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Die Ringelröteln – von der Ansteckung zur Behandlung

von Jacqueline Esser
Mädchen bei einer Kinderärztin

Die Ringelröteln sind eine Virusinfektion, welche hauptsächlich bei Kindern bis zum Grundschulalter auftritt. Für gesunde Menschen und Kinder stellt sie keinerlei ernste Gefahr dar. Bei immunschwachen Personen und Schwangeren, kommt es hingegen häufig zu schweren Komplikationen.

Ringelröteln werden durch den Parvovirus B19 ausgelöst. Somit zählt diese Erkrankung zu den Viruserkrankungen, und reiht sich damit in die lange Liste der in der Kindheit häufig vorkommenden Infektionen ein. Mediziner gehen davon aus, dass 3/4 aller Ringelröteln-Infektionen völlig unbemerkt durchlebt werden. Gerade bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zeigen sich die bekannten Symptome, wie der Hautausschlag, nicht. Bei ihnen zeigen sich völlig andere, auf den ersten Blick nicht mit dieser Infektion in Zusammenhang gebrachte Symptom, wie Blutarmut.

Ansteckung

Der Erreger ist enorm resistent

Das Parvovirus B19 zeigt sich als sehr resistenter und langlebiger Krankheitserreger. Sowohl auf der Haut, als auch auf Oberflächen, kann er lange überleben und wird mittels Schmierinfektion übertragen. Gerade Alltagsgegenstände, wie Türklinken, Lichtschalter, sowie Tische und Stühle an Schulen, wimmeln nur so vor Viren. Fasst eine noch gesunde Person diese Gegenstände an und sich danach ins Gesicht, gelangen die Viren schnell auf die Schleimhäute, in Nase und Mund. Rasch vermehren sie sich und die Infektion ist in vollem Gange. Auch via Tröpfcheninfektion werden die Ringelröteln übertragen. Dabei gelangen infektiöse Speicheltröpfchen durch Einatmen an die Schleimhäute. Dies geschieht, wenn jemand bereits infiziert ist und niest, hustet oder beim Sprechen Speichel in die Luft gelangt.

Lange und unbemerkte Ansteckungsphase

Die Ringelröteln sind vermehrt in den Wintermonaten und Frühjahrsmonaten im Umlauf. Durch die Inkubationszeit von 14 Tagen, in der der Infizierte unbemerkt bereits hochansteckend ist, verteilt sich das Virus sehr schnell. So kommt es nicht selten vor, dass ganze Schulklassen oder Kindergartengruppen betroffen sind. Sobald sich bei Kindern jedoch der charakteristische Hautausschlag zeigt, besteht nur noch in seltenen Fällen eine Ansteckungsgefahr.

Lebenslange Immunität

Wurde einmal die Ringelröteln-Infektion durchlebt, bilden sich im Blut Antikörper dagegen. Durch diese besteht eine lebenslange Immunität. Eine weitere Infektion tritt nicht auf. Da viele dieser Infektionen unbemerkt stattfinden, besteht bei der Mehrheit der Dreißigjährigen bereits eine Immunität. Rund die Hälfte von Ihnen weiß dies jedoch nicht. Eine Impfung gegen das kleinste bekannte Virus, dem Parvovirus B19, steht aktuell nicht zur Verfügung.

Symptome

Die Symptome variieren bei Kindern und Erwachsenen

Die Ringelröteln zeigen sich bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsen jeweils völlig unterschiedlich. Der bekannte Hautausschlag tritt in der Regel nur im Kindesalter auf. Gemeinsam haben alle drei Personengruppen jedoch die Erkältungssymptome, welche mit Hals- und Gliederschmerzen, Fieber, Müdigkeit und Schnupfen, die jeweils ersten Symptome sind. Bei Kindern tritt meist zeitgleich mit diesen Erkältungserscheinigungen, der bekannte Hautausschlag auf. Es entstehen rote, ringelförmige Flecken. Diese können zuerst an den Wangen und der Stirn beobachtet werden.

Der Schmetterlings-Ausschlag im Gesicht

Um die Nase herum entsteht der sogenannte „Schmetterling“. Der Ausschlag verläuft wellenartig um Nase und Mund herum, wobei diese selbst keine Flecken zeigen. Die Form des Ausschlags erinnert dabei an einen Schmetterling. Nach dem Gesicht breiten sich die Flecken auf Armen und Beinen aus. In manchen Fällen berichten Kinder davon, dass der Ringelröteln-Ausschlag Juckreiz hervorruft. Nur wenige Tage nach dem Auftreten des Hautausschlags verblasst dieser wieder. Jedoch kann er bis zu 8 Wochen später noch einmal erneut erscheinen. Beobachtet wird dies häufig in Zusammenspiel mit großer Wärme, z.B. beim Baden oder direkter Sonneneinstrahlung.

Schmetterlingsausschlag bei Ringelröteln
So sieht ein typischer Schmetterlingsausschlag bei Ringelröteln aus. (Bild: © Evgen / Adobe Stock)

Erwachsene können an Blutarmut leiden

Bei Erwachsenen kommt es nur selten zu den typischen Symptomen der Ringelröteln. Sie leiden stattdessen häufig an einer Blutarmut, welche durch die Ringelrötel-Infektion verursacht wird. Zu dieser kommt es, weil das Virus die Vorläufer der roten Blutkörperchen, welche für die Blutbildung verantwortlich sind, angreift und befällt. Dabei werden die Blutkörperchen zerstört und die Neubildung wird durch das Ringelrötelvirus verzögert. In Folge dessen steht dem Körper akut weniger Blut zur Verfügung. Es zeigen sich bedingt dadurch Symptome, wie Müdigkeit, enorme Hautblässe, und ein deutlich erhöhter Puls.

Diagnose

Nur im Kindesalter kann eine schnelle Diagnose gestellt werden

Die Infektion kann bei Kindern, die den charakteristischen Ringel-Ausschlag aufweisen, schnell diagnostiziert werden. Der Arzt nimmt dazu zuerst die Anamnese auf. Er fragt die weiteren Symptome ab, und den Zeitraum, seit dem sie bestehen. Auch die Frage nach dem Kontakt mit einer eventuell bereits diagnostizierten Person innerhalb der vergangenen 14 Tage, gibt dem Arzt Aufschluss über eine mögliche Infektion mit Ringelröteln. Danach erfolgt die körperliche Untersuchung. Neben dem Ausschlag wird er dabei die Körpertemperatur bestimmen und in den Rachen schauen. Ist dies abgeschlossen kann der Arzt in 90% der Fälle eine sichere Diagnose stellen. Bei unklaren Symptomen, wie es häufig bei Jugendlichen und Erwachsenen der Fall ist, kann mittels Blutuntersuchung entweder der Virus oder bereits vorhandene Antikörper bestätigt werden.

Behandlung der Ringelröteln

Medikamente zur direkten Behandlung gibt es nicht

Normalerweise heilen die Ringelröteln von alleine und ohne weiteren Behandlungsbedarf ab. Man sagt gerne, sie gehen so schnell, wie sie gekommen sind. Ein Medikament direkt gegen den Parvovirus B19 gibt es nicht. Lediglich die Symptome können behandelt werden. So kann ein fiebersenkendes und schmerzstillendes Mittel, wie Paracetamol oder Ibuprofen, gegen die Erkältungsanzeichen verabreicht werden. Gegen den Juckreiz helfen kalte Umschläge mit Kamille oder Quark. Nur eine schwere Blutarmut bedarf das Eingreifen eines Arztes. In diesen Fällen kann eine Bluttransfusionen von Nöten sein.

Ringelröteln werden oft nicht bemerkt

Ein Großteil der Ringelröteln-Fälle läuft komplett unbemerkt ab. Entweder zeigen sich keinerlei Symptome, oder es kommt lediglich zu geringen Erkältungserscheinigungen. Diese bringen jedoch kaum jemanden dazu, einen Arzt aufzusuchen, geschweige denn an eine Infektion mit Ringelröteln zu denken.

Junge Frauen, die keinen Ausschlag bekamen, berichteten im Verlauf der Erkrankung vermehrt über starke Gelenkschmerzen. Dadurch waren sie in ihrer Bewegung enorm eingeschränkt. Auch bei Schwangeren und immungeschwächten Menschen konnte ein komplikationsreicher Verlauf dokumentiert werden.

Erwachsene zeigen einen A-typischen Krankheitsverlauf

Studien zeigen, dass etwa 60-70% der jungen Erwachsenen bereits Antikörper gegen die Ringelröteln im Blut aufweisen. Die meisten dieser Menschen konnten sich jedoch nicht erinnern, jemals erkrankt gewesen zu sein. Dies liegt auch daran, dass viele Infektionen unbemerkt ablaufen. Bei jungen Frauen zwischen dem 16. und 30. Lebensjahr, entwickelt sich ein besonderes Symptom, das ihnen schwer zu schaffen macht. Sie leiden unter starken Gelenkschmerzen und sogar teils unter Gelenkentzündungen.

Die sogenannte Polyarthritis entsteht durch den Parvovirus B19 und ist glücklicherweise nicht dauerhaft. Um eine Polyarthritis zu diagnostizieren, kann der Arzt via Blut den Rheumafaktor bestimmen. Ist dieser positiv, handelt es sich tatsächlich um eine Arthritis, ist er negativ, sind die Symptome auf die Ringelröteln zurückzuführen.

Handschuh- und Socken-Syndrom bei Jugendlichen

Auch bei Jugendlichen verläuft die Ringelröteln-Erkrankung anders, als bei Kindern. Viele von ihnen bekommen im Zuge dessen auch einen Hautausschlag. Doch anders, als bei kleineren Kindern, begrenzt er sich auf die Fläche der Hände und Füße, weshalb man auch vom Handschuh- und Socken-Syndrom spricht. Auch in Form und Ausprägung variiert der Ausschlag, im Vergleich zu dem kleinerer Kinder. Es bilden sich kleine rote Punkte oder Papeln und die Blutgefäß-Zeichnung auf der Haut ist verstärkt.

Besondere Vorsicht bei Schwangerschaft

Ringelröteln sind für eine schwangere Patientin, während der Schwangerschaft, nicht gefährlich. Jedoch kann durch die Infektion das ungeborene Kind stark geschädigt werden. Das Virus an sich verursacht dabei keine Fehlbildungen oder Behinderungen. Doch eine eventuell aus der Infektion resultierende Blutarmut, sehr wohl.

Gelangen die Erreger durch die Plazenta in den Blutkreislaufs des Babys, werden dort ebenfalls die roten Blutkörperchen zerstört. Es entsteht eine für das Ungeborene lebensgefährliche Blutarmut. Durch diese wird die Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen gestört. In dessen Folge verzögert sich die Entwicklung des Fötus und kann zu irreparablen Schäden und zu Behinderungen führen. Aus diesem Grund raten Frauenärzte und Hebammen, bereits während der Kinderwunschphase, eine Blutuntersuchung vorzunehmen. Bei dieser kann der Antikörperstatus bestimmt und eine mögliche Immunität festgestellt werden. Fehlt die Immunität, wird empfohlen, das Ansteckungsrisiko mit Ringelröteln so klein wie möglich zu halten.


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