Frisch gebackene Mama und trotzdem traurig und weinerlich zu Mute? Das ist der berühmte Babyblues. Und er ist völlig normal, denn die Hormone verändern sich. Doch was ist, wenn die dunkle Zeit nach der Geburt länger andauert? Lest hier das Grundsätzliche über postnatale Depressionen (Wochenbettdepression), und was hilft, sie wieder loszuwerden. 

Eine Wochenbettdepression ist mehr als der Babyblues

Ihr haltet euer frisch geborenes Baby im Arm und trotzdem seid ihr irgendwie traurig, weint viel, und fühlt euch einfach unglücklich. Was ihr gerade durchmacht, erleben sehr viele frisch gebackenen Mamis. Man nennt diese Zeit den „Babyblues“. Dieser entsteht durch die hormonelle Veränderung nach der Geburt. Plötzliches Weinen, Reizbarkeit und ständige Gefühlsschwankungen, sind typisch für den Babyblues. In der Regel dauert dieser Zustand nur eine kurze Weile an. Spätestens mit dem Ende des Wochenbetts, sollte auch der Babyblues zur Vergangenheit gehören.

Doch was ist, wenn das Gefühlschaos einfach endlos scheint, oder viele Monate nach der Geburt wieder auftaucht? Wenn die Symptome bleiben, oder wieder auftreten, könntet es sich um eine Wochenbettdepression handeln.

Woran erkenne ich eine Wochenbettdepression?

Wochenbettdepressionen sind eine ernstzunehmende Erkrankung, die in der Regel professioneller Hilfe bedarf. Hebammen sind ein erster guter Ansprechpartner, wenn man befürchtet, dass die emotionale Lage, mehr als nur ein Babyblues sein könnte. Sie können helfen, die Symptome einzuordnen – und an geeignete Stellen verweisen.

Einige Symptome bemerken die Betroffenen erst im Laufe der Zeit, andere sind sehr offensichtlich. Die Ausprägung und Anzahl der Symptome variiert von Frau zu Frau. Auch deshalb wird eine postnatale Depression oft erst recht spät, oder erst gar nicht, erkannt.

Die häufigsten Symptome einer Wochenbettdepression:

  • Schlaflosigkeit
  • Ablehnung des Babys
  • Überforderung mit sich selbst und dem Alltag
  • Antriebslosigkeit
  • Reizbarkeit bis hin zu Wutausbrüchen
  • Gefühl der Leere, Einsamkeit und Freudlosigkeit
  • Essstörungen
  • Suizidale Gedanken

Die Behandlung postnataler Depressionen

Die Erfahrungen mit der Behandlung postnataler Depressionen, sind in den letzten Jahrzehnten sehr weit fortgeschritten. Wird die Wochenbettdepression frühzeitig erkannt, kann sie sehr gut behandelt werden.

Die Hebamme oder eine vertraute Person als erster Ansprechpartner, ist der richtige Weg, um die Heilung in Gang zu bringen. Die Behandlung erfolgt entweder ambulant bei einem Psychiater, oder stationär, in einer darauf spezialisierten Klinik. In beiden Fällen gibt es zwei zwei Bestandteile. Einer medikamentösen und einer sprach-therapeutischen Behandlung.

Die medikamentöse Behandlung erfolgt meist mittels Antidepressiva oder anderer Psychopharmaka, welche die Symptome spürbar lindern. Die sprach-therapeutische Behandlung dient zum Austausch und zum Verarbeiten der vorhandenen Gefühle, Denkmuster und Verhaltensweisen.

Viele Menschen haben Angst vor Medikamenten, die vermeintlich in die Gefühlswelt eingreifen. Wenn man sich aber klarmacht, dass genau diese Welt bereits durch fehlgeleitete Hormone und Botenstoffe aus dem Ruder gelaufen ist, und die Wirkstoffe der Medikation darauf ausgelegt sind, den Wellengang wieder einzufangen, kann es helfen, die abstrakte Angst vor unterstützender Medikation zu nehmen.

Der Weg aus der Depression zurück in die Normalität 

Die Behandlung einer Wochenbettdepression benötigt Zeit und Geduld. Nicht nur von der betroffenen Frau, sondern auch von Familie und Freunden. Gegenseitiges Verständnis und das Vertrauen, dass das glückliche Familienleben, dass man sich gewünscht und erhofft hat, in vollem Umfang möglich sein wird.

Beratungsstellen und Anlaufstellen für Betroffene, dienen auch für Familie und Freunde als solche. Neben Selbsthilfegruppen, gibt es dort auch Hilfsangebote für Angehörige. Der Alltag zu Hause bedarf mehr Organisation und Hilfen für die frischgebackene Mutter. Doch mit der richtigen Behandlung und der Hilfe der Vertrauten, ist der Weg zurück zur Normalität, für alle Mütter (und deren Familien) absolut möglich.


Wer hat's geschrieben?

Jacqueline Esser

Erzieherin, Mutter, Autorin

Jacqueline ist staatlich anerkannte Erzieherin, mit der Qualifikation zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren. Diese Qualifikation hat sie bereits lange, bevor es als Pflichtteil zur Ausbildung aufgenommen wurde, freiwillig absolviert. Neben ihrer beruflichen Laufbahn, ist sie Mutter von zwei Kindern. Einem Mädchen und einem Jungen. Ihre Erfahrungen schöpft sie also aus beruflichen sowie privaten Herausforderungen. Dies macht sie zu einer perfekten Autorin für unser Magazin.

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