem Grund sind Säuglinge von der Natur mit einer kräftigen und eindringlichen Stimme ausgestattet. Sie ist die einzige Möglichkeit für das Baby, sich bemerkbar zu machen, und seinen Eltern zu signalisieren, dass es Hilfe benötigt. Die meisten Eltern reagieren instiktiv darauf und schauen nach ihrem Kind wenn es schreit.

Verwöhnen ist seit den letzten Jahrhunderten verpönt

Sollten Eltern ihrem natürlichen Instinkt entgegen handeln und ihr Baby schreien lassen? Ändert das etwas am Verhalten des Kindes? Wird es sich dadurch nun anders bemerkbar machen? Ganz sicher nicht. Trotzdem ist genau das weiterhin der Rat vieler anderer. Die Idee, dass man bereits Babys verwöhnen kann, kam gegen Ende des vorletzten Jahrhunderts auf.

Damals glaubte man, dass Kinder bei der Geburt nur mit schlechten Eigenschaften ausgestattet seien, und diese nur mit Strenge und konsequenter Erziehung „ausgetrieben“ werden könnten.

In den Köpfen der Gesellschaft hat sich diese Idee der Erziehung so sehr manifestiert, dass sie seit vielen Generationen weitergegeben wird. Doch in den letzten Jahrzehnten wurde soviel über die kindliche Entwicklung geforscht, wie nie zuvor. Dabei kamen natürlich ganz andere Erkenntnisse über die Bedürfnisse von Babys ans Tageslicht.

Babys brauchen Nähe und Geborgenheit um ihr Urvertrauen aufzubauen

Babys brauchen gerade in den ersten Lebenswochen viel Nähe und Geborgenheit. Sie brauchen die vertrauten Stimmen und den Geruch ihrer Eltern, sie brauchen das Gefühl, dass diese fremde Welt verlässlich und gut zu ihnen ist. In diesen ersten Lebenswochen entwickeln sie ihr Urvertrauen, auf das ihre komplette künftige Entwicklung aufbaut.

Gerade Kinder unter sechs Monaten sind sich nicht bewusst, dass sie eine eigenständige Person sind. Sie sehen sich als ein Ganzes mit ihrer Bezugsperson. Babys fühlen sich unvollständig und verloren, wenn sie alleine gelassen werden. Sie lernen erst mit sieben Monaten, dass Trennungen nicht endgültig, sondern vorübergehend sind. Säuglinge brauchen die Gewissheit, dass sich jemand um sie kümmert, wenn sie Hunger haben, die Windel voll ist, oder sie einfach Nähe brauchen.

Babys kann man mit Zuneigung nicht verwöhnen, denn es geht ihnen rein um Vertrauen: Das Vertrauen in ihre Umgebung.

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Jacqueline Esser
Jacqueline ist staatlich anerkannte Erzieherin, mit der Qualifikation zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren. Diese Qualifikation hat sie bereits lange, bevor es als Pflichtteil zur Ausbildung aufgenommen wurde, freiwillig absolviert. Zurzeit arbeitet sie als Gruppenleitung einer Krippen-Gruppe einer Kindertagesstätte. Neben ihrer beruflichen Laufbahn, ist sie Mutter von zwei Kindern. Einem Mädchen und einem Jungen. Ihre Erfahrungen schöpft sie also aus beruflichen sowie privaten Herausforderungen. Dies macht sie zu einer perfekten Autorin für unser Magazin.

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