Immer mehr Kinder werden heute bereits mit fünf Jahren eingeschult. Die vorzeitige Einschulung kommt jedoch nicht für jedes Kind in Betracht. Wenn sich das Kind im Kindergarten langweilt und bereits mit fünf Jahren leichte Rechenaufgaben lösen kann und beginnt zu lesen, könnte es jedoch sinnvoll sein, es vorzeitig einzuschulen. 

In den letzten Jahren ist die Anzahl der vorzeitigen Einschulungen enorm gestiegen. Immer mehr Kinder sind bereits mit fünf Jahren schulfähig und langweilen sich im letzten Kindergartenjahr. Viele beginnen schon früh sich für Zahlen und Buchstaben zu interessieren, und sind in der Lage, leichte Rechenaufgaben zu lösen und erste Wörter zu lesen. Doch das alleine reicht nicht aus, um ein Kind für schulfähig zu befinden. Auch das Sozialverhalten, die motorische Entwicklung und die kognitiven Fähigkeiten müssen entsprechend weit entwickelt sein.

Schulleiter entscheiden über vorzeitige Einschulung

Ob ein Kind vorzeitig eingeschult wird, können Eltern nicht selbstständig und alleine entscheiden. Bevor ein Kind als schulfähig anerkannt wird, und vorzeitig in die Grundschule gehen darf, wird es von Fachpersonal begutachtet. Diese entscheiden über die Schulfähigkeit eines Kindes und geben eine Einschätzung darüber, ob ein Kind bereits jetzt in der Schule gut aufgehoben wäre. Ob es an einer speziellen Grundschule überhaupt vorzeitige Einschulungen gibt, entscheidet der jeweilige Schulleiter oder die Schulleiterin.

Vorzeitige Einschulung – Ja oder Nein

Eltern die über eine vorzeitige Einschulung ihres Kindes nachdenken, sollten sich darüber bewusst sein, warum sie dies in Betracht ziehen. Ist das Kind wirklich schon reif genug für die Schule? Der Kindergartenalltag läuft meist sehr locker ab. In der Schule müssen Kinder feste Regeln befolgen, lange ruhig sitzen und das Spielen wird vom Lernen abgelöst. Könnte der gerade fünf Jahre alt gewordene Zwerg, all das schon leisten? Auch die Einschätzung der Erzieher im Kindergarten kann Anhaltspunkte für oder gegen eine Einschulung geben.

Alleine die Fähigkeit eines Kindes, das Alphabet aufzusagen, leichte Rechenaufgaben zu lösen oder erste Worte zu lesen, ist kein ausreichendes Kriterium für eine frühe Einschulung. Kinder können solche Dinge auch „aufgeschnappt“ haben, oder auswendig gelernt haben. Zum Beispiel von älteren Geschwistern oder Freunden.

Ist das Kind wirklich in der Lage, so weit logisch zu denken, dass es Buchstaben miteinander kombiniert – und daraus Wörter lesen kann, und ist ihm klar, dass 2+2 das selbe ergibt, wie 3+1? Denn das sind die groben Voraussetzungen, welche ein Kind heute für die Schule benötigt.

Doch es gehört noch weitaus mehr zur Schulfähigkeit dazu. Wie ist zum Beispiel das Sozialverhalten eines Kindes. Findet es sich in einer Gruppe zurecht – und kann es mit Kindern kommunizieren, um seine Bedürfnisse durchzusetzen? All das sollte bedacht werden, bevor ein Kind zur Schule angemeldet wird.

Fähigkeiten zum Erhalt der Schulreife

Viele Faktoren spielen eine wichtige Rolle, damit ein Kind die Schulfähigkeit erlangt. Erst wenn alle erfüllt sind, ist ein Kind wirklich bereit für die Schule und kann gegebenenfalls auch vorzeitig eingeschult werden:

Kognitive Fähigkeiten : Kognitive Fähigkeiten bedeuten, Signale aus seiner Umwelt aufzunehmen, diese in seinem Gehirn zu speichern, zu verarbeiten und später logisch nutzen zu können. Versteht ein Kind den Zusammenhang zwischen früher und später, hoch und niedrig? Ist es in der Lage, logisch zu denken und Schlussfolgerungen aus seinem Handeln zu ziehen? Und kann es sich sinnvoll und zusammenhängend ausdrücken? All dies sollte ein Kind können, wenn es die Schule besuchen soll.

Motorische Fähigkeiten: Das Kind muss in der Schule selbstständiger handeln, als es bisher im Kindergarten gefragt war. Schuhe und Jacke müssen alleine an- und ausgezogen werden. Es werden verschiedene Räume für die Fächer aufgesucht, und der Stift in korrekter Position gehalten, um Schreiben zu lernen. Auch im Sportunterricht muss sich das Kind an teils älteren Kindern messen. Kann es bereits den Ball fangen und gezielt zurück werfen?

Konzentrationsfähigeit: Ist das Kind in der Lage für eine längere Zeit still zu sitzen und dabei konzentriert zuzuhören? In der Schule müssen die Kleinen dem Lehrer zuhören und dabei still auf ihrem Platz sitzen. Sie dürfen weder reden, noch zappeln. Das ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen guten Start in die Schulzeit. Ist das Kind noch sehr unruhig, zappelig, verspielt, und kann sich nur schlecht auf Geschichten oder Bilderbücher konzentrieren, sollte mit dem Schulbeginn unter Umständen noch etwas gewartet werden.

Körperliche Fähigkeiten: In der Schule müssen Kinder ihren Schulranzen tragen können, Ist es dazu körperlich in der Lage? Kann es den schweren Ranzen, von zu Hause zur Schule tragen und wieder zurück? Und wie sieht es im Sportunterricht aus? Kann das Kind mit den Älteren mithalten – oder läuft es Gefahr, zum Aussenseiter zu werden?

Sprachliche Fähigkeiten: Eine wichtige Voraussetzung für den Schulbeginn sind die sprachlichen Fähigkeiten. Die Kinder müssen sich nicht nur den Mitschülern, sondern vor allem den Lehrern gegenüber mitteilen können. Sie müssen deutlich sprechen, um am Unterricht teilzunehmen. Ein Kind sollte in der Lage sein, erlebtes in sinnvolle, verständliche Sätze zu packen, und dies deutlich und flüssig erzählen können. Auch das Sprachverständnis – also die Fähigkeit, das Gehörte zu verarbeiten, spielt natürlich eine enorm wichtige Rolle.

Sozialverhalten: Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Sozialverhalten eines Kindes. Ist das Kind in der Lage sich in einer Gruppe zurecht zu finden, und kann es mit anderen Kindern kommunizieren? In einer Schulklasse sind häufig mehr Kinder, als in einer Kindergartengruppe. Wie also reagiert es auf viele Kinder? Kommt es mit ihnen aus, oder kommt es zu vielen Konflikten? Ein eher unruhiges und noch leicht zappeliges Kind, sollte lieber noch ein Jahr länger den Kindergarten besuchen – in der Schule wäre es nicht glücklich.

Im Zweifel immer gegen eine Einschulung entscheiden

Sollte ein Kind noch nicht alle Fähigkeiten erlangt haben, die für die Schulreife vorausgesetzt sind, ist relativ dringend abzuwägen, ob eine vorzeitige Einschulung sinnvoll wäre. Haben Eltern nur einen kleinen Zweifel daran, dass sich ihr Kind schon in der Schule zurecht findet, sollte die Entscheidung immer gegen eine frühe Einschulung gehen.

Denn sobald ein Kind in die Schule eintritt, besteht Schulpflicht. Und das ist nicht rückgängig zu machen. Sollte ein Kind also in der Schule überfordert sein, bleibt ihm nur, die Klasse zu wiederholen. Da stellt sich die Frage, ob sich das eine Jahr Kindergarten doch mehr gelohnt hätte. Eltern sollten daher die Einschulung sehr genau überdenken und besonnen abwägen.


Über den Autor

Jacqueline Esser

Jacqueline ist staatlich anerkannte Erzieherin, mit der Qualifikation zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren. Diese Qualifikation hat sie bereits lange, bevor es als Pflichtteil zur Ausbildung aufgenommen wurde, freiwillig absolviert. Neben ihrer beruflichen Laufbahn, ist sie Mutter von zwei Kindern. Einem Mädchen und einem Jungen. Ihre Erfahrungen schöpft sie also aus beruflichen sowie privaten Herausforderungen. Dies macht sie zu einer perfekten Autorin für unser Magazin.

Alle Beiträge ansehen