Welche Babymilch kommt in die Flasche?

Günter Havlena / pixelio.de

Während der Flaschenzeit deines Kindes, wirst du eine für Säuglinge und Kleinkinder abgestimmte Milchnahrung füttern. Die Anzahl der verschiedenen Sorten und Hersteller steigt stetig. In diesem Produkt-Dschungel die richtige Milchnahrung zu finden, fällt vielen Müttern schwer. Vielleicht stellst auch du dir die Frage, welche Milch ist für dein Kind die Beste. Informiere dich hier über die verschiedenen Arten und deren Nutzen für dein Kind.

Milchnahrung ähnelt heute der Muttermilch

Das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund (FKE) empfiehlt in den ersten vier Lebensmonaten eine ausschließliche Milchernährung für Säuglinge. Da du dich für das Fläschchen entschieden hast, steht dir hierzu eine unglaubliche Produktpalette zur Verfügung. Dank der heutigen Forschung und den strengen Richtlinien für Säuglingsmilchnahrung ist in jedem dieser Produkte alles enthalten, was dein Baby in den ersten Lebensmonaten braucht. Die Zusammensetztung der verschiedenen Flaschennahrungen ist streng und gesetzlich vorgeschrieben. Regelungen wie die „Diätverordnung für Säuglingsernährung“ sorgen zudem dafür, dass Milchnahrung für Babys aus natürlichen Rohstoffen hergestellt wird und keine Schadstoffe enthält.

Arten der Flaschennahrung

In der EU unterscheidet man zwei Gruppen von Fertigmilchnahrung, die Säuglingsanfangsmilch und die Folgemilch. In beiden Gruppen gibt es wiederum mehrere Produkte, die sich in ihrer Zusammensetzung und Anwendung unterscheiden.

Säuglingsanfangsmilch 

In der Gruppe der Anfangsmilch gibt es zwei verschiedene Milchnahrungssorten, die sogenannte Pre-Milch und die 1er Milch. Beide Varianten werden aus Bestandteilen der Kuhmilch hergestellt und orientieren sich an der Zusammensetzung  der Muttermilch. Beide Sorten können im gesamten ersten Lebensjahr gefüttert werden. In den ersten vier Lebensmonaten ausschließlich und danach als Ergänzung zur Beikost.

Pre-Milch: Pre-Nahrung ist der Muttermilch im Bezug auf Fett-, Eiweiß- und Mineralstoffgehalt am ähnlichsten. Sie deckt so den Nährstoffbedarf des Babys in den ersten Lebensmonaten vollständig ab. Genau wie Muttermilch enthält Pre-Milch als einziges Kohlenhydrat Milchzucker. Dieser ist nur leist süß und wirkt verdauungsfördernd. Die Konsistenz dieser Milchnahrung ist sehr flüssig und durstlöschend, das sie leicht verdaulich ist, darf sie „nach Bedarf“ gefüttert werden. Das bedeutet, dass dein Baby von der Pre-Milch so oft und soviel trinken kann, wie es möchte. Die Gefahr der Überfütterung besteht nicht. Solange sich das Gewicht deines Kindes planmäßig entwickelt und es nach dem Füttern satt und zufrieden wirkt, ist es nicht notwendig von Pre-Milch auf eine andere Säuglingsnahrung umzusteigen. Sollte dein Kind jedoch über einen Zeitraum von 14Tagen, mehr als 1 Liter Milchnahrung brauchen um satt zu werden, solltest du euren behandelnden Kinderarzt aufsuchen. Dieser kann dann gemeinsam mit euch entscheiden, ob eine Umstellung auf 1er Nahrung sinnvoll wäre.

1er Milch: 1er Nahrung eignet sich, wie Pre-Milch, für die Ernährung vom ersten Tag des Babys bis zum Ende der Flaschenzeit. Der Unterschied der beiden Nahrungen besteht darin, dass ein Teil des Milchzuckers, in der 1er Milch, durch Stärke ersetzt wird. Dadurch ist sie in der Konsustenz dickflüssiger und sämiger als die Pre-Nahrung. Da in der 1er Milch zwei unterschiedliche Kohlenhydrate enthalten sind, die zu verschiedenen Zeitpunkten verdaut werden, sättigt sie euer Kind länger. Da diese Nahrung einen etwas höheren Kaloriengehalt hat, ist es wichtig die genaue Trinkmenge möglichst einzuhalten.

Folgemilch

Bei der Folgemilch wird zwischen 2er und 3er Nahrung unterschieden. Beide Sorten sollen die Kinder länger sättigen als Pre-, und 1er-Milch. Dieser Effekt wird durch zwei Komponenten erreicht – mehrere, verschiedene Kohlehydrate und einem deutlich höheren Eiweißgehalt.

Neben Milchzucker und Stärke , die die beiden einzigen Kohlenhydrat in Pre – und 1er Nahrung sind, finden sich beispielsweise  oft Glukose, Maltodextrin, und sogar Kristallzucker in der Folgemilch. Manche Produkte enthalten sogar Getreideflocken, die angebliche eine längere Nachtruhe hervorrufen sollen. Der erhöhte Eiweißgehalt führt dazu, dass die Nahrung sich nicht mehr an der Zusammensetzung der Muttermilch orientiert. Die Konsistenz der Nahrung wird noch sämiger und führt zu einer längeren Verweildauer im Magen. Dadurch steigt das Sättigungsgefühl der Babys. Auch hier sollte auf das Einhalten der Trinkmenge geachtet werden, da die Kinder sonst leicht überfüttert werden können.

Umstellen auf Folgemilch

Ernährungstechnisch ist es nicht nötig auf eine Folgemilch umzusteigen, da die Pre sowie die 1er Nahrung den Nährstoffbedarf komplett abdeckt. Die 2er Folgemilch wird frühestens ab dem 5. Lebensmonat und die 3er sogar erst ab dem 8. Monat empfohlen. Da beide Sorten den Nährstoffbedarf der Babys nicht abdecken, können sie nur zusätzlich zur Beikost und nicht zur alleinigen Ernährung gefüttert werden. Der übermäßige Sättingungseffekt der Folgemilch wird dabei gar nicht benötigt, sobald die Beikost eingeführt ist. Er ist sogar eher  kontraproduktiv, wenn man die Babys an den Brei gewöhnen möchte. Zusätzlich stellt der hohe Eiweißgehalt dieser Milch eine Gefahr für mögliche Schädigungen der Nieren, deines Kindes dar.

Besondere Zusätze in Milchnahrungen

Da die Fülle an verschiedenen Milchnahrungen stetig steigt, versuchen einige Hersteller sich gezielt abzuheben. Sie werben beispielsweise mit besonders gesundheitsfördernden Zusätzen. Einige dieser Zusätze haben wir hier für euch zusammengestellt und erklärt.

Probiotika: Bei den Probiotika handelt es sich um lebende „gute“ Bakterien, die Bifikusbakterien. Diese besiedeln die Darmschleinhaut und erschweren es krankmachenden Keimen, den Darm anzugreifen. Dadurch wird der Immunschutz verbessert. Probiotische Zusätze können sich positiv auf die Verdauung und den Stuhlgang auswirken.

Prebiotika: Prebiotika sind unverdauliche Kohlehydrate, oder auch Ballaststoffe, die das Wachstum der Bifidusbakterien im Darm fördern sollen. Sie dienen den guten Darmkeimen somit als eine Art Futter. Die sogenannten Oligosaccharide sind auch in der Muttermilch enthalten.

Das FKE hat bisher keine allgemeine Empfehlung für die Verwendung von Babymilch mit pro- oder prebiotischen Zusätzen ausgesprochen, da aufgrund fehlender Studien noch zu wenig über die genaue Wirkweise bekannt, und nicht geklärt ist, ob sich bei gesunden Säuglingen überhaupt ein positiver Effekt zeigt.

LC-PUFA: Die Abkürzung LC-PUFA (englisch: Long Chained Polyunsaturated Fatty Acids) bezeichnet langkettige, mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die sich auch in der Muttermilch finden. LCPs sind wichtige Bausteine für die Entwicklung und das Wachstum des Nervensystems, des Gehirns und des Sehvermögens. Der Fettsäurespiegel von Babys, die mit Nahrung gefüttert wurden, die LCPs enthalten, stimmt mit dem von gestillten Säuglingen weitgehend überein. Ob die Verwendung einer solchen Nahrung auch langfristige Vorteile bringt, ist jedoch noch unklar.

Füttern mit Kuh-, Schaf-, oder Ziegenmilch

Einige Verfechter von „alternativer Säuglingsmilch“ argumentieren, dass es früher, als es noch keine speziellen Milchpulver gab, oder sich die Familien diese nicht leisten konnten, ganz normal war, Kinder mit Kuh- oder Ziegenmilch zu füttern. Heutzutage liegen jedoch zahlreiche wissenschaftliche Erkenntnisse vor, die bestätigen, dass einfache Ersatzmilch den Nährstoffbedarf der Säuglinge nicht abdecken kann.

Kuhmilch: Kuhmilch ist häufig der Auslöser für frühe Allergien und Unverträglichkeiten. Zwar werden auch Säuglingsmilchnahrungen aus Bestandteilen von Kuhmilch hergestellt, der Nährstoffgehalt wird dem der Muttermilch dabei aber weitestgehend nachempfunden. Kuhmilch enthält wesentlich mehr Mineralstoffe und Eiweiß, das zudem anders zusammengesetzt ist, als das in der Muttermilch enthaltene. Das kann sowohl die Nieren, als auch den noch unausgereiften Verdauungstrakt deines Babys belasten. Zudem enthält Kuhmilch nur sehr geringe Mengen der Vitamine A und C, sowie sehr wenige ungesättigte Fettsäuren, die für das Wachstum des kindlichen Nervensystems von großer Bedeutung sind.

Ziegen-, und Schafsmilch: Als es noch keine industrielle Säuglingsmilch gab, wurden Kinder häufig mit Ziegen- oder Schafsmilch gefüttert. So sollte die negative Wirkung von Kuhmilch umgangen werden. Heute ist allerdings klar, dass auch die Milch dieser Tiere nicht alles enthält, was Babys zur gesunden Entwicklung brauchen.

Es sprechen also einige ernst zu nehmende Punkte gegen die Ernährung deines Kindes, mit Kuh-, Schafs-, oder Ziegenmilch. Das Risiko der Fehlernährung, und des Mangels an wichtigen Nährstoffen birgt ein großes Risiko für Babys. Aus diesen Gründen solltest du, zum Wohle deines Kindes auf diese tierischen Milchsorten zum füttern verzichten.


 

Dieser Beitrag ist Teil unserer Artikelserie über Babyflaschen und Milchnahrung.

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