Zum Inhalt springen
Startseite » Beitragsarchiv » Gesundheit » Hilfsmittel fürs Beckenbodentraining: Liebeskugeln, Konen oder smarter Beckenbodentrainer?

Hilfsmittel fürs Beckenbodentraining: Liebeskugeln, Konen oder smarter Beckenbodentrainer?

Hilfsmittel fürs Beckenbodentraining: Liebeskugeln, Konen oder smarter Beckenbodentrainer?

Ob nach der Geburt, beim Sport oder in den Wechseljahren: Irgendwann beschäftigen sich viele Frauen mit ihrem Beckenboden. Spätestens wenn beim Husten, Niesen oder Lachen ein paar Tropfen danebengehen, stellt sich die Frage, wie man die Muskulatur gezielt stärken kann.

Im Handel und in der Physiotherapie begegnen dir dabei ganz unterschiedliche Hilfsmittel: Liebeskugeln, Vaginalkonen, smarte Trainer mit App oder Geräte zur Elektrostimulation. Doch was steckt hinter den einzelnen Varianten, und welche passt zu deinen Bedürfnissen? Wir haben die wichtigsten Hilfsmittel verglichen.

Die Basis: Training ganz ohne Hilfsmittel

Vorweg: Kein Hilfsmittel ersetzt das bewusste An- und Entspannen der Beckenbodenmuskulatur.

Die Grundübung kennst du vielleicht aus der Rückbildungsgymnastik: Du spannst die Muskeln an, als wolltest du einen Wind zurückhalten und den Urinfluss stoppen, hältst die Spannung einige Sekunden und lässt dann bewusst wieder los. Po, Bauch und Oberschenkel bleiben dabei locker, die Atmung fließt weiter.

Genau hier liegt die Schwierigkeit. Die Beckenbodenmuskulatur ist von außen nicht sichtbar, und viele Frauen sind unsicher, ob sie die richtigen Muskeln erwischen. Hilfsmittel setzen an diesem Punkt an: Sie sollen das Training spürbarer, abwechslungsreicher oder messbar machen. Weitere Alltagstipps rund um Blase und Beckenboden findest du im Beitrag „Blasenschwäche aktiv angehen“.

Die Hilfsmittel im Überblick

Liebeskugeln

Liebeskugeln
Bild: © OlekStock / Adobe Stock

Liebeskugeln bestehen meist aus einer oder zwei Kugeln aus Silikon, in deren Innerem sich ein kleines Gewicht bewegt. Sie werden eingeführt und im Alltag getragen, etwa beim Spazierengehen oder bei der Hausarbeit. Durch die Bewegung der Kugeln reagiert die Beckenbodenmuskulatur mit kleinen, unwillkürlichen Kontraktionen.

Ihr Vorteil: Sie sind einfach in der Anwendung, günstig und diskret. Ihre Grenze: Die Muskulatur arbeitet vor allem reflexartig, eine Rückmeldung darüber, ob und wie kräftig du anspannst, gibt es nicht. Für das bewusste Erlernen der Technik eignen sie sich deshalb weniger.

Vaginalkonen

Vaginalkonen sind gleich große, kegelförmige Gewichte, die in Sets mit zunehmendem Gewicht angeboten werden. Du führst einen Konus ein und versuchst, ihn im Stehen oder Gehen eine gewisse Zeit zu halten. Gelingt das sicher, wechselst du zum nächstschwereren Gewicht. Konen werden auch in der Physiotherapie eingesetzt.

Ihr Vorteil: Das Training wird schrittweise steigerbar, und du spürst direkt, ob die Muskulatur hält. Ihre Grenze: Ob du dabei korrekt anspannst oder den Konus durch Pressen oder Mitanspannen von Po und Bauch hältst, bleibt unklar. Am Anfang ist eine Anleitung durch Physiotherapeutin oder Hebamme sinnvoll.

Smarte Beckenbodentrainer mit Biofeedback

Biofeedback-Trainer sind kleine Sonden mit Sensoren, die die Aktivität der Beckenbodenmuskulatur messen und per Bluetooth an eine App übertragen. Du siehst in Echtzeit, wann und wie stark du anspannst und ob du wieder vollständig entspannst. Viele Apps verbinden die Übungen mit Programmen oder kleinen Spielen.

Ihr Vorteil: Die direkte Rückmeldung hilft, die richtige Technik zu lernen und Fortschritte nachzuverfolgen. Laut dem österreichischen öffentlichen Gesundheitsportal gesundheit.gv.at kann Biofeedback ergänzend zum Beckenbodentraining dazu beitragen, Beschwerden bei Belastungsinkontinenz zu verbessern.

Ihre Grenze: Sie sind teurer als einfache Hilfsmittel und setzen ein Smartphone voraus. Bestimmte Beckenbodentrainer mit Biofeedback sind jedoch im Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenkassen gelistet und können bei medizinischer Indikation ärztlich verordnet werden.

Türkisfarbener Emy-Beckenbodentrainer mit Aufbewahrungsbox auf einer Ablage neben einem Handtuch
Bild: © emy.fizimed.com/de-eu

Elektrostimulation

Bei der Elektrostimulation regen schwache Stromimpulse über eine Sonde die Beckenbodenmuskulatur zur Kontraktion an. Sie kommt vor allem dann infrage, wenn Frauen ihre Beckenbodenmuskeln noch gar nicht willentlich anspannen können, und wird in der Regel ärztlich oder physiotherapeutisch begleitet. Das aktive Training ersetzt sie nicht.

Die Hilfsmittel im Vergleich

HilfsmittelPrinzipRückmeldungGeeignet fürZu beachten
LiebeskugelnBewegtes Gewicht löst reflexartige Kontraktionen ausKeineFrauen, die ihren Beckenboden bereits gut spüren und das Training ergänzen möchtenKein bewusstes Erlernen der Technik
VaginalkonenGewicht halten, schrittweise steigernIndirekt: Der Konus hält oder rutschtGezielten Kraftaufbau, idealerweise nach AnleitungFalsche Ausweichbewegungen bleiben unbemerkt
Biofeedback-TrainerSensor misst die Muskelaktivität, App zeigt sie anDirekt, in EchtzeitErlernen der richtigen Technik und regelmäßiges Training zu HauseSmartphone nötig; höhere Anschaffungskosten, teils verordnungsfähig
ElektrostimulationStromimpulse lösen Kontraktionen ausJe nach GerätFrauen, die den Beckenboden noch nicht aktiv anspannen könnenErsetzt das aktive Training nicht; meist mit ärztlicher oder physiotherapeutischer Begleitung

Für alle intravaginalen Hilfsmittel gilt: In der Schwangerschaft, bei Infektionen oder kurz nach der Geburt solltest du vor der Anwendung mit deiner Ärztin oder Hebamme sprechen.

Welches Hilfsmittel passt zu dir?

Die Wahl hängt vor allem davon ab, wo du gerade stehst.

Bist du unsicher, ob du deinen Beckenboden überhaupt richtig ansteuerst, ist eine direkte Rückmeldung besonders wertvoll: Hier können Biofeedback-Trainer oder eine Anleitung in der Physiotherapie helfen. Spürst du die Muskulatur bereits gut und möchtest gezielt Kraft aufbauen, sind Vaginalkonen eine Option. Liebeskugeln eignen sich eher als Ergänzung für den Alltag.

Wie sich die verschiedenen Hilfsmittel für das Beckenbodentraining im Detail unterscheiden und worauf du bei der Anwendung achten solltest, erklärt ein ausführlicher Ratgeber auf dem Blog von Emy.

Und ganz gleich, wofür du dich entscheidest: Bei anhaltenden Beschwerden wie regelmäßigem Urinverlust, starkem Harndrang oder einem Druckgefühl im Unterleib solltest du zuerst deine Gynäkologin, Hausärztin oder Hebamme ansprechen. Sie kann klären, welche Form der Inkontinenz vorliegt, und bei Bedarf Physiotherapie oder ein passendes Hilfsmittel verordnen. Am Ende zählt vor allem, dass du ein Hilfsmittel regelmäßig und richtig anwendest.


Wir hoffen sehr, dass dir unser Artikel gefallen hat. Vielleicht hat er dir geholfen, eine Frage zu beantworten. Oder er hat dich nachdenklich, traurig oder fröhlich gestimmt. Wir freuen uns jederzeit über deine Rückmeldung oder Anregung per Kommentar, Email oder Social-Media. Gerne kannst du uns auf Facebook, Pinterest oder Flipboard folgen. Wir freuen uns auch dich! 🤗

Wichtiger Hinweis zu Gesundheits-Themen:

Wir recherchieren und prüfen unsere Beiträge intensiv und sorgfältig. Dabei nutzen wir ausschließlich vertrauenswürdige Quellen. Trotzdem seid euch bitte bewusst, dass letztlich weder gute Ratschläge oder Informationen, eine Betreuung durch medizinisches Fachpersonal ersetzen können. In akuten medizinischen Situationen, oder bei Verdacht darauf, wendet euch bitte an einen Arzt / eine Ärztin, an eure Hebamme / euren Entbindungspfleger, oder an eure Apothekerin / euren Apotheker des Vertrauens, damit man euch ganz individuell unterstützen kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen