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Keuchhusten bei Kindern: Symptome, Ansteckung und Behandlung

Keuchhusten bei Kindern: Symptome, Ansteckung und Behandlung

Keuchhusten beginnt oft erstaunlich unscheinbar: Das Kind ist verschnupft, hustet leicht und wirkt etwas müde. Erst später können die typischen, krampfartigen Hustenanfälle einsetzen. Bei Babys fehlt dieser charakteristische Husten manchmal sogar – stattdessen kann es zu gefährlichen Atemaussetzern kommen.

Obwohl Keuchhusten häufig zu den klassischen Kinderkrankheiten gezählt wird, können Menschen in jedem Alter erkranken. Gerade Jugendliche und Erwachsene haben oft nur einen hartnäckigen Husten und können die Infektion deshalb unbemerkt weitergeben.

Keuchhusten auf einen Blick

  • Keuchhusten, medizinisch Pertussis genannt, ist eine hochansteckende bakterielle Infektion der Atemwege.
  • Zwischen Ansteckung und ersten Beschwerden liegen meistens 9 bis 10 Tage. Möglich sind etwa 6 bis 20 Tage.
  • Am ansteckendsten sind Erkrankte zu Beginn, wenn die Beschwerden noch wie eine gewöhnliche Erkältung wirken.
  • Typische Hustenanfälle können mehrere Wochen anhalten.
  • Antibiotika können den Verlauf vor allem dann abschwächen, wenn die Behandlung sehr früh beginnt.
  • Neugeborene und junge Säuglinge haben das höchste Risiko für schwere Komplikationen.
  • Weder eine Impfung noch eine überstandene Erkrankung schützen lebenslang.

Was ist Keuchhusten?

Ausgelöst wird Keuchhusten meistens durch das Bakterium Bordetella pertussis. Die Bakterien bilden Giftstoffe, welche die Schleimhäute und feinen Flimmerhärchen der Atemwege schädigen. Das erklärt, warum der Husten noch lange anhalten kann, obwohl die eigentlichen Erreger bereits bekämpft wurden.

Der Begriff Kinderkrankheit kann dabei täuschen. Auch ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene können sich anstecken. Bei ihnen verläuft die Erkrankung häufig weniger typisch und wird deshalb leicht mit einem gewöhnlichen Atemwegsinfekt verwechselt.

Wie werden Keuchhusten-Bakterien übertragen?

Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch Tröpfchen, die beim Husten, Niesen oder Sprechen in die Luft gelangen. Besonders hoch ist das Ansteckungsrisiko bei engem Kontakt – beispielsweise innerhalb der Familie, in der Kita, in der Schule oder bei gemeinsamen Freizeitaktivitäten.

Die ersten Krankheitszeichen zeigen sich meistens nach 9 bis 10 Tagen. Die Inkubationszeit kann jedoch zwischen 6 und 20 Tagen liegen.

Erkrankte können bereits kurz vor den ersten Beschwerden ansteckend sein. Am größten ist die Ansteckungsgefahr während der anfänglichen Erkältungsphase. Ohne Behandlung kann sie bis etwa drei Wochen nach Beginn des Hustens beziehungsweise der Hustenanfälle anhalten.

Eine wirksame Behandlung mit Antibiotika verkürzt die ansteckende Zeit deutlich. In der Regel wird nach fünf Behandlungstagen nicht mehr von einer Ansteckungsfähigkeit ausgegangen. Den genauen Zeitraum legt die behandelnde Praxis abhängig vom verwendeten Medikament und vom Verlauf fest.

Diese Angaben entsprechen den Informationen des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit zu Keuchhusten und dem RKI-Ratgeber zu Pertussis.

Welche Symptome verursacht Keuchhusten?

Bei ungeimpften Menschen, die erstmals an Keuchhusten erkranken, verläuft die Infektion häufig in drei Phasen. Allerdings entwickelt nicht jedes Kind sämtliche typischen Beschwerden.

Erste Phase: Beschwerden wie bei einer Erkältung

In den ersten ein bis zwei Wochen treten meist nur leichte und unspezifische Beschwerden auf:

  • Schnupfen
  • leichter Husten
  • Müdigkeit und Schwächegefühl
  • eventuell leicht erhöhte Temperatur
  • selten deutliches Fieber

Gerade in dieser noch harmlos wirkenden Phase ist Keuchhusten besonders ansteckend.

Hohes oder neu auftretendes Fieber ist für Keuchhusten übrigens eher untypisch. Es sollte insbesondere bei Atemproblemen oder einem deutlich schlechteren Allgemeinzustand ärztlich abgeklärt werden. Weitere Hinweise findet ihr in unserem Ratgeber über Fieber bei Babys und Kindern.

Zweite Phase: Krampfartige Hustenanfälle

Anschließend können die namensgebenden Hustenanfälle beginnen. Dabei folgen mehrere kurze, kräftige Hustenstöße unmittelbar aufeinander. Danach holt das Kind tief Luft, wobei manchmal ein keuchendes oder pfeifendes Geräusch entsteht.

Typisch sind außerdem:

  • zahlreiche Hustenattacken, häufig verstärkt in der Nacht
  • Hervorwürgen von zähem Schleim
  • Erbrechen nach dem Husten
  • ein hochrotes oder bläulich wirkendes Gesicht während der Attacke
  • Schlafmangel und Erschöpfung
  • wenig Appetit
  • Schmerzen im Brustkorb oder Bauch durch den starken Husten

Diese Phase dauert häufig vier bis sechs Wochen. Nicht jedes Kind entwickelt jedoch das deutlich hörbare Keuchen.

Dritte Phase: Langsame Erholung

In der Erholungsphase werden die Hustenanfälle allmählich seltener und schwächer. Das kann weitere sechs bis zehn Wochen dauern.

Kalte Luft, körperliche Anstrengung, Zigarettenrauch oder ein neuer Atemwegsinfekt können den Husten vorübergehend wieder verstärken. Das bedeutet nicht automatisch, dass das Kind noch ansteckend ist oder erneut an Keuchhusten erkrankt ist.

Keuchhusten kann bei Babys anders aussehen

Für Neugeborene und junge Säuglinge ist Keuchhusten besonders gefährlich. Sie husten mitunter kaum oder gar nicht. Stattdessen können plötzlich Atempausen auftreten. Auch eine bläuliche Verfärbung der Haut, Trinkschwäche, ungewöhnliche Ruhe oder starke Erschöpfung sind mögliche Warnzeichen.

Ausführlicher erklären wir die Besonderheiten in unserem Beitrag Keuchhusten bei Babys: Erkrankte Säuglinge müssen nicht zwangsläufig husten.

Bei einem Neugeborenen oder jungen Säugling sollte bereits der Verdacht auf Keuchhusten sofort kinderärztlich abgeklärt werden. Viele junge Babys werden vorsorglich im Krankenhaus überwacht, damit potenzielle Atemaussetzer frühzeitig erkannt und behandelt werden können.

Keuchhusten trotz Impfung: Ist das möglich?

Ja. Der Schutz nach einer Impfung lässt mit der Zeit nach. Auch nach einer durchgemachten Erkrankung besteht keine lebenslange Immunität.

Geimpfte Kinder erkranken meistens weniger schwer. Die typischen Hustenanfälle können eventuell fehlen. Manchmal zeigt sich Keuchhusten dann lediglich durch einen hartnäckigen Husten, der über Wochen anhält.

Eine Impfung oder eine frühere Erkrankung schließen Keuchhusten deshalb nicht sicher aus. Das gilt besonders, wenn es einen bestätigten Fall im persönlichen Umfeld gibt.

Wie wird Keuchhusten festgestellt?

Bei Verdacht solltet ihr die Kinderarztpraxis vor dem Besuch telefonisch informieren. So kann das Praxisteam verhindern, dass sich andere Kinder im Wartezimmer anstecken.

Welche Untersuchung sinnvoll ist, hängt unter anderem davon ab, wie lange der Husten bereits besteht. In den ersten zwei bis drei Wochen kann der Erreger meist durch eine PCR-Untersuchung aus einem tiefen Nasen-Rachen-Abstrich nachgewiesen werden. Zu einem späteren Zeitpunkt kann eine Blutuntersuchung auf bestimmte Antikörper infrage kommen.

Eine Labordiagnostik ist besonders wichtig, wenn:

  • Kontakt zu einer nachweislich erkrankten Person bestand,
  • Hustenanfälle mit Keuchen oder Erbrechen auftreten,
  • der Husten länger als etwa zwei Wochen anhält,
  • ein Säugling hustet, schlecht trinkt oder Atemprobleme zeigt,
  • trotz Impfung der Verdacht auf Keuchhusten besteht.

Der Verdacht, die Erkrankung und der Tod an Keuchhusten, sind in Deutschland meldepflichtig. Die Meldung an das Gesundheitsamt übernehmen die zuständigen medizinischen Stellen. Eltern müssen zusätzlich die besuchte Kita oder Schule informieren. Grundlage ist § 6 des Infektionsschutzgesetzes.

Wie wird Keuchhusten behandelt?

Da Keuchhusten durch Bakterien ausgelöst wird, kann die Ärztin oder der Arzt ein Antibiotikum verordnen.

Beginnt die Behandlung sehr früh, kann sie die Stärke und Dauer der Hustenanfälle möglicherweise verringern. Haben die typischen Attacken bereits eingesetzt, beeinflusst das Antibiotikum den Husten oft nur noch wenig. Es verkürzt jedoch die Zeit, in der Erkrankte die Bakterien weitergeben können.

Dass der Husten trotz Behandlung noch wochenlang anhält, bedeutet daher nicht automatisch, dass das Antibiotikum nicht wirkt. Die geschädigten Schleimhäute der Atemwege benötigen Zeit, um sich zu erholen.

Welches Antibiotikum geeignet ist und wie lange es eingenommen werden muss, hängt unter anderem vom Alter und Gesundheitszustand des Kindes ab. Die Behandlung sollte genau nach ärztlicher Anweisung durchgeführt und nicht vorzeitig abgebrochen werden.

Weitere medizinische Einzelheiten zur Diagnostik und Behandlung bietet das Informationsportal gesund.bund.de.

Was hilft einem Kind während der Hustenanfälle?

Die folgenden Maßnahmen können den Krankheitsalltag etwas erleichtern:

  • Bleibt bei eurem Kind und versucht, möglichst ruhig zu bleiben.
  • Lasst das Kind während eines Hustenanfalls aufrecht sitzen und den Kopf leicht nach vorne neigen.
  • Bietet regelmäßig kleine Mengen zu trinken an.
  • Verteilt das Essen auf mehrere kleine Mahlzeiten, wenn das Kind nach Hustenanfällen erbricht.
  • Vermeidet körperliche Anstrengung, solange sie neue Hustenattacken auslöst.
  • Haltet die Umgebung vollständig frei von Zigarettenrauch.
  • Sorgt für Ruhe, ausreichend Schlaf und einen möglichst entspannten Tagesablauf.

Hustensäfte helfen bei Keuchhusten häufig nur wenig. Gebt eurem Kind keine hustenstillenden, schleimlösenden oder anderen Medikamente, ohne vorher mit der Kinderarztpraxis oder Apotheke gesprochen zu haben.

Wann ist sofort medizinische Hilfe notwendig?

Sofort den Notruf 112 wählen

Ruft den Rettungsdienst, wenn euer Kind:

  • Atemaussetzer hat,
  • schwer oder sichtbar angestrengt atmet,
  • an Lippen, Zunge oder Haut bläulich oder grau wird,
  • einen Krampfanfall bekommt,
  • nicht richtig ansprechbar oder ungewöhnlich teilnahmslos ist.

Noch am selben Tag ärztlich abklären lassen

Eine schnelle kinderärztliche Untersuchung ist notwendig, wenn:

  • ein Neugeborenes oder junger Säugling möglicherweise Keuchhusten hat,
  • Hustenanfälle mit Erbrechen auftreten,
  • das Kind kaum trinken oder essen kann,
  • der Husten seit mehr als zwei Wochen besteht,
  • es einen bestätigten Keuchhustenfall im engen Umfeld gibt,
  • Fieber, Atemprobleme oder eine deutliche Verschlechterung hinzukommen.

Außerhalb der Praxiszeiten hilft bei dringenden, aber nicht lebensbedrohlichen Beschwerden der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.

Welche Komplikationen sind möglich?

Die häufigste Komplikation bei Keuchhusten ist eine Lungenentzündung. Weitere mögliche Folgen sind:

  • Mittelohrentzündungen
  • Flüssigkeitsmangel und Gewichtsverlust durch häufiges Erbrechen
  • Atemaussetzer bei Säuglingen
  • Krampfanfälle
  • selten Schädigungen des Gehirns durch Sauerstoffmangel
  • bei sehr heftigem Husten Verletzungen wie Rippenbrüche oder kleine Blutungen

Das größte Risiko für schwere Komplikationen haben Neugeborene und Säuglinge im ersten Lebenshalbjahr. Auch ältere Menschen und Personen mit schweren Vorerkrankungen können stärker gefährdet sein.

Wann darf das Kind wieder in Kita oder Schule?

Bei bestätigtem oder vermutetem Keuchhusten darf das Kind vorübergehend keine Gemeinschaftseinrichtung besuchen. Die Kita oder Schule muss über den Verdacht beziehungsweise die Erkrankung informiert werden.

Für die Rückkehr gelten in der Regel folgende Zeiträume:

  • Mit wirksamer Antibiotikabehandlung: frühestens fünf Tage nach Behandlungsbeginn, sofern es dem Kind gesundheitlich wieder gut genug geht.
  • Ohne Antibiotikabehandlung: frühestens 21 Tage nach Beginn des Hustens.
  • Wenn sich der Verdacht nicht bestätigt: sobald die ärztliche Abklärung eine Erkrankung ausgeschlossen hat und das Kind ausreichend fit ist.

Der konkrete Zeitpunkt sollte mit der behandelnden Praxis und gegebenenfalls dem Gesundheitsamt abgestimmt werden. Die offiziellen Vorgaben erläutert das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit.

Was gilt nach engem Kontakt mit einer erkrankten Person?

Nach einem engen Kontakt entscheidet die Ärztin oder der Arzt, ob eine vorbeugende Behandlung mit einem Antibiotikum sinnvoll ist. Das ist besonders wichtig, wenn im Haushalt ein Neugeborenes, ein ungeimpfter Säugling, oder eine andere besonders gefährdete Person lebt.

Auch bei geimpften Kontaktpersonen kann eine solche Behandlung erwogen werden, wenn sie engen Kontakt zu gefährdeten Menschen haben. Ruft deshalb zeitnah in der Praxis an, statt zunächst abzuwarten, ob Beschwerden entstehen.

Welche Keuchhusten-Impfungen empfiehlt die STIKO?

Die Ständige Impfkommission empfiehlt, mit dem Schutz gegen Keuchhusten möglichst früh zu beginnen.

Impfungen für Babys

Reifgeborene Babys erhalten die Grundimmunisierung normalerweise im Alter von:

  • 2 Monaten
  • 4 Monaten
  • 11 Monaten

Frühgeborene, die vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche geboren wurden, erhalten vier Impfungen im Alter von:

  • 2 Monaten
  • 3 Monaten
  • 4 Monaten
  • 11 Monaten

Die erste Dosis fällt damit in eine Zeit, in der ohnehin viele neue Termine und Entwicklungsschritte anstehen. Einen Überblick dazu findet ihr in unserem Entwicklungskalender für den zweiten Babymonat.

Auffrischungen für Kinder und Jugendliche

Weitere Impfungen werden empfohlen:

  • im Alter von 5 bis 6 Jahren
  • im Alter von 9 bis 16 Jahren

Versäumte Impfungen sollten möglichst bald nachgeholt werden.

Impfung in der Schwangerschaft

Die STIKO empfiehlt die Keuchhusten-Impfung in jeder Schwangerschaft – unabhängig davon, wann zuletzt gegen Pertussis geimpft wurde.

Die Impfung soll zu Beginn des dritten Schwangerschaftsdrittels ab der 28. Schwangerschaftswoche erfolgen. Besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine Frühgeburt, wird sie bereits im zweiten Schwangerschaftsdrittel empfohlen.

Die Mutter bildet nach der Impfung Antikörper, die über die Plazenta auf das ungeborene Kind übertragen werden. Dadurch erhält das Baby einen vorübergehenden Nestschutz für die ersten Lebenswochen.

Empfehlungen für Erwachsene und Kontaktpersonen

Alle Erwachsenen sollten einmalig bei der nächsten fälligen Impfung gegen Tetanus und Diphtherie auch gegen Keuchhusten geimpft werden. Für bestimmte Personengruppen wird eine Auffrischung alle zehn Jahre empfohlen. Dazu gehören unter anderem:

  • enge Haushalts- und Betreuungspersonen eines Neugeborenen, sofern die letzte Keuchhusten-Impfung mindestens zehn Jahre zurückliegt,
  • Beschäftigte im Gesundheitswesen,
  • Beschäftigte in Gemeinschaftseinrichtungen.

Kontaktpersonen eines erwarteten Babys sollten ihren Impfschutz möglichst spätestens vier Wochen vor der Geburt überprüfen lassen. Ein Einzelimpfstoff nur gegen Keuchhusten ist in Deutschland nicht verfügbar. Verwendet werden Kombinationsimpfstoffe, die zusätzlich beispielsweise gegen Tetanus und Diphtherie schützen.

Die aktuellen Empfehlungen findet ihr beim RKI zur Pertussis-Impfung sowie beim Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit für Kinder, Erwachsene und Schwangere. Wie aktuelle Kinderimpfstoffe bewertet werden, haben wir außerdem in unserer Einordnung zum ÖKO-TEST der Impfstoffe für Kinder zusammengefasst.

Häufige Fragen zu Keuchhusten


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