Kaum ist der Schnupfen vorbei, folgt schon der nächste Infekt. Gerade mit kleinen Kindern kann sich das endlos anfühlen. Häufig gehört es zur normalen Entwicklung des Immunsystems. Schon Babys haben eine eigene Abwehr. Sie entwickelt sich mit dem Kind weiter und lässt sich im Alltag sinnvoll unterstützen.
Wenn euer Kind häufig krank ist, fragt ihr euch vielleicht, ob seiner Abwehr etwas fehlt. Die Zahl der Infekte allein sagt darüber wenig aus. Wichtig ist auch, wie schwer die Erkrankungen verlaufen und wie sich euer Kind dazwischen erholt. Was bei akuten Beschwerden hilft, lest ihr in unserem Beitrag über Erkältungen bei Babys und Kindern.
Wie entwickelt sich das Immunsystem bei Babys?
Ein Baby kommt bereits mit einer eigenen Abwehr zur Welt. Sie entwickelt sich schon während der Schwangerschaft und sammelt nach der Geburt weiter Erfahrung.
Zur angeborenen Abwehr gehören zum Beispiel Haut, Schleimhäute und bestimmte Abwehrzellen. Sie helfen von Anfang an, Krankheitserreger abzuwehren. Daneben gibt es die erworbene Abwehr: Sie lernt, bestimmte Erreger gezielt zu erkennen, und bildet dafür unter anderem Antikörper.
Ein Teil der Abwehrzellen kann sich einen Erreger merken. Bei einem erneuten Kontakt reagiert der Körper dadurch oft schneller. Trotzdem kann ein Kind an derselben Infektion noch einmal erkranken. Wie gut und wie lange ein Schutz anhält, hängt vom jeweiligen Erreger ab.
Nestschutz: Wie lange helfen die Antikörper der Mutter?
Während der Schwangerschaft gelangen mütterliche Antikörper über die Plazenta, den Mutterkuchen, zum Baby. Dieser Nestschutz hilft in den ersten Lebensmonaten gegen einige Erreger, mit denen sich das Immunsystem der Mutter bereits auseinandergesetzt hat. Er schützt aber nicht vor allen Infektionen. Ein Baby kann deshalb auch in den ersten Lebenswochen krank werden.
Die mitgegebenen Antikörper werden nach und nach abgebaut. Wie lange sie schützen, unterscheidet sich je nach Erreger und Menge der übertragenen Antikörper. Es gibt keinen festen Monat, in dem der Nestschutz bei allen Babys plötzlich endet.
Wenn der Nestschutz nachlässt, ist euer Baby nicht plötzlich ohne Abwehr. Sein eigenes Immunsystem arbeitet längst mit. Auch die empfohlenen Impfungen tragen früh zum Schutz bei.
Wann ist das Immunsystem ausgereift?
Die Abwehr entwickelt sich über die Kindheit hinweg weiter. Viele ihrer Aufgaben erfüllt sie im Vorschulalter schon ähnlich wie bei Erwachsenen. Einen festen Zeitpunkt, ab dem die gesamte Abwehr fertig entwickelt ist, gibt es aber nicht. Auch später lernt das Immunsystem weiter dazu.
Warum ist mein Kind ständig krank?
Vor allem in den ersten Kita-Jahren folgt manchmal ein Infekt auf den nächsten. Das bedeutet nicht automatisch, dass die Abwehr zu schwach ist.
Kinder begegnen vielen Erregern zum ersten Mal. In der Kita kommen enge Kontakte und gemeinsam benutztes Spielzeug hinzu. Außerdem können sehr viele verschiedene Viren eine Erkältung auslösen: Der Schutz nach einem Infekt hilft deshalb nicht gegen jeden neuen Schnupfen.
Vor dem Schulalter können acht bis zwölf Atemwegsinfekte im Jahr noch im normalen Bereich liegen. Das ist eine grobe Orientierung, keine feste Grenze zwischen gesund und krank. Entscheidend ist auch, ob die Infekte überwiegend leicht verlaufen und euer Kind sich davon wieder erholt.
Immunsystem bei Kindern stärken: Was hilft im Alltag?
Ihr könnt gute Bedingungen für die Gesundheit eures Kindes schaffen. Vollständig verhindern lassen sich Infekte damit leider nicht.
- Bewegung und Zeit draußen: Für Babys bedeutet Bewegung zunächst freies Strampeln und Spielen. Größere Kinder können laufen, klettern, Rad fahren oder auf dem Spielplatz toben. Es muss kein zusätzliches Sportprogramm sein.
- Schlaf und Ruhe: Achtet auf die Müdigkeitszeichen eures Kindes und gebt ihm Zeit zum Ausruhen. Wie viel Schlaf es braucht, ist unterschiedlich. Ruhige Abläufe vor dem Einschlafen können helfen.
- Rauchfreie Räume: Haltet Wohnung und Auto frei von Tabakrauch. Passivrauchen belastet die Atemwege von Babys und Kindern.
- Abwechslung beim Essen: Regelmäßige Mahlzeiten mit unterschiedlichen Lebensmitteln helfen, den Körper mit den nötigen Nährstoffen zu versorgen. Mehr zur Ernährung findet ihr weiter unten.
Wie viel Hygiene ist sinnvoll?
Draußen spielen und dabei schmutzig werden gehört zum Kinderalltag. Ihr müsst euer Zuhause nicht keimfrei halten. Sinnvoll bleibt aber gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife, etwa vor dem Essen, nach dem Toilettengang und nach dem Nachhausekommen.
Im normalen Haushalt sind Desinfektionsmittel meist nicht nötig. Lebt bei euch jemand mit geschwächter Abwehr oder liegt eine bestimmte ansteckende Erkrankung vor, fragt in der Arztpraxis nach, welche zusätzlichen Hygienemaßnahmen sinnvoll sind.
Schmutz ist kein verlässlicher Schutz vor Allergien. Umgekehrt ist es zu einfach, Allergien auf gründliche Hygiene zurückzuführen. Ihre Entstehung hat viele Ursachen.
Normales Spielen und Entdecken ist etwas anderes als absichtlicher Kontakt zu Krankheitserregern. Auch bei Kindern, die selten sichtbar krank werden, entwickelt sich die Abwehr in der Regel normal.
Wie helfen Impfungen der Abwehr?
Impfungen helfen der Abwehr, bestimmte Erreger kennenzulernen, ohne dass das Kind dafür die jeweilige Erkrankung durchmachen muss.
Je nach Impfstoff kommen dafür zum Beispiel abgeschwächte oder abgetötete Erreger oder einzelne Bestandteile zum Einsatz. Der Körper bildet eine gezielte Abwehr und ein Immungedächtnis. Manche Impfungen brauchen mehrere Dosen oder spätere Auffrischungen, damit der Schutz zuverlässig aufgebaut wird oder erhalten bleibt.
Eine schmerzende Einstichstelle, Müdigkeit oder Fieber können nach einer Impfung auftreten. Meist klingen solche Reaktionen nach kurzer Zeit wieder ab. Welche Impfungen für welches Alter empfohlen werden, zeigt unser Impfkalender für Kinder. Fehlende Impfungen könnt ihr in der Kinderarztpraxis ansprechen.
Wie unterstützt Ernährung die Abwehr?
Eine passende Ernährung versorgt das Immunsystem mit wichtigen Nährstoffen. Ein einzelnes Lebensmittel kann euer Kind aber nicht zuverlässig vor Infekten schützen.
Muttermilch enthält neben Nährstoffen auch Antikörper und weitere Schutzstoffe. Besonders reich daran ist das Kolostrum, die erste Milch in den Tagen nach der Geburt. Die Schutzstoffe helfen unter anderem an den Schleimhäuten im Darm. Sie ersetzen weder die eigene Abwehr noch Impfungen. Auch wenn ihr nicht oder nicht mehr stillt, arbeitet und entwickelt sich das Immunsystem eures Kindes weiter.
Mit der Beikost und später am Familientisch kommt nach und nach mehr Vielfalt auf den Teller. Gemüse, Obst, Getreide und weitere altersgerechte Lebensmittel liefern unterschiedliche Nährstoffe. Für die Abwehr sind unter anderem Eisen und Zink wichtig. Es braucht dafür keine besonderen „Immun-Lebensmittel“. Anregungen für den Übergang von der Milch zu anderen Mahlzeiten findet ihr in unserem Beikostplan.
Neue Lebensmittel in Ruhe kennenzulernen hilft eurem Baby beim Essenlernen. Allergien lassen sich jedoch nicht dadurch verhindern, dass ihr den Speiseplan besonders lange auf wenige Lebensmittel beschränkt oder mögliche Allergieauslöser vorsorglich meidet. Bei einer bekannten Allergie gelten individuelle Empfehlungen.
Braucht mein Kind zusätzliche Vitamine? Gesunde Kinder brauchen bei ausgewogener Ernährung normalerweise keine zusätzlichen Vitamin- oder „Abwehr“-Präparate. Mehr ist nicht automatisch besser und kann schaden. Es gibt aber begründete Ausnahmen: Für Babys wird Vitamin D empfohlen. Auch bei einem festgestellten Nährstoffmangel können zusätzliche Präparate nötig sein. Besprecht mit der Kinderarztpraxis, welches Präparat und welche Menge für euer Kind passen.
Wann sollten häufige Infekte abgeklärt werden?
Wenn Infektionen ungewöhnlich schwer verlaufen, lange anhalten oder trotz Behandlung immer wiederkommen, solltet ihr das in der Kinderarztpraxis abklären lassen.
Anlass für ein Gespräch sind zum Beispiel wiederholte Lungenentzündungen, Infektionen durch ungewöhnliche Erreger oder Erkrankungen, die trotz Behandlung nicht richtig ausheilen. Dahinter können unterschiedliche Ursachen stecken. Eine Störung der Abwehr ist eine mögliche Erklärung, aber nicht die einzige.
Wenn ihr euch wegen der vielen Erkrankungen sorgt, notiert euch, wann euer Kind krank war, welche Beschwerden es hatte und welche Behandlung nötig war. So lässt sich in der Kinderarztpraxis besser besprechen, ob die Infekte noch zum üblichen Verlauf passen oder genauer untersucht werden sollten.
Bei jungen Babys besonders wichtig: Ist euer Baby jünger als drei Monate und hat im Po gemessen 38,0 °C oder mehr, lasst es umgehend ärztlich untersuchen. Auch ohne Fieber braucht ein sehr junges Baby rasch ärztliche Hilfe, wenn es auffällig schlapp ist oder kaum trinkt. Mehr dazu lest ihr in unserem Beitrag über Fieber bei Babys und Kindern.
Viele Infekte können für die ganze Familie anstrengend sein. Ihr könnt euer Kind gut versorgen und trotzdem nicht jede Erkrankung verhindern. Wenn euch die Häufigkeit oder der Verlauf Sorgen macht, sprecht das in der Kinderarztpraxis an. Gemeinsam könnt ihr klären, was euer Kind braucht.
Quellen und fachliche Grundlagen
- Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Entwicklung des Immunsystems und Nestschutz
- BIÖG: Erkältungen und häufige Atemwegsinfekte bei Kindern
- DGKJ: Häufige Infekte und Hinweise auf eine Abwehrstörung
- Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Immunsystem und Hygiene
- BIÖG: Gesunde Alltagsgewohnheiten für die Abwehr
- Europäisches Impfinformationsportal: Wie Impfstoffe wirken
- BIÖG: Sicherheit und mögliche Reaktionen nach Impfungen
- Netzwerk Gesund ins Leben: Schutzstoffe in der Muttermilch
- NHS: Kolostrum und die ersten Tage nach der Geburt
- Netzwerk Gesund ins Leben: Auswahl und Vielfalt der Beikost
- BfR: Nahrungsergänzungsmittel für Kinder und begründete Ausnahmen
- BIÖG: Fieber bei Babys und Kindern
Fachlich geprüft am 22. Oktober 2026.
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