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Die Brust aufs Stillen vorbereiten: Was ist sinnvoll?

Die Brust aufs Stillen vorbereiten: Was ist sinnvoll?

Muss ich meine Brust aufs Stillen vorbereiten? Brauche ich dafür eine Creme oder sollte ich die Brustwarzen schon einmal massieren? Die kurze Antwort: Eure Brust bereitet sich in der Schwangerschaft selbst vor. Ihr müsst sie weder abhärten noch trainieren. Was euch wirklich helfen kann, sind gute Tipps für den Stillstart und jemand, den ihr bei Fragen ansprechen könnt.

Vielleicht habt ihr schon den Rat bekommen, mit einem rauen Handtuch über die Brustwarzen zu reiben. Oder ihr fragt euch, ob eure Brust überhaupt zum Stillen geeignet ist. Solche Unsicherheiten lassen sich oft schon vor der Geburt besprechen. Ihr könnt euch zum Beispiel schon einmal mit verschiedenen Stillpositionen vertraut machen. Ihr müsst dafür kein Vorwissen mitbringen und auch noch nicht wissen, wie Stillen genau funktioniert.

Was eure Brust schon von selbst vorbereitet

Während ihr noch auf euer Baby wartet, verändert sich in der Brust schon einiges. Hormone sorgen dafür, dass sich das Gewebe für die Milchbildung entwickelt.

Vielleicht werden eure Brüste größer oder empfindlicher. Die Brustwarzen und die Haut darum können dunkler werden. Bei manchen Frauen sind die Veränderungen deutlich zu sehen, bei anderen kaum. Ihr müsst diese Veränderungen nicht zusätzlich anregen.

Manchmal landen schon in der Schwangerschaft ein paar gelbliche oder klare Tropfen im BH. Das kann Kolostrum sein – so heißt die erste, besonders nährstoffreiche Milch. Mehr über diese Vormilch und die Veränderungen der Brust lest ihr auch in unserem Beitrag zur 30. Schwangerschaftswoche.

Noch kein Tropfen zu sehen?

Das ist kein Test dafür, ob ihr später genug Milch haben werdet. Auch die Körbchengröße verrät das nicht. Ihr braucht also weder aus Sorge an der Brust zu drücken noch sie mit einer Pumpe zu „testen“. Woran ihr nach der Geburt erkennt, ob euer Baby genug Muttermilch bekommt, erklären wir im eigenen Ratgeber.

Brustwarzen abhärten? Bitte nicht

Eure Brustwarzen brauchen vor dem Stillen kein Training. Bürsten, kräftiges Rubbeln und Ziehen machen sie nicht besser für das Saugen bereit.

Solche Versuche können die empfindliche Haut reizen oder verletzen. Auch Massieren mit dem Ziel, die Brustwarzen unempfindlicher zu machen, ist keine sinnvolle Vorbereitung. Ihr könnt euch diese zusätzliche Aufgabe also sparen.

Wenn das Stillen später anhaltend schmerzt, liegt das nicht daran, dass ihr vorher zu wenig vorbereitet habt. Dann sollten eure Hebamme oder eine qualifizierte Stillberaterin schauen, wie euer Baby die Brust fasst und ob es einen anderen Grund für die Schmerzen gibt. Ihr müsst nicht erst tapfer durchhalten, bis die Haut wund wird. Was ihr bei wunden Brustwarzen tun könnt, lest ihr in unserem eigenen Beitrag.

Brauche ich besondere Pflege für die Brust?

Für gesunde Brustwarzen ist normalerweise keine besondere Pflege nötig. Sanftes Waschen mit Wasser reicht; kräftiges Schrubben und Desinfizieren gehören nicht dazu.

Auf dem dunkleren Bereich um die Brustwarze sitzen kleine Drüsen. Sie geben ein fetthaltiges Sekret ab, das die Haut schützt. Ihr braucht deshalb kein Stillöl und keine Salbe, nur um die Brust auf das Stillen vorzubereiten.

Bei trockener Haut kann eine passende Pflege angenehm sein. Zum Beispiel wird dafür gereinigtes Wollfett (🛒), auch Lanolin genannt, angeboten. Es ist aber keine Pflichtanschaffung und wird nicht von jeder Haut vertragen. Wenn eure Brustwarzen jucken, rissig oder entzündet sind, lasst euch beraten, statt immer neue Produkte auszuprobieren.

Und was ist mit Schwangerschaftsstreifen an der Brust? Eine Lotion kann trockene Haut pflegen. Dass Cremes oder Öle die Streifen zuverlässig verhindern, ist aber nicht belegt. Wenn sie entstehen, bedeutet das nicht, dass ihr zu wenig eingecremt habt.

Was ist bei flachen oder eingezogenen Brustwarzen?

Wenn eure Brustwarzen wenig hervorstehen oder nach innen zeigen, heißt das nicht automatisch, dass Stillen unmöglich ist. Sprecht eure Sorge am besten schon in der Schwangerschaft an.

Ihr müsst die verschiedenen Bezeichnungen wie Flach-, Hohl- oder Schlupfwarzen nicht selbst auseinanderhalten können. Zeigt eurer Hebamme oder einer Stillberaterin einfach, was euch beschäftigt. Sie kann mit euch besprechen, worauf ihr beim Anlegen achten könnt.

Ein Baby nimmt beim Stillen nicht nur die Spitze der Brustwarze in den Mund, sondern auch Brustgewebe darum. Deshalb kommt es nicht allein darauf an, wie weit die Brustwarze hervorsteht. Brustwarzenformer oder Stillhütchen müsst ihr nicht vorsorglich kaufen. Ob ein Hilfsmittel in eurer Situation sinnvoll ist, lässt sich besser mit fachlicher Unterstützung entscheiden.

Wann lohnt sich ein Gespräch vor der Geburt?

Ihr dürft euch beraten lassen, bevor es ein Problem gibt. Eine einfache Frage wie „Wie lege ich mein Baby überhaupt an?“ reicht dafür völlig aus.

Besonders hilfreich ist ein frühes Gespräch, wenn ihr schon einmal Schwierigkeiten beim Stillen hattet oder an der Brust operiert wurdet. Auch wenn ihr Medikamente einnehmt oder eine Erkrankung habt, könnt ihr vorab klären, ob beim Stillstart etwas zu beachten ist. Setzt Medikamente dafür nicht selbst ab.

Eure Hebamme ist eine mögliche erste Anlaufstelle. Bei speziell ausgebildeten Stillberaterinnen begegnet euch manchmal die Abkürzung IBCLC. Dahinter steckt eine international anerkannte Zusatzqualifikation für Still- und Laktationsberatung. „Laktation“ bedeutet einfach Milchbildung. Eine Stillgruppe kann ebenfalls helfen, Fragen zu stellen und andere Eltern kennenzulernen.

Sollte ich vor der Geburt schon Milch sammeln?

Das ist eine andere Frage als die normale Vorbereitung der Brust. In bestimmten Situationen kann es sinnvoll sein, gegen Ende der Schwangerschaft etwas Vormilch mit der Hand zu gewinnen. Ob und ab wann das für euch passt, besprecht ihr vorher mit Hebamme oder ärztlichem Team. Ihr müsst dafür nicht auf eigene Faust mit Ausstreichen oder Abpumpen anfangen.

Eine kleine Vorbereitungsliste für euren Stillstart

Ihr müsst weder eine Menge Produkte kaufen noch alles übers Stillen wissen. Ein paar konkrete Absprachen können euch nach der Geburt schon entlasten.

  • Eine Ansprechperson finden: Notiert euch, wen ihr bei Fragen erreichen könnt – auch dann, wenn ihr noch keine Nachsorgehebamme gefunden habt.
  • Das Anlegen erklären lassen: In einem Vorbereitungsgespräch oder Kurs könnt ihr schon einmal sehen, wie ein Baby gehalten wird und die Brust gut in den Mund nimmt. Unser Ratgeber zum Anlegen und sanften Lösen von der Brust greift diese Schritte auf. Geübt wird später gemeinsam mit eurem Baby.
  • Wünsche am Geburtsort besprechen: Fragt nach Hautkontakt direkt nach der Geburt und Unterstützung beim ersten Anlegen, sobald es euch und eurem Baby gut genug dafür geht.
  • Hilfe für zu Hause organisieren: Wer bringt Essen vorbei, kauft ein oder kümmert sich um Geschwister? Solche Entlastung kann wertvoller sein als das nächste Stillprodukt.

Wenn ihr eure Wünsche aufschreiben möchtet, könnt ihr dafür unsere kostenlose Geburtsplan-Vorlage nutzen. Darin ist auch Platz für die ersten gemeinsamen Stunden und eure Wünsche zur Ernährung des Babys.

Ihr müsst eure Brust nicht auf eine Prüfung vorbereiten. Und wenn der Stillstart holprig ist, habt ihr nicht falsch gecremt oder zu wenig geübt. Dann braucht ihr passende Unterstützung – und keine Vorwürfe.


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Jacqueline Esser
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Jacqueline Esser

Mutter, Erzieherin, Autorin

Jacqueline ist Fachwirtin für Kita- und Hortmanagement, Inklusions- und Integrations-Pädagogin, Fachkraft für U3 Betreuung und staatlich anerkannte Erzieherin. Neben ihrer beruflichen Laufbahn, ist sie Mutter von zwei Kindern. Einem Mädchen und einem Jungen. Ihr Wissen und ihre Erfahrung schöpft sie also aus beruflichen und privaten Herausforderungen. Das macht sie zu einer perfekten Autorin für unser Magazin.
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