„Es werden Zwillinge – und sie sind Mono-Di.“ Nach einem solchen Satz beim Ultraschall bleiben bei vielen werdenden Eltern erst einmal mehr Fragen, als Antworten. Was bedeutet dieses „Mono“? Teilen sich die Babys eine Fruchtblase? Ist die Schwangerschaft dadurch automatisch irgendwie gefährlich? Warum sind plötzlich so viele zusätzliche Untersuchungen nötig?
Die kurze Antwort lautet: „Mono“ beschreibt nicht einfach, ob Zwillinge eineiig sind. Es sagt vor allem etwas darüber aus, wie sich die beiden Babys ihre Plazenta und ihre Fruchtblasen teilen. Genau diese Einteilung bestimmt, wie eng die Schwangerschaft kontrolliert wird und wie die Geburt geplant werden kann.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Mono-Di-Zwillinge teilen sich eine Plazenta, liegen aber in zwei getrennten Fruchtblasen.
- Mono-Mono-Zwillinge teilen sich eine Plazenta und zusätzlich eine gemeinsame Fruchtblase.
- Beide Babys besitzen immer eine eigene Nabelschnur.
- Eine gemeinsame Plazenta erfordert häufigere Ultraschallkontrollen.
- Mono-Mono-Schwangerschaften sind sehr selten und werden in einem spezialisierten Zentrum betreut.
- „Mono“ bedeutet nicht automatisch, dass bereits eine Komplikation vorliegt.
Eineiig, monochorial und monoamniotisch – drei unterschiedliche Fragen
Die vielen Fachbegriffe wirken zunächst kompliziert. Eigentlich beantworten sie aber nur drei verschiedene Fragen.
Eineiig oder zweieiig?
Hier geht es um die Entstehung der Zwillinge. Eineiige Zwillinge entwickeln sich aus einer befruchteten Eizelle, die sich in zwei Embryonen teilt. Zweieiige Zwillinge entstehen aus zwei Eizellen, die jeweils von einer Samenzelle befruchtet werden.
Monochorial oder dichorial?
Das beschreibt die äußeren Eihäute und die Versorgung über die Plazenta. Monochoriale Zwillinge teilen sich eine gemeinsame Plazenta beziehungsweise einen gemeinsamen Plazentakreislauf. Dichoriale Zwillinge besitzen zwei getrennte Plazentaanlagen. Diese können allerdings so dicht nebeneinanderliegen, dass sie im Ultraschall wie eine einzige Plazenta aussehen.
Monoamniotisch oder diamniotisch?
Das beschreibt die Fruchtblasen. Monoamniotische Zwillinge liegen gemeinsam in einer Fruchtblase. Bei diamniotischen Zwillingen hat jedes Baby seine eigene Fruchtblase.
Di-Di, Mono-Di und Mono-Mono einfach erklärt
| Bezeichnung | Plazenta | Fruchtblasen | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Di-Di oder DCDA | zwei Plazentaanlagen | zwei | Jedes Baby hat seinen eigenen Bereich |
| Mono-Di oder MCDA | eine gemeinsame | zwei | Gemeinsame Versorgung, aber trennende Eihaut |
| Mono-Mono oder MCMA | eine gemeinsame | eine gemeinsame | Keine Trennwand zwischen den Babys |
„Mono-Di“ ist die umgangssprachliche Kurzform für monochorial-diamniotisch. In medizinischen Unterlagen kann dafür die Abkürzung MCDA stehen. „Mono-Mono“ bedeutet monochorial-monoamniotisch und wird mit MCMA abgekürzt.
Eineiige Zwillinge können übrigens auch Di-Di-Zwillinge sein. Die Zahl der Plazenten allein beweist deshalb nicht immer, ob zwei Kinder eineiig oder zweieiig sind. Monochoriale Zwillinge sind jedoch in aller Regel eineiig.
Wie entstehen Mono-Zwillinge?
Mono-Zwillinge entstehen normalerweise, wenn sich eine bereits befruchtete Eizelle in zwei Embryonen teilt. Wie Plazenta und Fruchtblasen anschließend angelegt werden, hängt damit zusammen, in welchem Entwicklungsstadium diese Teilung erfolgt.
In vielen Ratgebern werden dafür genaue Tage nach der Befruchtung genannt. Für werdende Eltern ist diese Rechnung allerdings weniger wichtig, als der tatsächliche Ultraschallbefund. Niemand hat durch sein Verhalten verursacht, dass die Babys eine Plazenta oder Fruchtblase teilen. Verhindern lässt sich diese Entwicklung ebenfalls nicht.
Wann erkennt man Mono-Di- oder Mono-Mono-Zwillinge?
Am zuverlässigsten lässt sich die Aufteilung im ersten Schwangerschaftsdrittel beurteilen. Die aktuelle internationale Ultraschall-Leitlinie empfiehlt, die sogenannte Chorionizität möglichst vor 13+6 Schwangerschaftswochen festzustellen und den Befund bildlich zu dokumentieren.
Dabei suchen die Ärztinnen und Ärzte unter anderem nach einer feinen Trennwand zwischen den Babys. Auch die Stelle, an der diese Eihaut auf die Plazenta trifft, liefert wichtige Hinweise. Fachleute sprechen dabei vom Lambda- beziehungsweise T-Zeichen.
Ob zwei Babys eine gemeinsame oder getrennte Fruchtblase haben, kann laut ISUOG ungefähr ab der achten Schwangerschaftswoche beurteilt werden. Gerade bei einem sehr frühen Ultraschall ist die Trennwand aber möglicherweise noch schwer zu erkennen. Wenn in der siebten oder achten Woche keine Membran zu sehen ist, muss deshalb nicht sofort endgültig feststehen, dass es sich um Mono-Mono-Zwillinge handelt.
Bleibt der Befund unklar, sollte er durch eine erfahrene pränatalmedizinische Praxis oder Klinik überprüft werden. Die aktuelle ISUOG-Leitlinie empfiehlt ausdrücklich eine zweite Beurteilung in einem spezialisierten Zentrum, wenn sich die Einteilung nicht sicher vornehmen lässt.
Warum ist die gemeinsame Plazenta so wichtig?
Bei einer gemeinsamen Plazenta können die Blutgefäße beider Babys miteinander verbunden sein. Meist funktioniert diese Versorgung gut. In manchen Schwangerschaften verteilt sich das Blut oder das Plazentagewebe jedoch ungleichmäßig. Mögliche Komplikationen auf die solche Schwangerschaften stoßen könnten, wären:
- Fetofetales Transfusionssyndrom, kurz FFTS oder TTTS: Über Gefäßverbindungen fließt dauerhaft mehr Blut von einem Baby zum anderen. Dadurch kann ein Kind zu wenig und das andere zu viel Blut erhalten.
- Selektive Wachstumsverzögerung, kurz sFGR: Ein Zwilling erhält einen kleineren Anteil der Plazenta und wächst deshalb deutlich langsamer.
- TAPS: Dabei entwickelt ein Baby eine Blutarmut, während das Blut des anderen zu viele rote Blutkörperchen enthält. Anders als beim klassischen FFTS muss dabei nicht zwingend ein auffälliger Unterschied der Fruchtwassermengen entstehen.
- Frühgeburt: Wie bei allen Zwillingsschwangerschaften ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Kinder vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche geboren bzw. geholt werden.
Diese Komplikationen sind Möglichkeiten, keine zwangsläufige Entwicklung. Regelmäßige Ultraschalltermine dienen dazu, Veränderungen rechtzeitig zu erkennen. Das deutsche Informationsportal familienplanung.de betont ebenfalls, dass eine gemeinsame Plazenta nicht immer gleichmäßig aufgeteilt ist und deshalb intensiver überwacht werden muss.
Wie häufig werden Mono-Di-Zwillinge kontrolliert?
Bei einer unkomplizierten monochorialen Schwangerschaft empfiehlt die aktuelle ISUOG-Leitlinie nach dem Ersttrimester-Ultraschall ab der 16. Schwangerschaftswoche, Untersuchungen im Abstand von zwei Wochen. Gibt es Auffälligkeiten, können deutlich kürzere Abstände notwendig werden. Bei den Terminen werden unter anderem kontrolliert:
- Wachstum und geschätztes Gewicht beider Babys
- Fruchtwassermenge
- Füllung der kindlichen Harnblasen
- Blutfluss in Nabelschnur und kindlichen Gefäßen
- mögliche Gewichtsunterschiede
- Anzeichen für FFTS, TAPS oder eine Wachstumsverzögerung
Bedeutet Mono-Di automatisch einen Kaiserschnitt?
Nein. Eine gemeinsame Plazenta allein ist kein zwingender Grund für einen Kaiserschnitt. Ob eine vaginale Geburt möglich ist, hängt unter anderem von der Lage der Babys, ihrem Größenunterschied, dem Schwangerschaftsverlauf und der Erfahrung der Geburtsklinik ab.
Bei einer unkomplizierten Mono-Di-Schwangerschaft wird die Geburt häufig etwas früher geplant, als bei Zwillingen mit zwei Plazenten. Die aktuelle ISUOG-Leitlinie nennt für unkomplizierte monochorial-diamniotische Zwillinge ein Zeitfenster um 36+0 bis 36+6 Schwangerschaftswochen. Der individuelle Termin kann sich abhängig von den Befunden jedoch unterscheiden.
Was ist bei Mono-Mono-Zwillingen anders?
Bei Mono-Mono-Zwillingen fehlt die trennende Eihaut. Beide Babys bewegen sich in derselben Fruchtblase und besitzen jeweils eine eigene Nabelschnur. Diese sehr seltene Form macht nach Angaben des britischen RCOG ungefähr ein Prozent aller Zwillingsschwangerschaften aus.
Weil keine Trennwand vorhanden ist, können sich die Nabelschnüre der Babys miteinander verstricken. Bei einer systematischen Untersuchung lässt sich laut aktueller Leitlinie bei fast allen Mono-Mono-Zwillingen eine gewisse Nabelschnurverwicklung erkennen. Das klingt zunächst erschreckend, bedeutet für sich genommen aber noch nicht, dass die Nabelschnüre akut abgedrückt werden oder die Kinder schlecht versorgt sind. Entscheidend sind die Blutflussmessungen, die Herztöne und die weitere Entwicklung.
Mono-Mono-Schwangerschaften gehören deshalb in die Betreuung eines erfahrenen pränatalmedizinischen Zentrums. Die aktuelle RCOG-Leitlinie zählt neben der Nabelschnurproblematik auch die möglichen Komplikationen der gemeinsamen Plazenta zu den Gründen für eine intensive Überwachung.
Muss man mit Mono-Mono-Zwillingen ins Krankenhaus?
Darauf gibt es keine für alle Kliniken und Schwangerschaften gültige Antwort. Manche Zentren empfehlen im späteren Schwangerschaftsverlauf eine stationäre Aufnahme, damit die Herztöne der Kinder sehr häufig kontrolliert werden können. Andere betreuen stabile Schwangerschaften länger ambulant.
Auch die aktuelle ISUOG-Leitlinie bezeichnet die Studienlage zu stationärer und ambulanter Betreuung als nicht eindeutig. Der Plan sollte deshalb gemeinsam mit dem spezialisierten Zentrum festgelegt werden. Wohnort, Entfernung zur Klinik, bisheriger Verlauf und die Möglichkeiten zur ambulanten Kontrolle, können dabei eine Rolle spielen.
Wann werden Mono-Mono-Zwillinge geboren?
Bei einer unkomplizierten Mono-Mono-Schwangerschaft empfehlen aktuelle internationale Leitlinien in der Regel einen geplanten Kaiserschnitt zwischen der 32. und 34. Schwangerschaftswoche. Der frühe Termin soll die Risiken einer länger fortgeführten Schwangerschaft gegen die Folgen einer Frühgeburt abwägen.
Der genaue Zeitpunkt wird individuell festgelegt. Da die Kinder zu diesem Zeitpunkt noch Frühgeborene sind, sollte die Geburt in einer Klinik mit geeigneter Neugeborenenversorgung stattfinden. Häufig wird vorher auch eine Behandlung zur Unterstützung der kindlichen Lungenreife besprochen.
Sind Mono-Mono-Zwillinge automatisch miteinander verwachsen?
Nein. Mono-Mono-Zwillinge sind nicht automatisch sogenannte siamesische beziehungsweise miteinander verbundene Zwillinge. Körperlich verbundene Zwillinge sind eine extrem seltene Sonderform. Die allermeisten Mono-Mono-Zwillinge sind körperlich vollständig voneinander getrennt.
Was können werdende Eltern selbst tun?
Ob Zwillinge eine Plazenta oder Fruchtblase teilen, lässt sich weder durch Ernährung noch durch Ruhe oder ein bestimmtes Verhalten verändern. Eltern tragen keine “Schuld” an dieser besonderen Ausgangslage. Wichtig ist vor allem:
- alle vereinbarten Kontrolltermine wahrnehmen
- die genaue Einteilung der Schwangerschaft erfragen
- bei unklarem Befund eine pränatalmedizinische Beurteilung erhalten
- wissen, welche Klinik im Notfall zuständig ist
- den Geburtsplan rechtzeitig mit einem erfahrenen Zentrum besprechen
- keine eigenständige Bettruhe oder andere Maßnahmen beginnen, ohne sie ärztlich abzustimmen
Bei welchen Beschwerden sollte die Klinik kontaktiert werden?
Mono-Zwillinge verursachen keine speziellen Beschwerden, an denen Eltern eine Komplikation zu Hause sicher erkennen könnten. Veränderungen der Plazentaversorgung werden überwiegend beim Ultraschall entdeckt. Unabhängig davon sollten Schwangere zeitnah ihre Praxis, Hebamme oder Geburtsklinik kontaktieren, wenn sie unter anderem Folgendes bemerken:
- Blutungen
- möglicherweise abgehendes Fruchtwasser
- regelmäßige oder schmerzhafte vorzeitige Wehen
- starken Druck nach unten
- deutlich weniger Kindsbewegungen als zuvor
- starke oder ungewohnte Bauchschmerzen
- heftige Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Schmerzen im Oberbauch
Bei Blutungen oder Anzeichen einer möglichen Frühgeburt rät auch das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit zu einer umgehenden medizinischen Abklärung. Das gilt bei einer Zwillingsschwangerschaft ganz besonders.
Diese Fragen helfen beim nächsten Arzttermin
Nach einem Mono-Befund können Eltern ganz konkret nachfragen:
- Handelt es sich um Mono-Di oder Mono-Mono?
- Ist die Einteilung bereits sicher oder soll sie noch einmal kontrolliert werden?
- Wurde ein Ultraschallbild der Trennwand beziehungsweise Plazenta gespeichert?
- Ab wann finden die zweiwöchentlichen Kontrollen statt?
- Sollte die Schwangerschaft zusätzlich in einem Pränatalzentrum betreut werden?
- Welche Klinik eignet sich für die Geburt?
- Welche Beschwerden sollen sofort gemeldet werden?
- Wann und auf welchem Weg wird die Geburt voraussichtlich geplant?
Eine besondere Schwangerschaft braucht vor allem einen klaren Plan
Die Diagnose Mono-Di oder Mono-Mono kann zunächst große Sorgen auslösen. Eine gemeinsame Plazenta und bei Mono-Mono zusätzlich eine gemeinsame Fruchtblase bringen tatsächlich besondere Risiken mit sich. Der Befund bedeutet aber nicht, dass bereits etwas nicht stimmt.
Entscheidend sind eine frühe und eindeutige Einteilung, regelmäßige Ultraschallkontrollen und ein Geburtsplan, der zur jeweiligen Schwangerschaft passt. So können mögliche Veränderungen früh erkannt und die beiden Babys so sicher wie möglich begleitet werden.
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