Cedric klingt nach Rittern, Burgen und dem frühen Mittelalter. Dabei verdankt der Name seine heute bekannte Schreibweise einem Schriftsteller: Walter Scott verwendete ihn in „Ivanhoe“. Später kam ein kleiner Junge hinzu, der einen ziemlich griesgrämigen Großvater um den Finger wickelt. Cedric Errol aus „Der kleine Lord“ hat den Namen weit über die Bücherregale hinaus bekannt gemacht.
Zwei Romane, zwei sehr verschiedene Cedrics: Hinter dem Namen steckt eine kleine Literaturgeschichte. Weitere Namen mit spannenden Geschichten findet ihr in unserer Babynamenliste von A bis Z.
Cedric auf einen Blick
Die Schreibweise stammt aus „Ivanhoe“. Wahrscheinlich stand der ältere Name Cerdic dafür Pate.
| Herkunft | Literarische Namensform aus Walter Scotts „Ivanhoe“; wohl an Cerdic angelehnt |
| Bedeutung | Nicht sicher belegt |
| Aussprache | In Deutschland meist „Se-drik“, zwei Silben |
| Schreibweisen | Cedric, Cedrik, Cedrick und französisch Cédric |
| Literatur | „Ivanhoe“ und „Der kleine Lord“ |
Ein Ritterroman und zwei vertauschte Buchstaben
In Walter Scotts „Ivanhoe“ heißt der Vater des Titelhelden Cedric von Rotherwood. Er ist ein stolzer Sachse und mit den Entscheidungen seines Sohnes alles andere als einverstanden. Wilfred von Ivanhoe hat gegen seinen Willen das Elternhaus verlassen. Der Familienfrieden steht also schon zu Beginn der Geschichte auf ziemlich wackligen Beinen.
Der Roman erschien Ende 1819; auf Ausgaben steht auch die Jahreszahl 1820. Für Cedrics Namen dürfte Scott sich Cerdic abgeschaut haben. So hieß ein früher Herrscher von Wessex. Aus Cer-dic wurde Ced-ric: dieselben Buchstaben, nur das r wanderte an eine andere Stelle. Ob Scott sich schlicht verschrieb oder den Namen bewusst veränderte, lässt sich nicht sicher sagen.
Was bedeutet Cedric?
Eine eindeutige Übersetzung gibt es nicht. Auch die Herkunft von Cerdic ist nicht abschließend geklärt. Deshalb sind Angaben wie „der Gütige“ oder „das Vorbild“ mögliche Deutungen, keine gesicherte Bedeutung. Cedrics Geschichte als Romanname lässt sich viel genauer erzählen.
Wie Cedric zum kleinen Lord wurde
1886 machte Frances Hodgson Burnett einen Jungen namens Cedric Errol zum Helden ihres Kinderbuchs. Er lebt mit seiner Mutter in New York. Dann steht plötzlich fest: Cedric soll einen englischen Adelstitel erben. Aus seinem bisherigen Alltag geht es zu seinem Großvater nach England, in ein Schloss mit großen Zimmern und ganz neuen Regeln.
Der alte Earl ist gefürchtet für seine schlechte Laune. Cedric hält ihn trotzdem für einen wunderbaren Großvater. Der Junge unterstellt ihm ganz selbstverständlich Freundlichkeit und Großzügigkeit — und bringt ihn damit nach und nach dazu, sich auch so zu verhalten. Genau dieser Gegensatz macht „Der kleine Lord“ so liebenswert.
Das Buch trug dazu bei, dass Cedric als Vorname bekannter wurde. Wer den Namen hört, denkt deshalb vielleicht zuerst an den kleinen Lord und erst danach an Scotts deutlich älteren, strengeren Cedric.
Cedric, Cedrik oder Cédric?
Im Deutschen wird Cedric meist „Se-drik“ ausgesprochen. Der Name hat zwei Silben. Mit Cedrik und Cedrick gibt es Schreibweisen mit k beziehungsweise ck; die französische Form heißt Cédric und trägt einen Akzent.
In Knud Bielefelds Auswertung steht Cedric deutlich vor Cedrik. Für die deutschen Geburtsjahrgänge 2010 bis 2025 nennt er etwa 1.900 Vergaben von Cedric als ersten Vornamen. Cedrik kommt im selben Zeitraum auf rund 400.
Die Schreibweisen werden getrennt gezählt. Die Zahlen sind Schätzungen aus Bielefelds Sammlung von Geburtsmeldungen, keine vollständige amtliche Zählung.
Quellen und Datenstand
- Behind the Name: Scott, Cerdic und offene Bedeutung
- Behind the Name: ältere Form Cerdic
- Project Gutenberg: Walter Scotts „Ivanhoe“ im Originaltext
- Niederländische Vornamenbank: verschiedene Deutungen und Verbreitung durch „Der kleine Lord“
- Project Gutenberg: „Little Lord Fauntleroy“ und Cedric Errol
- Behind the Name: französische Schreibweise Cédric
- Knud Bielefeld: Cedric 2010 bis 2025
- Knud Bielefeld: Cedrik im Vergleich
- Knud Bielefeld: Cedrick im Vergleich
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