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Wann und warum setzt man Kindern Grenzen?

Machtspiele und Provokation – alle Eltern haben diese Situationen früher oder später auf der Tagesordnung stehen. Kinder testen immer und überall ihre Grenzen und Möglichkeiten aus. Wann Eltern Grenzen setzen sollten, und wie man sie schonend durchsetzen kann, lest ihr hier.

Es sind meist ganz kleine Dinge mit denen Kinder es schaffen, ihre Eltern auf die Palme zu bringen. Das Quengeln nach dem Eis, ständiges dazwischen reden, oder das trödeln am morgen, sind nur einige von Ihnen. Das einzige was in diesen Situationen hilft, ist Grenzen aufzuzeigen und diese konsequent zu verfolgen. Doch manchmal kann und sollte man Dinge auch „laufen“ lassen, und den Kindern Freiräume schaffen, um Erfahrungen zu sammeln. Der Spagat zwischen Grenze und Freiraum ist jedoch nicht immer so leicht.

Wo liegen die eigenen Grenzen?

Welche Mutter oder welcher Vater kennt es nicht: das Kind läuft mal wieder schreiend seinem großen Bruder hinterher, weil dieser heimtückisch den Duploturm zerstört hat. Lebhafte Jungs und Mädchen toben, schreien und verursachen Lärm, ohne sich darüber Gedanken zu machen, was die lieben Nachbarn denken könnten. Da kann man auch schonmal dazu neigen, genervt zu reagieren. Die Frage, die sich viele Mütter und Väter in solchen Situationen stellen, lautet: „Wann sollte ich Grenzen setzen, und wann sollte ich Kinder, Kinder sein lassen?“.

Die Antwort darauf klingt logisch und einfach, Grenzen sollten da gesetzt werden, wo die persönliche Schmerzgrenze anfängt, oder ein Kind, sich oder andere in Gefahr begibt. Es ist also eine individuelle Entscheidung, die bei jedem Menschen unterschiedlich ausfällt. Den einen stört es schon, wenn das Kind beim Essen unaufhaltsam quatscht, während der andere laute Tobegeräusche im Hausflur, als etwas wunderbar lebendiges empfindet.

Altersentsprechende Grenzen

Jede Familie entscheidet also für sich, an welchem Punkt sie ihren Kindern Grenzen setzt. Man überlegt sich, wie man schwer erträgliches reduzieren kann. Manches – wie ständige Quengelei oder Chaos im Kinderzimmer – lässt sich mit Familienregeln aus der Welt schaffen. Anderes ist dagegen schwerer zu regeln, da Kinder vieles noch nicht verstehen. Eltern müssen sich beim Grenzen setzten genau überlegen, was ihr Kind schon versteht und was es umsetzten kann.

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Ein einjähriges Kind zum Beispiel, wird kaum verstehen, warum es in der Mittagszeit – wenn die 80- jährige Nachbarin ihren Mittagsschlaf hält, nicht schreiend durch die Wohnung laufen sollte. Von einem Neunjährigen kann man dieses Verstehen aber dann schon erwarten. Wenn man eine Grenze baut, die ein Kind vom Verständnis her noch nicht einhalten kann, führt das schnell zur Überforderung und verursacht weitere Konflikte zwischen Eltern und Kind.

Grenzen durchsetzen

Um dem Kind Grenzen aufzuzeigen, muss es sie nicht nur verstehen, es muss diese auch als solche erkennen. Nur weil man einmal etwas verboten hat, bedeutet das für ein Kind nicht, dass es eine allgemeingültige Regel sein muss. Hat eine Familie Regeln für ihren Alltag festgelegt, sollten diese besprochen und benannt werden. Manchmal ist es nötig, Grenzen mehrfach aufzuzeigen, damit ein Kind sie verinnerlicht. Diese sollten dann jedoch fest gelten und konsequent gelebt werden.

Sind Eltern unsicher mit den von ihnen auferlegten Grenzen, werden die Kinder die Unsicherheit für sich nutzen, um die Grenzen zu umgehen. Sind die Kinder bereits im Grundschulalter, ist es oft hilfreich, die Familienregeln auf einem Plakat festzuhalten. An einem für die ganze Familie zugänglichen Ort, erinnern sie alle an ihre Rechte und Pflichten in der Familie. Dies erleichtert so machen Konflikt zwischen Eltern und ihrem Kind.

Die Grenze der Grenzen

So wichtig und hilfreich es ist, Kindern mit klaren Grenzen eine feste „sichere“ Struktur zu bieten, kann es vernichtend sein, über die Grenze der Kindlichkeit hinaus zu schießen. Man sollte ein Kind immer Kind sein lassen. Und möglichst niemals den Fehler machen, aus der eigenen Genervtheit heraus, Grenzen zu setzen, die für das Kind unmöglich sind, einzuhalten. Es wäre ein falscher Grund für ein konsequentes Stoppschild.

Wenn man in einem schwachen Moment für Ruhe sorgen möchte, ist es meist eher hilfreich, geschickt nach einer Spielalternative zu suchen, als an dieser Stelle mit voller Wucht die rote Ampel aufzubauen. Ab einem gewissen Alter der Kinder  ist man durchaus in der Lage, über das Thema Rücksicht zu sprechen. Mit ein wenig Glück, klären sich dann die Dinge auf sehr angenehme Weise.

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Jacqueline Nowak
Jacqueline ist eine staatlich anerkannte Erzieherin, mit der Qualifikation zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren. Diese Qualifikation hat sie bereits lange, bevor es als Pflichtteil zur Ausbildung aufgenommen wurde, freiwillig absolviert. Neben ihrer beruflichen Laufbahn, ist sie Mutter von zwei Kindern. Einem Mädchen und einem Jungen. Ihre Erfahrungen schöpft sie also aus beruflichen sowie privaten Herausforderungen. Dies macht sie zu einer perfekten Autorin für unser Magazin.