Startseite » Beitragsarchiv » Gesundheit » Noroviren bei Babys und Kindern: Symptome, Ansteckung und Behandlung

Noroviren bei Babys und Kindern: Symptome, Ansteckung und Behandlung

Noroviren bei Babys und Kindern: Symptome, Ansteckung und Behandlung

Noroviren bei Kindern sorgen oft ganz plötzlich für heftiges Erbrechen und Durchfall. Meist ist die akute Erkrankung nach ein bis zwei Tagen vorbei. Für Babys und Kleinkinder kann der schnelle Verlust von Flüssigkeit und Salzen aber gefährlich werden. Deshalb ist jetzt vor allem wichtig: häufig kleine Mengen trinken lassen, Warnzeichen ernst nehmen und andere Familienmitglieder mit guter Hygiene schützen.

Noroviren sind extrem ansteckend. In Familien, Kitas und Schulen können sie sich innerhalb kurzer Zeit ausbreiten. Dieser Ratgeber erklärt euch, woran ihr eine Infektion erkennen könnt, wann ärztliche Hilfe nötig ist und ab wann euer Kind wieder in die Betreuung darf.

Noroviren auf einen Blick

  • Erreger: Noroviren
  • Übertragung: über kleinste Spuren von Stuhl und Erbrochenem, verunreinigte Hände, Gegenstände, Lebensmittel und Tröpfchen beim Erbrechen
  • Inkubationszeit: etwa 6 Stunden bis 2 Tage
  • Typische Beschwerden: plötzliches Erbrechen, Durchfall, Übelkeit, Bauchschmerzen und starke Schwäche
  • Krankheitsdauer: häufig 1 bis 2 Tage
  • Größte Gefahr für kleine Kinder: Flüssigkeits- und Salzverlust
  • Behandlung: Flüssigkeit und Elektrolyte ersetzen; es gibt kein Medikament gegen das Virus selbst
  • Kita: Kinder unter 6 Jahren dürfen in der Regel erst 48 Stunden nach dem Ende von Erbrechen und Durchfall zurückkehren
  • Impfung: derzeit nicht verfügbar

Was sind Noroviren?

Noroviren verursachen eine akute Entzündung des Magen-Darm-Trakts. Sie gehören in Deutschland zu den häufigsten Auslösern von ansteckendem Brechdurchfall.

Die Viren kommen das ganze Jahr über vor. Besonders viele Infektionen gibt es meist zwischen Oktober und März. Kinder unter fünf Jahren sind vergleichsweise häufig betroffen. Bei ihnen kann der Flüssigkeitsverlust außerdem schneller zum Problem werden.

Eine Norovirus-Infektion wird manchmal als „Magen-Darm-Grippe“ bezeichnet. Mit der echten Grippe, also Influenza, hat sie aber nichts zu tun.

Wie werden Noroviren übertragen?

Für eine Ansteckung reichen sehr wenige Viruspartikel. Sie gelangen meist über die Hände in den Mund.

Erkrankte scheiden große Mengen der Viren mit dem Stuhl und dem Erbrochenen aus. Beim Wickeln, beim Toilettengang oder beim Reinigen verschmutzter Flächen können winzige, unsichtbare Spuren an die Hände gelangen. Von dort werden sie leicht auf Spielzeug, Wasserhähne, Türklinken und andere Gegenstände übertragen.

Beim Erbrechen können außerdem sehr kleine virushaltige Tröpfchen entstehen. Auch belastete Lebensmittel und Getränke kommen als Ansteckungsquelle infrage. Dazu zählen beispielsweise rohe Salate, Muscheln oder verunreinigte tiefgekühlte Beeren.

Wie lange ist die Inkubationszeit?

Die ersten Beschwerden beginnen meist schon 6 Stunden bis 2 Tage nach der Ansteckung.

Während des akuten Brechdurchfalls ist die Ansteckungsgefahr besonders hoch. Auch in den ersten 48 Stunden nach dem Ende der Beschwerden werden noch viele Viren ausgeschieden.

Das bedeutet nicht, dass nach 48 Stunden keine Viren mehr vorhanden sind. Sie können noch ein bis zwei Wochen, in Einzelfällen sogar länger, mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Die Menge ist dann meist geringer. Gründliches Händewaschen und eine saubere Toilette bleiben deshalb weiterhin wichtig.

Welche Symptome haben Kinder?

Die Erkrankung beginnt häufig ohne Vorwarnung. Typisch sind heftiges Erbrechen und starker Durchfall.

  • plötzliches, teilweise schwallartiges Erbrechen
  • wässriger Durchfall
  • Übelkeit
  • Bauchschmerzen oder Bauchkrämpfe
  • ein starkes Krankheits- und Schwächegefühl
  • Kopf- oder Muskelschmerzen
  • manchmal eine leicht erhöhte Temperatur oder leichtes Fieber

Manche Kinder erbrechen nur oder haben nur Durchfall. Hohes Fieber ist für eine unkomplizierte Norovirus-Infektion eher untypisch. Falls euer Kind fiebert, hilft euch unser Ratgeber über Fieber bei Babys und Kindern bei der Einordnung.

Noroviren oder Rotaviren: Wo liegt der Unterschied?

Beide Viren können bei Kindern heftigen Brechdurchfall auslösen. An den Beschwerden allein lassen sie sich nicht sicher unterscheiden.

NorovirenRotaviren
Beginnoft sehr plötzlichebenfalls häufig plötzlich
Inkubationszeitetwa 6 Stunden bis 2 Tagemeist 1 bis 3 Tage
Akute Beschwerdenhäufig 1 bis 2 Tagehäufig 2 bis 6 Tage
Impfungkeine Impfung verfügbarSchluckimpfung für Säuglinge empfohlen

Bei beiden Infektionen ist der Flüssigkeitsverlust die wichtigste Gefahr. Ausführliche Informationen zur Schluckimpfung und zum typischen Verlauf findet ihr in unserem Beitrag über Rotaviren bei Babys und Kindern.

Warum können Noroviren für Babys gefährlich werden?

Babys und Kleinkinder haben weniger Flüssigkeitsreserven als Erwachsene. Häufiges Erbrechen und Durchfall können ihren Körper deshalb innerhalb kurzer Zeit austrocknen.

Der medizinische Begriff dafür lautet Dehydration. Achtet nicht nur darauf, wie oft euer Kind erbricht oder Durchfall hat. Entscheidend ist auch, ob es trinken kann, Urin ausscheidet und aufmerksam auf euch reagiert.

Mögliche Warnzeichen für einen Flüssigkeitsmangel sind:

  • deutlich weniger nasse Windeln oder Toilettengänge
  • dunkler Urin
  • ein trockener Mund und trockene Lippen
  • Weinen ohne Tränen
  • eingesunkene Augen
  • bei Babys eine eingesunkene weiche Stelle am Kopf, die Fontanelle
  • ungewöhnliche Müdigkeit, Teilnahmslosigkeit oder starke Unruhe
  • kalte Hände und Füße oder blasse, marmorierte Haut

Ein einzelnes Zeichen beweist noch keine Austrocknung. Wenn mehrere Warnzeichen zusammenkommen oder euer Kind rasch schwächer wird, braucht es medizinische Hilfe.

Wann solltet ihr ärztlichen Rat einholen?

Bei einem Baby solltet ihr lieber früh in der Kinderarztpraxis anrufen. Das gilt besonders, wenn es wiederholt erbricht, kaum trinkt oder deutlich weniger nasse Windeln hat.

Eine zeitnahe ärztliche Abklärung ist außerdem wichtig, wenn:

  • euer Kind Flüssigkeit immer wieder erbricht
  • Zeichen einer Austrocknung auftreten
  • Blut im Stuhl oder Erbrochenen zu sehen ist
  • das Erbrochene grün aussieht
  • starke oder anhaltende Bauchschmerzen bestehen
  • hohes Fieber auftritt
  • die Beschwerden länger als zwei bis drei Tage anhalten oder sich verschlimmern
  • eine schwere Grunderkrankung oder eine Immunschwäche vorliegt

Schwallartiges Erbrechen ohne Durchfall kann bei jungen Babys auch eine andere Ursache haben. Tritt es wiederholt kurz nach dem Füttern auf, findet ihr weitere Hinweise in unserem Beitrag über eine mögliche Verengung des Magenpförtners. Das Baby sollte dann zeitnah untersucht werden.

Wann müsst ihr sofort die 112 rufen?

Ruft den Rettungsdienst, wenn euer Kind:

  • bewusstlos oder kaum weckbar ist
  • nicht mehr richtig reagiert
  • Atemprobleme oder deutliche Kreislaufprobleme zeigt
  • einen Krampfanfall hat
  • sehr schwer ausgetrocknet oder insgesamt lebensbedrohlich krank wirkt

Bei dringenden, aber nicht lebensbedrohlichen Beschwerden erreicht ihr außerhalb der Praxiszeiten den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.

Wie werden Noroviren behandelt?

Es gibt kein Medikament, das Noroviren gezielt beseitigt. Die wichtigste Behandlung besteht darin, Flüssigkeit und verlorene Salze zu ersetzen.

Eine fertige Glukose-Elektrolyt-Lösung aus der Apotheke enthält Wasser, Zucker und Salze im passenden Verhältnis. Mischt sie genau nach der Packungsanleitung an. Eine falsche Verdünnung kann die Zusammensetzung verändern.

Wenn euer Kind erbricht, bietet zunächst sehr kleine Mengen in kurzen Abständen an. Ein Teelöffel oder eine Dosierspritze ohne Nadel kann helfen. Bleibt die Flüssigkeit im Magen, könnt ihr die Menge langsam steigern.

Gestillte Babys dürfen und sollen weiter gestillt werden. Bietet die Brust häufiger an. Die gewohnte Säuglingsnahrung wird normalerweise nicht verdünnt.

Cola ist bei Brechdurchfall kein geeignetes Getränk. Sie enthält sehr viel Zucker und ersetzt die verlorenen Salze nicht im richtigen Verhältnis. Auch selbst gemischte Salz-Zucker-Lösungen sind für kleine Kinder fehleranfällig. Verwendet lieber ein geprüftes, altersgeeignetes Präparat und lasst euch in der Apotheke oder Kinderarztpraxis beraten.

Was darf ein Kind bei Noroviren essen?

Euer Kind muss keine strenge Durchfalldiät einhalten. Sobald es wieder trinken kann und Appetit hat, darf es kleine Portionen seiner gewohnten altersgerechten Nahrung essen.

Gut vertragen werden oft einfache Speisen wie Brot, Kartoffeln, Reis, Nudeln oder Banane. Zwingt ein Kind nicht zum Essen. In der akuten Phase ist Trinken wichtiger. Sehr fettige oder stark zuckerhaltige Speisen können den gereizten Darm zusätzlich belasten.

Welche Medikamente sind sinnvoll?

Antibiotika wirken nicht gegen Noroviren. Auch stopfende Durchfallmittel gehören bei kleinen Kindern nicht ohne ärztliche Anweisung in die Behandlung.

Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen können in einzelnen Fällen nötig sein. Ob ein Präparat geeignet ist und wie es dosiert wird, entscheidet die Kinderarztpraxis. Gebt eurem Kind nichts auf eigene Faust, nur damit es möglichst schnell wieder „funktioniert“.

Wie schützt ihr den Rest der Familie?

Konsequentes Händewaschen und eine saubere Toilette sind im Familienalltag die wichtigsten Schutzmaßnahmen.

  • Wascht die Hände nach dem Toilettengang und Wickeln sowie vor dem Essen und Kochen gründlich mit Wasser und Seife.
  • Nutzt getrennte Handtücher und Waschlappen.
  • Reinigt Toilette, Waschbecken, Wasserhähne, Türklinken und häufig berührte Flächen regelmäßig.
  • Wechselt verschmutzte Kleidung, Bettwäsche und Handtücher zügig. Wascht sie möglichst bei mindestens 60 Grad mit Vollwaschmittel, wenn das Material dafür geeignet ist.
  • Lasst Erkrankte während der akuten Phase keine Speisen für andere zubereiten.
  • Reinigt Geschirr wie gewohnt gründlich und möglichst heiß.

Im normalen Haushalt reichen Wasser und ein übliches Reinigungsmittel meistens aus. Wenn ein Desinfektionsmittel ärztlich oder vom Gesundheitsamt empfohlen wird, muss es gegen Noroviren geeignet sein. Achtet dann auf die Angaben „begrenzt viruzid PLUS“ oder „viruzid“ und haltet die Einwirkzeit genau ein.

Wie beseitigt ihr Erbrochenes sicher?

Erbrochenes und Stuhlreste sollten möglichst schnell entfernt werden. Dabei ist ruhiges, gründliches Arbeiten wichtiger als hektisches Putzen.

  1. Haltet Kinder und andere Familienmitglieder von der verschmutzten Stelle fern.
  2. Zieht Einmalhandschuhe an, wenn welche vorhanden sind.
  3. Nehmt Erbrochenes oder Stuhl mit Einmaltüchern auf und entsorgt alles in einem verschlossenen Beutel im Hausmüll.
  4. Reinigt die Fläche und alle möglicherweise bespritzten Bereiche gründlich.
  5. Zieht die Handschuhe vorsichtig aus und wascht anschließend die Hände mit Wasser und Seife.

Wann darf ein Kind wieder in die Kita oder Schule?

Kinder unter sechs Jahren mit ansteckendem Erbrechen oder Durchfall dürfen eine Gemeinschaftseinrichtung vorübergehend nicht besuchen. Eltern müssen die Einrichtung informieren.

In der Regel darf das Kind 48 Stunden nach dem vollständigen Abklingen von Erbrechen und Durchfall wieder in die Kita oder den Hort. Ein schriftliches ärztliches Attest ist normalerweise nicht nötig. Das zuständige Gesundheitsamt kann im Einzelfall andere Vorgaben machen.

Auch ältere Kinder sollten erst wieder zur Schule oder zu Freizeitangeboten gehen, wenn sie sich erholt haben und seit mindestens 48 Stunden weder erbrochen noch Durchfall hatten. Die sorgfältige Hand- und Toilettenhygiene bleibt danach wichtig, weil noch länger Viren ausgeschieden werden können.

Muss eine Norovirus-Infektion gemeldet werden?

Ein Labornachweis von Noroviren, der auf eine akute Infektion hinweist, ist in Deutschland namentlich meldepflichtig. Die Meldung an das Gesundheitsamt übernimmt das untersuchende Labor.

Eltern müssen nicht jeden vermuteten Norovirus-Fall selbst beim Gesundheitsamt melden. Sie müssen aber die Kita oder eine andere Gemeinschaftseinrichtung informieren, wenn ein Kind unter sechs Jahren an ansteckendem Erbrechen oder Durchfall erkrankt ist oder ein entsprechender Verdacht besteht.

Ist immer ein Norovirus-Test nötig?

Nein. Bei einem typischen, milden Verlauf muss der genaue Erreger nicht bei jedem Kind im Labor bestimmt werden.

Eine Stuhluntersuchung kann bei schweren Verläufen, bestimmten Vorerkrankungen oder einem Ausbruch in einer Gemeinschaftseinrichtung sinnvoll sein. Ob getestet wird, entscheidet die behandelnde Praxis oder das Gesundheitsamt.

Kann ein Kind mehrfach an Noroviren erkranken?

Ja. Es gibt viele unterschiedliche Varianten der Viren, und der Schutz nach einer Infektion hält nicht zuverlässig an.

Ein Kind kann sich deshalb im Laufe seines Lebens mehrmals anstecken. Eine zugelassene Schutzimpfung gegen Noroviren gibt es derzeit nicht. Umso wichtiger sind schnelles Reagieren bei Beschwerden und gute Hygiene.

Noroviren sind unangenehm und hoch ansteckend, aber die akute Erkrankung ist meist schnell überstanden. Achtet besonders bei Babys und Kleinkindern darauf, dass sie Flüssigkeit behalten, weiter Urin ausscheiden und wach reagieren. Bei Warnzeichen wartet ihr nicht ab, sondern holt früh medizinischen Rat.


Wir hoffen sehr, dass dir unser Artikel gefallen hat. Vielleicht hat er dir geholfen, eine Frage zu beantworten. Oder er hat dich nachdenklich, traurig oder fröhlich gestimmt. Wir freuen uns jederzeit über deine Rückmeldung oder Anregung per Kommentar, Email oder Social-Media. Gerne kannst du uns auf Facebook, Pinterest oder Flipboard folgen. Wir freuen uns auch dich! 🤗

Wichtiger Hinweis zu Gesundheits-Themen:

Wir recherchieren und prüfen unsere Beiträge intensiv und sorgfältig. Dabei nutzen wir ausschließlich vertrauenswürdige Quellen. Trotzdem seid euch bitte bewusst, dass letztlich weder gute Ratschläge oder Informationen, eine Betreuung durch medizinisches Fachpersonal ersetzen können. In akuten medizinischen Situationen, oder bei Verdacht darauf, wendet euch bitte an einen Arzt / eine Ärztin, an eure Hebamme / euren Entbindungspfleger, oder an eure Apothekerin / euren Apotheker des Vertrauens, damit man euch ganz individuell unterstützen kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen