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Streithähne im Kinderzimmer

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Wenn Kinder streiten, liegen die Nerven der Eltern schnell auf Eis. Lautes Geschrei, tobende Kinder, handfeste Streitereien  bis eins der Kinder weinend vor Mama oder Papa steht. Wann sollte man eingreifen – und vor allem wie? Diesen Fragen, und warum das Streiten für Kinder wichtig ist, gehen wir in diesem Artikel auf den Grund.

Lautes Gezeter aus dem Kinderzimmer – die Brüder Marc und Phil streiten mal wieder. Diesmal geht es um die geliebte Legokiste, die beide haben wollen, sich aber nicht einigen können. Mutter Lena hört sich – lange 10 Minuten – das Gebrüll an und stürmt dann entnervt ins Kinderzimmer. Sie versucht den Streit zu schlichten, einen der Jungs abzulenken, brüllt selbst, fleht und droht, doch nichts hilft. Sie lässt sich selbst in den Streit verwickeln und macht voreilig Marc als Schuldigen aus (er ist ja der ältere und müsste vernünftig sein). Sie entscheidet blind, wer Recht hat und präsentiert ungefragt eine Lösung für den Konflikt.

Doch geklärt ist die Situation durch dieses Eingreifen von Lena nicht. Nur ein paar Minuten später haben sich die beiden Streithähne wieder in der Wolle.

Streiten – aber Richtig!

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Fair und „ordentlich“ streiten geht nicht?  – Geht doch! Dafür brauchen Kinder jedoch die Anleitung ihrer Eltern. Wichtig ist, dass sich Eltern auf die neutrale Position beschränken: unparteiisch, vermittelnd und auf Regeln bestehend.

Kommt es zum Streit, sollten Eltern ihren Kindern Zeit geben, diesen selbst zu klären und eine gemeinsame Lösung zu finden. Voreiliges Handeln nimmt den Kindern die Möglichkeit, aus dem Streit zu lernen und ihre eigene Streitkultur zu entwickeln. Kinder treten im Streit offen gegeneinander an – vorausgesetzt natürlich, ihre Eltern halten das aus und erlauben ihnen, Gefühle auszuleben. Auch die Ermunterung, Aggressionen in unschädliche – symbolische oder kreative Bahnen zu lenken, kann viel Gutes bewirken.

Auf das wie – des Streitens komme es an. Nicht darauf, wie oft oder wie laut Kinder streiten. Dabei gelingen schon kleinen Kindern beachtliche Lösungen, die genauer verraten, worum es im Streit eigentlich geht – vorausgesetzt, die Kinder haben die Lösung selbst gefunden.

Häufig geht es bei genauerem Hinsehen beim Streit um etwas anderes als um das, was auf den ersten Blick sichtbar wird. Hinter fliegenden Bausteinen, Gerangel um den Stuhl, gemeinen Ausdrücken und ähnlichem stecken oft Motive, die für ein bestimmtes Alter typisch sind

  • Wer ist hier der Bestimmer?
  • Wo stehe ich in der Gruppe?
  • Wer darf hier was?

Die Erfahrungen dieser Fragen sind für Kinder ein wichtiger Schritt zum „groß“ werden. Denn auch in der Schule, dem Freundeskreis oder dem Arbeitsplatz, spielen sie eine wiederkehrende Rolle.

Geschwister-Streit!  Sie lieben sich – sie necken sich!

Streit im Kinderzimmer gibt es am häufigsten unter Geschwistern. Wo sie in der einen Minute noch total vertraut und innig gespielt haben, schreien sie sich im nächsten Moment an, und zoffen sich um die Autos oder Barbies. Anders wie bei einem Streit unter Freunden und Spielkameraden, ist dieser Streit meistens intensiver und länger. Die Möglichkeit, der Diskussion aus dem Weg zu gehen, indem der Freund nach Hause geht und keine Lösung finden zu müssen, ist nicht gegeben. Unter Geschwistern muss eine Lösung her, damit man wieder gut zusammenhalten kann. Brüder und Schwestern entwickeln in ihrer Familie aber ein untrügliches Gespür dafür, mit welcher Strategie sie die größte Aufmerksamkeit der Eltern auf sich ziehen können.

Kaum etwas belastet das Familienleben mehr, als das ewige Streiten der Kinder. Das nervt ungeheuer – und das soll es ja auch. Kinder erwarten, dass das herbei eilende Elternteil Schiedsrichter spielt. Sie streiten auch um die Aufmerksamkeit und Gunst der Eltern, um Privilegien und Besitz, weil sie glauben, dass das weniger wird, wenn sie es teilen müssen. Streit unter Geschwistern dient außerdem der Rollenentwicklung in der Familie, und auch wenn es kaum vorstellbar ist, es dient der Bindung. Geschwister die sich streiten haben meistens eine enge und sehr innige Beziehung zueinander. Sie gehen gemeinsam durch „Dick und Dünn“, doch sie können auch wie Feuer zu Wasser sein. Als Elternteil, kann und sollte man diese Streitereien also nicht überbewerten, sondern die Kinder  beobachten und nur eingreifen, wenn es zu ernsten Handgreiflichkeiten kommt. Denn eine Regel sollte immer gelten: „streiten ist ok – schlagen, schubsen und beissen nicht!

Streit-Eskalation verhindern

Wem gehört eigentlich der Streit? Schwer zu sagen. Eltern werden die lautstarken Querelen oft einfach zu viel, auch weil sie darin einen Angriff auf ihre Bedürfnisse nach Ruhe und Harmonie erkennen, und als Rücksichtslosigkeit werten. Doch damit rücken sie ihr eigenes Anliegen in den Vordergrund. Dabei ist es doch nicht ihr Streit, sondern der ihrer Kinder… Greifen Eltern zu früh in den Streit ein, bringt das die Kinder aus ihrem Streit-Konzept:

Die Sache, um die es geht, bleibt ungeklärt und schwelt weiter. Durch ihre Einmischung kann eine kleine Rempelei eine Bedeutung bekommen, die sie anfangs gar nicht hatte. Wenn Erwachsene ihre Macht ins Spiel bringen, bringen sie Kinder um die Chance, aus ihrem Streit zu lernen, und der Konflikt erreicht eine neue Stufe: Man brüllt, droht oder setzt seine größeren Körperkräfte ein – wird aggressiv, um die Aggressivität der Kinder zu stoppen.

Ein falsches Signal, wenn man mit überlegener Macht einen Konflikt beendet. Gegen Aggressivität hilft noch mehr Aggressivität? Das stiftet nicht zum Frieden, sondern in Gegenteil zum nächsten Konflikt an. Streitende Kinder übernehmen schneller die Verantwortung für ihren Streit, wenn deren Eltern vermeiden, sich für ihren Streit verantwortlich zu fühlen, und sich zu sehr in den Konflikt verwickeln lassen.

Die Lösung für Streithähne liegt in der Erziehung

Damit Kinder lernen richtig zu streiten, braucht es also eigentlich nur etwas Anleitung der Eltern. Einen Weg, den die Eltern ihren Kindern aufzeigen, den diese jedoch alleine gehen müssen. Schon als Kleinkind fängt das gegenseitige Streiten an und nimmt im Leben der Kinder eine wichtige, aber kleine Rolle, ein. Unterstützen die Eltern ihre Kinder durch klare Regeln, Verständnis und Geduld, finden sie sehr früh eine angemessene Streitkultur, und das Eingreifen der Mutter oder des Vaters wird immer seltener benötigt.

Erziehung zum richtigen Streiten, lauten die magischen Worte in diesem Thema. Vorbildlich die eigenen Regeln wahren und leben. Dann kann der nächste Streit ohne Ängste vor Ungleichheiten geführt werden.

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Jacqueline Esser
Jacqueline ist staatlich anerkannte Erzieherin, mit der Qualifikation zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren. Diese Qualifikation hat sie bereits lange, bevor es als Pflichtteil zur Ausbildung aufgenommen wurde, freiwillig absolviert. Zurzeit arbeitet sie als Gruppenleitung einer Krippen-Gruppe einer Kindertagesstätte. Neben ihrer beruflichen Laufbahn, ist sie Mutter von zwei Kindern. Einem Mädchen und einem Jungen. Ihre Erfahrungen schöpft sie also aus beruflichen sowie privaten Herausforderungen. Dies macht sie zu einer perfekten Autorin für unser Magazin.

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