Streitereien zwischen Mitschülern kommen in den besten Familien vor. In der Grundschule ist das nur selten ein Grund zur Sorge. Anders sieht es auf den weiterführenden Schulen aus. Dort werden Kinder schnell zur echten Zielscheibe. Permanente Übergriffe, verbale Attacken und Ausgrenzungen, sind häufig an der Tagesordnung. Bleibt es nicht bei vereinzelten Situationen, sollten Eltern dringend und besonnen handeln:

Hier ein versteckter Turnbeutel, dort ein kleiner Scherz auf Kosten des Mitschülers: Kleinere Hänseleien, Späße und Streitereien unter Klassenkameraden sind völlig normal, und gehören gleichermaßen zum Schultag, wie die große Pause oder die Hausaufgaben. Zum Problem werden sie jedoch, wenn Kinder gezielt und anhaltend ausgegrenzt und schikaniert werden. Experten gehen davon aus, dass bereits jedes zehnte Kind, Opfer von Mobbing in der Schule war und ist.

Schul-Mobbing: was ist das?

Der Begriff Mobbing kommt aus dem Englischen und bedeutet: anpöbeln, fertig machen, oder über jemanden herfallen. In den letzten Jahren hört man den Begriff häufig im Zusammenhang mit psychischer Gewalt unter Kollegen, in der Arbeitswelt. Natürlich ist nicht jede Feindseligkeit in einer Schulklasse gleich Mobbing. Experten sprechen von Mobbing, wenn ein oder mehrere Personen einen Mitschüler regelmäßig, andauernd und systematisch, ausgrenzen und gezielt drangsalieren. Mit dem einzigen Ziel, den anderen „fertig zu machen“.

Mobbingopfer in der Schule
Bild: © Roman Bodnarchuk / Fotolia

Viele Mobbing-Vorfälle bleiben übrigens im Verborgenen. Die Dunkelziffer ist relativ hoch. Oftmals wird das Mobbing von Eltern und Lehrern nicht erkannt oder bagatellisiert.

Und das hat weitreichende Folgen: die Kinder weigern sich in die Schule zu gehen. Ihr Selbstwertgefühl nimmt großen Schaden, sie entwickeln tiefe Depressionen, oder zeigen körperliche Beschwerden, wie anhaltende Kopf- oder Magenschmerzen. Die Opfer leiden extrem unter der belastenden Mobbing Situation. Daher sollten Eltern und Lehrer unbedingt auf potentielles Mobbing reagieren.

Schulmobbing hat viele Formen

Verbale Attacken: Direkte Beleidigungen gegenüber dem Opfer sind nur eine Form der verbalen Gewalt. Sei es die angeblich krumme, oder lange Nase. Sei es die No-Name-Jacke, oder ein uncooles „Möchtegern-Smartphone“ von vor vier Jahren. Wenn man nur genau hinschaut, wird man bei fast jedem Schüler etwas finden, woran man sich reiben kann.

Dann gibt es natürlich noch die indirekte Form der verbalen Attacke. Sie läuft versteckt, hinter dem Rücken der Opfer. Ein Gerücht ist schnell gestreut, kann nur schwer zurück verfolgt werden, und ist kaum wieder aus den Köpfen der Empfänger zu löschen.

Körperliche Gewalt: Schnelle, unvorhersehbare Attacken. Man treibt das Opfer in ständige Angst. Ein sensibles Kind wird schon nach ein paar körperlichen Attacken, hinter jedem Busch und jeder Hecke, eine potentielle Gefahr befürchten. Es wird sehr stark in der Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Die üblichen Laufstrecken nach Hause werden geändert, in der Pause wird der Schulkiosk gemieden. Denn überall könnte Gefahr lauern.

Sachbeschädigung: Seien es Schulbücher, Kleidung oder Handys. In schlimmen Fällen von Mobbing in der Schule, kommen teils hohe Schadenssummen zusammen. Aber auch sehr persönliche Dinge und Gegenstände werden zerstört. Ein Mobbing-Opfer kommt häufig ohne Hausaufgaben in die Schulstunde.

Erpressung: In vielen Fällen hört man von Erpressung. Opfer müssen regelmäßig Geldbeträge abliefern. Oder sie werden dazu gezwungen, die Hausaufgaben der Peiniger zu erledigen.

Ausgrenzung: Hier wird ein Opfer gezielt aus der Gemeinschaft gedrängt. Das „stumme Mobbing“ ist oft eine sehr subtile Form, im Zusammenspiel der weiteren Formen von Mobbing. Gerüchte werden gestreut, Dinge verschwinden auf unerklärliche Weise. Die eigentlichen Urheber sind dabei oft nur schwer auszumachen. Denn die Gruppe entwickelt hier eine eigene Dynamik gegen das Opfer.

Unausgesprochene Konflikte als Auslöser für Mobbing

Lästern in der Schule
Die meisten Mobbingopfer bekommen nur einen Teil der Lästereien mit. Der Schaden ist oft kaum wieder gut zu machen (Bild: © K.- P. Adler / Fotolia)

Die Auslöser für Mobbing sind in den vielen Fällen unausgesprochene Konflikte. Überforderung, Unterforderung oder ein gestörtes Klassenklima, bieten besonders in weiterführenden Schulen den Nährboden für Konfrontationen.

Mein Kind als Opfer?

Jedes Kind ist ein potenzielles Mobbing-Opfer. Bei Mobbing geht es häufig um die Rangordnung in der Klasse. Daher sind Kinder, die zum Beispiel nach einem Umzug, oder einem Schulwechsel, in eine bestehende Rangordnung eindringen, sehr potenzielle Opfer. Oft suchen sich Kinder, vermeintlich schwächere und unsichere Kinder als Mobbing-Opfer aus. Diese wehren sich weniger, und sind die „perfekten“ Opfer für verbale oder körperliche Übergriffe.

Besonders häufig sind Schüler betroffen, die anders sind als der Rest. Kinder, die sich in irgendeiner Form von der Masse abheben. Durch besonders gute Noten, außergewöhnlicher Kleidung, einer anderen Sprache, oder mit besonderen Freizeitgestaltungen.

Mobbing erkennen

Betroffene Kinder brauchen dringend die Hilfe ihrer Eltern und Lehrer. Die meisten leiden still und leise, ziehen sich immer mehr zurück, und werden schon alleine deshalb zum Außenseiter. Sie suchen die Fehler bei sich selbst und verfallen in starke Selbstzweifel.

Dennoch – nicht jeder Streit in der Klasse ist ein Anlass für Eltern, in ihrem Kind ein Mobbing-Opfer zu sehen. Streit gehört dazu. Nur so lernen Kinder, Konflikte zu erkennen und zu lösen. Aufmerksam sollten Eltern jedoch werden, wenn sie starke Veränderungen bei ihrem Kind wahrnehmen. Warnsignale dafür, dass ein Kind gemobbt wird, sind:

Mögliche Anzeichen von Mobbing in der Schule:
Das Kind möchte immer häufiger nicht in die Schule
Es klagt regelmäßig über Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit oder Albträume
Das Kind möchte nicht mehr alleine zur Schule gehen
Die sozialen Kontakte werden immer seltener und weniger
Das Kind wirkt verschlossen, traurig - und zieht sich immer mehr zurück
Die schulischen Leistungen fallen immer mehr ab
Das Selbstbewusstsein des Kinder sinkt deutlich
Bücher, Hefte, Schulranzen sind regelmäßig beschädigt oder verschwunden
Das Kind hat häufiger äußere Verletzungen
Es erzählt wesentlich weniger oder nichts mehr von der Schule

Mobbing – was tun?

Beobachten Eltern bei ihrem Kind Auffälligkeiten, sollten sie behutsam versuchen herauszufinden, ob in der Schule alles in Ordnung ist. Vorsichtige Fragen über den Klassenzusammenhalt, die Pausen, Freunde und Schulstunden, können helfen, sich ein Bild über die Situation zu machen. Die meisten Kinder öffnen sich in solchen Situationen gegenüber ihren Eltern.

Der erste Ansprechpartner für betroffene Eltern ist der Klassenlehrer. Er kann gezielt Situationen beobachten und sich einen Überblick über die Geschehnisse verschaffen. Im Gespräch mit dem Lehrer sollten Eltern mit Nachdruck äußern, dass die Situation gelöst werden muss. Das Wohl des Kindes steht an erster Stelle.

Ein erstes Handeln ist immer gleichzusetzen mit einem zweischneidigen Schwert. Die Angst ist groß, dass ein Offenlegen der Situation, die Repressionen nur noch verschlimmert. Daher geht man heute an vielen Schulen dazu über, bevor man den eigentlichen Konflikt löst, eine gezielte allgemeine Aufklärung zum Thema Mobbing durchzuführen. Neben den Klassenlehrern werden diese Einheiten durch Schulsozialarbeiter begleitet. Manchmal finden sich auch professionelle externe Kräfte, die eine Projektwoche durchführen.

Ziel und Hoffnung solcher Aktionen, ist es, eine grundsätzliche Sensibilisierung zu erreichen. Nicht Betroffene sollen sich in die Rolle eines Opfers einfühlen lernen. In vielen Fällen kann sich die Situation des gemobbten Schülers im Laufe eines solchen Projektes stark verbessern. Und das, obwohl der eigentliche Mobbing Fall nicht ein einziges Mal erwähnt wurde. Denn in nicht wenigen Fällen, wenden sich Mitschüler während eines solchen Projektes vertrauensvoll an das Opfer, und dann gemeinsam an den Klassenlehrer, um eine endgültige Klärung herbei zu führen.

Selbst mit den Mobbern sprechen?

Eltern möchten natürlich alles erdenkliche tun, um die Mobbingsituation ihres Kindes zu beenden. Dabei ist jedoch Fingerspitzengefühl gefragt, um die Situation nicht zu verschlimmern. Sprechen Eltern die Täter selbst an, könnte das Kind unter enormen Druck geraten. Wenn die Mobber das Gefühl haben, dass das Opfer schwach ist, sich nicht selbst wehren kann, und die Hilfe seiner Eltern braucht, werden sie das Mobbing nur verstärken.

Auch die Eltern der Täter, sind nicht die richtigen Ansprechpartner. Sie werden ihr Kind unter Umständen schützen, und sein Fehlverhalten auf diese Weise nur noch unterstützen. Auf diesem Weg kann die Situation nicht beseitigt werden.

Schulwechsel als Lösung?

Wenn sich die Situation nicht bessert, sehen viele Eltern nur noch einen Ausweg – den Schulwechsel. Doch löst ein Schulwechsel nicht das Problem. Es wird häufig lediglich an einen anderen Ort verlagert. Wechselt ein Kind die Schule, wird es in der neuen Klasse wiederum der Außenseiter sein, der sich sicherlich erst einfügen muss, und so erneut zum potenziellen Mobbingopfer wird. Daher sollten Eltern in jedem Fall zunächst alle Möglichkeiten nutzen, um die Mobbingsituation zu „bekämpfen“, und so dem Kind den Verbleib an der Schule zu ermöglichen.

Die wichtigste Aufgabe besteht darin, das Kind soweit zu stärken, dass es sich selbst wehren kann und ein größeres Selbstvertrauen gewinnt. 


-Anzeige-

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here