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Boris: Bedeutung, Herkunft und Beliebtheit des Vornamens

Boris: Bedeutung, Herkunft und Beliebtheit des Vornamens

Als Boris Becker 1985 in Wimbledon gewann, war sein Vorname in Deutschland längst bekannt. In Bulgarien reicht seine Geschichte sogar über tausend Jahre weiter zurück. Nur bei der ursprünglichen Bedeutung sind sich Namensforscher bis heute nicht einig.

Wer Boris in unserer Babynamenliste von A bis Z entdeckt, trifft auf Übersetzungen wie „Kämpfer“, „Wolf“ oder sogar „Schneeleopard“. Welche davon tatsächlich zum ältesten Boris gehört, ist weit weniger klar, als solche Listen vermuten lassen.

Boris auf einen Blick

Boris ist als männlicher Vorname in mehreren slawischsprachigen Ländern bekannt. Ob seine älteste Form von einem bulgartürkischen Namen oder von einer slawischen Kurzform ausgeht, ist umstritten.

HerkunftHistorisch mit dem bulgarischen Bogoris verbunden; eine slawische Kurzform von Borislav wird ebenfalls vertreten
BedeutungUmstritten: unter anderem „Kampf und Ruhm“ oder unterschiedliche Deutungen der älteren bulgartürkischen Form
AusspracheDeutsch meist Bo-ris, Betonung auf der ersten Silbe
SprachformenBoris, polnisch und ukrainisch Borys; kyrillisch Борис
Namenstag2. Mai nach Boris I.; je nach Land und heiligem Namensträger auch andere Tage

Warum gibt es verschiedene Bedeutungen?

Eine Herleitung führt zum Namen des bulgarischen Herrschers Boris I., der auch in der Form Bogoris überliefert ist. Für diese alte Namenslinie aus dem Gebiet des heutigen Bulgariens werden unterschiedliche Deutungen wie „der Kleine“, „Wolf“ oder „Schneeleopard“ genannt. Welches Wort wirklich am Anfang stand, lässt sich daraus nicht sicher entscheiden.

Eine andere Erklärung versteht Boris als Kurzform von Borislav. Dort stehen slawische Bestandteile für „Kampf“ und „Ruhm“ beziehungsweise „Ehre“. Manche Fachleute sehen darin die Hauptwurzel, andere halten den älteren bulgarischen Namen Bogoris für den wahrscheinlicheren Ausgangspunkt. „Kampf und Ruhm“ ist deshalb eine mögliche Bedeutung, aber nicht die einzig belegbare Erklärung.

In Polen und der Ukraine begegnet der Name oft als Borys mit y. Ob ihr Boris oder Borys lest, erkennt ihr den alten Namen schnell wieder – auch wenn seine erste Wortwurzel offenbleibt.

Vom bulgarischen Hof bis zur russischen Literatur

Boris I. herrschte im neunten Jahrhundert über Bulgarien. Unter ihm setzte sich die Christianisierung des Landes durch; bei seiner Taufe erhielt er zusätzlich den christlichen Namen Michael. Seine Rolle macht verständlich, weshalb Boris in der orthodoxen Überlieferung als Heiliger gilt und der 2. Mai in einigen Ländern als Namenstag genannt wird.

In der Geschichte der Kiewer Rus gab es einen anderen heiligen Boris, einen im elften Jahrhundert ermordeten Fürsten. So beziehen sich weitere Gedenktage auf eine andere Person mit demselben Namen. Darum begegnen Familien in verschiedenen Kalendern auch unterschiedlichen Terminen für Boris.

Boris Godunow, ein späterer russischer Herrscher, wurde zur Titelfigur eines Dramas von Alexander Puschkin. Boris Pasternak wiederum erhielt 1958 den Literaturnobelpreis; sein Roman Doktor Schiwago wurde in der Sowjetunion unterdrückt. Zwischen dem Fürsten, dem Theaterstück und dem Nobelpreisträger liegen Jahrhunderte voller ganz verschiedener Boris-Geschichten.

Bekannt in Deutschland, selten bei Neugeborenen

Boris war als Jungenname in Deutschland um 1970 vergleichsweise beliebt, erreichte aber nie die vorderste Spitzengruppe. Eine deutsche Auswertung schätzt für die Geburtsjahrgänge 2010 bis 2025 nur rund 600 Eintragungen als ersten Vornamen. Diese Zahl beschreibt die jüngeren Geburtsurkunden, nicht die Gesamtzahl aller lebenden Namensträger.

Besonders sichtbar wurde hierzulande Boris Becker, der 1985 mit 17 Jahren das Tennisturnier in Wimbledon gewann. Sein Sieg machte Boris Becker schlagartig berühmt; der Vorname war schon zuvor besonders bei Jungen um 1970 gewählt worden. Viele Erwachsene kennen ihn daher aus ihrer eigenen Generation, während nur wenige Babys heute Boris heißen.

Boris klingt je nach Sprache anders

Im Deutschen hört man meist zwei Silben mit langem o und Betonung vorn: „Bo-ris“. Im Bulgarischen liegt die Betonung nach einer sprachwissenschaftlichen Ausspracheangabe auf der zweiten Silbe; ein Name kann auf Reisen also vertraut geschrieben und anders gesprochen sein.

Bei einer Familie mit bulgarischen und deutschen Wurzeln können zwei Menschen denselben geschriebenen Namen deshalb ganz selbstverständlich unterschiedlich betonen. Für einen Namenstag bietet der 2. Mai den Bezug zum bulgarischen Boris I.; andere Kalender erinnern an andere Boris-Geschichten.

Quellen und Datenstand


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