Von einem auf den anderen Tag reagiert euer Kind auf fremde Menschen mit lautem Schreien, und dreht sich verängstigt weg, sobald sie näher kommen. Die Fremdelphase hat begonnen. Doch kein Grund zur Sorge: Diese Phase ist ein wichtiger Entwicklungsschritt.

In den ersten Lebensmonaten zeigen Babys kaum Berührungsängste. Sie werden auch von Fremden gerne auf den Arm genommen – und haben für Oma, Opa, Tante und den Nachbarn, ein genauso freundliches Lächeln übrig, wie für die eigene Mama. Doch von heute auf morgen wendet sich das Blatt. Fremde Gesichter werden statt mit einem Lächeln, mit lautem Geschrei begrüßt, und die Nähe von vertrauten Personen wird immer wichtiger. Die Kleinen beginnen zu Fremdeln.


Im Video: Warum fremdelt mein Baby?


Fremdelphase: Die Angst vor Unbekannten

Ängstliches Weinen und das aktive Suchen einer Bezugsperson, wie den Eltern, ist das deutlichste Anzeichen der Fremdelphase. Euer Kind will ständig in eurer Nähe sein und hegt grundsätzliches Misstrauen oder Abneigung gegenüber Fremden. Es klammert regelrecht und fürchtet jede Trennung von euch. Selbst bei vermeintlich bekannten und vertrauten Personen, wie Oma oder Opa, kommt es zu Situationen, in denen euer Kind fremdelt.

Meist geschieht dies im Alter von sechs bis acht Monaten. Bei einigen Babys kann es bereits nach vier oder fünf Monaten zu ersten Anzeichen von Fremdeln kommen. Auch in späteren Entwicklungsphasen kommt es immer mal wieder dazu, wenn euer Kind mit neuen Situationen und Menschen konfrontiert wird.

Fremdeln als normaler Entwicklungsschritt

Fremdeln ist kein Zeichen falscher Erziehung, sondern ein natürlicher Entwicklungsschritt und Zeichen einer gesunden, emotionalen Reifung. In der Phase, in der euer Kind seine Umwelt immer genauer erkundet, zum Beispiel durch Beginn der ersten Krabbelunternehmungen, hat die Natur das Fremdeln als Schutzmechanismus eingebaut, welcher euer Kind vor Gefahren und Enttäuschungen bewahren soll. Euer Kind entwickelt in dieser Zeit die Fähigkeit, vertraute Personen von Fremden visuell zu unterscheiden.

Wie lang die Fremdelphase anhält und wie intensiv sie ausgeprägt ist, ist bei jedem Kind unterschiedlich und kann pauschal nicht festgelegt werden. Oftmals kann man beobachten, dass Babys bei Kindern weniger fremdeln, als bei Erwachsenen. Und Männer sind von der Fremdelphase eines Babys häufiger betroffen, als Frauen.

Das Kind ernst nehmen und Schutz bieten

Die wichtigste Grundregel beim Fremdeln eines Kindes ist, die Angst ernst zu nehmen und sie nicht zu übergehen. Denn eines sollte man sich bewusst machen: Diese Angst der Kleinen ist echt. Fast jede Mutter oder jeder Vater hat schon einmal die Erfahrung gemacht, dass das Kind beginnt zu weinen, sobald man sich aus seinem Blickfeld entfernt. Das tut es aus einer echten Furcht heraus. Denn es hat noch nicht verstanden, dass ihr nur kurz weg seid.

Umso wichtiger ist es, dem Kind zu signalisieren: “Ich bin da, ich beschütze dich.” Bei Begegnungen mit unbekannten Menschen, spielt die Rückzugsmöglichkeit (der sichere Hafen), den ihr eurem Kind bietet, deshalb eine große Rolle. Der Kontakt zwischen eurem Baby und dem Fremden sollte nicht erzwungen werden. Überlasst es eurem Kind, wieviel Zeit es dazu braucht. Wenn man ihm die Zeit gibt, sich ein Bild von der Situation und der Person zu machen, wird es meist von ganz alleine Kontakt aufnehmen. Meist reicht es den Kleinen, ein vertrautes offenes Lächeln zu erkennen, in Verbindung mit der Stimme der vermeintlich fremden Person. Wenn man sich eigentlich schon recht gut kennt, ist nach einer kurzen Warmlaufphase, der “Fremdel-Spuk” auch schon wieder vorbei. Zumindest bis zum nächsten Mal.


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