Keuchhusten kann bei Babys ganz anders aussehen als bei älteren Kindern. Die typischen, krampfartigen Hustenanfälle fehlen manchmal sogar vollständig. Stattdessen können mögliche Atemaussetzer, Trinkprobleme oder eine auffällige Erschöpfung im Vordergrund stehen.
Besonders gefährdet sind Neugeborene und junge Säuglinge im ersten Lebenshalbjahr. Bei ihnen sollte deshalb nicht erst auf das typische Keuchen gewartet werden.
Mehr über Keuchhusten
Dieser Beitrag konzentriert sich auf die besonderen Symptome und Risiken von Keuchhusten bei Neugeborenen und Säuglingen. Ausführliche Informationen zu Ansteckung, Inkubationszeit, Krankheitsverlauf, Behandlung, Kita und Schule sowie zu den Impfempfehlungen für Kinder, Erwachsene und Schwangere findet ihr in unserem großen Ratgeber:
Keuchhusten bei Kindern: Symptome, Ansteckung und Behandlung
Welche Symptome kann Keuchhusten bei Babys verursachen?
Ältere Kinder entwickeln häufig stoßartige Hustenanfälle und ziehen anschließend keuchend die Luft ein. Bei Babys können diese charakteristischen Beschwerden fehlen oder nur schwach ausgeprägt sein.
Mögliche Anzeichen sind:
- Atempausen oder Atemaussetzer
- hastiges Schnappen nach Luft
- angestrengte oder ungewöhnlich flache Atmung
- Würgen oder Erbrechen
- Probleme beim Trinken
- auffällige Blässe
- bläuliche oder graue Lippen
- ungewöhnliche Ruhe, Schwäche oder Teilnahmslosigkeit
Manche Babys husten nur wenig oder überhaupt nicht typisch. Auch Fieber fehlt bei Keuchhusten häufig. Die Erkrankung kann deshalb zunächst wie ein leichter Atemwegsinfekt wirken. Diese Beschwerden können allerdings auch andere Ursachen haben. Ob tatsächlich Keuchhusten vorliegt, lässt sich nicht allein anhand der sichtbaren Symptome entscheiden.
Warum ist Keuchhusten für junge Säuglinge so gefährlich?
Das Risiko für schwere Komplikationen ist im ersten Lebenshalbjahr am höchsten. Junge Babys können Schleim noch nicht so kräftig abhusten wie ältere Kinder. Gleichzeitig können Atemaussetzer zu einem gefährlichen Sauerstoffmangel führen.
Zu den möglichen Komplikationen gehören unter anderem eine Lungenentzündung, Krampfanfälle und in seltenen Fällen Schädigungen des Gehirns durch Sauerstoffmangel. Ein hoher Anteil der Krankenhausbehandlungen und fast alle Todesfälle durch Keuchhusten, betreffen laut den aktuellen Informationen des Bundes, junge, ungeimpfte Säuglinge unter sechs Monaten. Das geht aus den Informationen des Robert Koch-Instituts und des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit hervor.
Eine Lungenentzündung kann durch Bakterien oder Viren verursacht werden. Eine wichtige virale Ursache bei Säuglingen ist RSV. Anhand der Beschwerden lässt sich der Auslöser nicht immer sicher erkennen.
Wann müsst ihr sofort handeln?
Bei diesen Warnzeichen die 112 rufen
Ruft sofort den Rettungsdienst rufen, wenn euer Baby:
- wiederholt nicht atmet oder deutliche Atemaussetzer hat,
- schwer oder sichtbar angestrengt atmet,
- an Lippen, Zunge oder Haut bläulich oder grau wird,
- einen Krampfanfall bekommt,
- nicht richtig ansprechbar oder ungewöhnlich teilnahmslos ist.
Bei schwerer Atemnot, Bewusstseinsstörungen oder Krampfanfällen empfiehlt auch das offizielle Elternportal kindergesundheit-info.de sofortige medizinische Hilfe.
Verdacht noch am selben Tag abklären lassen
Auch ohne akuten Notfall sollte ein möglicher Keuchhusten bei einem Baby schnell kinderärztlich untersucht werden. Das gilt besonders, wenn:
- das Baby schlecht trinkt,
- es würgt oder sich wiederholt erbricht,
- die Atmung ungewöhnlich wirkt,
- es auffällig schlapp ist,
- im näheren Umfeld Keuchhusten festgestellt wurde.
Informiert die Kinderarztpraxis vor dem Besuch telefonisch über den Verdacht. So kann das Team andere Kinder im Wartezimmer vor einer möglichen Ansteckung schützen. Außerhalb der Praxiszeiten erreicht ihr den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.
Warum werden Babys häufig im Krankenhaus behandelt?
Besonders Säuglinge unter sechs Monaten werden bei Keuchhusten häufig im Krankenhaus überwacht. Dort können Veränderungen der Atmung und der Sauerstoffversorgung schnell erkannt werden. Falls nötig, lässt sich Schleim absaugen und die Atmung medizinisch unterstützen.
Eine früh begonnene Behandlung mit Antibiotika kann den Krankheitsverlauf abschwächen. Werden die Erreger erst später erkannt, verkürzt das Antibiotikum zumindest die Zeit, in der das Baby andere Menschen anstecken kann. Welche Behandlung notwendig ist, entscheidet das medizinische Team abhängig vom Alter und vom Zustand des Kindes.
Wie lässt sich ein junges Baby schützen?
Babys können erst ab einem Alter von zwei Monaten selbst gegen Keuchhusten geimpft werden. Bis sich ein ausreichender eigener Schutz aufgebaut hat, sind sie auf zusätzliche Schutzmaßnahmen angewiesen.
Die STIKO empfiehlt deshalb die Keuchhusten-Impfung in jeder Schwangerschaft. Sie soll ab der 28. Schwangerschaftswoche erfolgen. Besteht ein erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt, wird die Impfung bereits im zweiten Schwangerschaftsdrittel empfohlen. Die von der Mutter gebildeten Antikörper gehen über die Plazenta auf das ungeborene Kind über und bieten einen vorübergehenden Nestschutz.
Auch Eltern, Geschwister, Großeltern und andere enge Betreuungspersonen sollten ihren Impfstatus rechtzeitig überprüfen lassen. Liegt ihre letzte Keuchhusten-Impfung mehr als zehn Jahre zurück, wird eine Auffrischung möglichst spätestens vier Wochen vor der Geburt empfohlen.
Hatte eine enge Kontaktperson nachweislich Keuchhusten, sollte die Kinderarztpraxis zeitnah informiert werden. In bestimmten Situationen kann eine vorbeugende Behandlung mit Antibiotika sinnvoll sein – auch bei geimpften Kontaktpersonen, wenn ein noch ungeschütztes Baby im Haushalt lebt.
Die aktuellen Empfehlungen zur Schwangerschaftsimpfung erklärt das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit ausführlich. Wie Kinderimpfstoffe bei ÖKO-TEST bewertet wurden, haben wir außerdem in einem eigenen Beitrag zu den getesteten Impfstoffen zusammengefasst.
Quellen
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Wir recherchieren und prüfen unsere Beiträge intensiv und sorgfältig. Dabei nutzen wir ausschließlich vertrauenswürdige Quellen. Trotzdem seid euch bitte bewusst, dass letztlich weder gute Ratschläge oder Informationen, eine Betreuung durch medizinisches Fachpersonal ersetzen können. In akuten medizinischen Situationen, oder bei Verdacht darauf, wendet euch bitte an einen Arzt / eine Ärztin, an eure Hebamme / euren Entbindungspfleger, oder an eure Apothekerin / euren Apotheker des Vertrauens, damit man euch ganz individuell unterstützen kann.
