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Grippe, Erkältung oder grippaler Infekt: Was hat mein Kind?

Grippe, Erkältung oder grippaler Infekt: Was hat mein Kind?

Die Nase läuft, das Kind hustet und fühlt sich schlapp. Schnell fällt der Satz: „Da ist wohl eine Grippe im Anmarsch.“ Doch häufig handelt es sich gar nicht um eine echte Grippe, sondern um eine Erkältung.

Zusätzliche Verwirrung entsteht durch Begriffe wie Infekt, grippaler Infekt oder Sommergrippe. Sie klingen ähnlich, bezeichnen aber nicht dieselbe Erkrankung. Wir erklären euch, was wirklich dahintersteckt und welche Beschwerden ärztlich abgeklärt werden sollten.

Kurz erklärt

  • Infekt ist ein allgemeiner Oberbegriff für eine Infektion.
  • Erkältung und grippaler Infekt bedeuten im Alltag normalerweise dasselbe.
  • Grippe und Influenza bezeichnen eine bestimmte Erkrankung durch Influenzaviren.
  • Ein grippaler Infekt ist keine Grippe.

Was bedeutet Infekt?

Das Wort Infekt ist die Kurzform von Infektion. Es beschreibt, dass Krankheitserreger in den Körper gelangt sind und sich dort vermehren.

Der Begriff sagt zunächst nicht, welcher Körperbereich betroffen ist. Auch der genaue Erreger bleibt offen. Es gibt beispielsweise:

  • Atemwegsinfekte
  • Magen-Darm-Infekte
  • Harnwegsinfekte
  • Hautinfektionen
  • Infektionen des Mittelohrs

Ein Infekt kann durch Viren, Bakterien oder andere Krankheitserreger ausgelöst werden. Wenn in der Kinderarztpraxis von einem „Infekt“ gesprochen wird, ist damit häufig ein viraler Atemwegsinfekt gemeint. Das muss aber nicht immer so sein.

Was ist ein grippaler Infekt?

Ein grippaler Infekt ist eine gewöhnliche Erkältung. Die beiden Begriffe werden für dieselbe Erkrankungsgruppe verwendet.

Das Wort „grippal“ ist dabei etwas irreführend. Es bedeutet nicht, dass Influenzaviren hinter der Erkrankung stecken. Ein grippaler Infekt wird von zahlreichen anderen Viren verursacht.

Betroffen sind hauptsächlich Nase, Rachen und teilweise die Bronchien. Typische Beschwerden sind Schnupfen, Halsschmerzen, Husten, Heiserkeit und Müdigkeit.

Was ist eine Erkältung?

Eine Erkältung ist ein meist harmloser Virusinfekt der Atemwege. Sie hat übrigens nichts damit zu tun, dass ein Kind tatsächlich zu dünn angezogen war oder gefroren hat.

Kinder erkranken besonders häufig. Ihr Immunsystem kennt viele der möglichen Erkältungsviren noch nicht. In Kita und Schule kommen außerdem zahlreiche Kinder eng miteinander in Kontakt.

Da sehr viele unterschiedliche Viren Erkältungen auslösen können, schützt eine überstandene Erkrankung nicht vor der nächsten. Eine allgemeine Impfung gegen Erkältungen gibt es leider nicht.

Weitere Informationen findet ihr in unserem Ratgeber über Erkältungen bei Babys und Kindern.

Was ist eine echte Grippe?

Die echte Grippe heißt medizinisch Influenza. Sie wird durch Influenzaviren verursacht und kann den Körper deutlich stärker belasten, als eine gewöhnliche Erkältung.

Für die saisonalen Grippewellen sind beim Menschen hauptsächlich Influenza-A- und Influenza-B-Viren verantwortlich. Da sich die Viren verändern, können Menschen mehrfach im Leben an Grippe erkranken. Auch der Grippeimpfstoff wird deshalb regelmäßig an die erwarteten Virusvarianten der jeweiligen Saison angepasst.

Erkältung, grippaler Infekt oder Grippe: Was bedeutet welcher Begriff?

BegriffBedeutungTypische Verwendung
InfektAllgemeiner Begriff für eine InfektionKann Atemwege, Magen, Darm, Harnwege oder andere Bereiche betreffen
ErkältungMeist viraler Infekt der oberen AtemwegeSchnupfen, Husten, Halsweh und Müdigkeit
Grippaler InfektAnderes Wort für ErkältungHat trotz des Namens nichts mit Influenzaviren zu tun
Grippe oder InfluenzaBestimmte Erkrankung durch InfluenzavirenHäufig plötzlicher Beginn mit starkem Krankheitsgefühl

Die wichtigste Unterscheidung lautet daher: Erkältung und grippaler Infekt gehören zusammen. Die echte Grippe ist eine andere Erkrankung.

Grippe oder Erkältung: Welche Unterschiede gibt es?

Grippe Erkältung oder Infekt - was ist der Unterschied - Infografik

Einige Merkmale treten bei einer Influenza häufiger oder ausgeprägter auf. Kein einzelnes Symptom beweist jedoch, welche Erkrankung vorliegt.

MerkmalErkältung beziehungsweise grippaler InfektEchte Grippe
Beginnhäufig allmählichhäufig sehr plötzlich
Krankheitsgefühlmeist leicht bis mäßigoft deutlich ausgeprägt
Fiebermöglich, aber nicht immer vorhandenhäufig, teilweise hoch und plötzlich
Schnupfensehr häufigmöglich
Halsschmerzenhäufigebenfalls möglich
Hustenhäufig und unterschiedlich ausgeprägtanfangs oft trocken und quälend
Kopf- und Gliederschmerzenmöglichhäufig stärker ausgeprägt
Erschöpfungmeist mäßighäufig sehr deutlich
Daueroft ein bis zwei Wochen, Husten teilweise längerakute Beschwerden häufig fünf bis sieben Tage, Husten und Erschöpfung länger
Impfungkeine allgemeine Impfung verfügbarsaisonale Grippeimpfung verfügbar

Diese Angaben beschreiben typische Verläufe. Eine starke Erkältung kann sich ebenfalls heftig anfühlen. Umgekehrt kann eine Influenza mild oder sogar ohne Fieber verlaufen.

Kann man Grippe und Erkältung sicher an den Symptomen erkennen?

Nein. Eltern können anhand der Beschwerden eine Vermutung entwickeln. Eine sichere Diagnose ist damit aber nicht möglich.

Influenza, Erkältung, COVID-19 und eine RSV-Infektion bei Babys und Kindern können ähnliche Krankheitszeichen verursachen. Das gilt besonders in der Anfangsphase. Entscheidend ist deshalb nicht nur die Frage, welcher Erreger dahintersteckt. Wichtig ist vor allem, wie es dem Kind insgesamt geht:

  • Trinkt es ausreichend?
  • Atmet es ruhig oder sichtbar angestrengt?
  • Ist es ansprechbar?
  • Lassen die Beschwerden nach oder werden sie stärker?
  • Bestehen wichtige Vorerkrankungen?

Wenn die genaue Diagnose für die Behandlung wichtig ist, kann die Kinderarztpraxis einen Abstrich veranlassen. Nicht jedes erkältete Kind muss jedoch auf sämtliche Atemwegsviren getestet werden.

Welche Symptome sprechen eher für eine Erkältung?

Eine Erkältung beginnt häufig mit einem Kratzen im Hals oder einer laufenden Nase. Die Beschwerden entwickeln sich meistens über Stunden oder Tage.

Mögliche Symptome sind:

  • Schnupfen
  • eine verstopfte Nase
  • Niesen
  • Halskratzen oder Halsschmerzen
  • Husten
  • Heiserkeit
  • Müdigkeit
  • leichtes Fieber
  • leichte Kopf- oder Gliederschmerzen

Kinder können bei einer Erkältung durchaus Fieber entwickeln. Fieber allein bedeutet deshalb nicht, dass eine echte Grippe vorliegt.

Welche Symptome sprechen eher für eine Grippe?

Eine Influenza beginnt häufig plötzlich. Ein Kind, das sich am Morgen noch weitgehend gut gefühlt hat, kann wenige Stunden später deutlich krank wirken.

Typische Beschwerden sind:

  • plötzliches Fieber
  • Schüttelfrost
  • trockener Reizhusten
  • Halsschmerzen
  • starke Kopf- und Gliederschmerzen
  • Muskel- oder Rückenschmerzen
  • eine ungewöhnlich starke Erschöpfung
  • Appetitlosigkeit
  • ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl

Manche Kinder bekommen zusätzlich Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall. Diese Beschwerden sind jedoch kein sicherer Hinweis auf Influenza.

Kann eine Grippe auch ohne Fieber verlaufen?

Ja. Nicht jedes Kind mit Influenza entwickelt hohes Fieber. Ein milder Verlauf ohne deutlich erhöhte Temperatur ist möglich.

Das Fehlen von Fieber schließt eine Grippe daher nicht aus. Ebenso beweist hohes Fieber keine Influenza. Viele andere Infektionen können bei Kindern ebenfalls hohe Temperaturen verursachen.

Wie ihr Fieber richtig messt und einordnet, erfahrt ihr in unserem Beitrag über Fieber bei Babys und Kindern.

Welche Symptome zeigen Babys?

Bei Babys sind die Beschwerden häufig weniger eindeutig. Sie können noch nicht sagen, ob sie Kopf-, Hals- oder Gliederschmerzen haben.

Mögliche Krankheitszeichen sind:

  • Fieber
  • ungewöhnliche Schläfrigkeit
  • auffällige Reizbarkeit
  • schlechtes Trinken
  • weniger nasse Windeln
  • Husten
  • schnelle oder angestrengte Atmung
  • blasse oder gräuliche Haut
  • ein rasch schlechter werdender Allgemeinzustand

Ein Baby unter drei Monaten sollte ab einer Körpertemperatur von 38 Grad Celsius ärztlich untersucht werden. Das gilt unabhängig davon, ob eine Erkältung, Grippe oder eine andere Infektion vermutet wird.

Wie werden Erkältungs- und Grippeviren übertragen?

Sowohl Erkältungs- als auch Influenzaviren verbreiten sich vor allem über die Atemluft. Beim Husten, Niesen und Sprechen gelangen virushaltige Tröpfchen und kleine Schwebeteilchen in die Umgebung.

Eine Übertragung über Hände und gemeinsam benutzte Gegenstände ist ebenfalls möglich. Viren können beispielsweise von Türklinken oder Spielzeug über die Hände an Mund, Nase oder Augen gelangen.

Einige Maßnahmen können das Ansteckungsrisiko verringern:

  • Hände regelmäßig und gründlich waschen
  • in die Armbeuge husten und niesen
  • benutzte Taschentücher direkt entsorgen
  • Trinkflaschen und Besteck nicht gemeinsam benutzen
  • Räume regelmäßig lüften
  • während der akuten Erkrankung enge Kontakte reduzieren

Wie lange dauert eine Grippe?

Bei einem unkomplizierten Verlauf bessern sich die akuten Beschwerden häufig nach fünf bis sieben Tagen. Husten und Erschöpfung können jedoch länger anhalten.

Eine Erkältung dauert meistens etwa ein bis zwei Wochen. Auch hier kann der Husten noch einige Zeit bestehen bleiben.

Verbessert sich der Zustand zunächst – und wird das Kind danach erneut deutlich kränker, sollte es ärztlich untersucht werden. Hinter der Verschlechterung kann eine zusätzliche bakterielle Infektion stecken.

Welche Komplikationen kann eine Grippe verursachen?

Die meisten Kinder erholen sich vollständig. Eine Influenza kann jedoch die Schleimhäute der Atemwege schädigen und die Abwehr vorübergehend schwächen.

Mögliche Komplikationen sind:

  • Mittelohrentzündung
  • Bronchitis
  • Lungenentzündung
  • Verschlechterung eines bestehenden Asthmas
  • Entzündung des Herzmuskels
  • Entzündung des Gehirns
  • zusätzliche bakterielle Infektionen

Eine Lungenentzündung kann durch Influenzaviren oder durch weitere Krankheitserreger verursacht werden. Dazu gehören unter anderem Pneumokokken.

Welche Kinder haben ein erhöhtes Risiko?

Ein schwerer Verlauf ist auch bei vorher gesunden Kindern möglich. Besonders gefährdet sind jedoch Kinder mit bestimmten Vorerkrankungen.

Dazu gehören:

  • chronische Erkrankungen der Atemwege wie Asthma
  • Herz- oder Kreislauferkrankungen
  • Leber- oder Nierenerkrankungen
  • Diabetes und andere Stoffwechselerkrankungen
  • chronische neurologische Erkrankungen
  • angeborene oder erworbene Immunschwächen
  • Behandlungen, die das Immunsystem unterdrücken

Bei einem Kind aus einer Risikogruppe solltet ihr frühzeitig die behandelnde Praxis kontaktieren. Das gilt auch bei zunächst mild wirkenden Beschwerden.

Wann sollte ein Kind ärztlich untersucht werden?

Lasst euer Kind zeitnah untersuchen, wenn:

  • es auffällig schnell oder angestrengt atmet
  • hohes Fieber lange anhält
  • das Fieber nach einer Besserung erneut steigt
  • es wesentlich weniger trinkt als sonst
  • deutlich weniger Urin oder nasse Windeln vorhanden sind
  • es ungewöhnlich teilnahmslos oder schwer weckbar wirkt
  • starke Schmerzen auftreten
  • sich der Husten oder Allgemeinzustand verschlechtert
  • das Kind zu einer medizinischen Risikogruppe gehört
  • ihr euch wegen des Zustands ernsthafte Sorgen macht

Ruft möglichst zuerst in der Kinderarztpraxis an. Außerhalb der Sprechzeiten erreicht ihr den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.

Wann muss die 112 gerufen werden?

Ruft sofort den Rettungsdienst, wenn das Kind:

  • deutliche Atemnot hat
  • sichtbar um Luft ringt
  • blaue oder gräuliche Lippen bekommt
  • kaum noch reagiert
  • nicht richtig geweckt werden kann
  • bewusstlos wird
  • einen Krampfanfall bekommt
  • schwere Kreislaufprobleme zeigt
  • sich innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich verschlechtert

Wartet bei solchen Warnzeichen nicht darauf, ob sich der Zustand von allein bessert.

Was hilft bei einer Erkältung oder Grippe?

Bei beiden Erkrankungen werden hauptsächlich die Beschwerden behandelt. Wichtig sind:

  • ausreichend Ruhe und Schlaf
  • regelmäßiges Trinken
  • kleine Mahlzeiten nach Appetit
  • eine angenehme Raumtemperatur
  • regelmäßiges Lüften
  • die Beobachtung von Atmung und Allgemeinzustand

Fiebersenkende und schmerzlindernde Medikamente müssen zum Alter und Gewicht des Kindes passen. Lasst euch dazu ärztlich oder in der Apotheke beraten. Antibiotika wirken weder gegen Erkältungs- noch gegen Influenzaviren. Sie werden nur benötigt, wenn zusätzlich eine bakterielle Erkrankung festgestellt wurde.

Bei älteren Kindern können unter bestimmten Voraussetzungen Wadenwickel zur Linderung von Fieber eingesetzt werden. Sie dürfen nicht angewendet werden, wenn das Kind friert, Schüttelfrost hat oder kalte Hände und Füße zeigt.

Wann werden antivirale Medikamente eingesetzt?

Es gibt Medikamente, die die Vermehrung von Influenzaviren hemmen können. Sie werden nicht automatisch bei jedem Kind mit Grippe eingesetzt.

Eine Behandlung kommt vor allem bei schweren Verläufen oder einem erhöhten gesundheitlichen Risiko infrage. Die Medikamente wirken am besten, wenn die Behandlung möglichst früh beginnt. Ob sie benötigt werden, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.

Für welche Kinder empfiehlt die STIKO die Grippeimpfung?

Die Ständige Impfkommission empfiehlt die jährliche Grippeimpfung für Kinder ab sechs Monaten, die aufgrund einer Vorerkrankung ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben.

Dazu gehören insbesondere Kinder mit:

  • chronischen Atemwegserkrankungen
  • Herz- oder Kreislauferkrankungen
  • Leber- oder Nierenerkrankungen
  • Diabetes oder anderen Stoffwechselerkrankungen
  • chronischen neurologischen Erkrankungen
  • angeborenen oder erworbenen Störungen des Immunsystems
  • HIV

Für gesunde Kinder und Jugendliche besteht in Deutschland keine allgemeine STIKO-Empfehlung. Eine Impfung kann im Einzelfall dennoch sinnvoll sein, beispielsweise zum Schutz einer besonders gefährdeten Person im unmittelbaren Umfeld.

Wann wird gegen Grippe geimpft?

Die Impfung sollte jährlich erfolgen. Ein günstiger Zeitraum liegt zwischen Oktober und Mitte Dezember. Eine spätere Impfung kann ebenfalls noch sinnvoll sein.

Kinder können ab einem Alter von sechs Monaten gegen Influenza geimpft werden. Jüngere Kinder, die zum ersten Mal eine Grippeimpfung erhalten, können abhängig vom Alter und Impfstoff zwei Dosen im Abstand von vier Wochen benötigen.

Für Kinder und Jugendliche zwischen zwei und einschließlich 17 Jahren steht neben der Spritze ein Impfstoff als Nasenspray zur Verfügung. Dieser Lebendimpfstoff eignet sich nicht für jedes Kind. Bei bestimmten Immunschwächen, schwerem Asthma oder einigen Behandlungen darf er nicht eingesetzt werden.

Schützt die Grippeimpfung auch vor Erkältungen?

Nein. Die Grippeimpfung schützt ausschließlich vor Influenzaviren. Sie verhindert keine gewöhnlichen Erkältungen, keine RSV-Infektion und keine Magen-Darm-Infektion.

Auch eine geimpfte Person kann sich mit Influenzaviren anstecken. Die Impfung kann jedoch das Risiko einer Erkrankung und schwerer Verläufe verringern.


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