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Wochenbettdepression: Die dunkle Zeit nach der Geburt

von Jacqueline Esser
Veröffentlicht: Letztes Update

Frisch gebackene Mama und trotzdem traurig und weinerlich zu Mute? Das ist der berühmte Babyblues. Und er ist völlig normal, denn die Hormone verändern sich. Doch was ist, wenn die dunkle Zeit nach der Geburt länger andauert? Lest hier das grundsätzliche über postnatale Depressionen, und was hilft, sie wieder los zu werden. 

Mehr als Babyblues

Ihr haltet euer frisch geborenes Baby im Arm, und trotzdem seid ihr traurig, weint viel, und fühlt euch einfach unglücklich… Was ihr gerade durchmacht, erleben etwa 60-80% aller frisch gebackenen Mamis. Man nennt diese Zeit den „Babyblues“. Durch die überwältigende Geburt und die darauf folgende Hormonumstellung des Körpers, gerät die Psyche oft ins wanken. Man fühlt sich erschöpft, angespannt und unsicher, ist nervös, reizbar und sorgt sich, ob man den Anforderungen gewachsen ist.

Diese Gefühle sind im Rahmen des Babyblues ganz normal. Frauen die darunter leiden, benötigen viel Ruhe und Unterstützung. Normalerweise verschwindet das Gefühlschaos nach ein paar Tagen –  in der Regel aber spätestens nach zwei Wochen. Doch was ist, wenn das Gefühlschaos einfach nicht enden will, oder viele Monate nach der Geburt wieder auftaucht? Wenn die Symptome bleiben oder wieder auftreten, könntet es sich um eine Wochenbettdepression handeln.

Die Symptome einer Wochenbettdepression

Wochenbettdepressionen sind deutlich schwerwiegender, als der relativ harmlose Babyblues und erfordern in der Regel professionelle Hilfe. Sie können auch erst Monate nach der Geburt auftreten. Solche Fälle bleiben jedoch häufig unerkannt, da die meisten davon ausgehen, dass diese Form der Depression nur unmittelbar nach der Geburt auftreten kann.

Es gibt eine Vielzahl an Symptomen, die auf eine ernstzunehmende postnatale Depression hinweisen können:
  • Es herrscht das Gefühl „Es geht mir nicht gut“, dieses verstärkt sich morgens und abends
  • Es herrscht eine starke Lustlosigkeit und Antriebslosigkeit
  • Es fällt schwer Entscheidungen zu treffen
  • Das Leben ist auf einmal weniger Wert
  • Man empfindet weniger Freude, Spaß und kann kaum noch lachen
  • Das eigene Baby fühlt sich „fremd“ an
  • Man empfindet Schuldgefühle für die eigenen Gefühle
  • Schlaflosigkeit
  • Gereiztheit und Aggressionen
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Überforderung im Alltag
  • Nahrung wird kaum oder im Übermaß zu sich genommen

Die Ausprägung kann sehr unterschiedlich stark sein – von dauerhafter leichter Beeinträchtigung bishin zu Suizidgedanken. Manche Frauen haben dabei eine Vielzahl der genannten Symptome – einige nur einzelne. Typisch ist ein schleichender Beginn – meist wird die Depression erst aufgrund auftretender körperlicher Symptome erkannt.

Die Behandlung

Wenn ihr die Vermutung habt, an einer postnatalen Depression zu leiden, solltet ihr euch in jedem Fall Hilfe suchen. Eine erste Ansprechpartnerin kann dabei eure Hebamme sein. Aber auch Schwangerenberatungsstellen und sozialpsychiatrische Beratungsstellen  haben geschultes Personal, das euch Unterstützung und Hilfe anbietet.
Man sollte sich nicht scheuen professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wochenbettdepressionen sind eine Krankheit und kein mütterliches Versagen. Die Behandlung erfolgt in der Regel in Kombination  aus Psychotherapie und medikamentöser Therapie. Bei der medikamentösen Therapie wird in den meisten Fällen mit Antidepressiva gearbeitet. Diese wirken stimmungsaufhellend und antriebsfördernd.
In der Psychotherapie wird mit euch in Gesprächen an der Ursache eurer Depression – euren Ängsten, Zweifeln und anderen Gefühlen gearbeitet. Gemeinsam mit eurem Therapeuten erarbeitet ihr euch den Weg aus der postnatalen Depression.

Wie können Familie und Freunde erkrankten Müttern helfen?

Partner und Familie  betroffener Frauen stehen oft hilflos den Veränderungen der Frauen gegenüber. Sie verstehen die Gefühlslage der frisch gebackenen Mutter nicht, und sind nicht in der Lage nachzuvollziehen, wie das langersehnte Glück, die Geburt des Kindes, zu Traurigkeit führen kann. Dennoch sollte versucht werden, verständnisvoll und vorwurfsfrei mit den Frauen umzugehen. Wichtig ist es, sich bewusst zu machen, dass es sich um eine nicht selbst verschuldete Krankheit handelt. Apelle wie:“Stell Dich nicht so an!“ helfen nicht weiter und verstärken die Schuldgefühle.

Den Müttern sollte die Möglichkeit gegeben werden, so viel Ruhe wie nötig zu finden. Hilfe im Haushalt und der Betreuung des Babys ist ebenfalls wichtig. Können Familie und Freunde, das nicht allein abdecken, sollte man sich Hilfe von Dritten suchen. Diese findet man in Form von Familienpflegern bei Institutionen der Caritas und Diakonie.

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