Zahnfehlstellungen bei Kindern: Unterschiede und Behandlung

Zahnfehlstellungen bei Kindern
Bild: © Robert Przybysz / Fotolia

Ein tolles Kinderlächeln tut unserer Seele gut. Das ist sogar wissenschaftlich nachgewiesen. Im Wachstum – und leider auch im simplen Alltag – gibt es unzählige Faktoren und Risiken, welche sich sehr schwerwiegend auf ein schönes Lächeln auswirken können. Etwa jedes zweite Kind benötigt im Laufe seines jungen Lebens eine Zahnspange. Abgesehen von den medizinischen Aspekten sind auch die finanziellen nicht zu vernachlässigen. Die Korrektur einer Fehlstellung kann nämlich ganz schön ins Geld gehen. In vielen Fällen geht das mit einer Zahnspange. Was für Zahnfehlstellungen es gibt und was man tun kann, um die Kosten abzudecken, erfahrt ihr hier.

Fehlstellungen und ihre Folgen

Natürlich möchten wir, dass unsere Kinder ein möglichst perfektes offenes Lächeln zeigen können. Gerade Zähne gehören neben der Zahnhygiene mit dazu. Denn auch schlecht geputzte Zähne werden irgendwann gelb – und bekommen Schäden durch Karies. Aber: neben dem ästhetischen Aspekt, haben schiefe Zähne (je nach Stellung) ganz unterschiedliche langfristige Auswirkungen, welche so früh wie möglich behoben werden sollten. Denn in späteren Jahren wird eine Korrektur immer langwieriger und schwieriger.

Je nach Art der Fehlstellung kommt es zu schwierig erreichbaren Ablagerung von Plaque und Zahnstein. Die Entstehung von Karies und Zahnfleischentzündungen lässt in diesen Fällen nicht lange auf sich warten. Andere Formen der Fehlstellung begünstigen eine Mundatmung. Chronische Atemwegserkrankungen sind dann keine Seltenheit. Sogar die Verdauung kann durch eine Zahnfehlstellung gestört werden. Wird das Essen nicht gut zerkleinert, haben Magen und Darm eine Menge zu tun. Die Folge – Verdauungsstörungen.



Öfter als man denkt, ergeben sich Zahnfehlstellungen auch durch Probleme mit einer Kieferfehlstellung – oder beispielsweise eines zu kleinen Kiefers. Neben den bisher genannten „Symptomen“ können hier Nackenschmerzen und Kopfschmerzen eine sehr unangenehme Begleiterscheinung sein. Auch das Daumenlutschen und die Benutzung eines Schnullers können eine Fehlstellung der Zähne nach sich ziehen.

Man unterscheidet folgende Fehlstellungen

Es gibt ganz unterschiedliche Zahnfehlstellungen und Kieferfehlstellungen, welche mit Hilfe einer Zahnspange behandelt werden können. In einigen Fällen erfolgt allerdings (mitunter) auch ein operativer Eingriff durch einen Kieferchirurgen. Grundsätzlich entscheidet auch er, ob eine Zahnspange hilfreich sein kann.


Überbiss und Unterbiss

Der Überbiss zeigt sich, wenn die obere Zahnfront deutlich vor der unteren steht. Die Ursachen können ganz unterschiedlich sein. Entweder steht der Oberkiefer zu weit vor, der Unterkiefer zu weit zurück, oder die obere Zahnreihe hat sich (meist durch falsche Angewohnheiten) schräg nach vorne gesetzt.

Der Unterbiss (welcher eigentlich ‚umgekehrter Überbiss‘ heißt) dreht die Situation. Hierbei stehen die unteren Zähne deutlich vor der oberen Zahnreihe. In diesem Fall steht meist der Unterkiefer ein Stück zu weit nach vorne.

Offener Biss

Der offene Biss zeigt sich meist durch eine Art kreisförmige Verformung der Zahnreihe. Entweder im Frontbereich – aber auch in der Zahn-Seitenleiste. Diese gewölbte Lücke kann durch frühkindliches Daumenlutschen entstehen. Aber auch eine zu große Zunge, Probleme mit der Gesichts- und/oder Kiefermuskulatur, oder ein chronischer Vitaminmangel, können einen offenen Biss begünstigen und verursachen.

Tiefbiss

Beim Tiefbiss können die Zähne aus der oberen Front, die untere Zahnreihe so weit verdecken, dass die unteren Zähne sogar in den Gaumen beißen. Eine teils sehr schmerzhafte Angelegenheit mit entzündlichen Druckstellen.

Kreuzbiss

Der Kreuzbiss ist eine recht häufige Form der Zahnfehlstellung. Entweder ragt ein einzelner Zahn, oder gleich mehrere Zähne des Unterkiefers, über das Gegenstück im Oberkiefer hinaus. Die gegenüberliegenden Zähne können also nicht pass-genau zubeißen. Diese Form der Fehlstellung bereitet in erster Linie Probleme beim Essen. Mitunter entsteht aber auch ein destruktiver Druck auf das Gegenstück im Oberkiefer, so dass auch diesem Zahn potenziell droht, in Schieflage zu geraten.

Zahnlücken und Zahnengstand

Ein Trema (auch Diastema) genannt, ist eine Zahnlücke, welche sich meist zwischen den mittleren Zähnen im Oberkiefer zeigt. Mitunter entsteht sie aber auch im Unterkiefer. Diese Form der Zahnfehlstellung ist oft erblich veranlagt. Ursachen können ein zu tief liegendes Lippenbändchen, oder zu klein angelegte Schneidezähne sein. In seltenen Fällen kann ein überzähliger Schneidezahn (welcher meist nur ganz schmal und klein ist) die charakteristische Lücke verursachen.

Ein Zahnengstand wird entweder durch zu groß angelegte Zähne, oder durch einen zu kleinen Kiefer verursacht. Hierbei wachsen die Zähne (meist im Übergang von den Milchzähnen zu den bleibenden Zähnen) schief in die Zahnreihe ein. Mitunter setzen sich auch Zähne vor oder hinter andere Zähne.

Die Zahnspange gegen Fehlstellungen

Bei leichten Fehlstellungen kann eine lose Zahnspange gut Abhilfe schaffen. Hierzu ist allerdings vorausgesetzt, dass sie auch regelmäßig – nach Anweisung des Kieferorthopäden – getragen wird. Alle Zahnspangen ( ob fest oder lose) arbeiten mit Druck auf die Zähne und Kiefer. Bei stärkeren Fehlstellungen wird eine feste Spange immer wieder nachgestellt (enger gestellt), bis das gewünschte Ergebnis perfekt ist. Die Tragedauer liegt meist zwischen 6 Monaten und bis zu drei Jahren.

Operative Maßnahmen bei schwerwiegenden Fehlstellungen

Leider kann es in einigen Fällen notwendig sein, schwerwiegende Fehlstellungen durch einen Kieferchirurgen operativ behandeln zu lassen. Diese Eingriffe finden meist ambulant unter Narkose statt. So kann es notwendig sein, einzelne Zähne aufwendig operativ zu entfernen, um Platz in der Zahnreihe zu schaffen. Auch kann ein Kieferchirurg die Stellung des eigentlichen Kiefers korrigieren.

Wer übernimmt die Kosten einer kieferorthopädischen Behandlung

Die gesetzliche Krankenkasse (GKV) übernimmt bei Kindern die Kosten einer Basis-Behandlung, wenn die Fehlstellung mindestens in die KIG-Stufe 3 fällt. Wer eine hochwertigere Spange wünscht, muss die Mehrkosten selbst tragen. Genauso für leichte Fehlstellung in KIG 1-2, hier leistet die GKV bei Kindern nicht. Bei Erwachsenen schlagen die Kosten oftmals direkt und voll zu. Denn die Krankenkassen übernehmen die Kosten einer Spange bei Erwachsenen nur bei sehr schwerwiegenden Fehlstellungen (z.B. nach Unfällen oder bei schweren Erkrankungen).

Tipp für Kinder: Eltern sollten frühzeitig darüber nachdenken, eine Zahnzusatzversicherung für ihre Kinder abzuschließen. Gerade, wenn es neben der medizinischen Notwendigkeit um den ästhetischen Aspekt geht, kommt man an einer zusätzlichen Absicherung kaum vorbei. Die gesetzlichen Krankenkassen orientieren sich an den kieferorthopädischen Indikationsgruppen (KIG), welche in 5 Grade eingeteilt sind. Dabei werden Maßnahmen und Behandlungen im Bereich KIG 1 und 2 grundsätzlich nicht übernommen. Selbiges gilt generell auch bei KIG 3-5 für „hübschere“ und weniger auffällige Spangenmodelle wie z.B. unsichtbare Zahnspangen, oder für hochwertigere Materialien (z.B. Keramik-Brackets).

Der Abschluss einer Versicherung sollte frühzeitig erfolgen, optimalerweise im Alter von etwa 3 bis 5 Jahren. Danach steigt das Risiko, dass der Zahnarzt eine Fehlstellung diagnostiziert – und in dem Moment wäre dann der Abschluss einer Versicherung nicht mehr möglich. Wer die verschiedenen Tarife für Kinder vergleichen möchte, findet dazu im Internet verschiedene Portale und Vergleichsrechner. Gute Tarife für Kinder kosten etwa zwischen 10 und 20 Euro monatlich.

 


 


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