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Hepatitis B bei Kindern: Symptome, Ansteckung und Impfung

Hepatitis B bei Kindern: Symptome, Ansteckung und Impfung

Hepatitis B kann bei Kindern lange unbemerkt bleiben. Gerade das macht die Infektion tückisch. Vor allem bei Babys und kleinen Kindern besteht ein hohes Risiko, dass die Viren dauerhaft im Körper bleiben. Jahre später können dadurch schwere Leberschäden entstehen.

Die gute Nachricht: Gegen Hepatitis B gibt es eine wirksame Impfung. Sie gehört bereits im ersten Lebensjahr zum regulären Impfplan. In diesem Beitrag erfahrt ihr, wie Hepatitis B übertragen wird, welche Beschwerden möglich sind und was nach einem Kontakt mit infiziertem Blut zu tun ist.

Hepatitis B auf einen Blick

  • Erreger: Hepatitis-B-Virus, kurz HBV
  • Betroffenes Organ: Leber
  • Übertragung: vor allem durch infiziertes Blut und bestimmte Körperflüssigkeiten
  • Inkubationszeit: im Durchschnitt etwa 60 bis 120 Tage
  • Symptome: bei Kindern häufig keine; möglich sind Müdigkeit, Übelkeit, Bauchschmerzen und Gelbsucht
  • Wichtigste Gefahr: eine chronische Infektion mit späteren Leberschäden
  • Schutz: Grundimmunisierung im Säuglingsalter
  • Nach möglichem Blutkontakt: rasch ärztlich abklären lassen und nicht auf Beschwerden warten

Was ist Hepatitis B?

Hepatitis B ist eine Entzündung der Leber. Ausgelöst wird sie durch das Hepatitis-B-Virus. Die Abkürzung für den Erreger lautet HBV.

Die Leber erfüllt viele lebenswichtige Aufgaben. Sie verarbeitet Nährstoffe, baut Schadstoffe ab und bildet Stoffe, die unter anderem für die Blutgerinnung benötigt werden. Eine länger andauernde Entzündung kann das Organ deshalb erheblich schädigen.

Eine Hepatitis-B-Infektion kann akut oder chronisch verlaufen. Akut bedeutet, dass die Infektion neu aufgetreten ist. Von einer chronischen Hepatitis B sprechen Fachleute, wenn das Virus nach sechs Monaten weiterhin nachweisbar ist.

Warum ist Hepatitis B für kleine Kinder besonders gefährlich?

Kinder haben bei einer frischen Infektion oft nur leichte oder gar keine Beschwerden. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Virus harmlos ist.

Je jünger ein Kind bei der Ansteckung ist, desto größer ist das Risiko für eine chronische Infektion. Nach Angaben des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit wird sie bei Neugeborenen, die sich bei einer infizierten Mutter anstecken, in etwa 90 Prozent der Fälle chronisch.

Eine chronische Hepatitis B kann über viele Jahre unbemerkt bleiben. Mit der Zeit kann das Lebergewebe vernarben. Diese fortgeschrittene Schädigung heißt Leberzirrhose. Außerdem steigt das Risiko für Leberkrebs.

Wie wird Hepatitis B übertragen?

Bei infizierten Menschen können sich sehr viele Viren im Blut befinden. Schon kleinste, mit bloßem Auge nicht erkennbare Blutmengen können für eine Ansteckung ausreichen. Das Virus muss dafür über verletzte Haut oder eine Schleimhaut in den Körper gelangen.

Bei Kindern und Jugendlichen sind unter anderem folgende Übertragungswege möglich:

  • während der Geburt von der Mutter auf das Kind
  • durch Kontakt von infiziertem Blut mit einer offenen Wunde oder Schleimhaut
  • durch gemeinsam benutzte Zahnbürsten, Rasierer oder Nagelscheren, an denen Blutspuren haften
  • durch unsaubere Instrumente beim Tätowieren oder Piercen
  • durch gemeinsam benutzte Spritzen oder Nadeln
  • bei Jugendlichen durch ungeschützten Sexualkontakt

Das Virus kann außerdem in geringerer Menge in anderen Körperflüssigkeiten vorkommen. Entscheidend für das tatsächliche Risiko sind die Art des Kontakts, die Virusmenge und mögliche Verletzungen.

Wie wird Hepatitis B nicht übertragen?

Im normalen Familien-, Kita- oder Schulalltag steckt man sich nicht einfach an. Hepatitis B wird nicht durch Husten, Niesen, Umarmen, gemeinsames Spielen oder die gemeinsame Benutzung einer Toilette übertragen.

Auch gemeinsames Geschirr stellt im üblichen Alltag kein typisches Risiko dar. Gegenstände, an denen unbemerkte Blutspuren haften können, sollten dagegen nicht geteilt werden. Dazu gehören vor allem Zahnbürsten, Rasierer und Nagelscheren.

Wie lange dauert die Inkubationszeit?

Zwischen der Ansteckung und möglichen Krankheitszeichen liegen im Durchschnitt etwa 60 bis 120 Tage. Die Beschwerden können also erst mehrere Monate nach dem Kontakt beginnen.

Infizierte Menschen können das Virus bereits vor den ersten Symptomen weitergeben. Bei einer chronischen Infektion kann die Ansteckungsfähigkeit über viele Jahre bestehen. Wie hoch sie ist, hängt vor allem von der Virusmenge im Blut ab.

Welche Symptome kann Hepatitis B bei Kindern verursachen?

Viele infizierte Kinder zeigen keine erkennbaren Krankheitszeichen. Wenn Beschwerden auftreten, sind sie anfangs häufig unspezifisch.

Möglich sind:

  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Bauchschmerzen
  • Kopf-, Muskel- oder Gelenkschmerzen
  • leichtes Fieber

Im weiteren Verlauf kann sich eine Gelbsucht entwickeln. Dabei verfärben sich die Haut und das Weiße der Augen gelblich. Der Urin kann auffallend dunkel werden. Der Stuhl kann gleichzeitig deutlich heller aussehen. Manchmal tritt zusätzlich starker Juckreiz auf.

Diese Beschwerden können auch andere Ursachen haben. Anhand der Symptome allein lässt sich Hepatitis B nicht sicher erkennen.

Weitere Hinweise zum richtigen Einordnen erhöhter Temperatur findet ihr in unserem Beitrag über Fieber bei Babys und Kindern.

Wann sollte ein Kind ärztlich untersucht werden?

Lasst euer Kind zeitnah kinderärztlich untersuchen, wenn sich die Haut oder das Weiße der Augen gelb verfärbt. Das gilt auch bei dunklem Urin, sehr hellem Stuhl oder anhaltendem Erbrechen. Eine ungewöhnlich starke Müdigkeit und länger bestehende Bauchbeschwerden, sollten ebenfalls abgeklärt werden.

Ist euer Kind schwer weckbar, verwirrt oder bewusstlos, ruft die 112. Das gilt ebenso bei einem Krampfanfall oder einem insgesamt lebensbedrohlich wirkenden Zustand.

Was ist nach einem möglichen Kontakt mit infiziertem Blut zu tun?

Ein möglicher Kontakt kann zum Beispiel durch eine gebrauchte Nadel entstehen. Auch infiziertes Blut in einer offenen Wunde, im Auge oder im Mund muss rasch abgeklärt werden. Dasselbe gilt für einen Biss, wenn dabei Blut geflossen ist.

Was anschließend nötig ist, hängt vom Impfstatus und von der konkreten Situation ab. Die Ärztin oder der Arzt prüft, ob eine Impfung ausreicht oder zusätzlich fertige Antikörper gegeben werden müssen. Diese Antikörper heißen Hepatitis-B-Immunglobulin.

Solche Schutzmaßnahmen wirken am besten, wenn sie möglichst schnell begonnen werden. Nehmt deshalb den Impfpass mit und wendet euch ohne Verzögerung an eine Arztpraxis, eine Klinik oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.

Wie wird Hepatitis B festgestellt?

Für die Diagnose ist eine Blutuntersuchung nötig. Dabei werden verschiedene Bestandteile des Virus und passende Antikörper bestimmt. Zusätzlich können die Leberwerte zeigen, ob die Leber entzündet oder geschädigt ist.

Bei einer nachgewiesenen Infektion folgen je nach Befund weitere Blutkontrollen. Bei einer chronischen Hepatitis B können außerdem Ultraschalluntersuchungen der Leber sinnvoll sein.

Wie wird Hepatitis B bei Kindern behandelt?

Die Behandlung richtet sich danach, ob die Infektion akut oder chronisch ist und wie stark die Leber betroffen ist.

Bei einer akuten Hepatitis B stehen die ärztliche Kontrolle und die Linderung der Beschwerden im Vordergrund. Schwere Verläufe müssen im Krankenhaus behandelt werden.

Kinder mit einer chronischen Hepatitis B gehören in fachärztliche Betreuung. Bestimmte Medikamente können die Vermehrung der Viren hemmen. Dadurch lässt sich das Risiko für Leberschäden senken. Die Medikamente beseitigen das Virus jedoch meist nicht vollständig.

Ob eine Behandlung nötig ist, hängt unter anderem von den Leberwerten, der Virusmenge und dem Zustand der Leber ab.

Gebt einem erkrankten Kind Medikamente nur nach ärztlicher Rücksprache. Manche Wirkstoffe können die Leber zusätzlich belasten.

Was müssen Familien bei einer Infektion beachten?

Wenn ein Familienmitglied Hepatitis B hat, sollten enge Kontaktpersonen ihren Impfstatus ärztlich prüfen lassen. Ein vollständiger Impfschutz ist die wichtigste Vorsorge.

Im Alltag helfen außerdem einfache Regeln:

  • offene Wunden abdecken
  • Blut mit Einmalhandschuhen entfernen
  • blutverschmutzte Flächen sorgfältig reinigen
  • Zahnbürsten, Rasierer und Nagelscheren nicht gemeinsam benutzen
  • Gegenstände mit möglichem Blutkontakt sicher entsorgen oder fachgerecht reinigen

Normale Nähe bleibt möglich. Kuscheln, Spielen und gemeinsames Essen sind kein Grund, ein betroffenes Kind auszugrenzen.

Darf ein Kind mit Hepatitis B in die Kita oder Schule?

Hepatitis B führt nach dem Infektionsschutzgesetz nicht automatisch zu einem Besuchsverbot für Kita oder Schule. Die Erkrankung wird im normalen Alltag nicht durch gemeinsames Spielen, Husten oder Niesen übertragen.

Ein akut krankes Kind sollte zu Hause bleiben, bis es sich ausreichend erholt hat. Besteht im Einzelfall ein erhöhtes Risiko für Blutkontakte, kann das Gesundheitsamt besondere Schutzmaßnahmen festlegen. Das kann beispielsweise bei häufigem aggressivem Beißen oder schwer kontrollierbaren Blutungen relevant sein.

Die behandelnde Praxis oder das Gesundheitsamt berät Familien vertraulich. Eine pauschale Ausgrenzung des Kindes ist nicht gerechtfertigt.

Ist Hepatitis B meldepflichtig?

Ja. Der Verdacht auf eine akute Virushepatitis, eine akute Erkrankung und ein dadurch verursachter Todesfall müssen namentlich gemeldet werden. Für den Nachweis des Hepatitis-B-Virus gelten ebenfalls gesetzliche Meldepflichten.

Die Meldung übernimmt in der Regel die behandelnde Praxis oder das Labor. Eltern müssen nicht selbst eine Meldung beim Gesundheitsamt abgeben.

Welche Hepatitis-B-Impfung empfiehlt die STIKO für Kinder?

Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Grundimmunisierung gegen Hepatitis B für alle Säuglinge.

Bei reif geborenen Babys sind drei Impfungen vorgesehen:

  • im Alter von 2 Monaten
  • im Alter von 4 Monaten
  • im Alter von 11 Monaten

Zwischen der vorletzten und der letzten Dosis müssen mindestens sechs Monate liegen. Dieser Abstand ist wichtig für einen lang anhaltenden Schutz. Meist wird dafür ein Sechsfachimpfstoff verwendet. Er schützt gleichzeitig gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Polio und Hib.

Frühgeborene, die vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche geboren wurden, erhalten vier Impfungen. Sie sind im Alter von 2, 3, 4 und 11 Monaten vorgesehen.

Was gilt bei versäumten Impfungen?

Fehlende Impfungen sollen möglichst bald nachgeholt werden. Eine unterbrochene Impfserie muss nicht von vorn begonnen werden. Jede bereits dokumentierte Dosis zählt.

Die Kinderarztpraxis prüft anhand des Alters und der bisherigen Impfungen, welche Dosen noch fehlen und welche Abstände eingehalten werden müssen.

Nach einer vollständig abgeschlossenen Grundimmunisierung ist bei gesunden Kindern normalerweise keine regelmäßige Auffrischung gegen Hepatitis B nötig.

Was gilt für Babys von Müttern mit Hepatitis B?

In der Schwangerschaft wird untersucht, ob eine Hepatitis-B-Infektion besteht. Ist die Mutter infiziert, benötigt das Baby direkt nach der Geburt einen besonderen Schutz.

Nach den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts erhält das Neugeborene innerhalb von zwölf Stunden die erste Hepatitis-B-Impfung. Zusätzlich wird Hepatitis-B-Immunglobulin verabreicht. Die beiden Mittel werden an verschiedenen Körperstellen gespritzt.

Anschließend wird die Impfserie vervollständigt. Spätere Blutuntersuchungen zeigen, ob das Kind geschützt ist und nicht infiziert wurde.

Ist der Hepatitis-B-Status der Mutter bei der Geburt unbekannt, beginnt die aktive Impfung des Babys ebenfalls sofort. Das weitere Vorgehen richtet sich nach dem schnellstmöglich ermittelten Testergebnis.

Welche Impfreaktionen können auftreten?

Die Impfung wird in der Regel gut vertragen. An der Einstichstelle können vorübergehend Schmerzen, Rötung oder Schwellung auftreten.

Manche Kinder sind müde, reizbar oder haben Fieber. Auch Kopf- und Gliederschmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden sind möglich.

Die Reaktionen klingen normalerweise innerhalb weniger Tage ab. Ob sie auftreten oder ausbleiben, sagt nichts über die Stärke des späteren Impfschutzes aus. Schwere Nebenwirkungen sind sehr selten.

Schützt die Impfung vollständig?

Die Hepatitis-B-Impfung bietet nach einer vollständig abgeschlossenen Impfserie einen sehr zuverlässigen Schutz. Keine Impfung wirkt jedoch bei jedem Menschen zu 100 Prozent.

Bei gesunden Kindern sind nach der regulären Grundimmunisierung normalerweise weder eine Kontrolle der Antikörper noch regelmäßige Auffrischungen nötig.

Für Kinder mit bestimmten Erkrankungen oder einem besonderen Ansteckungsrisiko können andere Empfehlungen gelten. Das klärt die behandelnde Praxis individuell.


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