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„Ragebait“ ist Jugendwort des Jahres 2026 – und kommt uns ziemlich bekannt vor

„Ragebait“ ist Jugendwort des Jahres 2026 – und kommt uns ziemlich bekannt vor

Ihr lest einen Post, denkt „Das kann doch jetzt nicht ernst gemeint sein!“ und wollt sofort einen Kommentar schreiben? Willkommen beim „Ragebait“. Genau dieser Begriff ist das Jugendwort des Jahres 2026. Langenscheidt hat den Gewinner am 10. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse bekannt gegeben. „Peak“ und „Crashout“ landen auf den Plätzen zwei und drei.

Falls ihr bei diesen drei Wörtern erst einmal eine Übersetzung braucht: kein Problem. Die Situationen dahinter sind ziemlich vertraut. Sich über einen absichtlich provokanten Beitrag aufregen, etwas richtig großartig finden oder kurz komplett ausrasten – dafür braucht man schließlich kein Teenager zu sein.

Ragebait: Da will euch jemand auf die Palme bringen

„Ragebait“ bedeutet wörtlich übersetzt „Wutköder“. Gemeint sind Beiträge, Bilder oder Videos, die euch ganz gezielt wütend machen sollen.

Eine dreiste Behauptung, eine offensichtlich falsche Aussage oder eine Meinung, bei der man schon beim Lesen die Augen verdreht: Solche Inhalte können darauf angelegt sein, möglichst viele empörte Reaktionen einzusammeln. Denn Kommentare und geteilte Beiträge bringen Aufmerksamkeit und Reichweite. Auch dann, wenn die Leute eigentlich nur schreiben wollen, wie daneben sie das alles finden.

Ein ausgedachtes Beispiel: Jemand behauptet, Eltern hätten grundsätzlich viel zu viel Freizeit. Ihr seid gerade zwischen Wäscheberg, Hausaufgaben und Abendessen unterwegs – und habt spontan ein paar sehr deutliche Worte dazu.

Genau diese Reaktion wäre bei einem Ragebait-Post das Ziel. Ihr ärgert euch. Der Beitrag bekommt Aufmerksamkeit. Blöd gelaufen.

Natürlich ist nicht jede nervige Aussage gleich Ragebait. Menschen können auch einfach anderer Meinung sein. Der entscheidende Unterschied steckt in der Absicht: Soll hier etwas diskutiert werden – oder sollen möglichst viele Leute die Fassung verlieren?

Peak und Crashout: Begeisterung trifft Ausraster

Die beiden anderen Finalisten lassen sich ebenfalls schnell übersetzen: „Peak“ heißt ungefähr „besser geht’s nicht“, „Crashout“ meint das Ausrasten.

Wenn euer Kind ein Konzert, ein Spiel oder einen Film als „peak“ bezeichnet, ist das ein großes Lob. Der englische Begriff bedeutet „Gipfel“ und steht hier für einen absoluten Höhepunkt. Ein mögliches Beispiel wäre: „Der Abend war einfach peak.“

Beim „Crashout“ geht es in die andere Richtung: Jemand verliert die Fassung oder reagiert völlig über. Das kann ernst gemeint sein, wird aber auch ironisch für einen übertriebenen Ausraster wegen einer Kleinigkeit benutzt. Zum Beispiel: „Noch einmal WLAN weg und ich geh Crashout.“

So knapp war die Abstimmung

„Ragebait“ hat gewonnen, aber die Konkurrenz war ziemlich nah dran. So verteilen sich die gültigen Stimmen laut Langenscheidt:

PlatzJugendwortStimmenanteil
1Ragebait36,5 Prozent
2Peak33,8 Prozent
3Crashout29,7 Prozent

Abstimmen konnten Jugendliche zwischen elf und 20 Jahren. Seit dem Start der gesamten Aktion Ende Mai beteiligten sich nach Verlagsangaben rund eine Million Jugendliche. Diese Zahl bezieht sich auf die ganze Kampagne, nicht allein auf die letzte Abstimmungsrunde.

Ein Jugendwort, das auch Eltern gebrauchen können

„Ragebait“ gibt einem ziemlich lästigen Teil des Onlinealltags einen passenden Namen. Und vielleicht hilft das Wort beim nächsten Aufreger sogar, kurz innezuhalten.

Bevor ihr einen wütenden Kommentar tippt, lohnt sich die Frage: Will ich wirklich auf diese Behauptung eingehen – oder hat da gerade jemand erfolgreich meinen Ärger eingesammelt?

Auch mit euren Kindern lässt sich darüber reden, welche Absicht hinter einem Post stecken könnte. Weitere Themen für solche Gespräche findet ihr in unserem Beitrag über Online-Gefahren für Kinder.

Und manchmal ist die angenehmste Antwort auf einen Wutköder ganz einfach: weiterscrollen. Der Wäscheberg diskutiert sich schließlich auch nicht von allein weg.


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