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Schilddrüse in der Schwangerschaft: Risiken erkennen, dein Baby schützen

Schilddrüse in der Schwangerschaft: Risiken erkennen, dein Baby schützen


Eine Schilddrüsenunterfunktion oder Überfunktion kann während der Schwangerschaft mehr bedeuten als Müdigkeit, Herzklopfen oder einen auffälligen Blutwert. Unbehandelte, ausgeprägte Erkrankungen können auch die Entwicklung deines Babys und den Schwangerschaftsverlauf beeinträchtigen. Deshalb ist eine frühe Abklärung wichtig. Ein einzelner Wert außerhalb des Normbereichs bedeutet aber noch nicht, dass dein Baby Schaden genommen hat.

Vielleicht weißt du schon länger, dass deine Schilddrüse Unterstützung braucht. Vielleicht fällt das Thema erst bei einer Blutuntersuchung auf. Gerade im ersten Trimester kommen ohnehin viele neue Fragen zusammen. Dann hilft eine verständliche Einordnung: Welche Veränderungen gehören zur Schwangerschaft, welche brauchen Behandlung – und was kannst du jetzt konkret tun?

Warum dein Baby deine Schilddrüsenhormone braucht

Schilddrüsenhormone sind wichtig für die Entwicklung des kindlichen Gehirns und Nervensystems. In den ersten Schwangerschaftsmonaten ist dein Baby dafür auf deine Versorgung angewiesen.

Die Hormone gelangen über die Plazenta zu deinem Baby. Seine eigene Schilddrüse beginnt ungefähr um die zwölfte Schwangerschaftswoche zu arbeiten. Ausreichend Hormone produziert sie erst etwa zwischen der 18. und 20. Woche. Wie früh sich Gehirn und Nervensystem bereits entwickeln, zeigt auch unser Beitrag zur Entwicklung in der 7. SSW.

Gleichzeitig steigt dein eigener Bedarf an Schilddrüsenhormonen. Eine gesunde Schilddrüse kann ihre Produktion normalerweise entsprechend erhöhen. Bei einer Unterfunktion gelingt das möglicherweise nicht ausreichend. Deshalb kann eine Medikamentendosis, die vor der Schwangerschaft gut gepasst hat, jetzt zu niedrig sein.

Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft: Welche Folgen sind möglich?

Bei einer Unterfunktion bildet die Schilddrüse zu wenige Hormone. Eine ausgeprägte, unbehandelte Unterfunktion kann die geistige Entwicklung des Babys beeinträchtigen.

Medizinisch heißt diese Erkrankung Hypothyreose. Zu den beschriebenen Risiken gehören außerdem Fehlgeburten, Frühgeburten und ein geringeres Geburtsgewicht. Dabei kommt es darauf an, wie deutlich die Unterfunktion ausgeprägt ist und ob sie ausreichend behandelt wird. Die Diagnose allein erlaubt keine Vorhersage darüber, wie sich ein einzelnes Baby entwickelt.

Anders liegt der Fall bei einer latenten oder subklinischen Unterfunktion: Der Steuerwert TSH ist erhöht, das freie Schilddrüsenhormon fT4 liegt noch im Referenzbereich. Hier sind die Zusammenhänge mit Schwangerschaftskomplikationen und der Nutzen einer Behandlung weniger eindeutig. Die aktuelle internationale Leitlinie sieht deshalb eine individuelle Entscheidung vor.

Wichtig für deine Einordnung: Ein leicht auffälliger Laborwert ist kein Beweis für eine Schädigung deines Babys. Er ist zunächst ein Anlass, genauer hinzusehen und das weitere Vorgehen zu besprechen.

Hashimoto und Schwangerschaft: Was verändert sich?

Hashimoto ist eine häufige Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion. Die Erkrankung bedeutet aber nicht automatisch, dass die Schilddrüse bereits zu wenige Hormone bildet.

Bei Hashimoto richtet sich das Immunsystem gegen Schilddrüsengewebe. Dadurch entsteht eine chronische Entzündung. Anfangs kann das verbleibende Gewebe die Hormonproduktion noch ausgleichen; später entwickelt sich häufig eine Unterfunktion.

Während der Schwangerschaft ist deshalb entscheidend, wie gut deine Schilddrüse den erhöhten Bedarf bewältigt. Auch wenn du bislang keine Tabletten gebraucht hast, können Kontrollen sinnvoll sein. Nachgewiesene TPO-Antikörper bei ansonsten normaler Schilddrüsenfunktion sind dagegen für sich genommen kein Grund, vorsorglich L-Thyroxin einzunehmen. Ein besserer Schwangerschaftserfolg durch diese Behandlung ist für diese Situation nicht belegt.

Welche Symptome können auf Schilddrüsenprobleme hinweisen?

Viele Beschwerden einer Schilddrüsenstörung können auch in einer normalen Schwangerschaft auftreten. An Symptomen allein lässt sich deshalb keine sichere Diagnose stellen.

Mögliche UnterfunktionMögliche Überfunktion
Ausgeprägte Müdigkeit, KonzentrationsproblemeHerzrasen, Zittern, innere Unruhe
Starkes Frieren, trockene HautStarkes Schwitzen, Wärmeempfindlichkeit
VerstopfungGewichtsverlust, häufiger Stuhlgang oder Durchfall

Diese Beschwerden sind mögliche Hinweise, aber keine verlässliche Selbstdiagnose. Manche Frauen mit einer Schilddrüsenstörung bemerken außerdem kaum etwas. Wenn Beschwerden neu auftreten, ungewöhnlich stark sind oder dich deutlich belasten, sprich sie in der Praxis an.

TSH-Wert in der Schwangerschaft: Was bedeuten die Zahlen?

Der TSH-Wert zeigt, wie stark die Schilddrüse zur Hormonproduktion angeregt wird. Für seine Beurteilung zählen auch die Schwangerschaftswoche, weitere Blutwerte und der Referenzbereich des Labors.

TSH wird in der Hirnanhangdrüse gebildet. Ein erhöhter Wert kann darauf hinweisen, dass die Schilddrüse mehr Anregung benötigt. Bei einem auffälligen Befund wird unter anderem fT4 untersucht – der freie Anteil des Schilddrüsenhormons Thyroxin.

Bevorzugt werden Referenzbereiche, die zum Labor und zum Schwangerschaftsdrittel passen. Fehlen solche Angaben, kann in der frühen Schwangerschaft häufig eine obere TSH-Grenze um 4,0 mU/l als Orientierung dienen. Daraus entsteht aber keine allgemeingültige Behandlungsempfehlung für jede Frau.

Warum liest man trotzdem oft „TSH unter 2,5“? Bei einer bereits behandelten Unterfunktion kann ein Wert unter 2,5 mU/l als Therapieziel dienen. Das ist etwas anderes als die Grenze, ab der eine bislang gesunde Frau als erkrankt gilt. Ein Wert über 2,5 bedeutet daher nicht automatisch Gefahr fürs Baby.

Auch ein niedriger TSH-Wert braucht Kontext. Das Schwangerschaftshormon hCG kann die Schilddrüse am Anfang zusätzlich anregen und den TSH-Wert absenken. Eine solche Veränderung ist nicht automatisch eine behandlungsbedürftige Überfunktion.

Wer sollte seine Schilddrüsenwerte kontrollieren lassen?

Bei einer bekannten Schilddrüsenerkrankung sollte die Kontrolle früh nach Feststellung der Schwangerschaft erfolgen. Auch bestimmte Vorerkrankungen und Beschwerden können eine Untersuchung begründen.

Zu den wichtigen Informationen gehören:

  • eine frühere Unterfunktion, Überfunktion oder Schilddrüsenoperation;
  • Schilddrüsenerkrankungen in der Familie;
  • andere Autoimmunerkrankungen, beispielsweise Typ-1-Diabetes;
  • bekannte Schilddrüsenantikörper;
  • auffällige Beschwerden oder eine vergrößerte Schilddrüse.

Ein allgemeiner Schilddrüsentest für jede Schwangere wird derzeit mangels ausreichender Evidenz nicht empfohlen. Bei Risikofaktoren empfehlen die deutschen geburtshilflichen Fachleute dagegen eine gezielte Untersuchung.

Beim ersten ausführlichen Vorsorgetermin, häufig rund um die 8. SSW, werden Vorerkrankungen und Medikamente besprochen. Bring vorhandene Befunde mit. Dein Mutterpass hilft dabei, wichtige Informationen für die weitere Betreuung festzuhalten.

L-Thyroxin in der Schwangerschaft: Darfst du es weiternehmen?

L-Thyroxin ist das Mittel der Wahl zur Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft. Es ersetzt fehlendes Hormon und sollte nicht aus Sorge um das Baby eigenmächtig abgesetzt werden.

Der Wirkstoff heißt auch Levothyroxin und entspricht dem körpereigenen Hormon T4. Nach den Erfahrungen des Beratungszentrums Embryotox ist eine passende Behandlung während der Schwangerschaft möglich und wichtig. Ideal ist, eine bekannte Unterfunktion bereits vor der Schwangerschaft gut einzustellen. Wenn ihr noch in der Kinderwunschphase rund um Eisprung und fruchtbare Tage seid, gehört das Thema deshalb schon ins ärztliche Gespräch.

Sobald dein Test positiv ist – möglicherweise bereits in der 4. SSW –, melde dich bei der behandelnden Praxis. Häufig muss die Dosis erhöht werden. Folge dafür deinem vereinbarten Behandlungsplan. In der ersten Schwangerschaftshälfte werden die Werte bei behandelter Unterfunktion oft etwa alle vier Wochen kontrolliert.

Praktisch wichtig: Eisen und Calcium können die Aufnahme von L-Thyroxin vermindern. Das betrifft auch manche Schwangerschaftspräparate. Die American Thyroid Association empfiehlt mindestens vier Stunden Abstand zu entsprechenden Präparaten.

Schilddrüsenüberfunktion: Warum die Ursache wichtig ist

Eine ausgeprägte Überfunktion muss auch während der Schwangerschaft behandelt werden. Eine vorübergehende hormonbedingte Veränderung wird dagegen anders betreut.

Eine unbehandelte deutliche Überfunktion kann unter anderem das Risiko für Fehlgeburt, Frühgeburt, eingeschränktes Wachstum und Präeklampsie erhöhen.

Bei Morbus Basedow kommt eine Besonderheit hinzu: Bestimmte Antikörper können über die Plazenta die Schilddrüse des Babys anregen. Das kann auch nach einer früheren Operation oder Radiojodbehandlung relevant bleiben. Je nach Befund sind zusätzliche Kontrollen des Babys nötig – über den regulären Ultraschall, etwa rund um die 20. SSW, hinaus.

Die Auswahl der Medikamente erfordert besondere Sorgfalt. Schilddrüsenhemmer können auch die kindliche Schilddrüse beeinflussen; außerdem unterscheiden sich ihre Risiken je nach Wirkstoff und Schwangerschaftsphase. Deshalb wird die Behandlung fachärztlich abgestimmt und möglichst niedrig, aber ausreichend dosiert. Medikamente bitte weder selbst wechseln noch absetzen.

Jod in der Schwangerschaft – auch bei Hashimoto?

Jod wird zur Herstellung von Schilddrüsenhormonen benötigt. Bei einer Schilddrüsenerkrankung solltest du die zusätzliche Einnahme jedoch vorher besprechen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt für Schwangere eine empfohlene Gesamtzufuhr von 220 Mikrogramm Jod pro Tag. Zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung wird ein Präparat mit 100 bis 150 Mikrogramm täglich empfohlen. Die Gesamtzufuhr und die zusätzliche Tablettendosis sind also zwei unterschiedliche Angaben.

Hashimoto bedeutet nicht automatisch, dass du Jodsalz und jodhaltige Lebensmittel meiden musst. Eine Ernährung im Bereich der empfohlenen Zufuhr gilt in der Regel als unproblematisch. Ob und welches Jodpräparat für dich passt, hängt dagegen von deiner konkreten Erkrankung ab. Besonders bei einer Überfunktion braucht es eine individuelle Entscheidung.

Hoch dosierte Algen- oder Seetangprodukte sind keine verlässliche Alternative: Ihr Jodgehalt kann sehr hoch sein. Prüfe außerdem, ob dein Schwangerschaftspräparat bereits Jod enthält, bevor du ein weiteres ergänzt.

Nach der Geburt bleiben Kontrollen wichtig

Mit der Geburt verändert sich der Hormonbedarf erneut. Die während der Schwangerschaft passende Dosis muss deshalb anschließend überprüft werden.

Bei einer schon zuvor bestehenden Unterfunktion wird häufig wieder auf die frühere Dosis zurückgegangen. Das sollte Teil des ärztlichen Plans sein; eine Kontrolle wird ungefähr sechs Wochen nach der Geburt empfohlen. L-Thyroxin kann auch in der Stillzeit eingesetzt werden.

Im ersten Jahr nach der Geburt kann zudem eine Schilddrüsenentzündung auftreten, die sogenannte Postpartum-Thyreoiditis. Sie kann zunächst eine Überfunktion und später eine Unterfunktion verursachen. Nicht jede Frau durchläuft beide Phasen. Anhaltende starke Erschöpfung, Herzrasen oder ungewöhnliches Frieren verdienen deshalb Aufmerksamkeit und sollten nicht einfach dem Schlafmangel zugeschrieben werden.

Eine Schilddrüsenerkrankung schließt eine gesunde Schwangerschaft nicht aus. Bei einer mit L-Thyroxin gut eingestellten Unterfunktion sind die Schwangerschafts- und kindlichen Risiken nach der aktuellen Leitlinie ähnlich wie bei Frauen ohne Unterfunktion. Entscheidend sind passende Behandlung und verlässliche Kontrollen.


Häufige Fragen zur Schilddrüse in der Schwangerschaft


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