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Liebenswert lebenswert!

Mehr als ein gutes Team: Saina und Manuel Cortez über Liebe im Alltag

Mehr als ein gutes Team: Saina und Manuel Cortez über Liebe im Alltag

Manchmal ist im Familienalltag alles besprochen: Termine, Aufgaben, der nächste Einkauf. Nur die Frage „Wie geht es dir eigentlich?“ bleibt auf der Strecke. Saina und Manuel Cortez erzählen im Interview, wie Paare wieder mehr Nähe finden können und warum dabei auch der Blick auf die eigenen Bedürfnisse zählt.

In ihrem gemeinsamen Buch „Berührtes Herz – Wie du wieder Liebe lebst“ geht es um alte Verletzungen, Selbstliebe und den Mut, sich zu zeigen. Wir haben die beiden gefragt, was Paaren helfen kann, die ihre Partnerschaft im Familienalltag wieder aufleben lassen möchten. Ihre Antworten handeln vom Zuhören, von eigenen Grenzen und von kleinen Momenten, die im Alltag leicht untergehen.

Nähe im Familienalltag

In eurem Buch schreibt ihr, dass echte Liebe bei der Verbindung mit sich selbst beginnt. Warum ist Selbstliebe eurer Meinung nach auch für eine funktionierende Beziehung so wichtig?

Manuel: Wir können einem anderen Menschen nur das wirklich geben, was wir auch in uns selbst entwickelt haben. Wenn wir uns selbst nicht annehmen, suchen wir oft im anderen Bestätigung, Sicherheit oder das Gefühl, wertvoll zu sein. Selbstliebe bedeutet für uns nicht, sich ständig großartig zu finden. Es bedeutet, sich selbst zu kennen, die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen und auch die eigenen Schwächen anzunehmen. Dann können wir dem anderen wirklich begegnen – ohne ihn dafür verantwortlich zu machen, uns glücklich oder vollständig zu machen.

Je voller der (Familien-)Alltag wird, desto leichter kann die Partnerschaft in den Hintergrund geraten. Was können Paare tun, damit die Verbindung zueinander trotzdem stark bleibt?

Saina: Verbindung muss immer wieder bewusst hergestellt werden. Dafür braucht es nicht unbedingt große Gesten. Oft sind es die kleinen Momente: zehn Minuten ohne Handy, ein ehrliches Gespräch oder die Frage: „Wie geht es dir wirklich?“ Gerade im Familienalltag darf man aufpassen, nicht irgendwann nur noch ein Organisationsteam zu sein. Partnerschaft braucht Begegnung – nicht nur Funktionieren.

Ihr beschäftigt euch in eurem Buch mit persönlichen Ängsten, Verletzungen und Verhaltensmustern. Wie können sich solche Erfahrungen auf Partnerschaften und andere enge Beziehungen auswirken und wie schafft man es, alte Muster nicht immer wieder mit sich herumzutragen?

Manuel: Unsere Vergangenheit kommt mit in jede Beziehung. Wir lernen schon früh, ob Nähe sicher ist, ob wir uns zeigen dürfen und ob Liebe etwas ist, das man sich verdienen muss. Diese Erfahrungen können später unsere Reaktionen bestimmen. Es geht deshalb nicht darum, die Vergangenheit einfach abzuschütteln. Es geht darum, zu verstehen, woher bestimmte Muster kommen. Bewusstheit ist der erste Schritt, um nicht mehr automatisch nach ihnen zu handeln.

Einander wieder zuhören

Welchen Rat würdet ihr Familien oder Paaren mitgeben, die ihren Alltag gemeinsam gut bewältigen, sich aber emotional immer weniger verbunden fühlen?

Saina: Fangt wieder an, miteinander zu sprechen – nicht nur über Termine, Kinder, Arbeit und Aufgaben. Fragt euch, wie es euch wirklich geht, und hört einander zu. Manchmal ist schon der ehrliche Satz „Wir haben uns im Funktionieren verloren“ ein wichtiger Anfang. Das muss nicht das Ende einer Beziehung bedeuten. Es kann der Moment sein, in dem man sich wieder neu begegnet.

Saina Cortez sitzt vor Manuel Cortez, der seine Hände auf ihre Schultern legt.
Saina und Manuel Cortez. Fotocredits: Patrick Amos

In Familien und Partnerschaften treffen oft unterschiedliche Bedürfnisse und Vorstellungen aufeinander. Welche Rolle spielt offene Kommunikation dabei, sich trotzdem verstanden und miteinander verbunden zu fühlen?

Manuel: Eine offene Kommunikation bedeutet für uns, ehrlich über Gefühle, Bedürfnisse und Grenzen zu sprechen, ohne den anderen dafür verantwortlich zu machen. Und genauso wichtig ist es, wirklich zuzuhören – ohne sofort zu verteidigen, zu erklären oder eine Lösung zu präsentieren. Manchmal möchte ein Mensch nicht repariert werden. Er möchte einfach verstanden werden.

Im Zusammenleben geht es oft darum, für andere da zu sein. Wie schafft man es, dabei die eigenen Bedürfnisse nicht aus den Augen zu verlieren?

Saina: Selbstfürsorge ist kein Egoismus. Wir können für andere da sein, ohne uns selbst dabei aufzugeben. Manchmal bedeutet Liebe auch, Nein zu sagen. Wenn wir unsere eigenen Grenzen immer wieder überschreiten, entstehen irgendwann Erschöpfung, Frustration oder sogar Verbitterung. Eine gesunde Beziehung braucht zwei Menschen, die füreinander da sind und gleichzeitig für sich selbst.

Alte Muster verstehen

Die Art, wie wir Liebe und Beziehungen erleben, wird oft schon früh geprägt. Welche Rolle spielen Erfahrungen aus der eigenen Kindheit für unsere späteren Beziehungen?

Manuel: Wir lernen, was Liebe bedeutet, lange bevor wir unsere erste Partnerschaft eingehen. Wir lernen, was Nähe bedeutet, wie Konflikte funktionieren und ob wir uns sicher fühlen dürfen. Diese Erfahrungen nehmen wir mit. Aber unsere Kindheit ist kein Schicksal. Wir können erkennen, was wir weitertragen möchten – und was nicht. Genau darin liegt ein wichtiger Teil persönlicher Entwicklung.

Verletzte Menschen verletzen Menschen. Was müssen wir tun, um diese Kette zu durchbrechen?

Saina: Wir dürfen unsere Verletzungen nicht zu unserer Identität machen. Wir können nicht verhindern, dass wir verletzt werden. Aber wir können Verantwortung dafür übernehmen, was wir daraus machen. Heilung beginnt für uns mit Bewusstheit und Verantwortung: zu erkennen, wann wir aus Angst, Schmerz oder alten Mustern reagieren – und dann bewusst anders zu wählen. Die Vergangenheit kann unser Verhalten erklären. Aber sie muss nicht für immer bestimmen, wie wir mit anderen umgehen.

Wenn ihr den 1-2-family-Leser:innen nur einen Satz mit auf den Weg geben könntet, welcher wäre es?

Saina: Eine erfüllte Beziehung beginnt nicht damit, den richtigen Menschen zu finden, sondern damit, selbst wieder in Verbindung mit sich zu kommen.

Manuel: Liebe bedeutet nicht, dass zwei Menschen keine Verletzungen haben – sondern dass sie den Mut haben, gemeinsam bewusst damit umzugehen. Das ist auch die Kernbotschaft von Berührtes Herz: Wir können echte Nähe erst wirklich zulassen, wenn wir bereit sind, uns selbst zu begegnen.


Über Saina und Manuel Cortez

Saina Cortez ist Unternehmerin, Autorin und Speakerin sowie Gründerin des Frauennetzwerks sheciety. Manuel Cortez ist als Schauspieler und Moderator bekannt und beschäftigt sich als Coach mit persönlicher Entwicklung. In „Berührtes Herz“ schreiben die beiden über ihre Erfahrungen mit Liebe und Verbundenheit.

Buchcover von Berührtes Herz – Wie du wieder Liebe lebst von Saina und Manuel Cortez.
Berührtes Herz – Wie du wieder Liebe lebst. Cover: GU Verlag

Das Buch zum Interview

Berührtes Herz – Wie du wieder Liebe lebst

In ihrem gemeinsamen Buch geben Saina und Manuel Cortez persönliche Einblicke in ihre Geschichte. Sie gehen der Frage nach, was es braucht, um sich selbst und anderen wieder näherzukommen. Dabei geht es um Partnerschaften ebenso wie um Freundschaften, Familie und das Miteinander im Alltag.

GU Verlag · 208 Seiten · Paperback
ISBN: 978-3-8338-9984-3

Weitere Informationen zu „Berührtes Herz“

Wenn ihr euch Unterstützung wünscht

Manche Gespräche drehen sich trotz aller Bemühungen im Kreis. In unserem Beitrag zur emotionsfokussierten Paartherapie erfahrt ihr, wie eine Begleitung für Paare aussehen kann.


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