Das stille Leiden der Frauen: Endometriose und Kinderwunsch

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Was haben internationale Stars wie Lena Dunham, Chrissy Teigen und Halsey – und deutsche Prominente wie Patricia Kelly und Anna Wilken – gemeinsam? Sie alle sind an Endometriose erkrankt – und sprechen öffentlich darüber!

Endlich, denn unterschiedlichen Schätzungen zufolge leidet jede zehnte oder gar jede sechste Frau im gebärfähigen Alter darunter. Damit ist Endometriose  in dieser Gruppe häufiger als Diabetes, Herzerkrankungen und viele andere ungleich bekanntere chronische Krankheiten! Eine Volkskrankeit, die kaum jemand kennt.

“Es dauert im Schnitt sechs bis sieben Jahre, bis Endometriose selbst bei starken Schmerzen diagnostiziert wird”, so Dr. Julia Bartley, Endometrioseexpertin und Ärztliche Leiterin am TFP Kinderwunschzentrum Berlin. “Das liegt auch daran, dass Schmerzen von Frauen bis heute gesellschaftlich bagatellisiert werden. Insbesondere Regelschmerzen – ein zentrales Symptom der Krankheit – werden oft nicht ernstgenommen, andere Symptome wie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder beim Wasserlassen sind schambehaftet. So kommt es immer wieder zu Fehldiagnosen – selbst bei Gynäkologen ist das Bewusstsein für die Krankheit noch stark unterentwickelt.”

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Dr. Julia Bartley, TFP Kinderwunschzentrum Berlin (Bild: © Anja Weinhold)

Endometriose kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen

Dabei hat die Krankheit oft erhebliche Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen. Neben häufig auftretenden Schmerzsymptomen ist auch die Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit zu nennen – bei schätzungsweise der Hälfte der erkrankten Frauen ist dies der Fall! Bei der Endometriose lagern sich Zellen der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter ab und können zu entzündlichen Reaktionen führen. Je nachdem, wo und in welchem Ausmaß das geschieht, kann die Fruchtbarkeit teils erheblich reduziert sein und auch das Risiko von Fehlgeburten steigen.

Dr. Bartley plädiert daher dafür, die Therapie der Endometriose und die Kinderwunschbehandlung gemeinsam zu denken, denn viel zu oft wird Endometriose isoliert betrachtet und behandelt. Das kann fatale Folgen für den Kinderwunsch haben. Denn nicht nur die Krankheit selbst kann die Fertilität negativ beeinflussen, sondern auch ihre Behandlung, weiß Dr. Bartley: “Eine Operation kann beispielsweise dazu führen, dass die Eizellreserve angegriffen wird. Daher ist es entscheidend, all diese Faktoren individuell abzuwägen und auch präventiv zu denken. Was, wenn es in Zukunft einen Kinderwunsch gibt? Wie kann verhindert werden, dass die jetzige Behandlung eine spätere Schwangerschaft verhindert?” 

Bei Betroffenheit früh mit Kinderwunsch befassen

Endometriose-Patientinnen rät die Ärztin deshalb, sich schon früh mit dem Thema Kinderwunsch zu befassen. So kann es sinnvoll sein, die Eizellreserve zu bestimmen, um dann gemeinsam mit dem Spezialisten den besten Weg zu finden, um zum einen die Erkrankung zu bekämpfen und zum anderen die Möglichkeit zu bewahren, sich den Kinderwunsch erfüllen zu können. Social Freezing, das Einfrieren von Eizellen für eine spätere Befruchtung, mag ein Weg sein, die Vermeidung operativer Eingriffe ein anderer. 

Ähnlich wie bei den Schmerzen ist auch die Fruchtbarkeit bei Endometriosepatientinnen sehr unterschiedlich stark betroffen. Grundsätzlich sollte Frauen mit Endometriose erst einmal die Chance gegeben werden, ohne Behandlung schwanger zu werden, wenn es keine medizinischen Gründe gibt, die dagegen sprechen. 

Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass es klappt, geringer als bei Frauen ohne Endometriose. “Bei Paaren, die versuchen, auf natürliche Weise schwanger zu werden, werden nach 36 Monaten 50 Prozent natürlich schwanger, wenn die Frau Endometriose hat – normalerweise sind es 90 Prozent nach einem Jahr”, so Dr. Bartley. “Dagegen beobachten wir bei einer Kinderwunschbehandlung nur geringe Unterschiede. Frauen mit Endometriose werden beispielsweise mit IVF fast genauso häufig schwanger wie ohne. Daher ist es so wichtig, dass bei Frauen, die jetzt oder später einen Kinderwunsch haben, Endometriosetherapie und Kinderwunschbehandlung Hand in Hand gehen.”


Diese Promis sprechen offen über Endometriose

Anna Wilken

Model und Influencerin Anna Wilken spricht nicht nur seit Jahren offen über Endometriose, sondern hat auch ein ganzes Buch darüber geschrieben. Auf Instagram nimmt sie ihre Follower mit auf ihre Kinderwunsch-Reise.


Chrissy Teigen

US-Model, Moderation und Kochbuch-Autorin Chrissy Teigen unterzog sich aufgrund ihrer Endometriose vor einem Jahr einer Operation und berichtete offen darüber. Aktuell befindet sie sich in einer IVF-Behandlung, um erneut schwanger zu werden.

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Amy Schumer

Auch US-Comedian Amy Schumer nimmt beim Thema Endometriose kein Blatt vor dem Mund und kritisiert, wie wenig Gelder in die Erforschung der Endometriose fließen. Trotz ihrer Erkrankung wurde sie Mutter eines Sohns. Mittlerweile lies sie sich aufgrund ihrer Schmerzen die Gebärmutter komplett entfernen.


Endometriose – Das sollten Frau mit Kinderwunsch wissen:

  • Endometriose bedeutet nicht, dass Sie keine Kinder bekommen können: Nach 36 Monaten “Probieren” werden immerhin  50 Prozent auf natürlichem Wege schwanger.
  • Sprechen Sie gleich zu Beginn der Behandlung über Ihren derzeitigen oder zukünftigen Kinderwunsch und lassen Sie Ihre Fruchtbarkeit untersuchen, etwa Ihre Eizellreserve über den AMH-Wert.
  • Für Frauen mit Endometriose, die Schwierigkeiten haben, ein Kind zu bekommen, kann eine Kinderwunschbehandlung ratsam sein. 
  • Kinderwunschbehandlungen sind ähnlich erfolgreich wie bei Frauen, die sich diesen aufgrund anderer Ursachen unterziehen.
  • Die Behandlung der Endometriose sollte mit dem Verfolgen des Kinderwunschs koordiniert werden. Denn Endometriose-Therapien können die Eizellreserve angreifen und somit die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.

Über TFP

TFP ist einer der führenden Anbieter von Kinderwunschbehandlungen und -dienstleistungen in Europa. Mit 20 Einrichtungen in sechs Ländern bietet TFP eine breite Palette an individuellen Therapien. TFP versammelt über 300 renommierte Spezialisten und teilt ihr Wissen in der gesamten Gruppe. Sie kombiniert medizinische Exzellenz, bahnbrechende Forschung und individuelle Betreuung, um Menschen bei der Familiengründung zu helfen. TFP ist seit 35 Jahren ein Innovator in der Reproduktionsmedizin und hat viele erfolgreiche Kinderwunschbehandlungen vorangetrieben. Die Gruppe betreibt derzeit Kliniken in Großbritannien, Deutschland, Österreich, Dänemark, den Niederlanden und Polen.

Weitere Infos auf der Homepage von TFP Kinderwunsch.


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