
Der Mutterpass kommt oft mit einer schönen Nachricht: Du bist schwanger. Und gleich darauf mit einer Menge Zahlen, Kreuze und Abkürzungen, die niemand beim ersten Durchblättern verstehen muss. Hier findest du eine verständliche Orientierung: Was auf den einzelnen Seiten steht, welche Kürzel wichtig sind und welche Einträge du am besten direkt in der Praxis oder bei deiner Hebamme ansprichst.
Der Pass begleitet deine Vorsorgetermine und hilft später auch der Geburtsklinik, wichtige Informationen schnell zu finden. Er ist eine Zusammenfassung deiner Schwangerschaft – und kein Zeugnis darüber, ob du irgendetwas „richtig“ machst. Wenn du gerade am Anfang stehst, begleitet dich auch unser Überblick zum ersten Trimester.
Wann bekommt man den Mutterpass – und wozu ist er da?
Nach Feststellung der Schwangerschaft wird der Mutterpass bei der ersten Vorsorge angelegt, sofern du noch keinen Pass dieses Musters besitzt. Darin stehen wichtige Befunde zu deiner Gesundheit, zur Entwicklung deines Babys und zum Verlauf der Schwangerschaft. Ärztin, Arzt und Hebamme tragen die Ergebnisse der jeweiligen Vorsorge ein.
Du bekommst den Pass nach den Terminen wieder mit. Nimm ihn möglichst zu Vorsorgen, zu anderen ärztlichen Untersuchungen in der Schwangerschaft und zur Geburt mit. Er kann besonders hilfreich sein, wenn du außerhalb deiner üblichen Praxis Hilfe brauchst. Die Mutterschafts-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses legt fest, welche Untersuchungen vorgesehen sind und wie sie dokumentiert werden.
Gut zu wissen: Der Mutterpass enthält persönliche Gesundheitsdaten. Du entscheidest, wem du ihn zeigst; Arbeitgeber oder Behörden dürfen keine Einsicht verlangen.
Der Mutterpass Seite für Seite: Was steht wo?
Die Seiten sind nach Themen geordnet: zuerst Laborwerte und deine Vorgeschichte, dann laufende Vorsorge, Ultraschall und schließlich die Angaben zur Geburt. Die folgenden Gruppen helfen dir, eine gesuchte Eintragung schnell zu finden.
| Seite 2–3 | Blutgruppe, Rhesusfaktor, Antikörper und wichtige Infektionsuntersuchungen |
| Seite 4–6 | Frühere Schwangerschaften, Vorgeschichte, Beratung, besondere Befunde und Geburtstermin |
| Seite 7–8 | Gravidogramm: deine laufenden Vorsorgetermine und Messwerte |
| Seite 9 | Besonderheiten, Klinikaufenthalte und gegebenenfalls CTG-Befunde |
| Seite 10–14 | Ultraschall, Wachstumskurven und gegebenenfalls weitere Untersuchungen |
| Seite 15–16 | Zusammenfassung von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett |
Die genaue Gestaltung und die Anzahl der Blätter können sich je nach Ausgabe unterscheiden. Manche Pässe bieten darüber hinaus Platz für eine zweite Schwangerschaft. Orientiere dich deshalb zuerst an der aufgedruckten Seitenzahl und der Überschrift auf deiner Seite.
Seiten 2 und 3: Was bedeuten die Laborwerte?
Hier werden unter anderem Blutgruppe und Rhesusfaktor (RhD) festgehalten. Der Antikörper-Suchtest prüft, ob bestimmte Abwehrstoffe im Blut vorhanden sind, die für die Schwangerschaft wichtig sein können. „Negativ“ bedeutet bei diesem Test: Solche Antikörper wurden nicht nachgewiesen.
Weitere Felder betreffen etwa den Rötelnschutz, Chlamydien und Hepatitis B. Die Kürzel „HBsAg“ oder „HBs-Antigen“ beziehen sich auf eine Untersuchung auf Hepatitis B. Ein positiver Befund gehört in ärztliche Hände, damit die nächsten Schritte und der Schutz des Babys besprochen werden.
Ein wichtiger Unterschied: Bei der Untersuchung auf Syphilis (LSR) sowie beim HIV-Test wird im Mutterpass die Durchführung dokumentiert, nicht das Testergebnis. Ein Häkchen bei „durchgeführt“ bedeutet deshalb keinen positiven Befund.
Wenn dir bei einem Test „positiv“ oder „negativ“ begegnet, schau immer nach, zu welcher Untersuchung das Wort gehört. Dieselbe Bezeichnung kann je nach Test etwas völlig anderes für dich bedeuten.
Seiten 4 bis 6: Vorgeschichte, Beratung und besondere Befunde
Auf diesen Seiten geht es um frühere Schwangerschaften und Geburten, Vorerkrankungen und Fragen, die für deine Betreuung wichtig sein können. „Sectio“ bedeutet Kaiserschnitt, „Abort“ Fehlgeburt und „Gravida“ bezeichnet die Zahl der Schwangerschaften. Auch der errechnete Geburtstermin steht hier.
Ein Kreuz bei einer Frage ist noch keine Diagnose. Selbst wenn „Risikoschwangerschaft“ im Raum steht, bedeutet das zunächst, dass genauer hingeschaut und die Betreuung angepasst wird. Unser Beitrag zur Risikoschwangerschaft erklärt, wie solche Einordnungen zustande kommen. Sprich bei einer Markierung unbedingt an, welcher konkrete Befund dahintersteht und was er für dich bedeutet.
Auf diesen Seiten darf auch Platz für Belastungen sein, die in einer Tabelle leicht viel zu nüchtern klingen: Erschöpfung, Sorgen, fehlende Unterstützung oder Medikamente, die du regelmäßig brauchst. Gerade solche Informationen können helfen, die passende Begleitung zu finden. Setze verschriebene Medikamente nicht auf eigene Faust ab.
Seiten 7 und 8: Das Gravidogramm verstehen
Das Gravidogramm ist die fortlaufende Übersicht deiner Vorsorgetermine. Dort stehen unter anderem die Schwangerschaftswoche, Blutdruck, Gewicht, bestimmte Blut- und Urinwerte sowie Beobachtungen zu dir und deinem Baby. Ein einzelner Wert ist selten die ganze Geschichte – wichtig sind sein Zusammenhang und die Entwicklung über die Zeit.
- SSW: Schwangerschaftswoche. 11+6 bedeutet elf vollendete Wochen und sechs Tage – du bist in der 12. SSW.
- RR: dein Blutdruck. Die beiden Zahlen werden gemeinsam beurteilt.
- Hb: Hämoglobinwert im Blut. Er hilft, eine mögliche Blutarmut zu erkennen; er ist nicht einfach ein direkter Messwert für deinen Eisenvorrat.
- Ödeme / Varikosis: Wassereinlagerungen / Krampfadern.
- SL, BEL, QL: Schädellage, Beckenendlage und Querlage deines Babys.
- MM / Cx: Muttermund und Gebärmutterhals. Der genaue Eintrag zur Untersuchung muss im Zusammenhang erklärt werden.
Steht beim Blutdruck etwas Auffälliges, entscheidet die Praxis anhand der Messung und deiner Beschwerden, was zu tun ist. Gerade bei starken Kopfschmerzen, Sehstörungen oder plötzlich auftretenden Beschwerden hilft dir unser Ratgeber zur Präeklampsie bei der Orientierung; solche Symptome gehören zeitnah medizinisch abgeklärt.
Bitte nicht aus einer einzelnen Spalte schließen: Ein auffälliger Urinwert, ein Pluszeichen oder ein höherer Blutdruckwert lässt sich nicht ohne Untersuchung und Verlauf als Diagnose lesen.
Seite 9: Besonderheiten und CTG
Hier werden weitere wichtige Beobachtungen, Klinikaufenthalte und gegebenenfalls Ergebnisse eines CTG eingetragen. Das CTG zeichnet die Herzfrequenz des Babys und die Wehentätigkeit auf. Nicht bei jeder Vorsorge muss automatisch ein CTG gemacht werden; die Richtlinie nennt dafür bestimmte Gründe.
Liest du dort einen Fachbegriff wie „Notching“, bezieht er sich auf eine spezielle Untersuchung des Blutflusses und braucht eine Einordnung mit den anderen Befunden. Dazu haben wir einen eigenen Beitrag: Was Notching in der Schwangerschaft bedeutet.
Seiten 10 bis 14: Ultraschall, Maße und Plazenta
In einer unkomplizierten Schwangerschaft sind drei reguläre Ultraschall-Screenings vorgesehen. Die Einträge zeigen unter anderem, wie sich dein Baby entwickelt, welche Maße erhoben wurden und ob weitere Kontrollen nötig sind. Bei medizinischem Anlass können zusätzliche Untersuchungen dazukommen.
- SSL: Scheitel-Steiß-Länge des Babys, besonders in der frühen Schwangerschaft.
- BPD: Querdurchmesser des Kopfes.
- KU / AU: Kopf- beziehungsweise Bauchumfang.
- FL: Länge des Oberschenkelknochens.
- ATD / APD: Querdurchmesser beziehungsweise Tiefe des Babybauchs.
- FS: Fruchtsack; ET: errechneter Geburtstermin.
Die Maße werden nicht wie eine Schulnote gelesen. Entscheidend ist, wie sie zur Schwangerschaftswoche und zu früheren Messungen passen. Steht „SSW korrigiert“ im Pass, wurde die zunächst errechnete Schwangerschaftswoche anhand einer frühen Ultraschalluntersuchung angepasst.
Auch die Lage der Plazenta kann im Ultraschallbefund stehen. „Vorderwand“ beschreibt eine Plazenta an der Seite zur Bauchdecke; in unserem Beitrag über die Vorderwandplazenta liest du, was das im Alltag bedeutet. Die Begriffe „monochorial“ und „dichorial“ sind besonders bei Zwillingen wichtig: Sie beschreiben, ob sich die Babys eine Plazenta teilen. Mehr dazu steht bei unseren Mono-Zwillingen.
Wenn auf Seite 14 eine weiterführende Untersuchung eingetragen wurde, heißt das zunächst: Es gibt einen konkreten Grund, etwas genauer anzuschauen. Frag nach, welcher Befund geprüft wird, wann du das Ergebnis bekommst und welche nächsten Schritte geplant sind.
Seiten 15 und 16: Warum der Pass nach der Geburt wichtig bleibt
Die „Epikrise“ fasst wesentliche Angaben aus Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett zusammen. Dazu gehören unter anderem die Geburtsweise, Daten zum Baby und die abschließenden Untersuchungen. Heb den Pass nach der Geburt auf: Informationen daraus können bei einer weiteren Schwangerschaft wichtig sein.
Für die eigene Geburtsvorbereitung darf der Mutterpass in deine Tasche – zusammen mit Unterlagen, die dir persönlich wichtig sind. Wenn du Wünsche für die Geburt aufschreiben möchtest, findest du bei uns eine kostenlose Geburtsplan-Vorlage.
Papier oder E-Mutterpass: Was ist derzeit möglich?
Den Mutterpass gibt es auch als elektronischen Mutterpass innerhalb der elektronischen Patientenakte. In der Praxis ist er noch nicht überall verfügbar. Wenn deine Praxis und Hebamme ihn anbieten, kannst du besprechen, welche Form für dich und die beteiligten Stellen gut funktioniert.
Für eine vollständige Dokumentation empfiehlt die Mutterschafts-Richtlinie, während einer Schwangerschaft möglichst nicht zwischen Papier und elektronischer Form hin und her zu wechseln. Frag auch, ob deine Geburtsklinik die Daten im Bedarfsfall einsehen kann. Der Papierpass lässt sich unkompliziert zu Terminen mitnehmen.
Mutterpass verloren oder ein Eintrag macht dir Angst?
Wenn du den Papierpass verloren hast, melde dich bei deiner Frauenarztpraxis oder Hebamme. Dort sind Untersuchungsergebnisse zusätzlich dokumentiert und können für einen neuen Pass genutzt werden. Bei einer späteren Schwangerschaft werden wichtige Informationen aus der Vorgeschichte berücksichtigt; nicht jede alte Einzelmessung muss erneut eingetragen werden.
Und wenn dich ein Kreuz oder ein ungewohntes Wort erschreckt, darfst du nachfragen. Am hilfreichsten sind oft drei ganz konkrete Fragen: Was wurde genau festgestellt? Ist jetzt eine Kontrolle oder Behandlung nötig? Wann und bei welchen Beschwerden soll ich mich früher melden? Dein Pass soll die Betreuung erleichtern – du musst ihn nicht allein entschlüsseln.
Quellen und fachliche Grundlage: Gemeinsamer Bundesausschuss: Mutterschafts-Richtlinie (Fassung in Kraft seit 25. August 2026); Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: interaktiver Mutterpass; G-BA: aktueller Mutterpass (Stand September 2023) (für medizinische Einzelheiten gilt die aktuelle Richtlinie).
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