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ADHS: Das Zappelphilip-Syndrom

von Jacqueline Esser
Veröffentlicht: Letztes Update

ADHS ist mittlerweile ein gängiger Begriff. Fast in jeder Kindergartengruppe oder Schulklasse, befindet sich ein Kind das diese Diagnose gestellt bekommen hat. Doch was ist ADHS und wie zeigt es sich? Lest hier genaueres über die Krankheit ADHS, die man oft auch das Zappelphilip-Syndrom nennt, und aus „Nichtwissen“ zur Modeerscheinung verharmlost wird.

ADHS – Modekrankheit oder ernsthafte Erkrankung?

Das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) ist eine Stoffwechselstörung, die durch eine Veränderung im Gehirn ausgelöst wird. Sind Kinder von dieser Störung betroffen, ist ihre Fähigkeit zur Selbststeuerung beeinträchtigt. Die in Deutschland seit 2003 auch für Erwachsene anerkannte Krankheit ADHS, äußert sich durch Auffälligkeiten im Verhalten. Die Symptome treten meist in drei Bereichen auf:

  • Aufmerksamkeits – und Konzentrationsstörungen
  • impulsive und unkontrollierte Handlungen
  • ausgeprägter Bewegungsdrang

Die Kinder sind oft unaufmerksam, unausgeglichen und werden ständig als Zappelphilip betitelt. Aus diesem Grund wird ADHS auch oft als Zappelphilip-Syndrom benannt.

Die Ursachen sind bisher unbekannt

Was ADHS auslöst, wird seit Jahren erforscht, eine genaue Antwort können die Wissenschaftler bis jetzt jedoch nicht geben. Sie vermuten, dass es durch eine erblich – genetisch bedingte Stoffwechselstörung in Verbindung mit ungünstigen Umwelteinflüssen verursacht wird. Experten schätzen, dass es deutschlandweit rund 500.000 Kinder und Jugendliche gibt, bei denen ADHS diagnostiziert wurde.

Jungen leiden im Schnitt drei bis viermal häufiger unter der Krankheit , als Mädchen. Die Störung kann allerdings auch ohne Hyperaktivität auftreten. Dann spricht man von ADS, Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom. Fehlt die Hyperaktivität, wird die Störung seltener und später entdeckt. Daher fehlen verlässliche Zahlen, wieviele Kinder von ADS betroffen sind.

Da in den letzten 10 Jahren immer mehr Kinder die Diagnose ADHS erhalten haben, betiteln viele wichtige Menschen diese Krankheit für eine Modeerscheinung, die lediglich eine schlechte Erziehung entschuldigt. Das ist jedoch nicht der Fall. Die Diagnosemethoden haben sich verbessert, was zur Folge hat, dass ADHS besser und schneller erkannt werden kann. Das ADHS eine Krankheit ist, ist wissenschaftlich belegt und anerkannt. Früher waren es eben „nur“ Zappelphilippe, heute weiß man, dass eine ernst zu nehmende Krankheit hinter dem Verhalten der Kinder steckt.

Früherkennung ist wichtig

ADHS frühzeitig zu erkennen, spielt eine große Rolle im weiteren Verlauf der Krankheit und deren Begleitsymptome. Wird sie zu spät als solche erkannt, kann es im weiteren Verlauf der Krankheit zu groben Schwierigkeiten im Sozialverhalten, der Persönlichkeitsentwicklung, sowie zu Lernbehinderungen und zu Entwicklungsverzögerungen kommen.

Die betroffenen Kinder werden von Außenstehenden, häufig sogar von der eigenen Familie, als Störenfriede empfunden. Wenn sich diese Ausgrenzung festigt, kann es sein, dass die Kinder ein Außenseiterdasein führen, welches zusätzlich zur Störung sehr belastend ist. Darum sollten Eltern, die den Verdacht haben, dass ihr Kind Symptome für ADHS zeigt, nicht zögern und den behandelnden Kinderarzt aufsuchen.

Eine Behandlung im Sinne einer Heilung ist bei ADHS-Patienten zwar leider noch nicht möglich, jedoch gibt es inzwischen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die die Symptome deutlich lindern und Folgeschäden vermeiden können.

Behandlung und Hilfen für ADHS – Kinder und Eltern

Viele Kinderärzte sind heute weitreichend zum Thema ADHS geschult und können bereits eine erste Einschätzung zum Thema, bzw. zu der Krankheit abgeben. Nichtsdestotrotz überweisen die meisten Kinderärzte, auffällige Kinder, an ein Sozial Pädiatrisches Zentrum (SPZ). Dort arbeiten Ärzte, Pädagogen, und Therapeuten (Psychologen, Psychiater etc.) eng zusammen und decken viele wichtige Bereiche ab,  um einem Kind mit ADHS, und seinen Eltern, zur Seite zu stehen.

Im SPZ wird das Kind nicht nur auf ADHS getestet, es bekommt, wenn sich die Diagnose bestätigt, eine umfassende Förderung und gut durchdachte Therapien.  Auch Eltern erhalten hier Hilfe und Unterstützung  im Umgang mit ihrem Kind und dessen Umfeld, und sind aktiver Teil der Arbeit mit dem Kind.

Weitere Hilfsangebote findet man beim zuständigen Jugendamt, diversen Beratungsstellen und beim schulpsychologischen Dienst. Viele Eltern wenden sich ebenfalls an Selbsthilfegruppen für ADHS, um sich mit gleichgesinnten auszutauschen und Unterstützung zu erhalten.

Diskussion über Mythos und Realität einer Krankheit

Die Krankheit ADHS geht zurück auf den Nervenarzt Leon Eisenberg. Im Laufe der Jahrzehnte wurden recht enge Richtlinien festgelegt, wie ADHS zu diagnostizieren ist. Eisenberg verstarb im Jahre 2009. Kurz davor wurden Aussagen von ihm bekannt, welche die eigene Entdeckung in Frage zu stellen schien. Bis heute wird in Anbetracht eines Millionengeschäfts der Pharmaindustrie (speziell mit dem Mittel Ritalin, welches für sich teils schwer unter Beschuss steht), hochemotional über die Diagnostik diskutiert.

Eisenberg selbst sagte damals sinngemäß, dass die genetische Komponente der von ihm entdeckten ADHS, allzu oft diagnostisch vor sozialpsychologische Probleme im Umfeld von Kindern gesetzt würde. Soll heißen, dass er wohl sehr sicher zu sein schien, dass Ärzte in sehr vielen Fällen, zu Gunsten der Pharmaindustrie, ADHS diagnostizierten, anstatt ein lebhaftes Kind einer gründlichen psychologischen Untersuchung unterzogen.

Zumindest gibt es potentiell unzählige Gründe, aus denen ein grundsätzlich lebhaftes Kind, Eigenarten entwickeln kann, durch die man einfach und oberflächlich behaupten kann: „Dieses Kind ist außer Kontrolle.“ Nur eine intensive körperliche und psychische Diagnostik, kann Ursachen ausschließen, bzw. eingrenzen. Ein gutes SPZ  wird all diese Möglichkeiten in die Diagnose mit einfließen lassen.

ADHS Diskussion macht Eltern unsicher

Ob Fachmagazine, Apotheken Ratgeber, Klatschblätter, oder ernst zu nehmende Presse, jeder berichtet über seine eigene objektive Meinung zu diesem Thema. Obendrauf kommen hoch emotionale Diskussionen unter Freunden oder in sozialen Netzwerken. All das kann betroffene Elternpaare enorm verunsichern. Oftmals so sehr, dass sie endgültig davor zurück schrecken, mit ihrem Kind zu einem Arzt zu gehen.

Dieser Trend ist auf jeden Fall der falsche Weg. Man tut sich und seinem Kind keinen Gefallen, wenn man es mit sich und seinen Emotionen „alleine“ lässt. Es wäre immer die falsche Entscheidung, wenn man aufgrund von möglichen Auseinandersetzungen im Bekannten- oder Familienkreis, den Weg zum Arzt nicht antritt.

Denn, es ist richtig: ADHS hat ein relativ spezifisches Bild nach außen. Aber auch, wenn das elterliche Bauchgefühl einem sagt, dass es kein ADHS sein kann, sollte man sich dennoch über weitere mögliche Ursachen, grenzwertiger Verhaltensmuster, mit dem Kinderarzt, oder einer Kindertherapeutin unterhalten.

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