Kinder fürchten sich vor vielen Dingen: Dunkelheit, Monster, Gespenster und Geister. In den verschiedenen Entwicklungsphasen werden Kinder auch immer wieder von ganz unterschiedlichen Ängsten begleitet. Kinder-Ängste entwickeln sich (wie das Kind selber) stetig weiter, und nehmen immer wieder ganz andere Formen an. Diese Ängste sind äußerst komplex. Hier ist viel Einfühlungsvermögen der Eltern gefragt.

Das „Monster im Schrank“ ist oft Sinnbild für eher abstrakte Ängste, die Kinder entwickeln können. Für Eltern lässt sich oft nicht auf den ersten Blick erkennen, warum ihr Kind plötzlich vor etwas ganz bestimmtem Angst hat. So abstrakt eine Kinder-Angst auch wirken kann – für die Kinder ist sie ein reales Gefühl von Gefahr. An diesem Punkt brauchen Mama und Papa ganz viel Geduld und Einfühlungsvermögen.

Ängste dürfen niemals ins Lächerliche abgetan werden. Wenn Kinder sich mit ihren Ängsten und Sorgen alleine gelassen fühlen, können sich diese ins unermessliche vertiefen. Die Folgen: mögliche Panikattacken und ein nachhaltiger Verlust von Vertrauen.

Die Entwicklung von Ängsten

Ängste kennt ein Kind seit seiner Geburt. Schafft ein Kind es, seine Ängste zu bewältigen, stärkt dies sein Selbstbewusstsein und gibt ihm Sicherheit für die nächste Phase, in der ihm neue Ängste begegnen. Die Entwicklung der Ängste läuft bei den meisten Kindern ähnlich ab. Bedingt durch ihren Entwicklungsstand, leiden sie unter denselben oder ähnlichen Ängsten. Situationsbedingte Ängste hingegen äußern sich bei jedem Kind unterschiedlich. Dazu jedoch später mehr.

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Ängste im ersten Lebensjahr:

Bereits im ersten Lebensjahr werden Kinder mit Ängsten konfrontiert. Im Alter zwischen vier bis sechs Monaten leiden sie erstmals unter Verlust- und Trennungsängsten. Sobald die Eltern das Zimmer verlassen, reagieren Babys mit Furcht und beginnen zu schreien. Da sie in ihrer Entwicklung noch nicht so weit gereift sind, um zu verstehen, dass ihre Eltern nur für einen Moment außerhalb des Blickwinkels sind, entwickeln sie in dieser Phase enorme Verlust-Ängste.

Mit acht Monaten begegnen sie bereits der nächsten Angst. Die Angst vor allem Fremden. Ab der sogenannten „Fremdelphase“ können sie „vertraut“ und „fremd“ voneinander unterscheiden. Sie reagieren beinahe grundsätzlich mit Angst, wenn sie etwas fremdes erblicken. Gerade fremde Personen verunsichern Babys dann recht schnell.

Ängste im zweiten Lebensjahr:

Das zweite Lebensjahr wird sehr von der Angst vor Dunkelheit geprägt. Kinder brauchen nun oft ein wenig Licht zum Schlafen. Entweder muss die Türe ein Spalt offen bleiben, oder ein Nachtlicht muss her.

Auch treten jetzt die ersten Ängste auf, die Eltern nicht immer sofort nachvollziehen können. Beispielsweise die Angst vor bestimmten Tieren, Situationen oder Objekten. Da kann ein ganz bestimmtes kleines altes Haus in der Nachbarschaft zum Angstobjekt werden, oder die Eule im Wald verursacht einen fürchterlichen Weinkrampf. Kinder in diesem Alter reagieren auf ihre Angst mit Weglaufen, Weinen und Schreien, oder ängstlichem Festklammern an der Mutter oder dem Vater.

Ängste im dritten und vierten Lebensjahr:

Kinder lieben Geschichten. Doch nun ist ihre Fantasie so ausgeprägt, dass die Hexe aus Hänsel und Gretel zum absoluten Albtraumwesen wird. Sie fürchten sich vor Figuren aus Märchen, Filmen und Büchern. Auch fremde Menschen machen ihnen weiterhin Angst. Gerade dunkel gekleidete Männer, wecken oft große Ängste bei Kindern. Nun werden sie auch in Alpträumen von ihren Ängsten eingeholt. Nächtliches Aufschreien, Sicherheit hinter Mama oder Papa suchen, und bitterliche Tränen, können nun Reaktionen auf ihre Ängste sein.

Ängste im fünften und sechsten Lebensjahr:

Jetzt kommen die Monster im Schrank, unterm Bett, oder in der Spielkiste zum Vorschein. Akribisch muss alles vor dem Schlafen gehen kontrolliert werden. Auch die Angst vor der Dunkelheit kann damit zurück kehren. Gerade dunkle Räume, wie der Keller, oder der Dachboden, verursachen ein mulmiges Gefühl im Bauch der Kinder. Manche Kinder beginnen sogar zu vermeiden, durch einen Schatten zu laufen.

Ängste in bestimmten Lebenssituationen

Nicht jede Angst hängt mit der Entwicklung eines Kindes zusammen. Auch Lebenssituationen können in Kindern Ängste verursachen. So zum Beispiel die Trennung der Eltern. Auch die Geburt eines Geschwisterchens, oder der Schulstart können natürlich akut von Angst begleitet werden. Diese situationsbedingten Ängste bilden sich bei jedem Kind in unterschiedlicher Ausprägung.

Trennung oder Scheidung der Eltern: Erlebt ein Kind die Trennung seiner Eltern, fühlt es sich macht- und hilflos. Neben Wut und Unsicherheit, entstehen viele Ängste. Die Angst ein Elternteil vollständig zu verlieren, oder gar beide, oder sogar Schuld an der Trennung zu sein. All dies kann zu schweren Alpträumen, Trotzreaktionen, Aggressionen und sogar Depressionen führen.

Geburt eines Geschwisterchen: Die Geburt eines kleinen Geschwisterchens ist ein mächtiges Erlebnis für ein Kind. Gerade erstgeborene Kinder müssen an diesem Punkt lernen, Mama und Papa zu teilen. Keine leichte (emotionale) Aufgabe. Sie haben Angst weniger geliebt zu werden und nicht mehr wichtig zu sein. Kinder reagieren manchmal mit starker Eifersucht auf das Baby und versuchen mit aller Macht – auch durch konsequentes brechen von festen Regeln – Aufmerksamkeit der Eltern zu erlangen.

Lesetipp: Wenn man es schafft, hinter den „Vorhang“ der Eifersucht zu blicken, sollte man ganz behutsam auf die dahinter liegenden Ängste eingehen. Wie man sein Kind am besten auf das kommende Baby vorbereitet, lest ihr hier.

Der Schulstart: Für alle Kinder ist der Start in die Schule ein ganz besonderes Ereignis. Das tägliche Umfeld ändert sich radikal. Es gibt neue Regeln, neue Gesichter, und eine gewisse Form von Erwartungshaltung, welche ein Kind erstmal verarbeiten muss. Diese neue Welt ist in den ersten Monaten so abstrakt, dass sie je nach Gemüt, für regelrechte Angstattacken sorgt. Sogar körperliche Beschwerden können bei der sogenannten Schulangst auftreten. Kopf-, Magen-, und Gliederschmerzen, die am Morgen auftreten – und besser werden, wenn das Kind zu Hause bleiben darf, sind ganz typische Symptome. Diese Angst legt sich meist, wenn sich das Kind gut in der Schule eingelebt hat.

Wie Eltern mit Kinderängsten umgehen können

Das Kind und seine Ängste ernst nehmen

Für ein Kind sind Ängste real. Daher sollte man sie auf jeden Fall ernst nehmen und dem Kind signalisieren, dass man es versteht. Ein Abwiegeln verstärkt die Angst und kann zu ernsthaften Bindungsproblemen zwischen Kind und Eltern führen.

Das Monster verbannen

Hexen, Monster und Gespenster werden Abends symbolisch aus dem Zimmer verbannt. Auch wenn es vielleicht auf den ersten Blick für Erwachsene verrückt klingt. Aber es hilft den Kleinen in ruhe zu Schlafen.

Das Gespräch suchen

Damit ein Kind seine Ängste verliert, ist es unerlässlich sie zu verstehen. Nur wenn man sich durch Gespräche in die Welt der Kinder fallen lässt, beginnt man mit der Zeit zu verstehen, wie und warum sich eine Angst entwickelt hat. Über diesen Weg kann man ganz toll gemeinsame Strategien und Rituale entwickeln, die eine Angst entschärfen oder ganz verschwinden lassen.

Bilderbücher über Ängste

Es gibt viele tolle Bilderbücher zum Thema Angst. Diese greifen z.B. das Thema Dunkelheit oder Monster auf, und erklären dem Kind anschaulich, wie man mit dieser Angst umgehen kann. So wird mit der Zeit aus dem Monster unter dem Bett wieder der Schatten vom Lieblings-Dino.

Abstrakte Ängste nehmen

Wenn ein Kind Angst vor Tieren hat, kann es helfen, ihm diese zu nehmen, indem man gemeinsam ein solches Tier kennen lernt. So kann die Eule (mit den großen angsteinflößenden Augen) im Zoo besucht werden. Und eigentlich ist sie doch ganz niedlich, oder?

Ängste gehören fest zum Leben

Kinderängste gehören fest zur Entwicklung eines Kindes dazu. Sie zu verarbeiten und zu bekämpfen, verlangt viel Geduld und Einfühlungsvermögen der Eltern. Doch der beste Weg mit Kinderängsten umzugehen, ist dem Kind eine gefühlte Sicherheit zu bieten. In welcher Form dies geschieht, hängt von der Form der Angst und dem Entwicklungsstand des Kindes ab. Doch die größtmöglichste Sicherheit bietet echtes Verständnis der Eltern.


 

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