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Rituale – Wegweiser durch den Familienalltag

von Jacqueline Esser
Veröffentlicht: Letztes Update
Rituale - Wegweiser durch den Familienalltag

Egal ob beim Aufstehen, beim Essen oder beim Zähne putzen – wiederkehrende Abläufe kennen wir alle. Sogenannte Rituale. Doch wie wichtig sind feste Rituale für Kinder, und wie entstehen sie? Welche Rituale gibt es und wie finde ich das richtige für meine Familie? Lest hier alle Informationen zum Thema und holt euch ein paar Tipps und Anregungen für den Alltag.

Bei Familie Franken sieht jeder Morgen gleich aus: Aufstehen, waschen, anziehen und ab in die Küche zum gemeinsamen Frühstück. Jeder kennt seinen Platz und jeder kennt seine Aufgaben beim aufräumen nach dem Frühstück. Ein Ablauf der dem ein oder anderen von euch bekannt vorkommt? Dahinter verbergen sich jetzt keine hellseherischen Fähigkeiten, sondern die Gewissheit, dass in fast allen Familien die morgendlichen Routinen beinahe gleich aussehen. Doch diese Routine ist bereits das erste Ritual am Tag.

Rituale sind immer wiederkehrende Situationen und Abläufe. Meistens sind es gemeinsame, die die ganze Familie zum Beispiel an einen Tisch kommen lässt, wie beim Frühstücken oder zum Abendessen. Manchmal sind es aber auch ganz eigene Abläufe, wie der Kaffee am Morgen, bevor Mama alle Kinder weckt. Rituale begleiten uns oft unbemerkt durch den ganzen Tag.

Rituale schenken Geborgenheit

Für Kinder sind Rituale in ihrem Alltag eine wichtige Orientierungshilfe. Läuft alles in gewohnter Reihenfolge, können sich Kinder auf die darauf folgende Situation schon vorab einstellen. Das gibt ihnen Sicherheit! Rituale sind für Kinder somit ein Wegweiser durch den Tag.

Viele dieser Rituale entstehen unbewusst und ohne das Zutun der Eltern. Der immer wiederkehrende Ablauf am Morgen, die Kuschelstunde abends oder der Abschiedskuss im Kindergarten, sind unbewusste Rituale. Eltern übernehmen oft die Rituale, die sie bereits selbst aus ihrer Kindheit kennen. So werden aus Ritualen im laufe der Zeit feste Traditionen. In Familien stärken Rituale und Traditionen das “Wir-Gefühl”. Umso schwerer ist es, lieb gewonnene Handlungen abzulegen. Da verdrückt die Mama schonmal klammheimlich ein Tränchen, wenn ihr Sohn bei der Verabschiedung an der Schule erklärt, dass er jetzt groß ist und ein Abschiedskuss doch mega peinlich sei.

Solche Rituale werden im laufe der Jahre immer wieder den Bedürfnissen der Familie angepasst. So wird dem Säugling abends ein Gute-Nacht-Lied gesummt, dem Kleinkind eine Geschichte vorgelesen und mit dem Teenager noch gemeinsam eine Fernsehserie geschaut.

Rituale in der Familie schon früh einführen

Sind Mann und Frau gerade zum ersten Mal Eltern geworden, müssen Rituale im Alltag erst einmal entstehen. Säuglinge haben meistens die ersten drei Lebensmonate keinen eigenen Rhythmus. Erst ab dem Entwicklungsschub mit 12 Wochen, können sie fließende Übergänge erkennen und wahrnehmen. Der richtige Zeitpunkt, um die ersten Rituale einzuführen. Gerade am Abend, wenn der Tag hinter den Säuglingen liegt, können Rituale helfen abzuschalten und sich gemeinsam darauf vorzubereiten, ins Bett zu gehen. Wie das jeweilige Ritual dabei aussieht, sollten Eltern gemeinsam entscheiden. Wichtig ist nur, je jünger das Kind, umso kürzer sollte das Ritual sein.

Wie viele Rituale sind nötig?

Experten raten dazu, zwei bis höchstens drei einfache Rituale in den Tag zu integrieren. Dazu ein paar Wochen- und/oder Jahresrituale. Das wichtigste ist jedoch, dass die Rituale allen Spaß machen. Es muss jederzeit erlaubt sein, das Ritual den neuen Bedürfnissen anzupassen oder es ab und an auch mal ausfallen zu lassen. Es sollte niemals ein Zwang dabei sein. Es soll den Alltag begleiten und das Familienleben stärken, jedoch nicht einengen.

Hier ein paar unverbindliche Ideen: 

Der gute Start in den Tag: Aufsteh – und Morgenrituale

Rituale am Morgen erleichtern euren Kindern den Start in den Tag. Hierbei solltet ihr berücksichtigen, ob euer Kind ein Morgenmuffel ist und Zeit zum aufwachen braucht, oder ob es morgens schon freudig aus dem Bett hüpft. Mögliche Rituale am Morgen können sein:

  • Die Vorhänge langsam zu öffnen und euren Stöpseln noch etwas Zeit zu lassen, um wach zu werden.
  • Das gemeinsame Kuscheln im Elternbett
  • Der Kakao aus der immer gleichen, ganz besonderen Tasse
  • Ein gemeinsames Frühstück
  • Die Lieblings Hörspiel-CD zum wach werden

Waschrituale – Körperpflege mit Spaß und guter Laune

Auch der Ablauf im Bad, kann mit Ritualen begleitet werden. Rituale können hier den Spaß an der Körperpflege steigern:

  • das Lieblingshandtuch zum abtrocknen nach dem Duschen oder Baden
  • ein Zahnputz-Lied
  • eine Zahnputzsanduhr
  • eine kleine Massage
  • das eincremen mit der toll duftenden Creme

Guten Appetit – gemeinsame Mahlzeiten

In der heutigen Hektik sind gemeinsame Mahlzeiten wichtiger den je. Ihr solltet deshalb darauf achten, dass nicht jeder isst wann er gerade Zeit dazu hat, sondern dass so oft wie möglich die Mahlzeiten gemeinsam eingenommen werden. Beim Mittagessen sind meistens nicht alle Familienmitglieder zu Hause, weshalb das Frühstück und Abendessen besonders wichtig sind. Die Zeit der Mahlzeiten kann eine Möglichkeit der Familienkommunikation sein. Morgens kann man so über die anstehenden Aufgaben sprechen und sich abends über die Erlebnisse, Erfolge und Rückschläge des vergangenen Tages austauschen. Schöne Rituale beim Essen könnten sein:

  • ein Gebet oder Spruch zum Beginn des Essens
  • der schön gedeckte Tisch mit besonderen Lebensmitteln (z.B das Ei am Sonntag, oder Nutella am morgen..)
  • Mittagsroulette – jeder darf einmal aussuchen, was es gibt. Oder ein bestimmtes Essen, dass jede Woche am selben Tag stattfindet (zb. ein Nudeltag)
  • das gemeinsame Kochen

Begrüßung / Abschied – Rituale

So wichtig wie der Start in den Tag, ist die Art wie ein Familienmitglied begrüßt oder verabschiedet wird. Kam es morgens zb. zum Streit, wird niemand mit einem guten Gefühl zum Kindergarten, zur Schule oder zur Arbeit gehen.  Ein Abschiedsritual erleichtert den Kindern zudem die Trennung von den Eltern, wenn sie in den Kindergarten oder die Schule müssen. Doch auch die Begrüßung spielt eine große Rolle. So fühlt es sich anders an, wenn man mit einem “wieso hast du so lange nach Hause gebraucht?” begrüßt wird, oder mit “Schön dass du da bist, wie war dein Tag?”.  Ein schönes Ritual zur Begrüßung oder zum Abschied könnte sein:

  • ein Kuss auf die Wange oder den Mund
  • das gemeinsame Anziehen und aus dem Haus gehen
  • eine herzliche Umarmung

Schlaf gut, John Boy – Das Gute-Nacht-Ritual

Die Abendtrituale sind vor allem dazu da, sich von den Erlebnissen am Tag  zu erholen und zur Ruhe zu kommen. Insbesondere kleinere Kinder haben manchmal Schwierigkeiten, die vielen Eindrücke zu verarbeiten und finden nur schwer in den Schlaf. Wenn der Abend nach einem bestimmten Muster abläuft, können schon die Kleinen besser abschalten und sich auf das Schlafengehen vorbereiten. Sie finden so die nötige Entspannung und Ruhe für einen erholsamen und gesunden Schlaf.  Schöne Abend und Gute-Nacht- Rituale für eure Familie könnten sein:

  • eine Gute-Nacht-Geschichte
  • das hören eines Hörspiels
  • gemeinsames kuscheln auf dem Sofa oder dem Bett
  • ein Kuss auf die Stirn, Wange oder Mund
  • ein Gebet oder ein schöner Spruch

Bei älteren Kindern und Jugendlichen könnten auch folgende Rituale den Abend ausklingen lassen:

  • gemeinsam einen Film schauen
  • ein Spiel spielen
  • gegenseitiges Geschichten oder Bücher vorlesen

Festliche Rituale / Jahres-Rituale

Familienrituale müssen nicht immer täglich stattfinden. Festliche Rituale, die zu Traditionen werden oder ein Ritual, das jedes Jahr zur gleichen Zeit gelebt wird, gehören ebenso dazu. Schön ist es, wenn die Familie diese Rituale gemeinsam festlegt und beibehält. Diese Rituale sind meist die, die Kinder später auch in ihren Familien so oder so ähnlich weiterführen. Rituale die euch im Jahr als festliche oder Jahreskreisrituale begleiten könnten sind:

  • Plätzchen backen am ersten Adventswochenende
  • Ostereier färben
  • der schön geschmückte Tisch an Geburtstagen
  • ein Spaziergang beim ersten Schnee
  • Familienausflug am ersten Mai

Wahrscheinlich ist euch nun aufgefallen, dass sich in Eurer Familie schon viele Rituale entwickelt haben, die ganz selbstverständlich zu eurem Alltag dazugehören. Oft sind fehlende Rituale aber ein Grund für immer wieder auftretende Konflikte. Überlegt in einem solchen Fall, wie Ihr die anstehenden Aufgaben ritualisieren könnt. Es kann wirklich helfen, etwas mehr Struktur und Ruhe in den Alltag zu bringen.

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