fbpx
Startseite » Windelfrei – der Weg von der Windel zum Töpfchen

Windelfrei – der Weg von der Windel zum Töpfchen

von Jacqueline Esser
Veröffentlicht: Letztes Update
Baby auf dem Töpfchen

Bis zu acht mal am Tag muss ein Säugling gewickelt werden. Mit den Jahren reduziert sich das auf 3-4 mal pro Tag. Doch die Windelberge bis zum Ende der Wickelzeit sind beachtlich. Fast eine Tonne Windeln müssen Eltern, in den durchschnittlich 3 Jahren der Wickelzeit, wechseln. Also noch ein Grund, „Luftsprünge“ zu machen, wenn endlich das Töpfchen oder die Toilette benutzt wird.

Zum „sauber werden” Erziehen?

Früher galt es als normal, ein Kind mit spätestens anderthalb Jahren auf das Töpfchen zu setzten und zu trainieren. Auch ich höre immer wieder die Geschichte, dass ich mit einem Jahr trocken war und bekomme die Empörung anderer zu hören, wenn ich sage, meine dreijährige Tochter ist noch nicht sauber. Fachleute sagen, würde man einem Kind selbst überlassen, wann es keine Windel mehr tragen möchte, wäre dieser Zeitpunkt zwischen dem 3. und 5. Lebensjahr.

Mit frühestens zwei Jahren ist das kindliche Gehirn bereit und reif genug, um die Ausscheidungsfunktion zu kontrollieren. Der Vorgang um sein „Geschäft“ zu verrichten, ist für die Kinder ein komplexer – und wird nur allmählich begriffen und geleistet. Bis sie schlussendlich gelernt haben, bereits beim anfänglichen „Drang“ zu reagieren, brauchen sie eine wirklich ausgiebige Übungs-und Lernphase.

In der Ruhe liegt der Erfolg, nicht im Trainieren

Meist mit anderthalb Jahren, zeigt das Kind aufgeregt auf seine Windel und signalisiert so: „Schaut her, hier passiert was tolles“. Bis es dann jedoch die Verbindung zum Drang und dem Endergebnis „volle Windel“ herstellen kann, vergehen meist noch mehrere Monate. Sobald es dann den Zusammenhang zwischen Muskel anspannen und entspannen herstellen kann, macht es Sinn, das Töpfchen auszupacken. Nun heißt es Ruhe bewahren und dem Kind langsam zu erklären, wozu das Töpfchen da ist.

Der Sommer eignet sich prima für diese Station der „Sauberkeitserziehung“. Einfach das Kind ohne Windel, in Unterhose durch den Garten laufen lassen, und das Töpfchen bereit stellen. Sobald ein Kind verstanden hat, was es mit und auf dem Töpfchen tun soll, dauert es mindestens 4-6 Wochen, bis es auch über Tag trocken ist. Bis auch nachts die Windel weggelassen werden kann, vergehen meist noch einmal weitere sechs Monate. Dies sind alles statistische Werte und variieren natürlich von Kind zu Kind.

Wissenschaftler fanden heraus, dass Kinder die schon mit dem ersten Lebensjahr am Töpfchen trainiert werden, nur zwei Monate vor nicht trainierten Kindern sauber wurden. Das ständige Üben und stundenlange auf dem Töpfchen sitzen ist sogar eher kontraproduktiv. Denn es setzt Kinder nur unter Druck und schürt Versagensängste. Mögliche Folgen dieser Prozedur können eine komplette Verweigerung und große Probleme beim sauber werden sein.

Der Weg zum Töpfchen-Erfolg

Wie aber kann nun ein liebevoller und vertrauensvoller Übergang von der Windel zum Töpfchen funktionieren?

Die ersten Versuche sollten wirklich erst dann starten, wenn euer Kind deutlich zeigt, dass es den Zusammenhang zwischen dem Drang und der vollen Windel spürt und versteht. Der erste Schritt ist es dann eurem Kind das Töpfchen „vorzustellen“ – und den Sinn zu erklären. Das Töpfchen sollte dabei an einem Ort stehen, der jederzeit erreichbar ist.

Nun könnt ihr beginnen das Kind vor dem Windelwechseln auf das Töpfchen zu setzen und zu erklären, dass der Inhalt der Windel eigentlich in das Töpfchen gehört. Hat euer Kind das erste Mal sein „Geschäft“ erfolgreich auf dem Töpfchen oder der Toilette verrichtet, solltet ihr es fröhlich und ausgiebig loben. Ekel oder gar Enttäuschung, wenn es nicht klappt, solltet ihr niemals gegenüber einem Kind zeigen oder äußern. Denn das kann dazu führen, dass es selber seine Ausscheidungen als negativ empfindet.

Euer Kind wird das Töpfchen vielleicht als Spielobjekt sehen und ständig hinlaufen, um es zu benutzen. Unterstützt diesen Prozess. Denn so verliert es nicht das Interesse am Töpfchen – und wird es bald ganz selbstverständlich nutzen – und mittelfristig keine Windel mehr benötigen. Ergebnislose, lange Sitzphasen auf dem Töpfchen solltet ihr jedoch möglichst vermeiden. Kindern geht sonst der Zusammenhang zwischen ihrem Geschäft und dem Töpfchen verloren.

Von keinem Kind kann man erwarten, dass der Weg von der Windel zum Töpfchen sofort und ohne „Unfälle“ von statten geht. Sollte das Geschäft also in der Hose, statt auf dem Töpfchen landen, bitte nicht schimpfen, sondern freundlich – gelassen und verständnisvoll reagieren.

Video-Empfehlung

Das Ziel: Töpfchen oder Toilette gehören zum Alltag

Wann ihr auch unterwegs euer Kind ohne Windel lassen könnt, entscheidet euer Kind. Ein Anhaltspunkt könnte z.B. sein, wenn euer Kind zu Hause schon einige Minuten einhalten kann, oder so frühzeitig Bescheid gibt, um gemeinsam mit euch (in aller Ruhe) zur Toilette oder dem Töpfchen gehen zu können. Der richtige Zeitpunkt auch nachts keine Windel mehr zu tragen, kommt meist zwischen dem 3. und 5. Lebensjahr. Wenn euer Kind morgens eine trockene Windel hat, oder sich nachts bemerkbar macht, wenn es mal „Muss“, kann auch dort versucht werden, die Windel weg zu lassen.

Kleinkind auf dem Toilettensitz. Wir üben die Windelfreiheit.
Auch der Toilettensitz kann für Kleinstkinder ganz gemütlich sein (Bild: bonnontawat / Adobe Stock)

Grund zur Sorge erst mit 5 Jahren

Erst wenn ein Kind mit 5 Jahren noch nicht windelfrei ist, spricht man von einer Verzögerung des Trockenwerdens. An diesem Punkt sollte dann mit dem behandelndem Kinderarzt gesprochen werden. Dort wird neben organischen- auch nach seelischen Ursachen geforscht, um diese dann gemeinsam zu meistern.


Das könnte dich auch interessieren