Muss es unbedingt Brei sein? Diese Frage stellen sich immer mehr MĂŒtter, wenn es um die ErnĂ€hrung ihrer Kinder geht. Wir stellen euch hier das Baby-Led-Weaning vor. Dabei bekommen Kinder ab der BeikosteinfĂŒhrung keinen Brei, sondern das Essen in handgerechten StĂŒcken serviert.

Neben der Entwicklung eines Kindes, ist die ErnĂ€hrung das zweitwichtigste Thema zwischen MĂŒttern. Zwischen dem vierten und sechsten Lebensmonat wird den Babies das erste Mal eine andere Nahrung als Milch angeboten. Doch wie soll diese Nahrung aussehen? Die gĂ€ngigste Methode ist, das Essen in Breiform zu servieren. Dabei werden die Lebensmittel zu Beginn fein pĂŒriert und dem Alter entsprechend immer grobstĂŒckiger. Seit ein paar Jahren setzt sich jedoch auch eine neue Methode durch, das Baby-Led-Weaning oder auch Fingerfood genannt.

Was ist Baby-Led-Weaning?

Baby-Led-Weaning (BLW) kann mit “Babygesteuertem Abstillen” ĂŒbersetzt werden. Bei dieser Art der BeikosteinfĂŒhrung werden dem Baby Lebensmittel in handgerechten StĂŒcken angeboten. Ob gekochtes Fleisch, GedĂŒnstetes Obst und GemĂŒse oder Kartoffeln, alles ist erlaubt. Im Vordergrund steht hierbei euer Kind. Denn dieses soll und kann selbst entscheiden, was und wie viel es essen möchte. Auf einem Teller drapiert lĂ€dt das Mittagessen aus GemĂŒse, Kartoffeln und Fleisch das Kind zum ausprobieren, erkunden und entdecken ein.

Ziel ist hierbei nicht, das Kind schnell an feste Kost zu gewöhnen, sondern es zwanglos an die verschiedenen Lebensmittel heran zu fĂŒhren und die Freude am Essen zu wecken.

Wie wÀre es (ab 12 Monaten) mit einem leckeren Pfannkuchen mit Obst?

Baby isst leckere Sachen alleine. Baby-Led-Weaning.
Sieht das nicht lecker aus? 😍 (Bild: © Digital Mammoth / Adobe Stock)

Wie und wann beginnt man dem Led-Weaning?

Wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um mit der BeikosteinfĂŒhrung zu starten, entscheidet euer Kind selbst. Ihr werdet merken, wenn euer Baby anfĂ€ngt sich fĂŒr euer Essen zu interessieren. Es schaut euch intensiv beim Essen zu, ahmt Kaubewegungen nach, oder greift gezielt nach eurem Essen.

FĂŒr die Kinder ist es am schönsten, wenn sie gemeinsam mit euch am Tisch sitzen können und möglichst das gleiche essen wie ihr. Das Baby sollte dabei auf eurem Schoss oder in seinem Hochstuhl sitzen. Wichtig beim BLW ist, dass euer Kind aufrecht sitzt, denn nur so kann es vernĂŒnftig essen, ohne sich zu verschlucken.

Die Auswahl der Lebensmittel die euer Kind isst, kann sich an eurem Essen orientieren. Esst ihr zum Mittag z.B. HĂ€hnchenbrust mit Kartoffeln und Brokkoli kann auch euer Kind all diese Lebensmittel ( natĂŒrlich in kleinen StĂŒcken) essen. Weiches Obst, wie Banane, Birne, Pfirsich ohne Schale oder gedĂŒnsteter Apfel, ist ein leckerer Snack fĂŒr zwischendurch. Und auch beim Abendbrot ist ein klein geschnittenes Brot mit etwas Butter und dazu Gurke, ein gelungenes Mahl.

GrundsÀtzlich gilt beim BLW: Das Kind isst nur das, was es sich selbst in den Mund stecken kann, die Eltern sind dabei (fast) unbeteiligt.


Vorteile und Nachteile der breifreien Babykost


Worauf sollte man beim Baby-Led-Weaning achten?

Wichtig ist, auf runde oder rund geschnittene Lebensmittel zu verzichten. Gerade kleine Weintrauben, Johannisbeeren, Blaubeeren, oder Erbsen, können leicht in die Luftröhre gelangen, und es droht Erstickungsgefahr. Deshalb sollte man diese zerdrĂŒcken oder klein schneiden. GemĂŒse sollte nicht zu klein geschnitten werden, damit die Kinder es gut greifen können. Als Maß sollte die Kinderfaust dienen. Dort sollte das GemĂŒse hinein passen und noch genug Platz zum Abbeißen bieten.

Zucker, Salz oder andere GewĂŒrze gehören noch nicht auf den Speiseplan eines Babys. Ziel ist es, dass das Kind den unverfĂ€lschten Geschmack der Lebensmittel kennen lernt und seine Geschmacksnerven ausreifen.

Wie viel “muss” ein Baby essen?

Zu Beginn der BeikosteinfĂŒhrung wird das Kind begeistert mit den angebotenen Lebensmitteln spielen, matschen und erst einmal erkunden, was da so auf dem Teller liegt. Das ist vollkommen normal. Wenn euer Kind seine Neugierde befriedigt hat,  und die neue Nahrung ausreichend erforscht hat, wird es Interesse fĂŒr den Geschmack entwickeln. Eventuell wird bei den ersten Mahlzeiten nichts, oder nur wenig,  im Mund landen. Über kurz oder lang wird jedoch das ein oder andere StĂŒck seinen Weg in den Magen finden.

Ihr solltet immer daran denken: Baby-Led-Weaning dient nicht dazu, euer Kind zu sĂ€ttigen. Es soll ein Übergang von reiner Milchnahrung zur Familienkost bilden, ohne Stress und Druck. Es ist erstaunlich, wie langsam Babies diesen Weg gehen, wenn man ihnen die Zeit dazu lĂ€sst.

Am Ende sind BLW-Babies jedoch genauso schnell familientischreif, wie breigefĂŒtterte Babies. Im ersten Lebensjahr ist und bleibt die Milchnahrung weiterhin Hauptnahrung. Die Beikost ist lediglich – wie das Wort schon sagt – Beiwerk.


Wer hat's geschrieben?

Jacqueline Esser

Erzieherin, Mutter, Autorin

Jacqueline ist staatlich anerkannte Erzieherin, mit der Qualifikation zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren. Diese Qualifikation hat sie bereits lange, bevor es als Pflichtteil zur Ausbildung aufgenommen wurde, freiwillig absolviert. Neben ihrer beruflichen Laufbahn, ist sie Mutter von zwei Kindern. Einem MĂ€dchen und einem Jungen. Ihre Erfahrungen schöpft sie also aus beruflichen sowie privaten Herausforderungen. Dies macht sie zu einer perfekten Autorin fĂŒr unser Magazin.

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