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Nur Hilfe hilft!

Cybermobbing: Jedes fünfte Schulkind hat es schon erlebt

Cybermobbing: Jedes fünfte Schulkind hat es schon erlebt

Ein gemeiner Spruch im Klassenchat. Ein Foto, über das plötzlich alle lachen. Und ein Kind, das zu Hause sagt: „Ist nichts.“ Cybermobbing bleibt für Eltern oft verdammt lange einfach unsichtbar. Eine neue Studie zeigt, wie verbreitet die Angriffe sind – und warum wir auch bei leisen Hinweisen genauer hinhören sollten.

Nach Schulschluss ist mit dem Fertigmachen eben nicht immer Schluss. Nachrichten kommen auch abends an. Bilder oder Shorts werden weitergeschickt. Und manchmal sitzt ein Kind direkt neben uns auf dem Sofa, während auf seinem Display Dinge passieren, die wir nicht mitbekommen. Solche seelischen Belastungen können sich natürlich auch körperlich bemerkbar machen.

Was die neue Cybermobbing-Studie 2026 zeigt

Mehr als jedes fünfte (!!!) befragte Schulkind hat nach eigenen Angaben bereits Cybermobbing erlebt. Das geht aus der Studie „Cyberlife VI“ hervor, die das Bündnis gegen Cybermobbing am 13. Oktober 2026 vorgestellt hat.

Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick

  • 20,7 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler berichten, mindestens einmal Cybermobbing erlebt zu haben.
  • Bei der vorherigen Erhebung 2024 waren es 18,5 Prozent.
  • Hochgerechnet kommt das Bündnis auf rund 2,4 Millionen Schülerinnen und Schüler in Deutschland.
  • Ausgewertet wurden die Antworten von 4.525 Schülerinnen und Schülern zwischen 7 und 20 Jahren. Zusätzlich wurden Eltern und Lehrkräfte befragt.

Die Originalstudie beruht auf Onlinebefragungen im Frühjahr und Sommer 2026. Die Zahlen zeigen, wie viele Befragte solche Erfahrungen schon gemacht haben. Sie zählen weder ausschließlich neue Fälle dieses Jahres, noch nur Kinder, die gerade akut angegriffen werden. Auch die Millionenangabe ist eine Hochrechnung, keine Zahl polizeilich erfasster Fälle.

Gemeint ist das gezielte Beleidigen, Bloßstellen oder Bedrohen über digitale Kanäle. Nicht jeder Streit im Chat ist gleich Mobbing. Typisch sind wiederholte Angriffe – und eine Situation, aus der das betroffene Kind alleine kaum herauskommt. Auch ein einmal hochgeladenes Bild kann immer wieder geteilt werden und die Bloßstellung in Dauerschleife fortsetzen.

Oft sind es Leute aus der eigenen Schule

Cybermobbing kommt häufig aus dem direkten Umfeld. Mehr als zwei Drittel der betroffenen Befragten kennen die angreifenden Personen persönlich.

Die Studie nennt vor allem die eigene Klasse oder Schule. Für betroffene Kinder kann das bedeuten: Dieselben Leute, die im Chat über sie herziehen, sitzen am nächsten Morgen wieder mit ihnen im Unterricht. Einfach das Handy auszuschalten, löst das Problem oft also nicht einmal im Ansatz.

Mit künstlicher Intelligenz kommen weitere Möglichkeiten der Bloßstellung hinzu. Wie klicksafe erklärt, lassen sich Fotos, Videos oder Stimmen so verändern, dass sie täuschend echt wirken. Ein Kind kann dadurch in einer Situation gezeigt werden, die es tatsächlich nie gegeben hat. Aber – auch wenn das Bild (oder das Video) gefälscht ist: Die Demütigung für das betroffene Kind ist absolut real.

Woran ihr merken könnt, dass etwas nicht stimmt

Es gibt kein einzelnes Zeichen, an dem ihr Cybermobbing sicher erkennt. Aufmerksam werden solltet ihr, wenn sich euer Kind verändert und es ihm erkennbar schlechter geht.

Zu den möglichen Warnsignalen gehören laut dem Elternratgeber von klicksafe:

  • Euer Kind zieht sich zurück oder verliert die Freude an Dingen, die ihm sonst wichtig waren.
  • Es möchte plötzlich ungern zur Schule oder klagt davor häufiger über Bauchschmerzen.
  • Es schläft schlechter, hat Kopfweh oder wenig Appetit.
  • Die Konzentration lässt nach oder die schulischen Leistungen fallen ab.

Dahinter können natürlich auch andere Sorgen oder eine Erkrankung stecken. Fragt deshalb offen nach, statt Voreilige Schlüsse zu ziehen. Aber seid euch auch bewusst, dass euer Kind beschämt ausweichen kann.

Trotzdem müsst nicht erst einen schlimmen Chat finden, bevor ihr reagieren dürft. Ein „Du wirkst in letzter Zeit bedrückt. Magst du mir erzählen, was los ist?“ kann ein passender Einstieg sein.

„Gut, dass du es mir sagst“ hilft mehr als ein Verhör

Wenn euer Kind von Angriffen erzählt, braucht es zuerst Rückhalt. Die Frage, warum es überhaupt in diesem Chat war, kann warten.

Natürlich kann einen das als Mutter oder Vater richtig wütend machen. Am liebsten würde man sofort die anderen Eltern anrufen oder im Klassenchat Klartext reden. Trotzdem: Erst einmal zuhören. Lasst euer Kind erzählen, ohne jeden Satz zu unterbrechen. Bei Gesprächen in schwierigen Familienphasen muss nicht sofort die perfekte Lösung auf dem Tisch liegen. Wichtiger ist es, die Fakten so gut wie möglich zu sammeln – und ein Gesamtbild der Situation zu haben.

So könntet ihr es sagen: „Gut, dass du es mir sagst. Du bist nicht schuld daran, dass andere dich fertigmachen. Wir schauen zusammen, was passiert ist und wer uns helfen kann.“

Ein „Ignorier das doch einfach“ kann beim Kind ankommen wie: Stell dich nicht so an. Besser ist, die Belastung ernst zu nehmen. Besprecht die nächsten Schritte möglichst gemeinsam. Und macht deutlich: Hilfe zu suchen ist kein Petzen – und erst recht keine Schwäche.

Was ihr bei Cybermobbing konkret tun könnt

Ein überschaubarer Plan hilft, wenn gerade alles durcheinandergeht. Ihr müsst das nicht allein regeln.

  1. Angriffe dokumentieren: Beleidigende Nachrichten mit Datum, Profilnamen und Zusammenhang festhalten, etwa durch Screenshots. Löscht nicht vorschnell alles, bevor wichtige Informationen gesichert sind.
  2. Melden und blockieren: Nutzt die Meldefunktionen der jeweiligen App für verletzende Beiträge, Bilder oder Profile. Blockiert die angreifenden Kontakte. Eine Gegenbeleidigung macht die Situation meist noch unübersichtlicher.
  3. Die Schule einbeziehen: Bei einem Bezug zur Klasse oder Schule sind Klassenleitung, Vertrauenslehrkraft und Schulsozialarbeit mögliche Ansprechpartner. Fragt konkret: Wer kümmert sich? Wie wird euer Kind geschützt? Wann besprecht ihr, ob sich etwas verbessert hat?
  4. Keine öffentliche Abrechnung: Stellt die Beteiligten nicht im Elternchat an den Pranger. Ein vorschneller Streit mit anderen Eltern kann die Fronten verhärten. Holt euch lieber Unterstützung für ein geordnetes Vorgehen.

Wichtig bei sexualisierten Bildern von Minderjährigen: Nicht weiterleiten und nicht auf eigene Faust Kopien oder Screenshots solcher Darstellungen anlegen oder speichern. Fragt die Polizei, wie die Beweise im konkreten Fall gesichert werden sollen. Darauf weist die Polizeiliche Kriminalprävention ausdrücklich hin. Denn: Hier gibt es keine Grauzone. Auch wenn man an dem Punkt einen Beweis sichern möchte, macht man sich strafbar, wenn man unangemessene Bilder von Minderjährigen sichert.

Bei Drohungen, Erpressung oder anderen möglicherweise strafbaren Angriffen, könnt ihr euch an die Polizei wenden. „Cybermobbing“ ist in Deutschland zwar noch immer kein eigener Straftatbestand. Dahinter können aber beispielsweise Beleidigung, Bedrohung oder die unzulässige Verbreitung von Bildern stecken. Die Polizei erklärt euch hier die möglichen rechtlichen Folgen.

Auch Mitlachen und Weiterleiten gehören ins Gespräch

Vielleicht wird euer Kind nicht selbst angegriffen, sondern bekommt mit, wie andere fertiggemacht werden. Auch darüber lohnt es sich zu sprechen.

Auch der Cybermobbing-Ratgeber von JUUUPORT nimmt das Umfeld in den Blick. Ein „Ich hab das doch nur weitergeschickt“ macht einen verletzenden Beitrag nicht irgendwie harmloser. Besprecht, warum Liken, Mitlachen und Weiterleiten die Bloßstellung vergrößern können. Euer Kind muss sich dafür nicht alleine mit einer ganzen Gruppe anlegen. Es kann das betroffene Kind unterstützen und eine erwachsene Vertrauensperson dazu holen.

Wo ihr euch Hilfe holen könnt

Wenn die Belastung anhält, holt euch Unterstützung. Dafür müsst ihr nicht warten, bis gar nichts mehr geht.

Bei JUUUPORT können sich junge Menschen bei Problemen im Netz kostenlos und vertraulich beraten lassen. Dort helfen geschulte Jugendliche und junge Erwachsene. Für Eltern bietet die bke-Elternberatung kostenlose, anonyme Unterstützung durch Fachkräfte. Auch eine Erziehungsberatungsstelle vor Ort kann euch begleiten.

Wenn euer Kind stark leidet, sich dauerhaft zurückzieht oder kaum noch schläft, ist die Kinder- oder Jugendarztpraxis eine weitere wirklich hilfreiche Anlaufstelle. Die Onlineberatung ersetzt am Ende keine medizinische oder vollwertige psychotherapeutische Behandlung.



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