Scharlach gilt als typische Kinderkrankheit. Trotzdem können auch Erwachsene erkranken – beispielsweise, wenn das eigene Kind die Infektion aus der Kita oder Schule mit nach Hause bringt. Plötzliches Fieber, starke Halsschmerzen und geschwollene Lymphknoten werden dann schnell für eine gewöhnliche Mandelentzündung oder einen kräftigen Infekt gehalten.
Ganz so einfach lässt sich Scharlach allerdings nicht übersehen oder erkennen. Auch Erwachsene können den typischen Hautausschlag und eine sogenannte Himbeerzunge entwickeln. Umgekehrt steckt nicht hinter jeder durch A-Streptokokken verursachten Rachenentzündung automatisch Scharlach. Sicherheit kann deshalb nur eine ärztliche Untersuchung geben.
Scharlach bei Erwachsenen auf einen Blick
- Ursache: bestimmte A-Streptokokken, die ein scharlachauslösendes Gift bilden
- Häufigkeit: Erwachsene erkranken deutlich seltener als Kinder
- Inkubationszeit: meistens 1 bis 3 Tage
- Typische Beschwerden: plötzlich einsetzende Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Fieber und geschwollene Halslymphknoten
- Mögliche Scharlachzeichen: feiner roter Ausschlag und Himbeerzunge
- Ansteckend: ohne Antibiotika möglicherweise bis zu 3 Wochen
- Mit Antibiotika: normalerweise nach ungefähr 24 Stunden nicht mehr ansteckend
- Impfung: Gegen Scharlach gibt es keine Impfung
- Mehrfache Erkrankungen: sind grundsätzlich möglich
Können Erwachsene überhaupt Scharlach bekommen?
Ja. Scharlach tritt zwar besonders häufig bei Kindern zwischen etwa fünf und 15 Jahren auf, Erwachsene können sich aber ebenfalls infizieren.
Ausgelöst wird die Erkrankung durch bestimmte Bakterien aus der Gruppe der A-Streptokokken. Einige dieser Bakterien bilden Giftstoffe, die unter anderem für den typischen Hautausschlag verantwortlich sind.
Erwachsene sind nicht grundsätzlich immun, nur weil sie als Kind bereits Scharlach hatten. Es gibt unterschiedliche Bakterienstämme und verschiedene scharlachauslösende Giftstoffe. Deshalb kann ein Mensch im Laufe seines Lebens mehrmals erkranken.
Scharlach ist bei Erwachsenen dennoch deutlich seltener als bei Kindern. Zudem werden die meisten akuten Rachenentzündungen im Erwachsenenalter durch Viren und nicht durch Streptokokken verursacht. Nach Angaben von gesund.bund.de sind A-Streptokokken bei Erwachsenen nur für ungefähr zehn Prozent der Rachenentzündungen verantwortlich.
Ist jede Streptokokken-Infektion automatisch Scharlach?
Nein. A-Streptokokken können unterschiedliche Erkrankungen auslösen. Dazu gehören unter anderem:
- eine bakterielle Rachenentzündung
- eine Mandelentzündung
- Scharlach
- bestimmte Haut- und Wundinfektionen
- in seltenen Fällen schwere invasive Infektionen
Von Scharlach wird gesprochen, wenn bestimmte A-Streptokokken Giftstoffe bilden und dadurch das charakteristische Krankheitsbild mit Hautausschlag entsteht. Eine Streptokokken-Rachenentzündung ohne Ausschlag ist deshalb nicht automatisch Scharlach.
Im Alltag werden die Begriffe dennoch häufig vermischt. Für die Behandlung ist entscheidend, welche Beschwerden vorliegen und was die ärztliche Untersuchung ergibt.
Welche Symptome kann Scharlach bei Erwachsenen verursachen?
Die ersten Beschwerden beginnen häufig plötzlich. Möglich sind:
- starke Halsschmerzen
- Schmerzen beim Schlucken
- Fieber und Schüttelfrost
- deutlich geröteter Rachen
- gerötete und teilweise weißlich belegte Mandeln
- druckempfindliche oder geschwollene Lymphknoten am Hals
- Kopfschmerzen
- Abgeschlagenheit und ein starkes Krankheitsgefühl
- gelegentlich Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen
Etwa ein bis zwei Tage später kann sich der typische Hautausschlag entwickeln. Nicht alle Erkrankten zeigen jedoch sämtliche Symptome.
Husten, Schnupfen, Heiserkeit, Durchfall oder eine Bindehautentzündung sprechen eher für eine virale Infektion. Vollständig ausschließen lässt sich Scharlach allein anhand solcher Merkmale aber nicht.
Haben Erwachsene ebenfalls einen Hautausschlag?
Auch bei Erwachsenen kann sich der typische Scharlachausschlag zeigen. Die bisherige Aussage, er fehle bei Erwachsenen grundsätzlich oder fast immer, wäre zu pauschal.
Der Ausschlag besteht aus vielen kleinen roten Flecken und kann sich rau anfühlen – beinahe wie feines Sandpapier. Er beginnt häufig am Oberkörper, in den Achselhöhlen oder in der Leistengegend und breitet sich anschließend weiter aus. Handflächen und Fußsohlen bleiben meistens ausgespart.
Typisch können außerdem sein:
- besonders rote Wangen
- ein auffallend blasser Bereich um den Mund
- kräftigere Hautrötungen in Körperfalten
- eine spätere Schuppung der Haut, besonders an Händen und Füßen
Bei Erwachsenen kann der Ausschlag schwächer ausgeprägt sein und dadurch leichter übersehen werden. Umgekehrt können auch Medikamente, Viren, Allergien und andere Erkrankungen einen roten Hautausschlag verursachen. Fotos aus dem Internet reichen deshalb nicht für eine verlässliche Diagnose.
Ausführliche Informationen über den Ausschlag, die Erreger und den allgemeinen Krankheitsverlauf findet ihr in unserem Hauptbeitrag über Scharlach bei Kindern.
Bekommen Erwachsene eine Himbeerzunge?
Ja, auch Erwachsene können die für Scharlach typische Himbeer- oder Erdbeerzunge entwickeln.
Zu Beginn ist die Zunge häufig weißlich oder grau belegt. Nach einigen Tagen kann sich der Belag lösen. Die Zunge wirkt dann kräftig rot und ihre kleinen Erhebungen treten deutlich hervor.
Dieses Zeichen kann einen wichtigen Hinweis geben, kommt aber nicht bei jedem Erkrankten vor. Eine unauffällige Zunge schließt Scharlach deshalb nicht aus.
Scharlach oder Mandelentzündung: Wie erkennt man den Unterschied?
Anhand der Halsschmerzen allein ist die Unterscheidung kaum möglich. Eine Mandelentzündung beschreibt zunächst nur, dass die Mandeln entzündet sind. Dahinter können Viren oder verschiedene Bakterien stecken.
Eine Streptokokken-Infektion wird wahrscheinlicher, wenn die Beschwerden sehr plötzlich beginnen und mehrere dieser Merkmale zusammentreffen:
- Fieber
- starke Schluckbeschwerden
- gerötete oder belegte Mandeln
- schmerzhafte Halslymphknoten
- kein Husten
Kommen ein feiner roter Hautausschlag und eine Himbeerzunge hinzu, spricht das stärker für Scharlach.
Trotzdem lässt sich die Ursache nicht zuverlässig zu Hause feststellen. Auch das Pfeiffersche Drüsenfieber, andere Virusinfektionen, eine Diphtherie oder Reaktionen auf Medikamente können ähnliche Beschwerden verursachen.
Wie wird Scharlach bei Erwachsenen festgestellt?
Die Ärztin oder der Arzt fragt nach den Beschwerden und untersucht Rachen, Mandeln, Zunge, Haut und Halslymphknoten. Wichtig kann auch die Information sein, ob das eigene Kind, eine Kollegin oder eine andere enge Kontaktperson gerade an Scharlach erkrankt ist.
Abhängig vom Befund kann ein Abstrich aus dem Rachen entnommen werden. Ein Streptokokken-Schnelltest liefert innerhalb weniger Minuten ein Ergebnis. Er erkennt jedoch nicht jede Infektion zuverlässig. Ein negatives Ergebnis schließt A-Streptokokken deshalb nicht in jeder Situation sicher aus.
Bei unklaren Befunden kann der Abstrich in einem Labor untersucht werden. Die Entscheidung richtet sich unter anderem nach den Beschwerden, dem Untersuchungsbefund und möglichen gesundheitlichen Risiken.
Ein positiver Streptokokkentest allein beweist ebenfalls nicht automatisch Scharlach. Menschen können A-Streptokokken im Rachen tragen, ohne daran erkrankt zu sein. Das Testergebnis muss deshalb immer zusammen mit dem klinischen Bild beurteilt werden.
Wie wird Scharlach bei Erwachsenen behandelt?
Ob ein Antibiotikum eingesetzt wird, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. Dabei werden die Beschwerden, der Befund, das Risiko möglicher Komplikationen und das Testergebnis berücksichtigt.
Antibiotika können:
- die Ansteckungsdauer deutlich verkürzen
- die Beschwerden etwas schneller abklingen lassen
- die weitere Verbreitung der Bakterien begrenzen
- das Risiko bestimmter Komplikationen senken
Wurde ein Antibiotikum verordnet, sollte es genau nach ärztlicher Anweisung und über die vorgesehene Dauer eingenommen werden. Das gilt auch dann, wenn die Beschwerden schon nach wenigen Tagen deutlich nachlassen.
Was lindert die Beschwerden zu Hause?
Zusätzlich zur ärztlich festgelegten Behandlung können einige einfache Maßnahmen helfen:
- ausreichend trinken
- körperlich schonen
- weiche oder flüssige Speisen wählen
- warme oder kühle Getränke ausprobieren
- nicht rauchen
- den Rachen nicht zusätzlich durch Alkohol reizen
- regelmäßig lüften
- bei Bedarf geeignete Schmerz- oder Fiebermittel nach Rücksprache verwenden
Welche Medikamente geeignet sind, hängt unter anderem von Vorerkrankungen, Allergien, Schwangerschaft und anderen Arzneimitteln ab. Eine individuelle Empfehlung sollte deshalb aus der Arztpraxis oder Apotheke kommen.
Wie lange ist Scharlach bei Erwachsenen ansteckend?
Zwischen der Ansteckung und den ersten Beschwerden liegen meistens ein bis drei Tage.
Nach Beginn einer wirksamen Antibiotikabehandlung besteht laut Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit normalerweise nach etwa 24 Stunden keine Ansteckungsgefahr mehr. Voraussetzung ist, dass das Medikament wie verordnet eingenommen wird.
Ohne eine Antibiotikabehandlung können Erkrankte bis zu drei Wochen nach Beginn der Beschwerden ansteckend bleiben.
Die Bakterien werden hauptsächlich über feine Speicheltröpfchen weitergegeben, die beim Sprechen, Husten oder Niesen entstehen. Möglich ist außerdem eine Übertragung über Hände oder gemeinsam verwendete Gegenstände.
Was gilt, wenn das eigene Kind Scharlach hat?
Erkrankt ein Kind, müssen Eltern nicht automatisch vorsorglich Antibiotika einnehmen. Eine vorbeugende Behandlung enger Kontaktpersonen ist normalerweise nicht erforderlich. Sinnvoll sind jedoch einige Vorsichtsmaßnahmen:
- keine Trinkflaschen, Gläser oder Besteckteile teilen
- engen Gesichtskontakt und Küssen während der ansteckenden Phase vermeiden
- Hände regelmäßig gründlich waschen
- in die Armbeuge oder ein Einmaltaschentuch husten und niesen
- häufig berührte Gegenstände sauber halten
- bei eigenen Halsschmerzen oder Fieber auf den bekannten Scharlachfall hinweisen
Eine vorbeugende Antibiotikagabe kann bei einzelnen besonders gefährdeten Menschen mit schweren Grundkrankheiten oder einer ausgeprägten Abwehrschwäche geprüft werden. Darüber entscheidet die behandelnde Praxis.
Wann dürfen Erwachsene wieder arbeiten?
Für gewöhnliche Arbeitsplätze gibt es kein allgemeines gesetzliches Scharlach-Arbeitsverbot. Wer Fieber hat, sich krank fühlt oder noch ansteckend ist, sollte jedoch zu Hause bleiben.
Nach Beginn einer Antibiotikabehandlung ist eine Rückkehr frühestens sinnvoll, wenn:
- mindestens ungefähr 24 Stunden vergangen sind
- kein Fieber mehr besteht
- die Beschwerden deutlich nachgelassen haben
- sich die betroffene Person wieder arbeitsfähig fühlt
Besondere Regeln gelten für Menschen, die in Gemeinschaftseinrichtungen arbeiten – beispielsweise in Kitas, Schulen oder Horten. Erkrankte Beschäftigte dürfen dort nach dem Infektionsschutzgesetz vorübergehend keine betreuende Tätigkeit ausüben, solange sie ansteckend sind. Wann die Rückkehr möglich ist, entscheidet die behandelnde Praxis oder gegebenenfalls das Gesundheitsamt.
Auch in medizinischen Einrichtungen, Pflegeeinrichtungen oder bei Tätigkeiten mit Lebensmitteln können zusätzliche betriebliche Hygieneregeln gelten. Betroffene sollten die Erkrankung deshalb nicht verschweigen, sondern ihren Arbeitgeber beziehungsweise die zuständige Hygienestelle informieren.
Wann sollte man mit Halsschmerzen ärztlichen Rat einholen?
Eine zeitnahe Untersuchung ist sinnvoll, wenn:
- hohes oder länger anhaltendes Fieber auftritt
- die Halsschmerzen sehr stark sind
- das Schlucken kaum noch möglich ist
- ein feiner roter Hautausschlag hinzukommt
- sich die Zunge auffällig verändert
- die Lymphknoten am Hals stark anschwellen
- ein enger Kontakt zu einem bestätigten Scharlachfall bestand
- die Beschwerden nach einigen Tagen nicht besser werden
- eine Schwangerschaft, Immunschwäche oder schwere Grunderkrankung besteht
- sich der Zustand nach einer ersten Besserung erneut verschlechtert
Außerhalb der normalen Sprechzeiten kann der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 weiterhelfen.
Welche Warnzeichen können auf einen Notfall hindeuten?
Schwere Verläufe durch A-Streptokokken sind selten. Die Bakterien können in Ausnahmefällen jedoch tieferes Gewebe, die Blutbahn oder Organe befallen. Sofortige medizinische Hilfe ist notwendig bei:
- Atemnot
- ausgeprägter Benommenheit oder Verwirrtheit
- Kreislaufproblemen oder Bewusstlosigkeit
- sehr starken, ungewöhnlichen Schmerzen
- einer rasch zunehmenden Schwellung am Hals
- Unfähigkeit, Speichel zu schlucken
- einer auffallend schnellen Verschlechterung
- bläulicher oder fleckiger Haut
- sehr hohem Fieber mit schwerem Krankheitsgefühl
Bei Atemnot, Bewusstseinsstörungen oder einem insgesamt lebensbedrohlich wirkenden Zustand sollte sofort die 112 gerufen werden.
Welche Komplikationen sind möglich?
Die meisten Erkrankungen heilen ohne bleibende Folgen aus. Komplikationen kommen heute in Mitteleuropa nur selten vor. Möglich sind unter anderem:
- Mittelohr- oder Nasennebenhöhlenentzündung
- Eiteransammlung im Bereich der Mandeln
- tiefer reichende Halsentzündung
- in seltenen Fällen eine Blutvergiftung
- Nierenentzündung
- akutes rheumatisches Fieber mit Beteiligung von Gelenken oder Herz
Gibt es eine Impfung gegen Scharlach?
Nein. Eine zugelassene Schutzimpfung gegen Scharlach steht derzeit nicht zur Verfügung.
Auch eine überstandene Erkrankung bietet keinen sicheren Schutz vor jeder späteren Scharlachinfektion. Wer als Kind bereits erkrankt war, kann sich deshalb als Erwachsener erneut anstecken.
Quellen
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