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RSV bei Babys und Kindern: Symptome, Warnzeichen und Prophylaxe

RSV bei Babys und Kindern: Symptome, Warnzeichen und Prophylaxe

Eine laufende Nase, etwas Husten und vielleicht Fieber: Eine Infektion mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus beginnt häufig wie eine gewöhnliche Erkältung. Bei vielen Kindern bleibt es bei einem milden Verlauf.

Vor allem bei Neugeborenen und jungen Säuglingen kann RSV jedoch die kleinen Atemwege erreichen. Dann kann sich innerhalb kurzer Zeit eine Bronchiolitis oder Lungenentzündung entwickeln. Eltern sollten deshalb wissen, welche Veränderungen beim Atmen, Trinken und Verhalten ärztlich abgeklärt werden müssen.

Für Babys gibt es außerdem eine vorbeugende Behandlung mit dem Antikörper Nirsevimab. Sie schützt während der ersten RSV-Saison vor schweren Krankheitsverläufen.

RSV auf einen Blick

  • Erreger: Respiratorisches Synzytial-Virus
  • Übertragung: vor allem über Tröpfchen, Hände und verunreinigte Gegenstände
  • Inkubationszeit: zwei bis acht Tage, durchschnittlich etwa fünf Tage
  • Typische Saison: meistens Oktober bis März
  • Häufige Symptome: Schnupfen, Husten, Fieber und Trinkprobleme
  • Mögliche Komplikationen: Bronchiolitis und Lungenentzündung
  • Besonders gefährdet: Neugeborene, junge Säuglinge und Kinder mit bestimmten Vorerkrankungen
  • Behandlung: Linderung der Beschwerden und Unterstützung der Atmung
  • Vorbeugung: Nirsevimab für alle Neugeborenen und Säuglinge vor ihrer ersten RSV-Saison

Was ist RSV?

RSV ist die Abkürzung für Respiratorisches Synzytial-Virus. Der Erreger befällt die Atemwege und kommt weltweit vor.

Fast alle Kinder stecken sich in ihren ersten Lebensjahren mindestens einmal mit RSV an. Eine überstandene Infektion hinterlässt keinen zuverlässigen dauerhaften Schutz. Deshalb können Kinder und Erwachsene mehrmals erkranken.

Bei älteren Kindern ähnelt eine RSV-Infektion häufig einer Erkältung. Bei Babys können die sehr kleinen Atemwege jedoch schneller anschwellen oder durch zähen Schleim verengt werden. Das kann das Atmen und Trinken deutlich erschweren.

Wie wird RSV übertragen?

RSV verbreitet sich hauptsächlich durch virushaltige Tröpfchen. Sie gelangen beim Husten, Niesen oder Sprechen in die Umgebung.

Die Viren können außerdem über die Hände übertragen werden. Das passiert beispielsweise, wenn jemand zunächst eine verunreinigte Oberfläche und anschließend Mund, Nase oder Augen berührt. Auch Spielzeug, Türklinken und gemeinsam benutzte Gegenstände können bei der Übertragung eine Rolle spielen.

Innerhalb einer Familie lässt sich eine Ansteckung daher nicht immer verhindern. Besonders häufig bringen ältere Geschwister das Virus aus der Kita oder Schule mit nach Hause.

Wie lange dauert die Inkubationszeit?

Zwischen der Ansteckung und den ersten Beschwerden liegen meistens zwei bis acht Tage. Im Durchschnitt treten die Symptome nach ungefähr fünf Tagen auf.

Erkrankte sind normalerweise drei bis acht Tage ansteckend. Sie können das Virus bereits weitergeben, bevor die ersten Krankheitszeichen sichtbar werden.

Neugeborene, Frühgeborene und Menschen mit geschwächtem Immunsystem können RSV deutlich länger ausscheiden. Bei ihnen ist eine Übertragung unter Umständen noch über mehrere Wochen möglich.

Welche Symptome verursacht RSV?

Die ersten Beschwerden erinnern häufig an eine Erkältung. Dazu gehören:

  • laufende oder verstopfte Nase
  • trockener Husten
  • Halsschmerzen
  • Müdigkeit
  • verminderter Appetit
  • Fieber
  • allgemeines Unwohlsein

Fieber muss nicht auftreten. Gerade bei jungen Säuglingen kann auch eine schwere RSV-Infektion ohne deutlich erhöhte Temperatur verlaufen.

Breitet sich die Infektion auf die unteren Atemwege aus, können weitere Beschwerden hinzukommen:

  • stärker werdender Husten
  • beschleunigte Atmung
  • pfeifende oder rasselnde Atemgeräusche
  • sichtbare Anstrengung beim Atmen
  • Probleme beim Trinken
  • ungewöhnliche Müdigkeit oder Teilnahmslosigkeit

Wie ihr erhöhte Temperaturen richtig messt und einordnet, erfahrt ihr in unserem Ratgeber über Fieber bei Babys und Kindern.

Was ist eine RSV-Bronchiolitis?

Eine Bronchiolitis ist eine Entzündung der kleinsten Verzweigungen der Atemwege. Diese sogenannten Bronchiolen führen die Atemluft bis tief in die Lunge.

Durch die Entzündung schwellen die Schleimhäute an. Gleichzeitig kann sich zäher Schleim bilden. Bei Babys reichen bereits geringe Schwellungen aus, um die schmalen Atemwege deutlich zu verengen.

Das Kind muss dann mehr Kraft zum Atmen aufbringen. Möglicherweise bewegen sich die Nasenflügel auffällig mit. Beim Einatmen kann sich die Haut zwischen den Rippen, unterhalb des Brustkorbs oder oberhalb des Schlüsselbeins nach innen ziehen.

Eine Bronchiolitis ist nicht dasselbe wie eine gewöhnliche Bronchitis. Sie betrifft kleinere Atemwege und kann besonders bei jungen Säuglingen schneller zu Atemproblemen führen.

Kann RSV eine Lungenentzündung verursachen?

Ja. RSV kann neben einer Bronchiolitis auch eine Lungenentzündung auslösen. Das betrifft vor allem Säuglinge und Kinder mit bestimmten Vorerkrankungen.

Eine Lungenentzündung kann allerdings unterschiedliche Ursachen haben. Neben Viren kommen auch Bakterien wie Pneumokokken infrage. Anhand der Beschwerden allein lässt sich der Erreger nicht immer sicher bestimmen.

Welche Symptome zeigen Neugeborene?

Bei Neugeborenen und sehr jungen Säuglingen sind die Krankheitszeichen manchmal weniger eindeutig. Husten und Fieber können fehlen.

Mögliche Hinweise auf eine RSV-Infektion sind:

  • deutlich schlechteres Trinken
  • ungewöhnliche Schläfrigkeit
  • auffallende Reizbarkeit
  • schnelle oder angestrengte Atmung
  • blasse oder gräuliche Haut
  • längere Pausen zwischen den Atemzügen
  • ein rasch schlechter werdender Allgemeinzustand

Frühgeborene können zeitweise mit dem Atmen aussetzen. Solche Atempausen werden Apnoen genannt und müssen sofort medizinisch abgeklärt werden.

Atempausen bei jungen Babys können auch bei anderen Erkrankungen vorkommen, beispielsweise bei Keuchhusten. Eine sichere Diagnose ist allein anhand einzelner Symptome nicht möglich.

Wann sollte ein Kind ärztlich untersucht werden?

Lasst euer Kind zeitnah ärztlich untersuchen, wenn:

  • es deutlich schneller oder angestrengter atmet
  • sich die Haut beim Atmen zwischen den Rippen einzieht
  • die Nasenflügel bei jedem Atemzug mitarbeiten
  • es wesentlich weniger trinkt als sonst
  • deutlich weniger nasse Windeln vorhanden sind
  • es ungewöhnlich müde, teilnahmslos oder schwer weckbar wirkt
  • der Husten oder Allgemeinzustand sich spürbar verschlechtert
  • Fieber über mehrere Tage anhält
  • es sich um ein Frühgeborenes oder ein Kind mit einer Vorerkrankung handelt

Ein Baby unter drei Monaten mit einer Körpertemperatur ab 38 Grad Celsius sollte immer ärztlich beurteilt werden. Ruft möglichst zuerst in der Kinderarztpraxis an. Außerhalb der Sprechzeiten erreicht ihr den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.

Wann muss die 112 gerufen werden?

Ruft sofort den Rettungsdienst, wenn euer Kind:

  • wiederholt oder länger mit dem Atmen aussetzt
  • sichtbar um Luft ringt
  • blaue oder gräuliche Lippen beziehungsweise eine verfärbte Zunge bekommt
  • kaum noch reagiert oder nicht richtig geweckt werden kann
  • bewusstlos wird
  • sich innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich verschlechtert

Wartet bei deutlicher Atemnot nicht darauf, ob sich der Zustand von allein bessert.

Welche Kinder haben ein erhöhtes Risiko?

Schwere RSV-Verläufe können grundsätzlich auch bei vorher gesunden Babys auftreten. Besonders gefährdet sind jedoch:

  • Neugeborene
  • Säuglinge in den ersten Lebensmonaten
  • Frühgeborene
  • Kinder mit angeborenen Herzfehlern
  • Kinder mit schweren chronischen Lungenerkrankungen
  • Kinder mit neuromuskulären Erkrankungen
  • Kinder mit geschwächtem Immunsystem
  • Kinder mit Trisomie 21 oder bestimmten angeborenen Fehlbildungen

Bei einem Kind aus einer Risikogruppe sollten Eltern frühzeitig ärztlichen Rat einholen. Das gilt auch bei zunächst mild wirkenden Beschwerden.

Wie wird RSV festgestellt?

Die Beschwerden können einen ersten Hinweis geben. Eine sichere Unterscheidung von anderen Atemwegsinfektionen ist allein anhand der Symptome jedoch oft nicht möglich.

Falls das Ergebnis für die Behandlung oder den Schutz anderer Menschen wichtig ist, kann ein Abstrich aus Nase oder Rachen untersucht werden. Dabei kommen beispielsweise PCR- oder Antigentests zum Einsatz.

Nicht jedes erkältete Kind muss auf RSV getestet werden. Entscheidend sind das Alter, der Allgemeinzustand, mögliche Risikofaktoren und die Stärke der Beschwerden.

Wie wird eine RSV-Infektion behandelt?

Es gibt keine allgemein eingesetzte Behandlung, die das Virus gezielt beseitigt. Die Therapie richtet sich deshalb nach den Beschwerden.

Bei einem milden Verlauf kann das Kind zu Hause betreut werden. Wichtig sind:

  • Ruhe und ausreichend Schlaf
  • regelmäßiges Trinken
  • kleinere und dafür häufigere Mahlzeiten
  • eine möglichst freie Nase
  • regelmäßige Beobachtung der Atmung
  • Kontrolle der nassen Windeln bei Babys

Eine verstopfte Nase kann Säuglingen das Trinken erschweren. Ob Kochsalzlösung oder eine andere Unterstützung sinnvoll ist, könnt ihr mit der Kinderarztpraxis oder eurer Hebamme besprechen.

Gebt Babys und Kindern keine Hustenmittel, abschwellenden Medikamente oder ätherischen Öle ohne ärztliche Rücksprache. Einige Präparate sind für Säuglinge und kleine Kinder ungeeignet.

Antibiotika helfen nicht gegen RSV, da es sich um ein Virus handelt. Sie kommen nur infrage, wenn zusätzlich eine bakterielle Infektion festgestellt wird.

Was passiert bei einem schweren Verlauf im Krankenhaus?

Kinder mit deutlicher Atemnot, Sauerstoffmangel oder erheblichen Trinkproblemen müssen möglicherweise im Krankenhaus behandelt werden.

Dort können je nach Zustand unterschiedliche Maßnahmen erforderlich sein:

  • Überwachung von Atmung und Sauerstoffsättigung
  • zusätzliche Sauerstoffgabe
  • Flüssigkeit über eine Infusion
  • Unterstützung bei der Ernährung
  • Absaugen von störendem Sekret
  • Atemunterstützung über eine Maske oder Nasenbrille
  • intensivmedizinische Betreuung bei schweren Verläufen

Die meisten Kinder erholen sich vollständig. Der Husten kann jedoch noch mehrere Wochen nach der eigentlichen Infektion bestehen bleiben.

Wann darf ein Kind wieder in die Kita?

Ein Kind mit akuten RSV-Symptomen sollte zu Hause bleiben. Das gilt besonders bei Fieber, starkem Husten, Trinkproblemen oder einem deutlich beeinträchtigten Allgemeinzustand.

Eine feste Anzahl symptomfreier Tage gibt es nicht. Das Kind sollte sich deutlich erholt haben und wieder ohne besondere Betreuung am Kita-Alltag teilnehmen können. Informiert die Betreuungseinrichtung über die Erkrankung. So können Familien mit jungen Geschwisterkindern oder besonders gefährdeten Angehörigen aufmerksam bleiben.

Wie lässt sich eine Ansteckung vermeiden?

RSV ist sehr verbreitet. Ein vollständiger Schutz vor jeder Ansteckung ist im Familienalltag kaum möglich. Einige Maßnahmen können das Risiko jedoch senken:

  • Hände regelmäßig und gründlich waschen
  • nicht in die Hände, sondern in die Armbeuge husten und niesen
  • häufig berührte Gegenstände reinigen
  • Räume regelmäßig lüften
  • Schnuller, Besteck und Trinkgefäße nicht gemeinsam benutzen
  • erkrankte Personen möglichst auf Abstand zu jungen Babys halten
  • Babys nicht von erkälteten Personen küssen lassen
  • bei unvermeidbarem engem Kontakt gegebenenfalls eine Maske tragen

Besondere Vorsicht ist in den ersten sechs Lebensmonaten sinnvoll. Das gilt vor allem während der RSV-Saison.

Welche RSV-Prophylaxe empfiehlt die STIKO?

Die Ständige Impfkommission empfiehlt den Antikörper Nirsevimab für alle Neugeborenen und Säuglinge vor beziehungsweise während ihrer ersten RSV-Saison.

Der Zeitpunkt richtet sich nach dem Geburtsmonat:

  • Geburt von April bis September: Die Gabe soll möglichst zwischen September und November erfolgen.
  • Geburt von Oktober bis März: Das Baby soll Nirsevimab möglichst kurz nach der Geburt erhalten. Das kann bereits vor der Entlassung aus dem Krankenhaus oder bei der U2 geschehen.

Wurde der empfohlene Zeitpunkt verpasst, sollte die Behandlung während der laufenden RSV-Saison möglichst bald nachgeholt werden. Die Kinderarztpraxis prüft, ob die Gabe im individuellen Fall noch sinnvoll ist. Nirsevimab kann am selben Termin wie die regulären Kinderimpfungen verabreicht werden. Ein besonderer zeitlicher Abstand ist nicht notwendig.

Ist Nirsevimab eine Impfung?

Nirsevimab ist keine klassische Schutzimpfung. Es handelt sich um eine passive Immunisierung.

Bei einer Impfung wird das Immunsystem dazu angeregt, selbst Antikörper und Gedächtniszellen zu bilden. So funktioniert beispielsweise die Schluckimpfung gegen Rotaviren.

Bei Nirsevimab erhält das Baby dagegen bereits fertige Antikörper. Der Schutz beginnt unmittelbar nach der Verabreichung, hält aber nur für einen begrenzten Zeitraum an. Eine Injektion soll das Kind durch seine erste RSV-Saison begleiten.

Verhindert Nirsevimab jede RSV-Infektion?

Nein. Auch nach der Prophylaxe kann sich ein Kind mit RSV anstecken und leichte Beschwerden entwickeln.

Nirsevimab soll vor allem das Risiko eines schweren Verlaufs und einer Behandlung im Krankenhaus verringern. Bei Atemproblemen oder einem auffällig schlechten Allgemeinzustand muss ein Baby daher trotz Prophylaxe ärztlich untersucht werden.

Nach der Gabe können vorübergehend Schmerzen, eine Schwellung oder eine Verhärtung an der Einstichstelle auftreten. Gelegentlich entwickelt sich ein Hautausschlag. Schwere allergische Reaktionen sind sehr selten.

Benötigt ein Kind Nirsevimab auch in der zweiten RSV-Saison?

Für gesunde Kinder ist die Prophylaxe in der zweiten RSV-Saison normalerweise nicht vorgesehen.

Kinder mit bestimmten schweren Vorerkrankungen können weiterhin ein erhöhtes Risiko haben. Bei ihnen kann eine erneute Gabe im zweiten Lebensjahr infrage kommen. Die Entscheidung trifft die behandelnde Fach- oder Kinderarztpraxis anhand des individuellen Risikos.

Gibt es eine RSV-Impfung in der Schwangerschaft?

In Deutschland ist ein Impfstoff zugelassen, der während der Schwangerschaft eingesetzt werden kann. Die von der Mutter gebildeten Antikörper werden über die Plazenta auf das ungeborene Kind übertragen.

Die STIKO empfiehlt diese Impfung derzeit jedoch nicht allgemein. Nach ihrer Bewertung reichen die vorhandenen Daten noch nicht für eine reguläre Empfehlung aus. Eine Anwendung innerhalb der Zulassung ist nach individueller ärztlicher Beratung möglich.

Eltern sollten die Schwangerschaftsimpfung und die Nirsevimab-Prophylaxe nicht eigenständig miteinander kombinieren. Welche Schutzmaßnahme für das Baby vorgesehen ist, sollte mit der gynäkologischen und kinderärztlichen Praxis besprochen werden.


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