Die 19. Lebenswoche mit Baby. Nun steht der bisher längste Schub direkt vor der Türe. Er dauert unglaubliche 5-6 Wochen und bereitet euch (eventuell) viele schlaflose Nächte. Aber keine Angst – auch das geht vorüber. Und wirklich sehr vieles in dieser Zeit ist spannend und toll anzusehen.

Der vierte Wachstumsschub bringt fließende Übergänge

Die Kinder lernen nun, dass fließende Übergänge mehrere Handlungen beinhalten können, und so zu einem Ereignis werden. Der Ball der vorher nur von A nach B gerollt ist, kann nun auch hüpfen und springen. Euer Kind hat jetzt das größte Vergnügen, euch bei alltäglichen Dingen zu beobachten. Eine Mutter, die quer durch die Wohnung läuft und Staub saugt, kann hierbei zum spannenden Abenteuer für ihr Baby werden. Es kann aber auch selber eigene Ereignisse hervorrufen. Da wird die Rassel nicht mehr nur gegriffen, sondern direkt nach dem Greifen hin und her bewegt, damit sie ihre Rasselgeräusche erzeugt.


Im Video: Keine Angst vor den Schüben!


Kinder, die in der motorischen Entwicklung recht fit sind, können sich bereits jetzt vom Rücken auf die Seitenlage, und vielleicht schon auf den Bauch drehen. Denn das ist ebenfalls eine Abfolge fließender Übergänge (Beine nach oben werfen – Hüfte drehen – Rückenmuskeln anspannen – etc). Aber, sollte dem noch nicht so sein, ist das ÜBERHAUPT kein Grund zur Sorge. Jedes Baby hat seine ganz eigenen Prioritäten, Interessen und Geschwindigkeiten in der Entwicklung einzelner Bereiche. Also bitte vergesst nicht, dass es Kinder gibt, die sofort anfangen zu krabbeln, ohne jemals vorher gerobbt zu sein. Euer Baby MUSS sich also noch nicht auf den Rücken drehen können. Es KANN aber sein, dass es bei den Kleinen an diesem Punkt Klick macht. Einfach aus dem Grund, weil die Reihenfolge der nötigen Bewegungen nun verstanden wird.

Anlagen für motorische „Ereignisse“ werden im Gehirn ausgereift

Die meisten Kinder können jetzt Gegenstände bewusst greifen und diese mit den Händen untersuchen. Da sie durch diesen Entwicklungsschub ihren Körper noch besser unter Kontrolle bekommen haben (also im Gehirn die Anlagen für motorische „Ereignisse“ angelegt wurden), können sie z.B. eine Rassel vom Boden aufheben, rasseln, von einer in die andere Hand geben, und dann in den Mund stecken. Und zwar völlig bewusst. Und das ist neu.

Auch die Sprachentwicklung macht mit den neu erlernten „Ereignissen“ einen weiteren Schub nach vorne. Babys produzieren nun Laute in einer Abfolge, die schon fast wie Sätze klingen. Eine weitere Lieblingsbeschäftigung ist nun auch, den Brei, den manche Kinder nun zur Mutter- oder Flaschenmilch gefüttert bekommen, mit einem lauten PFFFFFFFFF  den Eltern entgegen zu spucken. Leider musste ich das natürlich am eigenen Leib erfahren, als meine Tochter mir auf einer Hochzeitsfeier meine neue teure Bluse von oben bis unten mit Möhren bespuckte. (Ganz blöde Flecken, sage ich euch!)

Tipps für den Alltag

Da Kinder nun die Abfolge verschiedener Ereignisse erkennen können, sind sie in der Lage zu begreifen, dass Gegenstände, die hinter dem Rücken verschwinden, nicht einfach weg sind. Sie fangen an, dem Gegenstand nachzuschauen und warten darauf, dass er wieder erscheint. Das ist der richtige Zeitpunkt, um in der gemeinsamen Spielzeit mit dem Kind, Kuckuck-Spiele zu spielen. Es wird begeistert zuschauen, wie ihr selbst, oder aber diverse Spielzeuge, verschwinden und wieder auftauchen.

Auch Fingerspiele sind jetzt bei euren Kindern hoch im Kurs! Die immer gleich bleibenden Bewegungen und die dazugehörigen Lieder, begeistern sie. Schon in einigen Wochen könnt ihr erkennen, dass euer Kind versucht, die Bewegungen der Hände nachzumachen, um so aktiv am Spiel teilzuhaben.


Artikelreihe: Die Wachstumsschübe

0. Jeder Schub eine neue Fähigkeit

1. Wachstumsschub  – Wahrnehmung

2. Wachstumsschub  – Muster

3. Wachstumsschub  – fließende Übergänge

4. Wachstumsschub  – Ereignisse

5. Wachstumsschub  – Zusammenhänge

6. Wachstumsschub  – Kategorien

7. Wachstumsschub  – Reihenfolge

8. Wachstumsschub  – Programme 


Über den Autor

Jacqueline Esser

Jacqueline ist staatlich anerkannte Erzieherin, mit der Qualifikation zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren. Diese Qualifikation hat sie bereits lange, bevor es als Pflichtteil zur Ausbildung aufgenommen wurde, freiwillig absolviert. Neben ihrer beruflichen Laufbahn, ist sie Mutter von zwei Kindern. Einem Mädchen und einem Jungen. Ihre Erfahrungen schöpft sie also aus beruflichen sowie privaten Herausforderungen. Dies macht sie zu einer perfekten Autorin für unser Magazin.

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