Warum Deutschland bei seinen Kindern so sehr versagt Beitrag zum Weltkindertag 2018

Warum Deuschland bei Kindern versagt
Bild: © familie-eisenlohr.de / Adobe Stock

Wenn man sich in Deutschland umschaut, bekommt man tatsächlich immer mehr den Eindruck, dass wir zu einem extrem kinderfeindlichen Land mutiert sind. Was ist denn passiert, seitdem ich selber ein Kind war? Was hat sich verändert, oder ist es einfach nur meine vermeintlich erwachsene Sicht auf die Dinge? Bin ich vielleicht einfach zu typisch deutsch – zu negativ? Oder ist da was dran, an der Kinderfeindlichkeit eines ganzen Landes?

Früher war alles besser: von Limonade und Mettbrötchen

Im Sommer 1991 war ich eigentlich mehr mit dem Fahrrad unterwegs, als ich gefühlt zu Hause war. Ich hatte das sechste Schuljahr erfolgreich hinter mir gelassen, und genoss die Sommerferien mit meinen Klassenkameraden aus den umliegenden Ortschaften, in vollen Zügen. Kein Weg war zu weit, um die Sonne auch in fremden Gärten zu tanken. Damals war ich gerade einmal 12 Jahre alt. Wenn ich von heute auf diese Zeit zurückschaue, werde ich mit Blick auf meine eigenen Kinder, immer etwas wehmütig.

Beinahe überall, wo wir mit unseren Rädern Station machten, lachte uns bereits eine kalte Limonade an. Sogar Kekse oder Mettbrötchen lagen quasi am Straßenrand. Eigentlich kamen wir nur selten hungrig zu Hause an. Und trotzdem erreichte uns immer kurz vor dem Abendbrot der „Buschfunk“ unserer Mütter, dass es Zeit wäre den Heimweg anzutreten. Man hatte geradezu das Gefühl, dass wirklich ALLE weiblichen Gemeinde-Bewohner eine Telefonkette starteten, um uns in den Straßen ausfindig zu machen. Denn egal wo wir waren, irgendeine nette Dame reckte ihren Kopf aus irgendeinem netten Fenster, suchte unsere Aufmerksamkeit, und rief eine Namensliste zum Appell! Wie das ohne GPS, Internet, Whatsapp, funktioniert hat, ist mir bis heute ein Rätsel …

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[blockquote align=“none“ author=““]Es war eine sorglose und naive Zeit, in der wir tatsächlich noch Kind sein durften. Aber vor allen Dingen hat man uns Kind sein lassen.[/blockquote]

Wenn die Gesellschaft keinen Platz für Kinder hat

Heute bin ich selber Vater von zwei Kindern. Und leider muss ich beinahe jeden Tag feststellen, dass ihre Welt eine ganz andere geworden ist. Dabei ist es nicht alleine die Abwesenheit der netten alten Damen am Fenster. Kinder werden also nicht nur einfach weniger in der Gesellschaft umsorgt, sie stoßen sogar auf offene Ablehnung. Sie stören …

Ganz sicher ist es eine Verkettung ganz vieler Komponenten, welche am Ende dazu geführt hat, dass Kinder auf der nationalen Prioritätenliste ganz weit unten stehen. Gesellschaftlich gesehen, kann man ohne große Worte zu verlieren, die Antwort in der Gesamtstimmung des Landes suchen. Deutschland ist wütend! Deutschland ist enorm damit beschäftigt, gesellschaftlich nicht auseinander zu reißen. Und natürlich regt man sich an vielen Punkten zurecht auf. Jedoch haben wir offenbar auf dem Weg hierhin verlernt, daraus eine gesellschaftliche Stärke zu ziehen. Denn wir sind nicht nur wütend – wir sind auch unfassbar neidisch! Unsere Gesellschaft ist nicht mehr in der Lage, jedem sein eigenes Eimerchen und Schäufelchen für den Sandkasten zu gönnen. Die sogenannten Wutbürger bestimmen mittlerweile den Ablauf einer ganzen Nation. Entweder ist man Wutbürger – oder man ist gegen dieses Land. Geradezu absurd und surreal …


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Dabei sind Wut und Hass so unglaublich intensive Gefühle, dass man beinahe vergessen könnte, warum man eigentlich nochmal wütend war. Die Vorkommnisse in Chemnitz sind – auf einer ganz anderen Ebene – ein gutes Beispiel für diese Gesellschaftswut. Es laufen Dinge falsch – eine berechtigte Unzufriedenheit mischt sich mit dem Gefühl der Machtlosigkeit, wenn man beispielsweise den Fall Maaßen betrachtet, welcher aus seinem Amt als Verfassungsschutzchef herausbefördert wurde. Ein Großteil der Gesellschaft schüttelt fassungslos den Kopf – und ist zurecht wütend. Extreme Kräfte reiben sich die Hände und freuen sich schon darauf, ihre „Hausaufgaben abzugeben“.

Viel erschreckender ist, dass wir mittlerweile aus reiner Gewohnheit, auf gänzlich andere Themenbereiche, ganz ähnlich reagieren. Reden wir über Kinderarmut, unausgereifte Kinderrechte und marode Schulen, diskutiert das Netz im Wutbürger-Style. Auch dort fühlen sich die sogenannten“Trolle“ mittlerweile ganz wohl. Wenn sie loslegen, geht es ihnen am Ende sicherlich zu allerletzt um die Rechte von Kindern. Ihnen geht es darum, ihre eigene Wut auf andere zu übertragen. Passt ihnen nicht, was du sagst, ist das Feindbild des „Normalbürgers“ entlarvt. An diesem Punkt erlebt man dann sein ganz persönliches „Chemnitz“…

Wir sind verantwortlich für die Zukunft unserer Kinder

Aber was haben all diese Dinge mit unseren Kindern zu tun? Die Frage ist mehr als berechtigt. Und die Antwort erschütternd: Wenn eine Gesellschaft verlernt, aus einem echten Bedürfnis heraus, um Dinge zu kämpfen, sondern stattdessen ihre Wut zelebriert, hat sie das „Zepter“ bereits aus der Hand gegeben. Dabei sind unsere Kinder darauf angewiesen, dass wir – als ihre Eltern – dieses Zepter würdevoll als Team ins Ziel tragen.

In solch einer Gesellschaft ist kein Platz für Menschen am Fenster. Sie haben bereits vor Jahren aufgegeben. Entweder entmutigt oder selber der Wut verfallen. Eine katastrophale Wahrheit über uns alle – und die Lebenswelt unserer Kinder. Politik und Gesellschaft brauchen einen Neustart mit Blick auf Lösungen. Nur wer sich selber wieder für Kinder (auch von anderen Elternpaaren) ins Fenster legt, hat verstanden wohin die Reise gehen muss …

Unsere Kinder wollen stolz auf uns sein. Auch als Gesellschaft sollten wir wieder beginnen, ihnen einen guten Grund dafür zu liefern! Am 20.09.2018 ist Weltkindertag: vergessen wir doch einmal unsere Wut und besinnen uns auf das Wichtigste – den Zusammenhalt unserer Gesellschaft – also die Zukunft unserer Kinder.

Torsten


 

 

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