Auf der Suche nach der besten Schule für ihr Kind, werden viele Eltern über die Existenz von Montessori-Schulen stolpern. Fälschlicherweise werden dabei Montessori-Schulen und Waldorf-Schulen oft in einem Atemzug benannt. Dabei könnten die Ansätze kaum unterschiedlicher sein. Wir beantworten euch hier die wichtigsten Fragen rund um eine Montessori-Schule.

Wer war Maria Montessori?

Maria Montessori war eine italienische Ärztin, Philosophin und natürlich Reformpädagogin. Sie lebte in der Zeit von 1870 bis 1952. Ihren Lebensabend verbrachte sie in den Niederlanden, wo sie auch beerdigt wurde.

Dr Maria Montessori: Aufnahme aus dem Jahr 1935, aus Hampstead.
Dr. Maria Montessori, Foto aus dem Jahr 1935. (Bild: © IMAGO / United Archives International)

Schon während ihres Medizinstudiums lenkte sie den Fokus auf Kinderheilkunde. In einer Zeit, in der man Kinder noch völlig anders betrachtete, kämpfte sie zunächst an vorderster Front, um behinderten und verarmten Kindern eine bessere Lebenswelt zu ermöglichen. Die Erfolge ihrer Arbeit brachten Stück für Stück das Konzept der Montessori-Pädagogik ans Licht.

Wie ist das Konzept einer Montessori-Schule?

Maria Montessori war davon überzeugt, dass Kinder wesentlich zielstrebiger und nachhaltiger lernen, wenn sie frei entscheiden können, mit was und wie lange sie sich – mit etwas beschäftigen. Jedes einzelne Kind kommt mit unterschiedlichen Charakterzügen und Interessen in eine Lernsituation. Um den besten Lernerfolg pro Kind zu gewährleisten, soll auch das eigentliche Lernen ganz individuell gestaltet sein.

So findet man in der alternativen Schulform der Montessori-Schulen keinen typischen Frontalunterricht. Lehrpersonen stehen also nicht an der Tafel (oder am Lehrerpult) und referieren vor dem gesamten Klassenverbund zu einem bestimmten Thema. Schüler:innen entscheiden anhand ihrer eigenen Interessen, mit welchen Materialien, in welchem Tempo (und wie lange) sie sich mit einem bestimmten Thema befassen wollen. Natürlich unterstützen Lehrer:innen den Prozess, durch Beantwortung von Fragen, hilfreichen Tipps und durch Anregungen für tiefergehendes Lernen.

„Hilf mir, es selbst zu tun. Zeig mir, wie es geht. Tu es nicht für mich. Ich kann und will es allein tun. Hab Geduld, meine Wege zu begreifen. Sie sind vielleicht länger, vielleicht brauche ich mehr Zeit, weil ich mehrere Versuche machen will. Mute mir Fehler zu, denn aus ihnen kann ich lernen.“

Maria Montessori

Gibt es bei Montessori keine Schulnoten?

In den meisten Montessori-Schulen gibt es mindestens bis zum vierten Schuljahr keine typischen Schulnoten mit der Wertung von 1 bis 6. Hier werden ausführliche Leistungsberichte vergeben. Neben der eigentlichen Lernbewertung, wird auch die Entwicklung der Persönlichkeit der Kinder berücksichtigt. Vielen Eltern kommt dieses Bewertungssystem auf den ersten Blick sehr abstrakt vor. Jedoch kennt man es auch aus dem offiziellen Schulsystem in den Grundschulen. Auch dort wird meist innerhalb der ersten beiden Schuljahre ein Leistungsbericht verfasst. Im Sprung zum dritten Schuljahr werden dann dort Schulnoten vergeben.

Neugieriges und lernbereites Mädchen
Bild: © Krakenimages.com / Adobe Stock

Montessori-Schulen gehen davon aus, dass ohne den passiven Leistungsdruck regulärer Schulnoten, die Lernbereitschaft von Schüler:innen positiv beeinflusst wird.

Was bedeutet der Begriff der kosmischen Erziehung in der Montessori-Pädagogik?

Eine Begrifflichkeit an der viele Menschen hängen bleiben, wenn sie die ersten Male von der Montessori-Pädagogik hören, ist das Grundprinzip der „kosmischen Erziehung“. Aus heutiger Sicht wirkt diese Benennung immer ein wenig abgehoben und befremdlich. Dabei ist der Grundgedanke absolut klug und modern.

Dem regulären Schulsystem wird oft vorgeworfen, dass man Schüler:innen Wissen völlig ungeordnet und zusammenhangslos in den Kopf schüttet, ohne dass sie für sich (und ihr Leben) einen Sinn darin erkennen könnten. Die kosmische Erziehung der Montessori-Pädagogik, möchte das Gegenteil erreichen. Grob erklärt, geht es darum, erlerntes Wissen miteinander in Zusammenhang zu bringen. Mensch und Natur, rein kognitives Wissen mit charakterlichen und gefühlsbedingten Grundzügen. Das Wirken und die Anwendung von Wissen, löst etwas aus. Wissen birgt also eine gewisse Verantwortung.

Der ganzheitliche Gedanke ist keineswegs abwegig – und findet (auf gewisse Weise) auch immer häufiger seinen Weg in andere gängige Schulformen.

Für welches Kind ist eine Montessori Schule gut geeignet?

Tatsächlich sind die allermeisten Kinder grundsätzlich für eine Montessori-Schule geeignet. Das liegt am Grundgedanken der Montessori-Pädagogik. Kinder werden hier mit all ihren offenen und schlummernden Talenten empfangen.

Kinder gehen gerne in die Schule
Bild: © Monkey Business / Adobe Stock

Das Prinzip von Montessori will die natürliche Neugierde von Kindern und Jugendlichen stützen, fördern und mit Wissen füllen. Dabei gibt es immer wieder Schüler/innen, die sich innerhalb des eher starren öffentlichen Schulsystems, ausgebremst oder überfordert fühlen. Das individuelle Lernen entlang der eigenen Talente und Interessen, bringt oft einen besseren Lernerfolg hervor.

Für wen ist eine Montessori Schule nicht geeignet?

Diese Frage ist nicht ganz leicht zu beantworten. Denn natürlich könnte man im Nachhinein immer das Gefühl bekommen, es eigentlich besser gewusst zu haben. Im Prinzip ist es so, dass das Montessori-Konzept bei fast allen Kindern gut greift. Es begünstigt die Entfaltung von Talenten und Charakter auf eine Weise, von der man an anderer Stelle nur träumen kann. Aber – es gibt natürlich Ausnahmen, die sich in vielen Fällen nicht unbedingt voraussagen lassen. Einige Kinder benötigen einen eher klaren Fahrplan und Tagesablauf. Werden diese Schüler:innen nicht unterstützend aufgefangen, ist eine Montessori-Schule hier nicht passend.

Was kostet der Besuch einer Montessori-Schule?

Der Kostenfaktor für den Besuch einer Montessori-Schule hängt im wesentlichen mit der Art der Schule zusammen. Die meisten Montessori Schulen laufen als sogenannte staatlich genehmigte Ersatzschule. Diese Privatschulen beziehen, einen bestimmten Anteil staatlicher Zuschüsse. Um den restlichen Kostenanteil für das jeweilige Schuljahr zu decken, werden unter anderem Schulgebühren pro Kind eingezogen. Im Schnitt kann man pro Schuljahr mit Unkosten zwischen 100 und 600 Euro rechnen. Die meisten Schulen versuchen hierbei jedoch auch die Einkommensverhältnisse der Eltern zu berücksichtigen.

Neben reinen Montessori-Schulen, gibt es übrigens auch immer mehr staatliche Schulen (meist Gymnasien oder Gesamtschulen), welche die Montessori-Pädagogik als Grundlage ihrer Arbeit mit Schüler:innen verstehen. Diese Schulen sind reguläre staatliche Schulen. Somit fallen auch keine Gebühren an.


Wer hat's geschrieben?

Torsten Esser

Torsten hat das Vollzeit-Papa-Diplom. Er hat einen kleinen Sohn und eine Stieftochter, die er liebt, als wäre es seine eigene. Darüber hinaus hat er acht Semester lang "Soziale Arbeit" studiert. Mit einer unübertroffenen Mischung aus Wissen und Bauchgefühl, ist er der geborene Autor für dieses Magazin. Und ganz nebenbei kümmert er sich als Gründer und Inhaber von 1-2-family.de um alle Belange des Magazins.

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