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Natürlich möchten Eltern ihre Kinder so gut es geht in ihrer Entwicklung fördern. Doch wo hört fördern auf, und wo fängt Überforderung an? Das richtige Maß zu finden ist oft ein Drahtseilakt. Man möchte keine Chance verpassen, aber auch nicht zum Leistungsdruck-Monster mutieren. Wir haben die Problematik hier aufgegriffen und bewegen uns zwischen Fördern, Fordern und Überfordern. 

Der Kampf zwischen Müttern

Mütter untereinander – nirgendwo werden Kinder so häufig verglichen und regelrecht in einen Entwicklungs-Wettkampf gedrängt, als unter Müttern. Alles dreht sich darum, welches Kind als erstes läuft, endlich trocken ist, und in der Schule die besten Noten schreibt. Schon in der Schwangerschaft beginnt dieser Kampf und hat selbst im Teenageralter der Kinder kein Ende.

Mütter duellieren sich mit ihrem Kindern. Fördern, fordern und überfordern sie, um nicht in Erklärungsnot zu geraten. Der Kampf zwischen Müttern hat ungeahnte Ausmaße. Kaum jemand möchte sich vorwerfen lassen, sein Kind nicht genug gefördert zu haben. Will doch jeder das Beste für sein Kind. Doch warum die Entwicklung des Kindes nicht einfach passieren lassen? Muss man ein Kind wirklich „pushen“, damit es sich Zeitgemäß entwickelt?

Chancen erkennen und ergreifen

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Kinder können nicht immer selbst einschätzen, was sie lernen und erreichen können. Sie sind zwar bestrebt neues zu lernen und von Natur aus neugierig, jedoch sind sie sich ihrer Fähigkeiten und Möglichkeiten nur selten bewusst. Doch auch Eltern schätzen ihre Kinder gelegentlich falsch ein.

Um Kinder in ihrer Entwicklung zu fördern, ist es wichtig, sie genau zu beobachten und auf Signale zu achten. Kinder zeigen meist deutlich wann sie bereit sind etwas neues zu lernen. Solche Signale können motorisch oder geistig sein. Dabei sollten sie aber auch von einer inneren Bereitschaft begleitet werden. Oft liegt es am Temperament des Kindes, ob es nur eine Gelegenheit braucht, um etwas neues zu lernen, oder ob es deutliche Ermutigung, oder gar etwas Druck dazu braucht. Ein Kind muss über sich hinaus wachsen, um neue Fähigkeiten zu entfalten.

Kinder lernen aus Erfahrungen. Aus diesem Grund müssen sie erfahren, dass sich ihre Mühen und Überwindungen, mit einer neuen Fähigkeit und einem Gefühl von Stolz belohnen lassen. Geschieht dies nicht, werden sie sich nur noch auf sicherem Terrain bewegen, Herausforderungen meiden, und demzufolge wenig Selbstbewusstsein entwickeln. Das kann den weiteren Werdegang ernsthaft blockieren.

Die 3 Punkte zum Erfolg

Wie oben erklärt, müssen Kinder dazu bereit sein, um neue Fähigkeiten zu erlangen. Wie also erkennt man, ob sein Kind bereit ist, etwas Neues zu lernen? Die drei folgenden Punkte sind der Weg zum Erfolg:

1. Kann mein Kind dies schon lernen: Erfüllt das Kind die körperliche, motorische oder geistige Entwicklung, um einen Erfolg möglich zu machen. Kann es die neue Fähigkeit schon erlernen? Es hat z.B. keinen Sinn einem Kind, dass gerade erst laufen kann, dazu zu ermutigen, auf ein Klettergerüst zu klettern.

2. Wie ist die Lebenssituation: Hat sich im Leben eines Kindes gerade etwas verändert,kann das belastende Auswirkungen haben. Der Kindergartenstart, die neue Schule, ein Umzug, oder die Geburt eines Babys  – es gibt viele Situationen, die ein Kind belasten können. Dann gilt es, die Situation abzuwarten, bis sich das Kind etwas eingelebt hat. Erst dann kann sich ein Kind auf eine neue Aufgabe und Herausforderung einlassen.

3. Die Motivation: Sind die Eltern motiviert ihren Kindern etwas neues beizubringen, bedeutet dies nicht unbedingt, dass auch ihre Kinder Feuer und Flamme sind. Doch um eine neue Fähigkeit zu erlangen ist genau DAS wichtig. Die Angst steht hierbei vielen Kindern im Weg. Veränderungen machen Angst. Das Aufgeben alter Gewohnheiten und das Erlernen neuer Fähigkeiten birgt viele Veränderungen. Und oft bleibt Kindern völlig unklar, warum eine Veränderung gerade so toll sein soll. Die Sicht auf die Dinge ändert sich völlig, wenn man ihnen erklärt, welchen Nutzen sie aus einer Veränderung ziehen können.

Warum die Windel weglassen, im eigenen Bett schlafen, oder alleine aufräumen? Gibt es für die Kleinen keine eigene Motivation, dann ist das Geschick der Eltern gefragt, dem Kind den Nutzen und das Positive an der Veränderungen aufzuzeigen.

Abzuraten ist jedenfalls von erpresserischen Mitteln, oder gar Androhungen von Strafen oder Konsequenzen. Das hinterlässt ein nachhaltig schlechtes Gefühl, oder sogar Angst, und blockiert im schlimmsten Fall viele zukünftigen Veränderungen. Eine Belohnung hingegen darf durchaus in Aussicht gestellt werden. Die muss nicht unbedingt materieller Natur sein. Auch „Elternzeit“ wie extra Kuschel-Vorlese oder Spielzeit kann ein Kind positiv motivieren.

Von Neuem profitieren

Damit die Motivation eines Kindes steigt und es sich einer neuen Herausforderung stellt, braucht es ein positives Ergebnis. Kinder müssen erfahren, dass sie von neu erlerntem einen persönlichen Vorteil haben. Nur dann ist es für sie die Mühe wert, über sich hinaus zu wachsen.

Dabei sind oft die Eltern gefragt:Wenn du dich heute alleine anziehst, kannst du selbst aussuchen was du anziehen möchtest.
Nur ein Beispiel von vielen. Kinder entdecken sofort ihren eigenen Nutzen in dieser Situation.

Man kann es als Mittel der Motivation sehen. Aber viel wichtiger ist, dass das Kind erkennt, dass es durch neue Fähigkeiten, in seinem Leben voran geht, dass es sich entwickelt und jedes neu erlernte auch eine Verbesserung ist. So wird es bald ganz von selbst motiviert sein, neues zu lernen.

Umgang mit Misserfolg muss gelernt werden

Selbst wenn Eltern ihre Kinder sorgfältig beobachten, kann es passieren, dass ein gestecktes Ziel noch nicht erreicht, bzw. eine neue Fähigkeit nicht erlernt wird. Das ist natürlich kein Beinbruch. Denn irgendwann kommt der richtige Zeitpunkt und das Kind wird diese Fähigkeit erlernen.

Nicht jeder Versuch wird sofort mit Erfolg gekrönt. Trotzdem kann man auch aus dieser Situation etwas positives lernen. Denn im besten Fall weiß man, welche Methode nicht funktioniert, oder beinahe zum Erfolg geführt hätte, und kann für den nächsten Versuch etwas mitnehmen.

Kinder müssen den Umgang mit Misserfolg jedoch erst einmal lernen. Das Erlernen von Frustrationstoleranz ist eine wichtige soziale Fähigkeit, die jeder Mensch erlangen muss. Eltern müssen ihre Kinder auf diesem Weg jedoch begleiten. Das Scheitern gehört zum Leben dazu, bedeutet keineswegs, dass das man versagt hat, sondern nur, dass der richtige Zeitpunkt noch nicht gekommen war.

Option – Aufgeben

Hobbies sind eine tolle Sache – doch nicht selten hören Eltern Sätze wie:  „Ich mag nicht mehr zum Ballett – das ist doof!“.
Noch vor einem Jahr wurde gebettelt, und schon jetzt hat das Kind keine Lust mehr. Oft steckt jedoch weniger Unlust an der Sache dahinter, sondern das Erreichen des Ziels gestaltet sich schwieriger als gedacht. Aufgeben und etwas neues zu beginnen, scheint für Kinder oft die einzig wahre Lösung.

Je jünger ein Kind ist, desto verständlicher ist es, dass es verschiedene Dinge ausprobieren muss, um herauszufinden was ihm liegt. Wo liegen seine Interessen und Talente? Doch etwa ab der dritten Klasse sollte sich dies herauskristallisiert haben, so dass man Kinder nicht vorschnell aufgeben lassen sollte. Nicht nur, dass Eltern meist viel Geld und Zeit für die Hobbies ihrer Kinder investiert haben, viel wichtiger ist, dass das Kind lernt, auch schwierige Phasen zu überwinden und nicht sofort aufzugeben. Daher sollten Eltern ihr Kind zum weitermachen ermutigen, und es unterstützen, das Ziel, was es sich gesetzt hat, zu erreichen.

Häufig geht es allerdings nicht nur um das eigentliche Lernziel. Hobbies im generellen können ganz gezielt den Intellekt und das Lernvermögen stützen. Am Beispiel Ballett weiß man, dass man wohl niemals ausgelernt hat. Es gibt immer neues zu entdecken. Man misst sich auch mit anderen, und findet seinen Platz in einer Gruppe. Dies sind Dinge, die man im weiteren Leben immer wieder erfahren wird. Hält allerdings die Unlust an einem Hobby länger an, sollte man gemeinsam mit dem Kind herausfinden, woran es liegt. Vielleicht ist es einfach der falsche Verein oder das Hobby an sich liegt dem Kind nicht. Dann sollte natürlich nach Alternativen gesucht werden.

Die Eltern als Trainer

Beim Fußball wird man von einem Trainer gepusht. Er ruft vom Spielfeldrand seinen Spielern Motivation zu: „Ich weiß, dass du das kannst!„,  „Los, du schaffst das!„, „Trau dich, du haust den Ball jetzt rein!

Er feuert an, ermutigt, und macht auch schon einmal Druck – Dinge, die einen bemerkenswerten Erfolg mit sich ziehen. Und auch beim erlernen neuer Fähigkeiten im allgemeinen ist das nötig. Kinder brauchen die Eltern oft auch als einen Trainer. Sie brauchen das Anfeuern, das Gefühl, dass die Eltern überzeugt sind, und natürlich das gut platzierte Lob. Ein Lob ist jedoch nur dann wertvoll, wenn es auch wirklich ernst gemeint und verdient ist – selbst die Kleinsten können das bereits sehr gut unterscheiden!

Überforderung erkennen

Woran können Eltern erkennen, dass ihr Kind mit einer Aufgabe überfordert ist? Das Scheitern ist natürlich oft ein Zeichen dafür, dass man noch nicht bereit für eine Aufgabe ist. Doch selbst wenn man eine Aufgabe erfolgreich meistert, kann man mit einer Sache überfordert sein.

Musste sich ein Kleinkind zum Beispiel gerade von seinem Schnuller trennen, hat aber keine neuen Strategien zum Stressabbau , kann die schnullerfreie Situation das Kind immens überfordern. Es wird sich dann in irgendeiner Form auffällig verhalten. Es könnte sein, dass es intensiv trotzt, weinerlich ist, oder andere Kinder schlägt. Alles Ventile zum Stressabbau, die genutzt werden, weil es scheinbar keine Alternative gibt.

Zum Glück kann bei unserem Beispiel in Stresssituationen, meist schon ein Schmusetuch oder ein Kuscheltier zum knuddeln, Abhilfe schaffen. Doch nicht immer ist die Lösung so einfach.

Ist ein Kind überfordert, muss nach der Ursache gesucht werden. Die Frage lautet: Wer oder was löst den Druck aus? Sind es vielleicht die Eltern selbst, die zu viel von ihrem Kind erwarten? Oder sind es bestimmte Situationen? Ist die Ursache klar, ist die Lösung meist nicht weit.

Auch Unterforderung ist ein Problem

Wenn man an Probleme beim fördern der Entwicklung eines Kindes denkt, denkt man zwangsläufig an Überforderung. Doch auch das Unterfordern stellt für Kinder ein Problem dar. Dies geschieht oft dann, wenn Eltern ihren Kindern zu wenig zutrauen, oder sie in ständiger Angst um ihre Kinder leben. Das Selbstbild des Kindes gelangt dabei in Schieflage. Es lernt Neues beinahe als eine Art Bedrohung wahrzunehmen.

Unterforderte Kinder werden oft als anstrengend empfunden. Sie fordern viel Aufmerksamkeit ein, haben viele Fragen, Pläne und Ideen, und versuchen andere damit zu begeistern. Damit sind Eltern im Alltag jedoch häufig überfordert. Manche beginnen sogar sich auffällig – meist störend – zu verhalten. Aber auch frustriertes zurückziehen, und sich von allem abwenden, ist ein zu beobachtendes Verhalten.

Besonders im letzten Kindergartenjahr wird Unterforderung oft zum Problem. Die Spielsachen sind nach mehreren Kindergartenjahren langweilig, die kleinen Kinder uninteressant, und die Gruppenaktivitäten füllen nicht mehr aus. Dann sollten Eltern gegensteuern, indem sie außerhalb der Betreuungszeit, verschiedene anspruchsvollere Aktivitäten anbieten:

Das Erlernen eines Instruments oder einer Sprache, können für Ausgleich sorgen. Besuche von Museen, Konzerten oder Theateraufführungen. Ausflüge zu Burgen und Schlössern, Tierparks und Ausstellungen. Möglichst viele neue Eindrücke und Informationen können das Kind dann sinnvoll beschäftigen.


 

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