Das häufigste Streitthema zwischen Eltern und Kindern, ist das Chaos im Kinderzimmer. Was für Kinder kreatives Durcheinander und die „beste“ Spielumgebung ist, ist für deren Eltern der reinste Schweinestall und Bewegungsparcour. Kein Wunder, dass dort zwei Welten aufeinander prallen. Wie das Kinderzimmer schnell aufgeräumt werden kann und welche Tipps und Tricks es gibt, damit es auf einem gewissen Level bleibt, verraten wir euch in diesem Artikel. 

Chaos im Kinderzimmer
(Titlebild Copyright: Stella Raith_pixelio.de)

Erst heute erzählte mir eine Kindergarten-Mutter, dass ihr Sohn jeden Tag aufs neue, sein Zimmer in einen Spielzeug-Urwald verwandelt. Er beherrscht den Überblick über dieses Chaos ohne Probleme, und kennt schon jeden Ausfallschritt den er gehen muss, um sich seinen Weg durch den Spielzeugberg zur Zimmertüre zu bahnen. „Jeden Abend verbringt er über eine Stunde damit, sein Zimmer aufzuräumen. Meistens weiss er gar nicht, wo er Anfangen soll. Das Aufräumen wird regelmäßig zur Geduldsprobe und führt bei uns oft zum Streit.“ berichtet Petra*

Und selbst wenn die lieben Kleinen es dann geschafft haben, und stolz in der Küchentüre stehen, um zu verkünden: „Ich bin fertig, alles aufgeräumt“ , ist der Spuk oftmals noch nicht vorbei. Kinder die das Chaos nicht so werten, wie die Erwachsenen, sehen -„es ist aufgeräumt“- ebenfalls mit anderen Augen. Petra erzählt, „Wenn Jonas es dann doch endlich geschafft hat, und mir berichtet, er sei jetzt mit allem fertig, zeigt sich bei meinem Kontrollgang meistens ein Bild des Grauens. Das Spielzeug ist nicht aufgeräumt, sondern unterm Bett, Schreibtisch (oder auch sehr beliebt), im Kleiderschrank verstaut.“ Höchste Zeit, eine gemeinsame Lösung zu finden.

Das ordentliche Kind – gibt es das überhaupt?

Jeder wünscht sich ein Kind, das nach dem Spielen alles akurat in die Regale zurück räumt. Doch erwarten wir da nicht zu viel? Kinder spielen anders! Sie nutzen nicht, wie im Fernsehn verbreitet, nur die Playmo-Ritterburg zum spielen. Die Ritterburg wird z.B. auch vom Lego-Drachen angegriffen und von den Schleich-Elfen beschützt. Kinder kombinieren all ihre Spielzeuge und erschaffen so eine bunte Spielzeugwelt. Unordnung ist also auch ein Ausdruck für Kreativität und der kindlichen Fantasie. Wollen wir das den Kindern nehmen? Wenn sie erwachsen werden, verlieren sie diese Gabe noch früh genug.

Der Weg zum ordentlichen Kinderzimmer

Aufräumen müssen Kinder lernen, wie das Essen mit der Gabel und dem Löffel. Wird das Aufräumen schon früh spielerisch geübt, wird es zur Gewohnheit und für jedes Kind zur – lästigen aber selbstverständlichen – Aufgabe nach dem Spielen. Schon die kleinsten können helfen die Bauklötze in die Kiste zu tun, oder alle Stofftiere ins Regal zu legen. Wichtig ist, dass man das Aufräumen altersentsprechend vollzieht. Da kann zum Beispiel mit der 2 jährigen ein “ Wer ist schneller“ Aufräum-Wettbewerb gestartet werden, oder mit dem Kindergartenkind nach Farben aufgeräumt werden. Der Fantasie der Eltern ist hier keine Grenze gesetzt. „Wir verwandeln das Aufräumen zu einem Abenteuer – so sind wir manchmal Seemänner, die sich ihren Weg durch den Wald schlagen ( dabei wird dann alles vom Boden in die Kisten verfrachtet), um an den verlorenen Schatz ( meistens ein Buch oder Spiel, das dann vor dem Schlafen gehen gelesen oder gespielt wird) zu kommen. Das funktioniert bei Noah sehr gut.“, berichtet Marina.

Bis zum Grundschulalter sind Kinder oftmals überfordert, wenn es heißt „Räum dein Zimmer auf.“. Anleitung kann hier helfen, die Eltern könnten z.B. zuerst sagen „Räume bitte deine Puppen und alles von der Puppe weg.“, und danach den nächsten Auftrag erteilen. So räumen die Kinder auf, ohne im Chaos zu versinken.

Das Ordnungssystem

Um den Kindern die Ordnung im Kinderzimmer zu erleichtern, ist es sinnvoll, wenn alles einen festen Platz hat. Ein Regalbrett nur für die Stofftiere, eins für die Bücher und jeweils eine Kiste für, Lego, Playmobil oder das Puppenzubehör. Um das Ganze nochmal zu vereinfachen, können auf allen Kisten, Fotos mit dem jeweiligen Spielzeug kleben. So wissen die Kinder sofort, wo was rein kommt.

Viele Hersteller bieten Kisten in den unterschiedlichsten Farben, Formen und Größen an. Welche das passende System für euer Kind und das Kinderzimmer ist, müsst ihr im Praxistest herausfinden.

Wann und wie oft aufräumen

Sinnvoll ist es natürlich, die Kinder abends kurz vorm zu Bett gehen aufräumen zu lassen. Achtet darauf, dass sie nicht schon zu müde sind, und rechnet die Zeit die euer Kind für das Aufräumen braucht, mit in den Ablauf des Abends ein. Sonst kann es schnell passieren, dass die Kinder aus Müdigkeit bocken, oder aber, statt wie geplant um sieben, erst um acht Uhr im Bett liegen.

Ob euer Kind jeden Abend aufräumen muss oder soll, liegt in eurem Ermessen. Je jünger die Kinder sind, desto häufiger sollten sie jedoch ihre Zimmer aufräumen.Bei zu großer Unordnung im Kinderzimmer, verlieren sie schnell den Überblick und sind überfordert. Was übrigens so weit gehen kann, dass sie keine Lust mehr haben, in ihrem Zimmer zu spielen, weil es da so aussieht, wie es aussieht.

Bei älteren Kindern, so ab dem Schulstart, reicht es oft aus, wenn sie einmal während der Woche und am Wochenende aufräumen. 

Kinder sind meistens sehr stolz auf das, was sie gebaut oder errichtet haben und wollen noch ein paar Tage damit spielen. Gebt euren Kindern den Raum dafür, vereinbart Kompromisse, mit denen alle Leben können. Z.B. kann die Rennstrecke in einer Ecke stehen bleiben, statt mitten im Raum, oder das mit Stolz errichtete erste  Barbie-Zeltlager wird etwas zusammen geschoben. Das zeigt euren Kindern, dass ihr sie und ihre Wünsche ernst nehmt. Das stärkt die Bindung und gibt euren Kindern Sicherheit.

Sollen Eltern für ihre Kinder aufräumen?

Bei Babies und Kleinkindern steht diese Frage natürlich nicht zur Debatte, da ist es normal, dass Mama und Papa aufräumen. Doch wenn die Kleinen in den Kindergarten kommen, sollten sie langsam lernen, einen kleinen Teil ihres Zimmers selbst aufzuräumen. Hilfe ist immer erlaubt und manchmal sogar nötig, damit wieder eine Grundordnung in die Kisten und Regale kommt. Zum Aufräumen gehört auch kaputtes Spielzeug, Dinge mit denen nicht mehr gespielt wird, oder die gemalten Bilder auszusortieren und eventuell zu entsorgen. Wichtig dabei, bevor etwas weggeworfen oder aussortiert wird, solltet ihr mit euren Kindern besprechen, was sie behalten möchten. Manchmal ist etwas Überzeugungskraft von Nöten, um Spielzeug aus dem Kinderzimmer zu verbannen, aber eigenmächtiges aussortieren kann bei den Kindern zu Verlustängsten führen, und kann zur Folge haben, dass eure Kinder noch mehr an ihrem Hab und Gut klammern.

Teenager – die besondere Heausforderung: Chaosphase

Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem aus dem früheren Kinderzimmer laute Musik schallt und an der Türe ein dickes Schild hängt, mit der Aufschrift „Betreten verboten!“. Wenn man dann trotzdem den Schritt ins Zimmer wagt und verkündet, dass jetzt Zeit zum Aufräumen wäre, muss damit gerechnet werden, dass ein „Das ist MEIN Zimmer, hier kann es aussehen wie ICH das WILL“ zurück gedonnert wird.
Einstellen muss man sich nun auf hoch getürmte Wäscheberge (durch mehrfaches Umziehen am Tag), Geschirr und Gläser zu Bergen aufgetürmt, und Chaos vom Bett zum Regal und dem Boden – fast jeder wünscht sich nun die Lego- und Puppenzeit zurück.

Eure Kinder werden erwachsen – ok sie sind auf dem Weg dorthin. Aber diese Lebensphase beinhaltet mehr Kompromissbedürftigkeit, als in den vorhergegangenen Jahren. Führt mit euren Teenagern ein gemeinsames Gespräch, in dem ihr eine klare Regel festlegt „Dreckige Wäsche in den Wäschekorb, kein schimmelndes Geschirr und Gläser im Zimmer, sondern in die Küche bringen und zwei mal die Woche selber durchs Zimmer saugen- alles andere ist mir egal.“. Auf diesen Kompromiss lassen sich die meisten Teenager ein.

Tipps und Tricks beim Aufräumen

Für Kinder ab 1 – 3 Jahren

  • Aufräumlieder singen
  • jeden Abend ein paar Minuten aufräumen
  • Kisten für verschiedene Spielzeuge einführen
  • Fotos auf die Kisten kleben

Für Kinder ab 4 – 5 Jahren

  • alleine aufräumen einführen
  • Aufräumspiele zb. Wettkämpfe oder Geschichten rund ums Aufräumen erfinden
  • Hörspiel CDs beim Aufräumen hören

Für Kinder ab 6 – 10 Jahren

  • Feste Aufräumtage festlegen – zb Mittwochs und Samstags.
  • jeden Abend 15 Min aufräumen – mit Eieruhr oder Wecker
  • Feste Plätze für Spielsachen und Bücher festlegen
  • Cds hören beim Aufräumen

Für Teenager 

  • Gemeinsame Regeln festlegen
  • Freiraum lassen, um im Zimmer selber „Haushalt“ zu führen
-Anzeige-

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here