RSV und Grippe gehören zu den Infektionen, auf die sich Familien im Herbst und Winter vorbereiten können. Welcher Schutz für euer Kind empfohlen wird, hängt vor allem vom Alter und von möglichen Vorerkrankungen ab. Für die Saison 2026/27 lohnt es sich deshalb, jetzt den Impfpass und den RSV-Schutz zu prüfen. Dazu kommen einfache Maßnahmen im Alltag und ein klarer Blick für Warnzeichen.
Schnupfen oder Husten allein verraten allerdings nicht, welcher Erreger dahintersteckt. Wer die Unterschiede zwischen Grippe, Erkältung und grippalem Infekt kennt, kann Beschwerden besser einordnen. Eine sichere Diagnose lässt sich daraus zu Hause nicht ableiten.
RSV: Für Babys zählt die erste Saison
Die STIKO empfiehlt einen vorbeugenden Antikörperschutz für alle Neugeborenen und Säuglinge in ihrer ersten RSV-Saison – auch für gesunde Babys.
RSV kann besonders in den ersten Lebensmonaten schwere Erkrankungen der unteren Atemwege verursachen. Zum Schutz stehen inzwischen die langwirksamen Antikörper Nirsevimab und Clesrovimab zur Verfügung. Clesrovimab hat die STIKO im September 2026 als weitere Möglichkeit aufgenommen. Der aktualisierte STIKO-Beschluss ist damit auch für diese Saison relevant.
Der passende Zeitpunkt richtet sich nach der Geburt und dem Beginn der ersten RSV-Saison:
| Geburtszeitpunkt | Wann der Schutz vorgesehen ist |
|---|---|
| April bis September | Möglichst im Herbst vor Beginn der ersten RSV-Saison. |
| Während der RSV-Saison, meist Oktober bis März | Möglichst rasch nach der Geburt, idealerweise noch vor der Entlassung aus der Geburtsklinik. |
| Empfohlener Zeitpunkt verpasst | Während der ersten Saison möglichst bald mit der Kinderarztpraxis das Nachholen klären. |
Die Gabe kann zusammen mit den regulären Säuglingsimpfungen erfolgen. Ein besonderer zeitlicher Abstand ist nicht nötig. Für gesunde Kinder ist eine Wiederholung in der zweiten RSV-Saison normalerweise nicht vorgesehen. Bei bestimmten schweren Vorerkrankungen kann im zweiten Lebensjahr erneut Nirsevimab empfohlen sein.
Der RSV-Schutz für Babys ist eine passive Immunisierung: Das Kind bekommt fertige Antikörper. Bei einer klassischen Impfung wird die eigene Abwehr zur Bildung eines Schutzes angeregt. Diese Unterscheidung erläutert auch der Gemeinsame Bundesausschuss.
Weitere Informationen zu Verlauf, Ansteckung und Vorbeugung findet ihr in unserem Ratgeber zu RSV bei Babys und Kindern.
Grippeimpfung: Welche Kinder besonders profitieren
Die jährliche Grippeimpfung empfiehlt die STIKO für Kinder ab sechs Monaten, die durch eine Grunderkrankung gesundheitlich besonders gefährdet sind.
Dazu gehören beispielsweise Kinder mit chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma, bestimmten Herzkrankheiten, Diabetes oder einer Immunschwäche. Für gesunde Kinder und Jugendliche besteht derzeit keine allgemeine STIKO-Empfehlung. Eine individuelle Beratung kann trotzdem sinnvoll sein, etwa wenn eine besonders gefährdete Person im engen Umfeld lebt. Die Informationen des BIÖG zur Grippeimpfung bei Kindern erklären die Unterschiede.
Als günstigen Impfzeitraum nennen die Behörden Oktober bis Mitte Dezember. Der Schutz baut sich innerhalb von etwa zehn bis vierzehn Tagen auf. Wer den Termin verpasst, kann die Impfung unter Umständen auch später noch sinnvoll nachholen. Die Impfung wird jährlich mit einem an die Saison angepassten Impfstoff durchgeführt.
Bei Kindern, die erstmals gegen Grippe geimpft werden, können abhängig von Alter und Impfstoff zwei Dosen im Abstand von mindestens vier Wochen nötig sein. Fragt deshalb frühzeitig nach. Für Zwei- bis einschließlich Siebzehnjährige gibt es auch einen Nasenspray-Impfstoff. Er eignet sich jedoch nicht für jedes Kind, unter anderem bei bestimmten Immunschwächen oder schwerem Asthma.
Jeder Schutz hat sein Ziel: Die Grippeimpfung schützt gegen Influenza, der RSV-Antikörperschutz gegen schwere RSV-Erkrankungen. Gewöhnliche Erkältungen können Kinder weiterhin bekommen. Auch nach einer Immunisierung müssen deutliche Krankheitszeichen ernst genommen werden.
Was im Familienalltag das Ansteckungsrisiko senkt
Ein paar verlässliche Gewohnheiten helfen, ohne dass ihr den ganzen Alltag umkrempeln müsst.
- Hände waschen: Besonders nach dem Naseputzen und vor dem Füttern oder engem Kontakt mit dem Baby.
- Regelmäßig stoßlüften: Frische Luft verringert die Menge möglicher Krankheitserreger in Innenräumen.
- Erkrankte auf Abstand zum Baby halten: Besuch mit Husten oder Schnupfen darf verschoben werden. Auch gut gemeinte Küsschen sollten dann warten.
- Husten und Niesen auffangen: In die Armbeuge oder ein Taschentuch; Trinkgefäße und Besteck möglichst nicht teilen.
Bei einer akuten Atemwegsinfektion empfiehlt das BIÖG, nach Möglichkeit drei bis fünf Tage und bis zur deutlichen Besserung zu Hause zu bleiben. Ein fieberndes oder deutlich krankes Kind braucht Erholung. Wenn sich enger Kontakt zum Baby nicht vermeiden lässt, kann eine erkrankte erwachsene Betreuungsperson zusätzlich eine Maske tragen.
Und falls ein Geschwisterkind trotzdem einen Infekt mitbringt: Das lässt sich in Familien nicht immer verhindern. Sinnvolle Vorsorge soll das Risiko verringern; sie ist kein Versprechen für einen Winter ohne Husten.
Wann ihr ärztliche Hilfe holen solltet
Entscheidend sind Atmung, Trinken und Allgemeinzustand. Gerade bei jungen Babys kann eine ernsthafte Infektion auch ohne hohes Fieber verlaufen.
Kontaktiert unverzüglich die Kinderarztpraxis, wenn euer Kind sichtbar angestrengt atmet, deutlich weniger trinkt, weniger nasse Windeln hat oder ungewöhnlich schlapp wirkt. Bei Babys unter drei Monaten müssen bereits 38,0 Grad rektal gemessene Temperatur ärztlich abgeklärt werden. Unser Ratgeber zu Fieber bei Babys und Kindern hilft bei der weiteren Einordnung.
Bei deutlicher Atemnot, Atempausen, bläulichen Lippen oder fehlender Ansprechbarkeit: sofort 112 anrufen. Wartet dann nicht auf einen regulären Praxistermin.
Bei Kindern mit einer relevanten Vorerkrankung sollte die behandelnde Praxis frühzeitig von einem Infekt erfahren. So lässt sich klären, ob besondere Untersuchungen oder eine gezielte Behandlung nötig sind.
Drei Dinge, die ihr jetzt klären könnt
Impfpass bereitlegen, Schutzbedarf besprechen und die Betreuung für Krankheitstage organisieren: Damit ist für den Saisonstart schon viel gewonnen.
Fragt nach, ob für euer Baby der RSV-Schutz bereits dokumentiert ist und ob für euer Kind eine Grippeimpfung ansteht. Haltet außerdem Thermometer und die Kontaktdaten der Kinderarztpraxis griffbereit. Für berufstätige Eltern lohnt sich ein Blick auf die Kinderkrankentage und die möglichen Änderungen ab 2027, denn die Infektsaison reicht über den Jahreswechsel hinaus.
Eine kurze Rücksprache jetzt kann offene Fragen klären, bevor das Kind krank wird. Welche Schutzmaßnahme passt, entscheidet ihr gemeinsam mit der behandelnden Praxis.
Quellen und Stand
- RKI/STIKO: Aktualisierter Beschluss zur RSV-Prophylaxe, 10. September 2026
- KBV: RSV-Prophylaxe, Zielgruppen und Zeitpunkt
- BIÖG: Grippeimpfung bei Kindern, Stand 10. September 2026
- Bundesgesundheitsministerium: Grippeimpfung und Schutzaufbau
- BIÖG: Schutz vor Übertragung von Atemwegsinfektionen
- BIÖG: Wann ein krankes Kind ärztliche Hilfe braucht
- BIÖG: Fieber bei Babys und Kindern
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